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Erste Erkenntnisse zum Phänomen der Unsichtbarkeit, eine Erarbeitung von Monika Schoppenhorst, Mitarbeiterin im Bundesamt für magische Wesen (BAfmW), Bonn

1.   Auftreten

Unsichtbarkeit überfällt die Betroffenen meist über Nacht und ohne Ankündigung. Das körperliche Befinden bleibt völlig unbeeinträchtigt. Alle Funktionen bleiben normal.

Häufig handelt es sich um Menschen, die unter Stress leiden, nicht auf sich achten.

Eine Infektion damit ist nicht auszuschließen, aber bisher ist keine direkte Ansteckung bekannt geworden. Die registrierten Fälle sind stets isoliert aufgetreten und niemand hat erlebt, dass in seiner sozialen Umgebung Unsichtbarkeit vorkam.

2.   Auswirkungen

2.1   Weiterleitung des Phänomens

Unangenehm ist vor allem die Tatsache, dass alles, solange Unsichtbare (U.) es berühren, ebenfalls unsichtbar wird. Also Kleidung, Make-up, Tische, Stühle, Handys auch Lebewesen.

Fasst ein U. einen geschlossenen Behälter (Tasche, Schrank usw.) an, wird dieser samt Inhalt unsichtbar. Öffnet er ihn, kann man durch die Öffnung den Inhalt sehen.

2.2   Abschirmungswirkung von Metall und Leder

Alles, was ein U. am Körper trägt – mit Ausnahme von Metallen und Leder, leitet die Unsichtbarkeit weiter. Lederhandschuhe vom Betroffenen getragen, verhindern das Verschwinden der berührten Gegenstände, sind somit das wichtigste Hilfsmittel für das Bedienen von Computern und Smartphones.

Im Mittelalter dürfte das Tragen von Kettenhemden und Metallrüstungen unter U. sehr beliebt gewesen sein. Allerdings finden sich in den Quellen hierzu keine Hinweise.

2.3   Ausnahmen

Lediglich Behausungen und deren feste Bestandteile: Mauern, Fußböden, Fenster, Türen, Zeltwände bleiben sichtbar. Außerdem Erde, Sand, Wasser (falls es sich um sauberes, nicht mit Chemikalien versetztes handelt), Nebel und Rauch.

3.   Konsequenzen für die Lebenswelt Betroffener

3.1   Nachteilige Auswirkungen

Das Leben eines U. gestaltet sich ziemlich kompliziert. Die Ausübung eines Berufes außer Haus ist fast unmöglich. Einkäufe sind nur über das Internet machbar. Neue Bankverbindungen, Anmeldung bei Behörden usw. gehen nicht. So kommt es, dass viele nach einiger Zeit aus der Öffentlichkeit abtauchen. Auch das Aufrechterhalten von Sozialkontakten ist oft schwierig. Arztbesuche sind absolute Vertrauenssache. Krankenhausaufenthalte unmöglich.

Die Unfallgefahr ist ungleich höher als bei anderen Menschen, denn die U. werden immer übersehen.

3.2   Wenig problematische Auswirkungen

Das Fehlen eines Passes oder Ausweises ist in der Regel unproblematisch, da für sie Grenzen ohnehin leicht zu passieren sind.

Die neuen Medien, soziale Netzwerke ermöglichen den Betroffenen, Kontakte aufrecht zu erhalten. So gibt es bei Facebook eine geheime Gruppe, in der Unsichtbare zueinander Kontakt halten und sich Hilfestellung geben.

Außerdem können sie unkompliziert Freundschaften und Liebesbeziehungen zu blinden Menschen knüpfen, da diese sie nicht anders als andere Leute wahrnehmen. Jedoch sind direkte Beziehungen zu Gehörlosen unmöglich.

In Blindenorganisationen ist eine berufliche Tätigkeit außer Haus möglich, solange die Einstellung durch Blinde vorgenommen wird. Inzwischen gibt es auch eine Menge Möglichkeiten, daheim zu arbeiten.

3.3   Vorteile

Einiges ist auch günstig: Da man nicht einkaufen kann, wird man als U. in Läden die Dinge des Bedarfs entwenden. Entdeckung und Verfolgung sind unmöglich. Das macht eine ausufernde berufliche Tätigkeit unnötig und entlastet die Betroffenen enorm. Da sie häufig sehr gestresst waren, bevor sie ihr Schicksal traf, ist das von fast therapeutischer Bedeutung.

Geld braucht man nur für die Unterkunft. Wenn man keine hat, ist es relativ leicht, in leeren Wohnungen zu leben. Man kann beim Hausmeister oder der Verwaltung einen Schlüssel stehlen.

4.   Ursache

Leider ist die Forschung in diesem Bereich noch nicht weit vorangeschritten. Das BMW (Bundesamt für magische Wesen) hat gerade erst begonnen, die Untersuchungen hierzu einzuleiten.

4.1   Quellenstudium

Auf historische Quellen lässt sich nur im Bereich der Literatur und des Films zurückgreifen, ohne entscheiden zu können, welchen Wahrheitsgehalt sie haben. Einige in Filmen angedeutete Ursachen technischen Ursprungs (Radioaktivität usw.) lassen sich nach heutigem Kenntnisstand ausschließen, sodass das BMW zuständig sein dürfte.

4.2   Ausblick

Betroffene berichten von Kontakten zu Poltergeistern. Hier scheint ein erster Ansatzpunkt zu sein. Vermutlich liegt eine Verhexung oder ein Fluch zu Grunde. Welche Wesen hierfür verantwortlich sind, muss noch erforscht werden.

5.   Zusammenfassung

Das Bundesamt für magische Wesen ist aufgerufen, sich um die Erforschung des Phänomens der Unsichtbarkeit zu bemühen, da es in Zeiten erhöhter beruflicher Anforderungen und großer Stressbelastung der Menschen, vermehrt auftritt. Die Auswirkungen auf die Betroffenen und die Gesellschaft werden immer größer und schwerer zu bewältigen.

Das Amt muss sich um diese Opfer magischer Tätigkeit kümmern und sie unter Kontrolle halten, zumal noch nicht ausgeschlossen werden kann, dass das Phänomen ansteckend wirkt.

Bonn, 8.10.2013

Ihr Ansprechparter im Referat für Unsichtbarkeit:

Monika Schoppenhorst

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