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Das Tier von Sandra Gernt und Sandra Busch

Das Tier, ein Gay Romance Roman von Sandra Busch und Sandra Gernt

Schreckliche Morde sind in Hockenbruck geschehen. Doch der Mörder ist gefasst und sitzt im Kerker ein. Es ist das Tier. Nach sieben Monaten Einzelhaft trifft es ausgerechnet in den Verliesen auf seinen Engel, der ihm die Kraft gibt seine Fesseln zu sprengen und in die Freiheit zu entfliehen – verfolgt von jenen, die es zu dem machten, was es nun ist.

Produktdetails:

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 453 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 156 Seiten
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00D5Z51P6

Leseprobe aus “Das Tier”

Es war eine Nacht wie jede andere. Oder zumindest hätte es eine Nacht wie jede andere werden sollen. Cyrian stand an seinem Platz in der von Gaslaternen schummrig beleuchteten Straße und bot sich mit einem strahlenden Lächeln den Freiern an. Obwohl er bereits zwanzig Jahre alt war, wirkte er weit jünger, mit dem lockigen blonden Haar und seinen großen braunen Augen traf er den Geschmack der Lustsuchenden und der ewige Hunger in seiner Kindheit hatte ihm eine schmächtige Statur verpasst. Nachdem er sich als Dieb nicht geschickt genug angestellt und Meister Flinkfinger ihn fortgeprügelt hatte, hatte ihn seine Mutter – Brudfor habe sie selig – kurzerhand zum Anschaffen an die Straße gestellt. Nun nutzte er seine jugendliche Erscheinung schamlos aus, um den Preis nach oben zu treiben. Schließlich gab es einen gewissen Kundenkreis, der umso mehr zahlte, je jünger der sich Anbietende war.

Das Tier von Sandra Busch und Sandra Gernt
Das Tier von Sandra Busch und Sandra Gernt

Ein Mann näherte sich ihm. Er war einer von der Stadtwache, was nicht ungewöhnlich war. Die Wachen kamen oft in die Rotenbachstraße, selten dienstlich, manchmal privat, manchmal um Schweigegeld zu erpressen, da das Treiben in dieser Straße eigentlich unter Strafe stand. Cyrian setzte sein einstudiertes Lächeln auf und als der Mann zustimmend nickte, winkte Cyrian ihn in eine dunkle Gasse. Hier pflegte er seine Kunden zu bedienen. Ein Zimmer konnte er sich nicht leisten, denn er sparte eisern. Schließlich würde er nicht ewig jung bleiben und sein Auskommen mit seinem blanken Hintern verdienen können. Und die Herbergsväter nahmen horrende Preise, damit die leichten Herren für eine halbe Stunde auf dem Rücken liegen konnten.

„Wie kann ich zu Diensten sein?“, fragte Cyrian und wandte sich dem Freier zu.

„Es geht nicht um mich, du Wicht. Aber du bist bestimmt ein nettes Geschenk.“

Verwirrt blinzelte er. „Was?“

Plötzlich tauchten zwei weitere Wachen aus dem Dunkel auf. Ehe Cyrian reagieren konnte, wurde er von starken Händen gepackt und festgehalten. Ein Knebel fand den Weg zwischen seine Zähne und seine Arme wurden ihm auf den Rücken gebogen und dort fest verschnürt. Angstvoll brüllte er auf. Er hatte von Privatorgien gehört, an denen Schicksalsgenossen unfreiwillig hatten teilhaben dürfen. Sollte ihm ein ähnliches Los blühen?

„Zappel ruhig. Du wist noch mehr zappeln, wenn dich das Tier in seinen Fängen hat.“ Amüsiertes Gelächter erscholl um ihn her, ehe er grob mitgezerrt wurde.

Das Tier?

Cyrian wurde ganz steif, was die Wachen nicht davon abhielt, ihn einfach mitzuschleifen. Jeder hatte von dem Tier gehört, dem gnadenlosen Serienmörder, der seit geraumer Zeit in der finstersten Kerkerzelle des Gefängnisses saß. Grausam hatte er seine Opfer zur Strecke gebracht und sie in seiner Wut regelrecht in Stücke zerhackt und zerrissen. Allesamt waren sie Angehörige der gehobenen Schicht gewesen und es ging ein deutliches Aufatmen durch ihre Reihen, nachdem man das Tier endlich gefasst hatte. Für Cyrian und viele andere war es allerdings ein unerklärliches Phänomen, warum man den Mörder nicht längst hingerichtet hatte.

