BONN (BAfmW) Als Bram Stoker seinen Urvampir Dracula entwarf, hatte er ein klares Bild vor Augen: einen Bösewicht, schwarz wie die Nacht, kaum zu besiegen, ausgestattet mit übernatürlichen Kräften. Gierig, Mordlustig, Blutrünstig, zu jeder Schandtat bereit, wenn es nur seinem Ziel diente. Einen Bösewicht, wie ihn die literarische Welt bis dato noch nicht gesehen hatte. Die personifizierte Dunkelheit, inspiriert durch ein reales Vorbild und diverse Aberglauben. Dracula hatte keine Schwachstellen; abgesehen von Sonnenlicht, Knoblauch oder einem Pflock durchs Herz war ihm nicht beizukommen. Der perfekteste Killer seit den Dinosauriern. Heute ist er selbst der Dinosaurier und wie die Dinosaurier einst, stirbt auch seine Spezies aus.

Mit Blinky Bill auf Kuschelkurs

Die Evolution macht auch vor Vampiren nicht Halt.

Die Evolution macht auch vor Vampiren nicht Halt.

Während das Sonnenlicht einst einen jeden Homo noctis in die Knie zwang, gemäß dem Motto: “Asche zu Asche, Staub zu Staub”, entlockt Frau Sonne dem modernen Vampir nur ein müdes Glitzern. Heroisch trotzt der Blutsauger den Strahlen, um zur holden Jungfer zu gelangen – allerdings nicht mit dem Ziel, sie zu seiner Mahlzeit zu machen, wie es ein Vampir der alten Schule tun würde. Nein, der Neohomo noctis var. “twilight” eilt seinem vermeintlichen Opfer sogar noch zu Hilfe, um es vor Gefahr zu bewahren.

Blasphemie, das Dogma fällt!

Blutgier war gestern. Der reißzahnbewehrte Raubritter der Nächte ist nicht länger ein Sklave seiner animalischen Gelüste. Vorbei die Zeit, als des Nachts massenhaft junge Frauen gemeuchelt wurden, nur um des schnöden Blutes willen. Vorbei die Zeit, als Vampire die Nacht mit eiserner, blutiger Faust regierten und apokalyptische Hysterie auslösten. Der Schrecken der die Nacht durchflattert ist gar nicht so schrecklich, sondern außerordentlich sozial. Ein Häuschen im Grünen mit hübscher Kellergruft, die werte Nachkommenschaft besucht die örtliche Schule und schleppt Menschen nach Hause. In früheren Zeiten Take-away, heute ein No-Go. Alle paar Jahre ein Umzug um nicht aufzufallen. Das ist der moderne Vampir, ein Wesen, das seine Angebetete gefühlvoll umwirbt um vielleicht ein willig gespendetes Tröpfchen Blut zu erhaschen. Aber nur, wenn SIE auch will. Ein ruhiger Zeitgenosse, schon fast zahnlos. Ein Langweiler. Und dabei hatte alles so gut angefangen.

Ruhe in Frieden, Vampir. (Losk)

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