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Buchland von Markus Walther

Buchland von Markus Walther

Das Buchland im Keller unter uns ist unglaublich viel mehr, als diese Aneinanderreihung von gefüllten Regalen. Dort findet man billige Klischees, abgedroschene Fantasien und halbe Wahrheiten direkt neben den großen göttlichen Ideen, die die Welt veränderten. Die ganze Kreativität der Menschheit.
Dieses Antiquariat ist nicht wie andere Buchläden!
Das muss auch die gescheiterte Buchhändlerin Beatrice feststellen, als sie notgedrungen die Stelle im staubigen Antiquariat des ebenso verstaubt wirkenden Herrn Plana annimmt. Schnell merkt sie allerdings, dass dort so manches nicht mit rechten Dingen zugeht:
Wer verbirgt sich hinter den so antiquiert wirkenden Stammkunden Eddie und Wolfgang ? Und welche Rolle spielt Herr Plana selbst, dessen Beziehung zu seinen Büchern scheinbar jede epische Distanz überwindet?
Doch noch ehe Beatrice all diese Geheimnisse lüften kann, gerät ihr Mann Ingo in große Gefahr und Beatrice setzt alles daran, ihn zu retten. Zusammen mit Herrn Plana begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch das mysteriöse Buchland. Dort treffen sie nicht nur blinde Buchbinder, griechische Göttinnen und die ein oder andere Leseratte, auch der Tod höchstpersönlich kreuzt ihren Weg.
Und schon bald steht fest: Es geht um viel mehr, als bloß darum, Ingo zu retten. Vielmehr gilt es, die Literatur selbst vor ihrem Untergang zu bewahren!
Markus Walther, der Autor der Kurzgeschichtensammlungen EspressoProsa und Kleine Scheißhausgeschichten , entführt den Leser nun mit seinem ersten Roman in die phantastische Welt des Buchlandes. Ein Muss für jeden Bibliophilen!

Produktinformation

  • Broschiert: 239 Seiten
  • Verlag: Acabus; Auflage: 1 (März 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3862821862
  • ISBN-13: 978-3862821860
  • Größe und/oder Gewicht: 20 x 14 x 2 cm

Leseprobe aus “Buchland”

Vom Gewicht der Worte

Die Bücher um mich herum, die sich unter einem staubigen Mantel zu verbergen suchten, schienen leise zu wispern. Sie erzählten sich ihre Geschichten, während sie darauf warteten, einen unschuldigen Leser zu finden, in den sie ihre Saat pflanzen konnten.
Sie offenbarten Welten, die für kommende Generationen eingefangen und ihnen zwischen die Seiten gepresst worden waren. Sie verschenkten gerne die Gedanken, die bedeutungsschwer mit Tinte aus der Feder geflossen waren.
Ich selbst saß an meinem Sekretär, hatte einen großen Folianten aufgeschlagen und folgte den handgeschriebenen Zeilen mit meinem Zeigefinger. Der weiße Stoff des Handschuhs trennte meine Haut von dem Pergament.
Buchstaben, Worte, Zeilen. Sie entführten mich in eine andere Zeit, lange vergangen.

