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Blutsauger undercover, ein Mystery-Krimi von Paul M. Hermann

Blutsauger Undercover, ein Mystery-Krimi von Paul M Hermann

Der ehemalige Militärpolizist Marc Degenhardt wird vom Pech verfolgt. Durch seinen schlecht bezahlten Nachtwächterjob pflegt er kaum soziale Kontakte. Er ist Single, seit er von seiner Freundin betrogen wurde. Seine Mutter und seine Schwester hassen ihn, seit er seinen kleinkriminellen Stiefvater der Polizei ausgeliefert hat.

Eines Nachts hat Marc eine verhängnisvolle Begegnung mit einem weiblichen Vampir namens Madeleine. Von nun ist ein dazu verdammt, ein Dasein als Untoter zu führen, wobei er sich alles andere als geschickt anstellt. Er trifft andere Vampire, die verzweifelt nach Madeleine suchen. Einer dieser Vampire bittet Marc bei der Suche nach Madeleine um Hilfe. So wird Marc der Blutsauger Undercover.

Produktinformation

  • Broschiert: 248 Seiten
  • Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (16. September 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3842379420
  • ISBN-13: 978-3842379428
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12 x 2,2 cm

Leseprobe aus dem Mysterykrimi “Blutsauger Undercover”

Blutsauger Undercover von Paul Hermann
Blutsauger Undercover von Paul Hermann

Kapitel 5: Lebensgeschichten

„Etwas zu trinken?”, fragte Kati und ging zur Hausbar, die sich in der Schrankwand befand.

Ich fand meine Fassung wieder und antwortete: „A, Rhesus positiv. Einen Doppelten bitte.”

Kati drehte sich um und schmunzelte. Ich tat, als würde ich an ihr vorbei in die Hausbar spähen.

„Hast du wohl nicht. Dann nehme ich ´ne Bloody Mary.”, blödelte ich.

Kati lachte kurz und erwiderte: „Mary schläft schon. Die wird grantig, wenn ich sie jetzt wecke.”

Jetzt lachten wir beide. Nach einigen Sekunden fragte ich: „Moment mal. Ich dachte Vampire ernähren sich nur von Blut.”

„Richtig!”, antwortete Kati.

„Blut liefert uns die Energie. Etwas Wasser ist jedoch auch nötig. Sonst trocknen wir aus. Das schadet dem Teint. Alles andere dient nur der Unterhaltung unserer Geschmacksnerven. Du könntest drei Flaschen Whisky leeren und würdest überhaupt nichts davon merken. Feste Nahrung brauchen wir nicht. Unser Verdauungssystem funktioniert nur eingeschränkt. Also, was möchtest du trinken?”

Ich grübelte einen Augenblick und erwiderte: „Wenn du Whisky schon erwähnst, entscheide du.”

Sie drehte sich zur Hausbar und griff eine Flasche. Ich musterte ihren perfekten Körper und ihr leicht gewelltes, tiefschwarzes Haar. Sie drehte sich wieder um und kam mit zwei Gläsern in den Händen auf mich zu. Diesen Moment des Schweigens nutzte ich, um sie von vorn in Augenschein zu nehmen. Ihre Haut erinnerte mich an weißes Porzellan. Ihre Augen hingegen waren dunkel, beinahe schwarz. Dieser Eindruck wurde durch ihr dramatisches Augen-Make-up noch verstärkt. Dann blieb mein Blick auf ihren tiefroten Lippen haften, bis sie vor mir stand und mir das Glas reichte.

Sie brach die Stille mit den Worten: „Scotch, Single Malt. Achtzehn Jahre alt!”

Als ich ihr das Glas aus der Hand nahm, fiel mein Blick auf ihre perfekt manikürten und schwarz lackierten Fingernägel. Ich gestand mir ein, dass mich ihre Erscheinung erregte. Alle Frauen, die es zuvor in meinem Leben gegeben hatte, waren nicht halb so attraktiv, wie Kati. Sie war ein Vamp, im wahrsten Sinne des Wortes.

„Also, dann mal los. Du musst doch auch eine Menge Fragen haben!”, sagte sie.

Ihre Worte holten mich in die Realität zurück.

„Ja! Also, ich…, wo soll ich anfangen?”, stotterte ich.

Es klang weder intelligent noch selbstsicher.

„Dein Dasein als Vampir.”, warf Kati ein.

Ich schnippte mit den Fingern und erwiderte: „Richtig. Bis vor zwei Tagen waren Vampire für mich nicht real, sondern nur Romanerfindungen. Dracula und so. Jetzt bin ich selbst einer. An diesen Gedanken habe ich mich noch gar nicht gewöhnt.”

Kati sah mich mit ernstem Blick an und erwiderte: „Wir arbeiten schon sehr lange daran, unsere Existenz geheim zu halten. Woher der Vampirismus kommt, weiß niemand. Dracula war jedenfalls nicht der Ursprung. Ich will dir gern helfen, mit deinem Dasein als Vampir zurechtzukommen. Wie du wahrscheinlich schon gemerkt hast, ist es etwas anders als dein Leben.”