„Das wird ein Spaß!“ Die Wächter lachten.

„Ob er das zu würdigen weiß, wie wir uns um seine Bedürfnisse kümmern?“, fragte einer feixend.

„Und gleichzeitig räumen wir den Abschaum von der Straße“, fügte ein weiterer hinzu. Cyrian trat ihm gegen das Schienbein. Er war kein Abschaum! Prompt kassierte er eine Backpfeife.

„Tritt ruhig“, wurde ihm hämisch ins Ohr geflüstert. „Du wirst noch früh genug um dich schlagen, beißen und treten. Wenn du nämlich in den Klauen des Tieres befindest. Dann kannst du heulen und jammern soviel du willst. Da unten in den Kerkerzellen wird dich keiner hören.“

Angstvoll starrte er die Wachen an, die ihn mit sich zerrten. In seinem Magen bildete sich ein dicker, fester Klumpen, der ihm die Kehle hochwanderte und die Luft abdrückte. Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und tropfte ihm in die Augen. Mit aller Kraft versuchte er sich zu wehren, sich loszureißen und zu befreien. Doch er fing sich weitere schmerzhafte Hiebe und Knüffe ein.

„Es soll niemand sagen, dass wir unserem besonderen Insassen nicht alle Wünsche erfüllen.“

Cyrian wurde angegrinst. Leider konnte er den Humor überhaupt nicht teilen.

Unter anzüglichen Witzen und viel Gelächter hatten sie ihm die Kleider vom Leib gerissen, in den Hintern gekniffen und ihre derben Scherze mit ihm getrieben. Der Knebel war fort und auch die Fesseln hatten die Wachen ihm gelöst. Nur einen Fluchtweg gab es nicht, selbst wenn er die kräftigen Männer hätte abschütteln können. Sie waren in die Tiefen des Gefängnisses hinabgestiegen, hatten die letzten düsteren Zellen mit ihren armseligen Bewohnern hinter sich gelassen, um sich dem letzten und wohl erbärmlichsten Loch zu nähern, das es hier gab. Gewaltige Riegel und zahlreiche Schlösser sicherten eine armdicke Tür aus versteinert wirkendem Eichenholz. Cyrians Herz schlug immer wilder, je weiter sie sich diesem Ziel näherten und sein Mut sank auf den Nullpunkt. Mittlerweile fürchtete er, vor Angst ohnmächtig zu werden.

Einer der Wächter entriegelte die zahlreichen Schlösser und öffnete die Zelle. Das finstere Loch, das sich auftat, erschien Cyrian wie ein Zugang in den Abgrund des Diabolischen. Ein grober Stoß, begleitet von einem zynischen „Viel Vergnügen!“, ließ ihn hilflos in das Dunkel taumeln. Den Schatten, der auf ihn zuschoss, fühlte er mehr, als dass er ihn sah. In dem Moment, in dem die Tür zufiel, tat er einen wilden Satz zurück. Er spürte noch Finger, die sein Gesicht und seinen Hals streiften, dann prallte er schmerzhaft gegen eine Wand. Ketten klirrten, als sich das Tier irgendwo vor ihm in der Dunkelheit bewegte. Keuchend kauerte sich Cyrian mit wie verrückt pochendem Herzen an der Wand nieder und schlang die Arme um seinen nackten Leib. Stroh raschelte, es stank nach einem ungewaschenen Körper und Exkrementen. Was für eine Schreckensgestalt mochte da in der Finsternis hocken? Und wie lang waren die Ketten, die das Tier hielten? Würden sie das Monster davon abhalten, ihn umzubringen? Er hörte, wie sich das Tier bewegte, nervös, unruhig … gierig? Tränen der Verzweiflung stiegen in seinen Augen auf.

„Bitte“, wimmerte er voller Panik. „Bitte, ich habe nichts getan.“

Die Geräusche vor ihm verstummten.

Es wartete.

Lauerte.

