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Das Attentat, Leseprobe aus: Jagd der Vampire (März 2015)

Jagd der Vampire, ein Gay Fantasy Roman von Hagen Ulrich

Im März 2015 erscheint zur Leipziger Buchmesse der dritte Band der Geschichten aus Bonn rund um die Vampirfamilien der Bucharis, Radulescus und einen zickigen kleinen Magier aus Plauen. Eine Leseprobe des ersten Kapitels.

Bis zur Leipziger Buchmesse gibt es noch die eine oder andere Leseprobe des im Himmelstürmer Verlag erscheinenden Romans.


Das Attentat aus: Jagd der Vampire von Hagen Ulrich

Als die Schüsse fielen und Schreie ertönten und Elias von der Treppe der alten Villa aus sah, wie Jan langsam mit einem ungläubigen Ausdruck im Gesicht zusammenbrach, krallte sich eine eisige Faust um sein Herz. Wie konnte das sein? Wer schoss da auf Jan? Und warum?
Jans Großtante schrie, mit Schmerzen in der Stimme: »Hilfe!« Sie hielt sich den Arm und blickte gleichzeitig auf den vor ihr liegenden Jan.
Aus der angrenzenden Küche kam Clemens ins Foyer gestürzt und blieb betroffen vor dem am Boden liegenden Körper seines Großneffen stehen. Schnell griff er nach dem alten Bakelit-Telefon, das neben dem Eingang auf einem kleinen Tischchen stand. Dort landete auch immer die Post für die Bewohner des Hauses.
Der alte Herr behielt einen klaren Kopf, obwohl er so weiß war wie eine der Marmorstatuen, die sich im Garten befanden.
»Elias, ich kümmere mich um Jan und Monika. Schnapp dir den Schweinehund.«
Unbeschreibliche Wut ergriff den jungen Buchari-Vampir und mit einem unartikulierten Schrei brach die Wut aus ihm hervor.
Er hatte zwar Angst um Jan, wusste aber auch, dass es nur wenig gab, was einen Vampir umbringen konnte. Kugeln aus einer Pistole gehörten nicht dazu. Er sprang die Treppe runter und beugte sich über den an der Haustür liegenden Jan. Blut lief aus mehreren Wunden und sammelte sich in einer Lache. Der Blutgeruch weckte die uralten Instinkte des jungen Vampirs. Seine Fänge meldeten sich und traten hervor.
Habibi, halte durch! Den Kerl lasse ich nicht entkommen. Der hätte auch unsere Kinder treffen können. Oder Clemens. Was ist mit Monika? Rasch sah er sich um. Sie lag ein paar Schritte entfernt am Boden, die Hand auf ihren Arm gepresst. Rasch ging Elias zur ihr und zog die Hand weg. Zwischen den Fingern sickerte Blut hervor und entsetzt schlug er sich mit der Hand auf den Mund. Sie hatte einen Streifschuss abbekommen, war aber bei Bewusstsein.
»Junge, es geht schon, es ist nicht so schlimm«, stöhnte die alte Dame.