Ich stutzte.

„Moment. Anders als mein Leben? Lebe ich denn nicht mehr?”, fragte ich verwirrt.

Kati lächelte und erklärte: „Ja und nein. Das ist ein wenig kompliziert. Nach menschlichem Ermessen bist du tot. Ein Genforscher hingegen würde dich als Mutant bezeichnen. Dein Herz schlägt in einer extrem hohen Frequenz. Es vibriert beinahe, jedoch so schwach, dass herkömmliche medizinische Geräte dies nicht messen können. Jeder Arzt würde dich für tot erklären. Deine Körpertemperatur dürfte bei ungefähr dreißig Grad liegen. Dein Atemreflex funktioniert zwar noch, doch wenn du atmest, kommt die Luft genauso wieder heraus, wie du sie eingeatmet hast. Sauerstoff benötigst du nicht mehr. Am Tag fällst du in einen schlafähnlichen Starrkrampf. Wenn dich ein Lebender in diesem Zustand findet, wanderst du ins Leichenschauhaus. Die Dauer dieses Starrkrampfs, den wir als Schlaf empfinden, richtet sich danach, wie erschöpft du bist. Manchmal nur vier Stunden, manchmal zwölf. Diese Ruhephase bezeichnet man als Starrkrampf, weil sie sich für gewöhnlich nicht unterdrücken lässt. Wenn deine Energie verbraucht ist, nimmt sich dein Körper eine Auszeit. Egal, ob du in deinem Bett liegst oder nicht. Es ist auch nicht möglich, dich vorzeitig zu wecken. Wenn du dann aber erwachst, benötigst du Blut. Am besten frisches Menschenblut. Du könntest auch tierisches Blut, ja sogar eine Blutkonserve zu dir nehmen. Allerdings benötigst du größere Mengen davon, um deinen Durst zu stillen.“

Es trat eine Pause ein. Kati setzte sich ebenfalls in einen Sessel und schlug ihre langen Beine übereinander. Dann lächelte sie und setze ihre Ausführungen fort.

„Mit Blutkonserven verhält es sich wie mit Fertiggerichten. Die Zubereitung macht zwar wenig Arbeit, aber der Geschmack ist furchtbar. Auch das kalte Blut von geschlachteten Tieren schmeckt widerlich.“

„Kann ich kein lebendes Tier beißen?“, fragte ich, woraufhin Kati zu lachen begann.

„Schwierig.“, antwortete sie.

„Wie willst du einem Hund telepathisch mitteilen, dass er stillhalten soll, damit du ihn beißen kannst? Der beißt dich, bevor du ihn einmal scharf angesehen hast.“

„Auch wieder wahr.“, gab ich verlegen grinsend zurück.

Kati musterte kurz ihr Whiskyglas. Dann sagte sie: „Warum sich ein Dasein als Untoter so gestaltet, weiß niemand genau, da wir keinem rational denkenden Wissenschaftler gestatten würden, uns zu untersuchen. Nur ein Arzt, der irgendwann selbst gewandelt worden ist, hat an sich Forschungen betrieben. Daher haben wir diese Erkenntnisse. Über die Jahrhunderte galten Vampire als lebende Leichen, obwohl das eigentlich gar nicht stimmt. Die Begriffe Untoter und Lebender haben sich ganz einfach im Sprachgebrauch festgesetzt. Wahrscheinlich hast du auch schon gemerkt, dass du stärker und schneller bist als vor deiner Wandlung. Es bedarf auch erheblich mehr, um dich zu verletzen. Herkömmliche Patronen aus Schusswaffen sind zwar sehr schmerzhaft, fügen dir aber keinen Schaden zu, was aber nicht bedeutet, dass du unverwundbar bist. Ein Holzpflock, der dein Herz durchbohrt, würde dich vernichten. Du alterst allerdings nicht mehr. So wie du am Morgen nach deiner Wandlung eingeschlafen bist, so wachst du an jedem Abend wieder auf.”

„Das habe ich schon gemerkt.“, warf ich ein.

„Gestern habe ich mich rasiert und heute ist mein Dreitagebart wieder da.”

Kati lächelte mich an und fuhr fort.

„Demnach hast du wahrscheinlich schon gemerkt, dass Vampire sehr wohl ein Spiegelbild haben.“, sagte sie.

„Ehrlich gesagt wäre das auch ein echtes Problem. Auch Vampire legen Wert auf ihr Äußeres. Die Sonne kann dir leider gefährlich werden. Du zerfällst zwar nicht sofort zu Staub oder beginnst zu glitzern, aber Sonnenlicht kann dir schlimme Verbrennungen zufügen, die unter Umständen deine Existenz beenden können.“

„Nie wieder auf Korfu am Strand liegen, keine Wassermelone und kein Zaziki.“, jammerte ich theatralisch.

„Knoblauch ist tatsächlich ein Problem, auch wenn Knoblauch keineswegs giftig für dich ist.“, warf Kati ein und schmunzelte.