Cyrian schmiegte sich bibbernd gegen die Wand. Stumm verfluchte er seine Mutter, die ihn auf die Straße geschickt hatte. Er verfluchte auch die Wachen und das Tier, das Schicksal im Allgemeinen und die ganze restliche Welt gleich mit. Irgendwann schlief er ein, geistig und seelisch erschöpft, von Albträumen gepeinigt. Aber der Schlaf war die einzige Flucht, die er ergreifen konnte.

Etwas krabbelte an seinen Zehen. Schlaftrunken trat er danach und drehte sich auf die andere Seite.

Kühl ist es hier, ging es ihm träge durch den Kopf, als er sich zusammenrollte. Erneut berührte ihn etwas am Fuß. Schlagartig war er hellwach und fuhr auf.

Zu spät!

Eiserne Finger umklammerten seinen Knöchel und begannen an ihm zu ziehen.

Das Tier! Das Tier hatte ihn gepackt!

Cyrian begann hilflos zu kreischen, als er bäuchlings durch den Kerkerdreck gezogen wurde, näher und näher an den grausamen Massenmörder heran. Seine Finger krallten sich in das stinkende Stroh, bemühten sich verzweifelt um einen Halt. Er versuchte nach dem Tier zu treten und strampelte wie verrückt.

Eine zweite Hand glitt über seinen Körper und verursachte ihm eine Gänsehaut. Sie packte ihn am Arm, riss ihn rücklings in die Höhe und dann herum. Jetzt rutschte er seitlich auf das Tier zu.

„Neeeeeeiiiiiiiiiin!“, heulte er wie ein erbärmliches Kleinkind. Er war längst nicht mehr Herr seiner Angst. Zu viele Geschichten hatte er über das Tier gehört, eine schauriger als die andere. Und nun befand er sich in dem unnachgiebigen Griff dieser erbarmungslosen Kreatur. Hatte er nicht ebenfalls gehört, dass das Tier seine Opfer gefressen hatte? Würde es seine Zähne auch in sein Fleisch schlagen? Hatten die Wachen es hungern lassen? Himmel! Was von den zahlreichen Gerüchten war wirklich wahr?

Er wurde an einen harten Körper gepresst. Haare streiften kitzelnd seine Haut, als sich ein Gesicht gegen seine Schulter drückte. Cyrian verkrampfte sich, als ihm bewusst wurde, dass das Tier an ihm roch. Die schnüffelnde Nase wanderte über seine Brust und über seinen Bauch bis hin zu seinem Schritt, glitt wieder höher und bohrte sich in seine Haare.

„Ich rieche Sonne an dir“, krächzte eine heisere Stimme. „Und den Frühling.“

Das Tier sprach mit ihm!

„Wer bist du? Was hast du getan, dass man dich zu mir in dieses Loch steckt?“

Cyrian würgte an seiner Angst. Was würde das Tier mit ihm anstellen? Und … und würde es sehr wehtun?

„Rede!“, wurde er von der rauen Stimme angeherrscht. „Rede mit mir!“

Hände schüttelten ihn voller Nachdruck, während das Tier auf ihn einschrie:

„Rede! Verdammt, rede!“

Er ließ lockerer, als der junge Mann zu weinen begann. Wenn er wollte, dass der Kleine sprach, würde er geduldiger sein müssen. Gewiss hatten die Wärter ihn mit abscheulichen Geschichten in den Wahnsinn getrieben. Lügen, alles Lügen!

Thars strich über die weiche Haut seines Leidensgefährten. Er musste selbst ruhiger werden. Seine Gabe nutzen, auch wenn er sie lange unterdrückt hatte und sehr geschwächt war von Hunger und Schmerz und der Sehnsucht nach Freiheit.

Ein Liebesdiener, erkannte er, als er die Witterung des Jungen auf sich wirken ließ. Zu deutlich war der Geruch nach rauen Händen, Schweiß und Sperma. Warum hatten die Wärter ihm so jemanden geschickt? Glaubten sie, es würde ihm nach dem Körper eines Kindes gelüsten? Obwohl – der Kleine war älter als er aussah. Viel erkennen konnte Thars selbstverständlich nicht, auch seine übermenschlich scharfen Augen versagten größtenteils in der lichtlosen Finsternis. Dennoch, dank seines Geruchssinns nahm Thars deutlich wahr, dass der Junge beinahe das Ende des Wachstums erreicht hatte, er musste neunzehn oder zwanzig Jahre zählen.