Hagen Ulrich - Band 3 Jagd der Vampire
Hagen Ulrich – Band 3 Jagd der Vampire

Elias richtete sich auf und sprang aus der Villa. Suchend glitt sein Blick die Straße hinunter. Der Zusteller, der ihnen angeblich ein Paket hatte liefern wollen, bestieg gerade seelenruhig einen Lieferwagen und wollte davon fahren.
Durch die Schüsse aufgeschreckte Passanten blieben auf dem Gehsteig stehen. Einige zückten ihre Handys und telefonierten. Elias Blick folgte dem gelben Postwagen, der gerade startete und sich in Bewegung setzte. Ganz normal, nicht einmal besonders schnell.
Elias sprintete dem fahrenden Lieferwagen hinterher und sprang mit einem gewaltigen Satz durch die offene Hecktür. Im Laderaum stolperte er. Nach Halt suchend riss er einen Stapel Pakete um und wurde von den umstürzenden Paketen begraben. Mit einem Fluch machte er sich frei und packte durch die offene Laderaumtür den Fahrer am Kragen.
Der verriss das Lenkrad mit einem erstaunten Blick, als er Elias sah, und dann knallte das Fahrzeug gegen einen der Alleebäume in der Kronprinzenstraße. Elias und der Fahrer wurden aus dem Fahrzeug geschleudert und landeten auf der Straße, schlitterten über den rauen Asphalt.
Etwas benommen griff der Fahrer in seine Jacke und zog erneut die Pistole. Er richtete sie auf Elias und drückte ab. Der Vampir rollte sich blitzschnell zur Seite ab und sprang auf den Schützen zu. Kugeln pfiffen ihm um die Ohren, eine Kugel streifte ihn am Arm und er schrie wütend auf.
»Ich schicke dich in die unterste aller Höllen, du dreckiger Hund!«, donnerte Elias auf den Killer herab. Und dann kam Elias über ihn und trat ihm gegen die Hand, die die Pistole hielt.
Der Mann wehrte sich, so gut es eben ging, hatte aber gegen einen Vampir keine Chance. Und schon gar nicht gegen einen Vampir mit einer mörderischen Wut im Bauch. Elias dachte an den Großteil seiner Familie, die er vor Jahren durch einen Irrtum verloren hatte, er dachte an Jan und Nina, die ihre Eltern durch einen irren Anschlag verloren hatten. Grandmère hatte ihn einst beruhigen müssen, als seine Familie bei dem Flugzeugunglück starb und er hatte zu einem Rachefeldzug starten wollen. Sie hatte ihn davon abgehalten, doch er hatte diese Wut nie vergessen und tief in sich begraben. Jetzt kam sie wieder hervor. Der Fahrer hatte nicht auch nur den Hauch einer Chance.

Jörg Paulus verstand die Welt nicht mehr. Die Stimme mit den roten Augen hatte ihm doch versprochen, dass jetzt alles besser werden würde. Er hatte seine Aufgabe erledigt, gut sogar, denn der Mann, auf den er geschossen hatte, konnte das unmöglich überlebt haben. Und das hatte die Stimme zur Bedingung gemacht. Doch jetzt schwieg die Stimme und er sah die roten Augen nicht mehr.
Wo ist denn meine Belohnung?, dachte er benommen. Kurz konnte er sich aufrappeln und auf die Knie aufrichten. Er tastete nach der Pistole, die ein Stück weiter geschlittert war. Der Fuß des Angreifers donnerte in seine Seite und mit einem widerlichen Geräusch brachen seine Rippen. Wenn er nur an seine Pistole herankäme.
Kurz gelang es ihm, die Pistole zu erhaschen. Er fühlte den Lauf, doch dann griff eine Hand nach seinem Hals und er bekam keine Luft mehr. Grüne, leuchtende Augen mit geschlitzter Pupille starrten ihn an und langsam dämmerte es dem Fahrer, dass das hier vielleicht doch nicht so gut ausgehen würde für ihn.
Mit letzter Kraft schlug er mit der Pistole dem Gesicht seines Angreifers und fühlte, wie sich der Griff kurz lockerte. Doch mit unglaublicher Gewalt wurde ihm die Waffe entrissen. Ungläubig starrte er auf Mündung der Waffe, die sich aus ein paar Meter Entfernung auf ihn richtete. Blut spritzte und etwas verspätet bemerkte er, dass die Waffe von einer Hand gehalten wurde. Seiner Hand, die immer noch am Ende seines Armes saß. Aber der Arm war ja so weit weg?
Dann bahnte sich ein grauenhafter Schmerz den Weg durch den Schock in sein Hirn und Jörg kreischte schrill. Er wandte den Kopf und starrte auf den Stumpf seines Armes, aus dem das Blut spritzte.
Es heißt, dass das Gehör als Letztes schwindet, fuhr es Jörg Paulus durch den Kopf, als es dunkel wurde.
»Fahr zur Hölle, Bastard!« war das Letzte, was er hörte, als ihm der Kopf mit einem heftigen Ruck auf den Rücken gedreht wurde und seine Wirbelsäule brach.