„Allerdings, wenn dein anvisiertes Opfer eine Knoblauchfahne hat, dann nimmt dein geschärfter Geruchssinn diese viel intensiver wahr. Der Gestank ist nicht zu ertragen. Was christliche oder andere religiöse Symbole angeht, da wird es etwas komplizierter. Warst du zu Lebzeiten ein gläubiger Mensch?”

„Ich denke schon.”, erwiderte ich.

„Ich war zwar nicht oft in der Kirche, da ich niemanden brauche, der mir ´was vom Pabst und irgendwelchen Heiligen erzählt, aber an Gott geglaubt habe ich eigentlich immer.”

Katis Blick wurde ernst. Dann sagte sie: „Auch ich glaube an Gott. Mir kann ein christliches Kreuz oder Weihwasser keinen Schaden zufügen. Warum, weiß auch niemand genau. Ich glaube, dass der Herr uns liebt, obwohl wir sind, was wir sind, denn er weiß, dass wir uns nicht freiwillig für ein Dasein als Blutsauger entschieden haben. Gott weiß, dass ich bereue, was mir in den ersten Tagen meines Daseins als Vampir widerfahren ist. Ich bin sicher, dass er mir vergeben hat. Im Gebet habe ich geschworen, nie wieder einen Menschen zu töten. Ich nehme nur so viel Blut, wie ich brauche. Das gilt auch für Pascal, Madeleine, Roberto und Isabel. Bei Harold und Nikki wird es auch nicht anders sein.”

„Bei wem?”, fragte ich.

Kati lächelte und erwiderte: „Die anderen Mitglieder unserer Gruppe. Wir leben in diesem Haus, in so einer Art WG zusammen. Davon später. Wir kennen andere Vampire, die beim Anblick eines christlichen Kreuzes Höllenqualen leiden. Wahrscheinlich war ihr Weg in die Verdammnis schon zu Lebzeiten vorherbestimmt.”

Einen Moment lang schwiegen wir. Dann fragte ich: „Und was ist mit dem Vampir-Mojo?”

„Du meinst die Gedankenkontrolle.”, erwiderte Kati.

„Du kannst Menschen deinen Willen aufzwingen. Einer Person oder auch mehreren. Jedoch nur, wenn du alle gleichzeitig im Blickfeld hast. Für gewöhnlich nutzen Vampire diese Fähigkeit, damit ihre Opfer nicht mitbekommen, dass sie zur Ader gelassen werden.”

„So wie du es im Park mit den beiden Gruftis gemacht hast.”, fügte ich hinzu, woraufhin Kati nickte.

„Außerdem….”, fuhr sie fort und unterdrückte ein Lachen.

„Außerdem kannst du schwache Persönlichkeiten die verrücktesten Dinge tun lassen und ihnen problemlos ihre dunkelsten Geheimnisse entlocken. Hinterher kannst du sie vergessen lassen, dass sie dich jemals gesehen haben.”

„Und wie verhält sich das mit dem Spinnensinn?”, fragte ich anschließend.

Katis Blick verriet, dass sie nicht wusste, was ich meinte. Darum fügte ich hinzu: „Als mich diese Gang an der Tankstelle überfallen wollte, hatte ich ein Bild im Kopf. Ich sah die Kids um die Ecke biegen, ´ne knappe Minute, bevor sie erschienen. Auch als ich das Band geholt habe, warnte mich der Spinnensinn, dass mein Kollege gleich auftauchen würde.”

„Viele Vampire haben besondere Talente.“, erwiderte Kati.

„Ich zum Beispiel kann die Präsenz anderer Vampire fühlen. Besonders dann, wenn ein anderer Vampir versucht, die Gedankenkotrolle bei mir anzuwenden. Isabel, ein anderes Mitglied unserer Gruppe, kann tief in das Unterbewusstsein von Lebenden sehen. Außerdem beherrscht niemand die Gedankenkontrolle so gut wie sie. Pascal hat Vorahnungen, die bei seinen Finanzgeschäften sehr nützlich sind. Aber von einem Talent wie du es beschreibst, habe ich noch nie gehört. Jetzt würde ich dir gern noch eine Frage stellen.”

Ich nahm einen Schluck Scotch und nickte. Kati sah mich ernst an und fragte: „Kommst du damit klar, ein Vampir zu sein?”

Bevor ich etwas erwidern konnte, fügte sie hinzu: „Viele neue Vampire können mit dem Gedanken nicht umgehen und werden depressiv. Manche begehen sogar Selbstmord. Auch ich habe mich zunächst für eine Verfluchte gehalten und wollte meinem Dasein ein Ende setzen. Diese Phase habe ich jedoch schnell überwunden. Ich möchte, dass du weißt, dass du nicht allein bist. Wenn du seelische Probleme hast, dann kannst du jederzeit mit mir reden. Ich würde es sogar begrüßen, wenn du dich unserer Gruppe ganz und gar anschließen würdest. Aber auch davon später.”

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Über Paul M. Hermann

Paul M. Hermann

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