Wie alt war er selbst noch mal? Während er durch die weichen Haare wühlte, die in sachten Wellen bis an die Schultern des jungen Mannes reichten – schnupperte er da einen Honigblondton? – dachte Thars kurz nach. Mehr als zwanzig Jahre waren es bestimmt. Weniger als dreißig, wenn er sich nicht irrte. Hier unten im Kerker verlor sich alles Denken und Erinnern.

Gleichgültig.

Er musste sich stark konzentrieren. An vielen Händen, durch die der Junge gereicht worden war, hatte Blut geklebt. Schuld. Thars sah flüchtig die Gesichter, alte, junge, grausame, freundliche. Unzählige Menschen, denen der Gestank von Schuld anhaftete. Es war schwierig, all diese Gerüche auszublenden und bis zu dem ureigenen Duft des Jungen vorzudringen. Er gefiel ihm. Süß und unschuldig. Oh, der Kleine hatte gestohlen. Seine Freier ausgetrickst. Einiges getan, um nicht verhungern zu müssen. Er war noch immer sehr kindlich, nicht bloß äußerlich, sondern auch im Inneren. Ein Kind, das tat, was die Erwachsenen ihm befahlen. Das sich freiwillig der Gewalt von Männern auslieferte, weil seine Mutter es ihm befohlen hatte. Thars schnupperte weiter über den schlanken Körper, der mittlerweile still in seinen Armen lag. Über dem Herzen verharrte er, lauschte dem kräftigen Schlag, erkundete mit allen Sinnen diese jugendliche Seele.

„Du hast großes Talent in dir“, flüsterte er. „Der Schöpfer erwartet mehr von dir, als nur ein Gefäß zu sein, in das Männer abspritzen können. Lass mich deine Stimme hören. Sprich mit mir.“

Einzig die hektischen Atemzüge des Jungen antworteten ihm.

„Bist du plötzlich stumm geworden? Komm, rede mit mir. Du hast ja keine Ahnung, wie lange es her ist, dass ich mit jemandem sprechen konnte.“

Angst! Da war viel zu viel Angst in diesem furchterstarrtem Körper. Befürchtete der Bursche etwa, dass er ihm etwas antun wollte? Vielleicht sollte er ihn besser loslassen? Vorsichtig ließ er den Jungen aus seinen Armen gleiten, hielt ihn allerdings am Handgelenk fest.

„Sprich doch“, flehte er, begierig endlich eine andere Stimme zu hören, als die des Kerkermeisters, wenn der irgendeinen Fraß brachte oder in einem Anflug von Großmut den Jaucheeimer leerte.

„Was … was wollen Sie hören?“

Kaum mehr als ein Hauch, aber es war menschliche Sprache! Thars wischte sich mit der freien Hand über das Gesicht, als seine Augen plötzlich feucht wurden.

„Fangen wir mit deinem Namen an, mein Süßer.“

„Ich heiße …“ Der Junge räusperte sich und fuhr dann etwas lauter fort: „Ich heiße Cyrian.“

Ein großer Name, ein starker Name. Ja, Brudfor hatte ohne Zweifel noch Großes mit dem Jungen vor. Cyrian versuchte zaghaft sein Handgelenk zu befreien, woraufhin er den Griff festigte. Sofort stellte der Junge die Bemühungen ein. Der Geruch nach Angst verstärkte sich wieder.

„Fürchte dich nicht, Junge. Ich werde dir kein Leid zufügen. Welche Jahreszeit haben wir da draußen?“, fragte Thars weiter.

„Frühling, Herr. Es ist Frühling draußen. Sie müssen jetzt seit sieben Monaten hier sein.“

Er hörte, wie Cyrian erschrocken nach Luft schnappte. Sicherlich hatte ihn der Junge nicht an sein Schicksal erinnern und damit verärgern wollen.