Sirenen heulten durch die Kronprinzenstraße, von beiden Seiten kamen mehrere Polizeifahrzeuge. Beamte in Schusswesten und Helm sprangen aus den Mannschaftswagen und drängten neugierige Passanten beiseite. Langsam näherten sie sich Elias. Sie richteten die Waffen auf den blutbespritzten Medizinstudenten, der sich schwer atmend über die Leiche des Killers beugte.
Vorsichtig und mit den entsicherten Waffen im Anschlag näherten sich drei Beamte.
Elias atmete tief durch und verbarg seinen Kopf zwischen den Armen. Seine Fänge verschwanden im Kiefer und die Augen bekamen ihre normale Färbung, auch wenn es ihm mit dem Blutgeruch in der Nase nicht gerade leichtfiel.

»Heben Sie die Hände über den Kopf und stehen Sie langsam auf!«, rief einer ihm zu. »Strecken Sie die Hände aus!«
»Ich bin unbewaffnet! Und ich habe mich nur verteidigt, als dieser Irre uns angriff!«, knurrte Elias.
»Ganz ruhig. Es ist alles in Ordnung.«
»Nicht ist in Ordnung«, brüllte Elias. »Wie kann es denn in Ordnung sein, wenn plötzlich jemand auf uns schießt?«
»Beruhigen Sie sich, Herr …?«, rief der Beamte erneut.
»Elias Al-Buchari«, sagte Elias heftig atmend und versuchte sich zu beruhigen.
»Ist mit Ihnen alles in Ordnung? Sind Sie verletzt?«
»Ich glaube, mich hat eine Kugel am Oberarm gestreift. Aber es ist nicht schlimm«, antwortete Elias. Er fühlte sich auf einmal sehr erschöpft. »Was ist mit den anderen? Mein Partner wurde getroffen und seine Tante.«
»Hilfe ist unterwegs. Kommen Sie mit, dann können Sie sich versorgen lassen«, sagte einer der Beamten und griff ihm vorsichtig unter die Arme.
Elias ließ sich hochziehen. Im Weggehen belauschte er mit seinem feinen Gehör, wie die anderen Polizisten sich leise unterhielten.
»Schau dir die Leiche an! Der hat den Killer mit bloßen Händen in Stücke gerissen und ihm den Hals umgedreht. Der Kerl könnte er sich jetzt auf den eigenen Arsch starren, wenn er noch lebte.«
»Hast du das schon mal gesehen?«
»Das bekommt man sonst nur in schlechten Splatterfilmen zu sehen. Himmel, wir werden die Straßenreinigung brauchen, wenn die Spurensicherung fertig ist.«
»So ein schmales Handtuch. Er hat einen Streifschuss und erledigt einen Bewaffneten mit bloßen Händen. Nicht zu fassen.«
»Vielleicht das Adrenalin, das soll ja manchmal ungeahnte Kräfte freisetzen.«
»Ich bin gespannt, was seine Vernehmung ergibt.«

