Start / Buchveröffentlichung / Bücher über Gestaltwandler / Blutzoll der Wölfe (Band 1) von Alegra Cassano

Blutzoll der Wölfe (Band 1) von Alegra Cassano

Blutzoll der Wölfe, ein Fantasyroman von Alegra Cassano

Während der Reise zu seiner zukünftigen Braut wird der Wolfswandler Waydar in einem kleinen Dorf auf einen jungen Mann aufmerksam. Der wird von den anderen Dorfbewohnern abgeschirmt, damit das Wolfswandler-Rudel ihn in Ruhe lässt. Neugierig geworden fordert Waydar den Jungen als Blutzoll. Doch statt ihn zu fressen, entwickelt er Gefühle für den jungen Morgan. Er nimmt ihn mit auf die Reise, ohne zu wissen, dass in Morgan Kräfte schlummern, die ihn zur größten Gefahr der Wolfswandler werden lassen.

Blutzoll der Wölfe von Alegra Cassano
Blutzoll der Wölfe von Alegra Cassano

Produktinformation

  • Broschiert: 440 Seiten
  • Verlag: Dead Soft Verlag; Auflage: 1 (10. August 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3945934273
  • ISBN-13: 978-3945934272
  • Erhältlich bei: Deadsoft

 

Leseprobe aus Blutzoll der Wölfe

Das Recht des Stärkeren

 

Die Männer auf dem Feld arbeiteten hart. Unbarmherzig brannte die Sonne auf sie herunter und erschwerte es ihnen die Ernte einzubringen. Morgan richtete sich auf, um die Muskeln entlang der Wirbelsäule zu strecken. Die gebückte Haltung war für ihn ungewohnt, doch er wollte nicht, dass ihm das jemand ansah. Mit dem Unterarm wischte er sich Schweiß von der Stirn und sah sehnsüchtig zu dem Wasserfass hinüber, welches sie auf einem Karren mitgebracht hatten. Unbewusst fuhr seine Zunge über die trockenen Lippen.

„Je mehr du trinkst, desto mehr schwitzt du“, ermahnte ihn der alte Hagar, der neben ihm stand, die eine Hand ins Kreuz gestemmt. Sofort senkte Morgan den Blick. Schon wieder  klebten ihm seine blonden Haarsträhnen im Gesicht.

„Wir machen bald Mittag“, setzte Hagar aufmunternd hinzu und bückte sich, um mit der Hand über die trockene Erde zu fahren, damit er auch noch die letzte Knolle fand. Morgan fragte sich nicht zum ersten Mal am heutigen Tag, wie die Männer es aushielten, bei dieser Hitze zu schuften. Einzig ihr Schweigen machte deutlich, wie sehr das Wetter ihnen zusetzte. Selbst die wenigen Kinder, die mit ihnen gekommen waren, arbeiteten still. Einige der Kleinsten hockten auf dem Boden. Der Gedanke an den Dorfweiher gab Morgan neue Kraft. Nach getaner Arbeit würden sie sich alle hineinstürzen. Er glaubte bereits, das fröhliche Jauchzen der Jüngeren zu hören. Er selbst konnte sich in solchen Momenten nur schwer zurückhalten, eine Wasserschlacht anzuzetteln.

Plötzlich war Pferdegetrappel zu vernehmen. In einer Staubwolke kam ein Reitertrupp heran. Hagar fluchte laut und suchte hektisch nach einer Fluchtmöglichkeit oder einem Versteck für seinen Schützling. Einer der anderen Dorfbewohner hatte Morgan gepackt und ihm einen Umhang übergeworfen, dessen Kapuze sein blondes Haar verbergen sollte.

„Kopf unten halten!“, befahl er und baute sich vor ihm auf. Einige der Arbeiter taten es ihm nach und bildeten mit ihren Körpern eine Mauer vor dem jungen Mann.

„Gott steh uns bei“, flüsterte jemand.

Morgans Herz klopfte wild. Stellten diese Reiter tatsächlich eine Gefahr dar? Vielleicht wollten sie nur vorbei und das Feld lag zufälligerweise auf ihrem Weg. Die Worte seines Vaters fielen ihm ein. Erst heute früh hatte er ihn erneut gebeten zu Hause zu bleiben, doch für Morgan kam es überhaupt nicht in Frage sich zu verstecken, während die anderen Männer des Dorfes die Ernte einbrachten. Jede Hand wurde dringend gebraucht und er war jung und kräftig. Selbst Kinder wurden in den letzten Tagen mit hinausgenommen, um so viel wie möglich der Nahrung zu retten, die sie über den Winter bringen musste. In den zwanzig Jahren, die Morgan nun auf der Welt war, hatte er noch niemals die reitenden Wölfe gesehen, vor denen sich alle so fürchteten und genau das beunruhigte seinen Vater. Je mehr Zeit verging, desto wahrscheinlicher war ihr Auftauchen.  Sollte das nun der Fall sein? Hatten sie vor ihren Blutzoll einzutreiben? Vorsichtig wagte er einen Blick, aber vor ihm standen die Körper so dicht, dass er nicht zwischen ihnen hindurchsehen konnte. Ein Pferd hielt schnaubend in der Nähe, was er ausschließlich hörte, denn einer der Männer schirmte ihn auch seitlich ab.