Die Türglocke läutete und nur widerwillig riss ich mich von meiner kostbaren Lektüre los. Ich griff nach meinem Stock und mühte mich nach vorne in den Verkaufsraum. Die Sonne strahlte hell durch das Schaufenster herein und im Gegenlicht konnte ich nur die Silhouette der Frau erkennen, die nun vor dem Tresen stand. Hochgewachsen und nicht zu dünn. Recht attraktiv für eine Frau mittleren Alters.
Mein Blick streifte kurz das Zifferblatt der Wanduhr. Genau neun Uhr.
„Guten Morgen, Frau Liber. Schön, Sie kennenzulernen.“
Ich reichte ihr meine Hand zum Gruß, während sie noch ein wenig erstaunt dreinblickte. Bevor sie fragen konnte, sagte ich vergnügt: „Pünktlich auf die Minute. Das zeugt von Verlässlichkeit. Das ist doch schon mal vielversprechend.“
Mit einem Lächeln legte sie ihre Verwunderung ab. Es war, als würde die Sonne gleich noch einmal so hell den Raum erfüllen. „Dann müssen Sie Herr Plana sein.“
Und als ich ihr abwartend keine Antwort gab, fügte sie unsicher ein „Guten Tag“ hinzu.
Die Ladentür war zehn schmerzhafte Schritte entfernt. Als ich sie erreichte, drehte ich das kleine Schildchen, das in der Scheibe baumelte um. „Geschlossen.“
„Ich denke, dass wir uns in Ruhe unterhalten sollten.“
Danach führte ich sie in das Arbeitszimmer. Ich brauchte ihr nicht ins Gesicht zu sehen, um zu wissen, dass sie mit Erstaunen und Bewunderung die vollen Regale betrachtete. Die Buchrücken verhießen für jeden Bibliophilen die Erfüllung aller Wünsche.
„Bitte“, ich deutete auf den Ohrensessel in der Ecke des Raumes, der von einer antiken Leselampe überragt wurde, „nehmen Sie doch Platz.“ Ich selbst setzte mich auf meinen Bürostuhl am Sekretär. Gut fünf Meter trennten uns. Das empfand ich als durchaus angenehm.
„Eine beeindruckende Sammlung“, stellte sie fest.
Ich nickte. „Das sind nur die gängigsten Werke. Ein Buchgeschäft sollte verschiedene Titel griffbereit haben. Der Weg in den Keller ist mir“, ich deutete auf meine Gehhilfe, „auf Dauer zu mühsam.“
„Im Keller sind noch mehr Bücher?“
„Natürlich“, sagte ich. Ich musste feststellen, dass es mir Vergnügen bereitete, ein wenig anzugeben. „Hier oben ist nur ein kleiner Teil der antiquarischen Titel. Die Spitze des Eisbergs, wenn Sie so wollen.“

Buchland von Markus Walther
Buchland von Markus Walther

Ich schlug den Folianten vorsichtig zu.
Sie reckte den Hals, um die Schrift auf dem Leder zu entziffern.
„Nur etwas lateinische Belletristik“, merkte ich an und erlaubte mir dabei, etwas die Mundwinkel anzuheben. „Eine lausige Übersetzung und Interpretation aus dem Griechischen. Sie hat mit dem Ursprungstext nur noch wenig gemein. Aber es ist bis zu einem gewissen Grade unterhaltsam. Wenn Platon gewusst hätte, was man mit seiner Idee alles machen würde, hätte er vermutlich darauf verzichtet, den Mythos zu verfassen.“
Im obersten Fach des Sekretärs lag eine aufgeschlagene Programmzeitschrift. Ich nahm sie und deutete auf einen kleinen Eintrag. „Star­gate – Atlantis“, sagte ich verächtlich schnaubend und pfefferte dann das Heft in den Papierkorb.
„Fernsehen ist wie Opium. Es hält vom Denken ab.“
Ich wandte mich ihr wieder zu. „Aber zurück zu Ihnen. Haben Sie Ihre Bewerbungsunterlagen dabei?“
Sie griff in ihre Handtasche. Es war ein schlichtes schwarzes Modell und passte durchaus zu ihr. „Graue Maus“, flüsterte es leise in mir.
Sie zitterte leicht, wie mir schien, als sie einen Umschlag hervorholte. Im Din-A4-Format, Altpapier, mit der Schreibmaschine beschriftet. Bevor sie aufstehen konnte, um mir ihre darin steckende Bewerbungsmappe zu reichen, sagte ich: „Legen Sie sie auf den Teewagen. Ich werde sie mir vielleicht später ansehen.“
Ja, es war gemein, dass ich ihr das Wort „vielleicht“ unterschob. Aber ich hatte mir vorgenommen, ihr das Spiel nicht zu leicht zu machen.
„Und dann“, sagte ich, „nehmen Sie doch bitte das Buch mit dem braunen Einband aus dem Regal. In der untersten Reihe, das dritte von links.“ Sie tat wie ihr geheißen und machte Anstalten, es mir zu bringen. Ich hob die Hand. „Aber nein, ich bitte Sie. Ich kenne das Buch bereits. Kennen Sie es auch?“
Sie las den Einband. „Die 1,000,000 Pfundnote und andere humoristische Erzählungen und Skizzen von Mark Twain.“ Ihre Stimme klang erstaunt. „Mark Twain habe ich noch nicht gelesen“, gab sie zu. Ich konnte ihr ansehen, dass sie befürchtete, sie hätte nun schlechte Karten für eine Anstellung in meinem Hause.
„Eine fatale Lücke“, stellte ich fest, „die Sie unbedingt schließen müssen.“ Mein Tadel war ehrlich und aufrichtig, aber vielleicht etwas zu heftig hervorgebracht. Sie zog den Kopf ein und ein Hauch von Mitleid erfasste mich. Wie verzweifelt mochte sie sein, dass sie unbedingt eine Anstellung in meinem staubigen Antiquariat brauchte?
Ich senkte also meinen Tonfall wieder und bat sie, mir ein paar Seiten aus dem Buch vorzulesen.
„Ich soll Ihnen vorlesen?“
„Ja, natürlich. Sie wollen doch diese Stelle, oder?“ Ich schmunzelte. „Um hier verkaufen zu dürfen, brauchen Sie eine besondere Eigenschaft: Sie müssen die Seele der Bücher erkennen.“
„Die Seele der Bücher?“
„Ja! Sie müssen das Gewicht jedes Wortes spüren, die Gedanken des Autors fühlen, die Welt der Protagonisten erfahren, hineinschlüpfen zwischen die Seiten und die Druckerschwärze schmecken können.“ Mit einem tiefen Atemzug sog ich Luft ein. „Erwecken Sie das Papier in Ihrer Hand mit Ihrer Stimme zum Leben und geben sie ihm dadurch Bedeutung.
… Lesen Sie!“