„Ja“, flüsterte er. „Sieben Monate. Monate ohne frische Luft, dem Wind in den Haaren und ohne ein freundliches Gesicht. Und warum? Weil sie sich nicht trauen, mich hinzurichten.“

Thars spürte regelrecht, wie sich der Junge bei seinen Worten verkrampfte. Verdammt! Er hätte nicht anfangen sollen, über seine Hinrichtung zu reden.

„Hab keine Furcht, Cyrian. Dir droht von mir keine Gefahr. Rück ein Stück näher, mein Süßer, und lass mich ein wenig an deiner Unschuld teilhaben.“

Cyrian lachte verbittert auf. „Unschuldig bin ich wohl kaum.“

„Du hast eine reine Seele. Das ist selten“, flüsterte Thars. Der Junge schwieg dazu, schien sich jedoch ein Herz zu fassen und näherte sich tatsächlich etwas an. Erst in diesem Moment wagte Thars, sein Handgelenk freizugeben. Unbeschreiblich, wie sehr er die Nähe dieses Jungen genoss.

„Wie … wie kann ich Ihnen zu Diensten sein, Herr?“, wollte Cyrian zaghaft wissen. Nun bot sich ihm dieses Unschuldslamm auch noch an. Thars schüttelte den Kopf. Zottiges Haar fiel ihm dabei ins Gesicht, er strich es ärgerlich fort. Vor sieben Monaten war er ein gepflegter Mann gewesen. Heute begeisterte er sich an einem Stück schimmligen Brotes. Es war schon erstaunlich wie sich Prioritäten verschieben konnten.

„Du bist nicht hier, um mich zu erfreuen, Cyrian. Oder magst du von einem ungewaschenen, stinkenden und verlausten Kerl bestiegen werden? Bah! Ich kann selbst riechen, was für Dreck an mir klebt.“

„Weswegen haben sie mich denn dann geholt?“

„Es hat mal eine Zeit gegeben, in der ich in aller Bequemlichkeit gelebt habe. In der mir Schönheiten, wie du eine bist, hinterhergelaufen sind. Sorgenfreie Tage …“ Thars verstummte, würgte an der Bitterkeit, die in ihm aufstieg und versuchte, nicht an seinem Hass zu ersticken. Hass gegenüber denjenigen, die ihn hier wie ein wildes Tier eingesperrt hatten. Er schnaubte wütend. Wahrlich! Zu einem Tier hatten sie ihn gemacht.

„Sie wollen mich mit der Erinnerung an diese Zeiten quälen. Deswegen bist du hier, Süßer.“ Er streckte die Hand aus und ließ sie über Cyrians weiche Haut gleiten. Der Junge zuckte zusammen und sein Atem beschleunigte sich. Er hatte noch immer Angst, war aber zumindest nicht mehr panisch.

„Kannst du singen, Cyrian?“, fragte er leise. „Ich würde dich gern singen hören. Du hast eine angenehme, warme Stimme. Bestimmt singst du wie ein Himmelsgeschöpf.“

„Singen? Oh nein, Herr, das wollen Sie nicht wirklich. Ich kenne keine anständigen Lieder.“

Thars’ Finger streichelten über eine bloße Schulter des Jungen.

Gesellschaft, dachte er wehmütig, ist doch ein kostbares Gut.

„Du kannst ruhig Gossenlieder singen, Süßer. Ich bin nicht zimperlich. Hauptsache, ich darf deine Stimme hören. Sing für mich.“

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Über Sandra Gernt

Sandra Gernt
Sandra Gernt wurde am 17.03.1976 in der Nähe von Düsseldorf geboren, und lebt mit ihrer Familie noch heute in einem Dorf am Niederrhein. Nach Abschluss der Realschule begann sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete bis zur Geburt ihrer Kinder mit Begeisterung in diesem Beruf. Leider musste sie ihn aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und arbeitet seit 2009 hauptberuflich als Autorin und Lektorin, sowohl für den Dead Soft Verlag als auch selbständig. Meistens spielt die Handlung in phantastischen Welten und umfasst die Palette von Märchen für Kinder bis Horror. Mit „Die Ehre der Am’churi“ hat sie sich zum ersten Mal in das Reich homoerotischer Phantasien gewagt. Weitere Pseudonyme sind u.a. Sonja Amatis (Gay Crime) und Lea Baldow (Hetero/zeitgenössisch)

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