„Was wollt ihr?“ Hagar, der Älteste, sprach leicht zittrig.

Morgan wagte nicht zu atmen. Die Stille, die entstand, bevor einer der Männer antwortete, wurde lediglich vom Schnauben mehrerer Pferde unterbrochen.

„Was uns zusteht. Für jeden von uns einen von euch. Ihr habt Glück, dass wir so wenige sind. Gebt uns die Ausgewählten ohne Widerstand und die Anderen werden überleben. Weigert euch und wir nehmen alle.“

Der Tonfall bescherte Morgan eine Gänsehaut am ganzen Körper. So kalt und emotionslos hatte er noch niemanden reden gehört. Jetzt war er sogar froh, den Mann nicht sehen zu können. Während er auf seine Füße starrte, und versuchte sein rasendes Herz zu beruhigen, erklangen fremde Stimmen.

„Ich will den“, sagte jemand. Gleichzeitig vernahm er einen dumpfen Aufprall, was ihn vermuten ließ, dass ein Reiter vom Pferd gesprungen war. Kleine Steine knirschten unter schweren Schritten.

„Ich den da hinten.“

Gemurre wurde laut. Morgan hörte, wie ein Mann sich im Tausch für seinen Sohn anbot. Die Knie wurden ihm weich und sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.

„Nehmt mich! Bitte lasst meinen Jungen gehen!“

Gelächter war die Antwort und verhöhnte den flehenden Vater.

„Halt dich zurück, Alter oder wir nehmen euch beide!“

Morgan versuchte, sich anhand der Geräusche ein Bild zu machen. Er stellte sich vor, wie der Vater von anderen Dörflern zurückgehalten wurde, denn sein Aufschluchzen drang ihm durch Mark und Bein.

„Komm her, mein Hündchen“, war die verhasste Stimme des höhnischen Mannes zu vernehmen. Füße bewegten sich stolpernd über den trockenen Boden. Morgan machte sich  klein und wäre am liebsten in ein Mauseloch verschwunden. Besonders als er die nächsten Worte hörte.

„Und wen versteckt ihr dort?“

Er schrak heftig zusammen. War er gemeint? Hatte ihn jemand entdeckt?

„Bitte …“, setzte Hagar zu sprechen an, wurde jedoch sofort unterbrochen.

„Zur Seite!“

Noch stand die Mauer aus Körpern vor ihm und gab ihm Sicherheit, aber die Unruhe der Männer konnte er deutlich spüren.

„Aus dem Weg habe ich gesagt! Geht freiwillig oder ich mache mir Platz!“

Morgan atmete zwei Mal tief durch, dann bemerkte er, wie seine Beschützer auseinander wichen. Weiterhin hielt er den Kopf gesenkt, doch war der Drang aufzusehen, kaum länger zu beherrschen.

„Weshalb versteckt ihr den Jungen?“

„Er … ist zurückgeblieben, Herr. Bitte nehmt einen Anderen. Er weiß nicht einmal, wer ihr seid und was ihr von ihm wollt.“

Bei diesen Worten entgleisten Morgan für einen Moment die Gesichtszüge. Warum sagte Hagar so etwas über ihn? Vermutlich war es eine List, um sein Leben doch noch zu retten, aber würde der Fremde darauf hereinfallen?

„Nehmt ihm den Umhang ab, damit ich ihn sehen kann“, befahl der Reiter.

Morgan fühlte sich wie gelähmt und war unfähig sich zu rühren. Jemand zog ihm die schützende Bekleidung vom Körper, aber er bezwang weiterhin den Drang, hochzusehen, hielt den Kopf tief gebeugt.