Buchland ist in der Shortlist „Samiel Award 2014“ und in den Top-Twenty „Lovelybooks Leserpreis Bestes Buchcover 2013“

 

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Über Markus Walther

Markus Walther
Gestatten? Markus Walther, geboren 1972 in Köln. Seit 2006 lebe ich mit meiner Frau und zwei Töchtern in meiner Wahlheimat Rösrath im Bergischen Land. Als ausgebildeter Werbetechniker begeisterte ich mich schon früh für die Schriftgestaltung und machte mich 1998 als Kalligraph (also Schönschreiber) selbstständig.Bis 2012 lag der Schwerpunkt meiner schriftstellerischen Arbeit in der Gattung der Kurz- und Kürzestgeschichte. Die Gratwanderung zwischen Klischee und Pointe, Independent und Mainstream führte mich quer durch alle Genres der Literatur. Daraus sind drei Anthologien entstanden.Nach 2013 erschienen die beiden Fantasy-Romane ”Buchland” und “Beatrice – Rückkehr ins Buchland” ebenso wie die Kriminalkomödie “Der Letzte beißt die Hunde” im Acabus-Verlag. Zur Zeit arbeite ich an dem Roman „Bibliophilia“, dem dritten und letzten Teil der Buchland-Geschichte. Geplanter Veröffentlichungstermin ist Herbst 2017. Danach werde ich mit „Der Letzte macht Dein Licht aus“ einen weiteren Krimi zu Papier bringen, der für 2018 geplant ist.Neben weiteren eigenen Buchprojekten schrieb ich u.a. bis 2013 für das Literatur-Portal GlobalTalk die Kolumne “Reden wir über …”. Außerdem war ich Initiator und Mitorganisator der ”Langen Lohmarer Lesenacht”. Bis 2012 engagierte ich mich als Moderator für das Autorenforum Federfeuer. In diesem Jahr veranstalte ich gemeinsam mit dem Federfeuer und der Stadt Rösrath einen weiteren Lesemarathon.In meinem Blogprojekt Planas Buchantiquariat lasse ich meinen Protagonisten „Herr Plana“ mit echten Autoren Storytelling-Interviews führen.

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