Zwei Sanitäter verließen gerade die Villa mit einer Bahre und Elias riss sich von dem Beamten los, der ihn stützte. Mit wenigen Sprüngen erreichte er den Krankenwagen, wo Clemens stand. Der alte Imker wandte sich an Elias, ohne den Blick von Monika abzuwenden, die gerade in den Transporter geschoben wurde. Sie schien kaum ansprechbar und starrte Elias an. »Wie geht es ihr?«, fragte Elias besorgt.
»Monika hat einen Streifschuss und einen schweren Schock. Sie bringen sie sicherheitshalber ins Krankenhaus und ich komme mit. Ich melde mich bei euch. Bleib du hier. Drinnen ist Hubert mit Dr. Broich beschäftigt, sie kümmern sich um Jan.«
Elias nickte und eilte in die Villa. Auf dem Boden lag Jan und atmete etwas mühsam, war aber bei Bewusstsein. Der alte Doktor Schäfer gab gerade den Sanitätern die Anweisung, den Patienten in seine Praxis zu bringen. »Das geht doch nicht!«, protestierte ein Notarzt. »Der Mann muss auf die Intensivstation!«
Dr. Broich, der jüngere Partner von Hubert Schäfer und selbst Notfallmediziner, zog den Notarzt auf die Seite. »Herr Kollege, ich versichere Ihnen, wir wissen genau, was wir tun.« Mit einem skeptischen Blick auf die blutenden Wunden gehorchten die Sanitäter.
Dann traf Hauptkommissar Lux ein. Der erfahrene Beamte übernahm die Leitung und ließ sich einen kurzen Bericht geben.
»Was ist mit ihm?«, fragte danach einer der beiden Polizisten, die Elias immer noch misstrauisch von der Seite ansahen. »Sollen wir ihm Handschellen anlegen?«
»Nein, das ist nicht nötig«, sagte Lux und wandte sich an den jungen Vampir, der noch immer zitterte.
»Was ist hier eigentlich passiert? Auf Sie und Jan ist geschossen worden?«
Elias atmete tief durch. Alles wird gut, Jan ist bald wieder auf dem Damm und Monika ist auch nicht schwer verletzt. Dann berichtete er dem Kommissar, an was er sich erinnerte.
»Herr Lux, was war das für ein Irrer? Wer schießt auf uns?«
»Keine Ahnung, wir versuchen herauszufinden, wer der Täter ist. Die Spurensicherung müsste gleich da sein. Wollen Sie sich vielleicht setzen?«
»So voller Blut? Monika reißt mir den Kopf ab, wenn ich hier alles vollsaue«, sagte er automatisch und sah an sich herunter. Nachdem er sich mit dem Killer im Dreck und in Blut gewälzt hatte, klebte eine unappetitliche Masse an ihm und der Geruch stieg ihm erneut in die Nase.
Er fauchte, seine Fänge kamen wieder hervor und der Kommissar sah den jungen Vampir mit aufgerissenen Augen an.
»Schätze, es ist besser, wenn Sie sich erst einmal waschen. Und vielleicht etwas zu sich nehmen. Vielleicht einen Tee zur Beruhigung. Oder etwas anderes.« Lux räusperte sich. »Später unterhalten wir uns weiter.«
»Kann ich nach Jan sehen?«
»Natürlich, vielleicht braucht Dr. Schäfer Hilfe.«
Siedend heiß fiel Elias etwas ein. Er sah auf die Uhr und hielt den Kommissar am Arm fest.
»Marius und Rasmus müssten bald aus dem Kindergarten abgeholt werden. Ich müsste eigentlich gleich los.«
»Nein, ich möchte, dass Sie in der Nähe bleiben. Wenn Sie so in den Kindergarten fahren, haben wir bald den nächsten Einsatz«, sagte Lux. »Wo sind Ihre Söhne?«
Elias nannte ihm die Anschrift des Kindergartens.
»Ich schicke eine Kollegin hin, die sich darum kümmert. Gehen Sie zu Herrn Meyer-Frankenforst.«
Ein Beamter kam und forderte den Kommissar auf, ihm zu folgen. Noch immer war Sirenengeheul zu hören und der blinkende Schein des Blaulichtes flutete durch das Fenster.

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Über Hagen Ulrich

Hagen Ulrich, Jahrgang 1967, lebt mit Ehemann und sieben Katzen in Bonn am Rhein. Hexen, Drachen, Vampire und andere magische Wesen sind kein Problem, wenn man sie ordentlich verwaltet. Schließlich hat in Deutschland alles seine Ordnung. Basierend auf dieser Idee, entwickelte er die Idee einer Behörde, die sich um die Belange magischer Mitbürger kümmert. So entstand das Bundesamt für magische Wesen. Hagen Ulrich kam nach dem Besuch einer Ladys Night zu Twilight zum Schreiben und veröffentlicht seine Romane im Himmelstürmer Verlag in Hamburg.

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