„Hübsch euer Trottel“, stellte der Fremde fest und wandte sich dann direkt an ihn. „Sieh mich gefälligst an!“

Er zuckte bei den herrischen Worten zusammen, ließ sich jedoch Zeit der Aufforderung nachzukommen. Einerseits war er neugierig, wie so ein Wolf aussah, andererseits war er gerade als einfältiger Trottel tituliert worden und musste somit nicht zu schnell reagieren. Als er hörte, wie der Reiter vom Pferd sprang, sah er rasch hoch. Vor ihm ragte ein riesiger Mann auf, dessen Kleidung vollständig aus Leder gefertigt war, das wie eine zweite Haut an ihm klebte. Wenn Morgan geradeaus sah, traf sein Blick lediglich die Brust des Hünen. Eine Hand packte sein Kinn und hob es an. Bernsteinfarbene Augen waren das Erste, was er wahrnahm. Sie wirkten auf Grund der ovalen Pupillenform wenig menschlich. Die Mähne des Mannes bestand aus dicken, verfilzten Zöpfen, die ihm bis über die Schulter fielen. So etwas hatte Morgan noch nie gesehen. Als der Wolf erneut sprach, war dessen Mund unter dem dichten Bart kaum zu sehen.

„Ich nehme ihn.“

„Nein! Bitte lasst ihn hier. Er wird Euch nicht zufriedenstellen. Wählt einen Anderen, ich flehe Euch an.“

„Ich habe mich bereits entschieden!“

Morgans Hände wurden gepackt und mit einem Seil vor dessen Bauch zusammen geschnürt. Alles ging so schnell, dass er nicht mal daran dachte, sich zu wehren, was vermutlich sowieso keinen Sinn gemacht hätte. Hagar versuchte ein letztes Mal den Fremden umzustimmen, doch dieser knurrte ihn warnend an. Geschmeidig sprang der Hüne auf das wartende Pferd, dass er ohne Sattel ritt. Den Strick, der den Gefangenen mit ihm verband, hielt er in der Hand.

„Sag meinem Vater, dass dich keinerlei Schuld trifft“, rief Morgan, während er bereits vorwärts gezerrt wurde. Hagar senkte betroffen den Kopf, genau wie all die anderen, die zurückblieben.

 

Merken

Über Alegra Cassano

Alegra Cassano
Alegra Cassano wurde 1970 in der ehemals größten Bergbaustadt Europas geboren. Bereits in ihrer Schulzeit schrieb sie Geschichten, die ihre Mitschüler begeistert - manchmal auch während des Unterrichts - lasen. Ihre Deutschlehrer waren stets entzückt, wie viele Seiten sie in einer Schulstunde Klausur vollschreiben konnte. Ihre größte Leidenschaft gilt dem Schreiben von Kriminalromanen und Thrillern, wobei sie Ausflügen in andere Genres nicht abgeneigt ist. So sind auch ihre erotischen Geschichten oft durch spannende Elemente aus dem Krimibereich gewürzt. Zusammen mit ihrem Mann, zwei Kindern und ihrem Hund lebt die Autorin im Ruhrgebiet. Sie hat in verschiedenen online - Foren geschrieben, wozu ihr jetzt leider die Zeit fehlt. Außerdem liest sie viel und gerne. Alegra absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester und übte diesen Beruf bis zur Geburt ihres ersten Kindes aus. Aus zeitlichen und organisatorischen Gründen arbeitet sie nun in der Steuerberaterkanzlei ihres Mannes. Mit 40 Jahren erfüllte sie sich den Wunsch nach einem Schreibstudium, das sie nach 3,5 Jahren erfolgreich abschloss. Die meisten ihrer Werke sind im Selfpublishing erschienen, zuletzt eine Anthologie im Bereich Extrem-Horror, die im März 2016 als Print und Ebook herauskam und sich großer Beliebtheit erfreut. Nach „Gone Mad“ wird der Kannibalenroman „Carnivore – Fleischeslust“ noch dieses Jahr herauskommen. Für dieses Genre benutzt sie das Pseudonym „A.C. Hurts“. Im August 2015 ist ihr erster Verlagsroman „Blutzoll der Wölfe“ im Deadsoft-Verlag erschienen. Erste Gehversuche im MAIN-Verlag hat sie im Juli 2015 mit der Anthologie „Summerline“ gemacht, der im Winter die Anthologie „Snow Dreams“ folgte. Im Sommer 2016 wird in diesem Verlag ein dreiteiliger BDSM-Thriller von ihr erscheinen.

Vielleicht interessiert Sie das hier auch?

Füreinander bestimmt, Gay Romance von Ashan Delon

Füreinander bestimmt von Ashan Delon

Targh, ein mutiger Krieger vom Bergstamm des Welbvolkes, zieht aus, um sich den Traditionen gemäß …

Die Tränen der Hexen, ein historischer Roman aus dem Harz von Uwe Griessmann

Die Tränen der Hexen, ein historischer Roman von Uwe Grießmann

Dieser Roman ist all jenen Menschen gewidmet, die im Namen gleich welchen Gottes gejagt, grausam …

Gefangene meiner Selbst – Die dunkle Seite von mir von Talira Tal

Ein halbes Jahr, nachdem Patricia Simrot einen schweren Schicksalsschlag erlitten hat, quälen sie grausame Visionen, …

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: