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Der Zauber des Faun von Carol Grayson

Der Zauber des Faun, ein Gay Romance Fantasyroman von Carol Grayson

Nicolas de Vervier, ehemals Hauptmann am Hofe des französischen Königs, zieht nach dem Tod seines geliebten Jarin ruhelos durch die Lande, bis er in einem rumänischen Bergdorf Station macht. Dort trifft er auf den Zigeunerjungen Angelo, der ihn von seinen düsteren Gedanken ablenkt, und das geldgierige Fürstenhaus Codrea, das die riesigen Wälder seiner Ländereien Stück für Stück zu Gold macht. Doch Burg Codrea birgt noch ein Geheimnis, einen ganz besonderen Gefangenen, den Waldgott Aurel. Und dieser hat Nicolas ausersehen, ihn zu befreien. Der Zauber des Faun verändert in diesem Sommer nicht nur das Leben des französischen Hauptmanns, der sich beim Fürsten als Jäger verdingt.

Der Zauber des Faun, ein Gay Romance Fantasyroman von Carol Grayson
Der Zauber des Faun von Carol Grayson

Produktinformation

  • Broschiert: 50 Seiten
  • Verlag: Brighton Verlag; Auflage: 1., Aufl. (6. Oktober 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3942200910
  • ISBN-13: 978-3942200912
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 14,8 x 0,8 cm

Leseprobe aus „Der Zauber des Faun“

Nicolas de Vervier ritt nach Norden. Nachdem er seine Mutter Thérèse verlassen hatte, führte ihn sein Weg zunächst an den Hof des Herzogs von Oranien. „Euer Sohn Jarin ist tot, Eure Hoheit. Er starb an einem seltenen Fieber“, hatte er ihm vor drei Tagen mitgeteilt. Der alte Mann war in seinem Thron zusammengesunken. Seine Blicke gingen ins Leere, und er sprach kein einziges Wort mehr. Daraufhin hatte der ehemalige Hauptmann des französischen Königs sich nur noch stumm verneigt und den Thronsaal wieder verlassen. Was hätte er dem niederländischen Herrscher auch weiter mitteilen sollen? Dass Jarin einem mächtigen Zauber erlegen war? Dass er und Thérèse Jarins Leichnam in einem Wald verbrannt und seine Asche dem Wind überlassen hatten? Oder, dass er selbst die Liebe seines Lebens verloren hatte?

Gedankenverloren schüttelte Nicolas den blondgelockten Kopf und trieb seinen Grauschimmel weiter an. Nein, all das hatte er besser für sich behalten. Dennoch quälte ihn die Erinnerung an den jungen, hübschen Mann, der kurze Zeit in seiner Garde am Hofe des französischen Königs diente und der selbst unglücklich in einen chinesischen Seidenmaler verliebt war. Das Schicksal hatte es mit ihnen allen nicht gut gemeint in den letzten zwölf Monaten.

Die alte Thérèse hatte ihren Sohn besorgt angesehen beim Abschied. Er hatte den Tod seines geliebten Jarin noch lange nicht überwunden. Das sah man ihm an. Seine Wangen waren eingefallen, weil er nur wenig gegessen hatte in der letzten Zeit, und seine blauen Augen hatten das Feuer verloren. Die Mutter küsste Nicolas zum Abschied auf beide Wangen. Dann gab sie ihm einen vollen Beutel mit Silbermünzen – ihr Lohn nach  all den Jahren als Hebamme und Kräuterheilerin. „Für deine Zukunft“, sagte sie. „In meinem Alter braucht man solchen Reichtum nicht mehr.“ Schweren Herzens ließ sie ihn ziehen. Thérèse meinte, er würde Zeit brauchen, all das zu überwinden und schickte ihn hinaus in die Welt. Das zu tun war ihr nicht leicht gefallen, doch sie spürte, dass es richtig war, obwohl sie beide nicht wussten, ob und wann sie sich jemals wiedersehen würden. Die Liebe würde ihm erneut begegnen, hatte sie gesagt, und ihren Sohn dabei so seltsam angesehen.

Also war er losgezogen, hatte in Oranien seine französische Uniform verkauft und sich schlichtere Kleidung besorgt. Seine Haare waren nun nicht mehr gestutzt und fielen in sanften Wellen bis auf seine Schultern. Stattdessen ließ er sich einen eleganten, schmalen Oberlippenbart stehen. So wirkte Nicolas wie ein junger Edelmann auf Reisen und nicht mehr wie der gestrenge Kommandant der königlichen Garde. Nur seinen Degen behielt er bei sich.

In Deutschland brauchte er dann ein neues, frisches Pferd, da sein eigenes zu erschöpft war. In der Nähe von Hannover kaufte er bei einem Händler diesen jungen Kladruber Schimmel, ein kräftiges, grobknochiges Pferd, das ihn treu durch die Lande in Richtung Osten trug.

Keiner der König- und Fürstenreiche, die er durchquerte, reizte ihn genug, um sich dort in Dienst stellen zu lassen. Zu sehr waren seine Gedanken in die Vergangenheit gerichtet. Es dauerte lange, bis Jarins Bild in seinem Kopf zu verblassen begann. Aber die Wunde in seinem Herzen wollte und wollte nicht heilen. Er hatte kein bestimmtes Ziel vor Augen und ließ sich einfach so hinein treiben in die Tage und in ein neues Abenteuer. Aber mit den Wochen schwanden auch die Münzen in seinem Geldbeutel. Irgendwann würde er irgendwo bleiben müssen, um sich sein Brot zu verdienen. Besondere Fertigkeiten besaß er nur als Soldat im Umgang mit Degen und Säbel. Oder auf der Jagd. Die hatte er bislang eher aus Notwendigkeit betrieben, um sich zu ernähren.

Je länger er nach Osten ritt, desto urwüchsiger wurde die Landschaft, in der sich nur noch vereinzelte Siedlungen befanden. Eines Tages machte er in einem Dorf am Fuße eines Gebirgszuges Halt. Neugierig schaute er sich um. Hinter den etwa dreißig Häusern und den umliegenden Höfen erstreckte sich ein dichter, grüner Wald, der sich bis hinauf auf die ersten hundert Meter der Berge ausdehnte. Ein gut sichtbarer Pfad führte in Schlangenlinien bergauf zu einer mächtigen Festung, die irgendwie fehl am Platze zu sein schien. Was wollte dieses Bollwerk bewachen? Diese Handvoll Fachwerkhäuser, die sich zu ihren Füßen versammelt hatten? Wer sollte den Bauern und Handwerkern ein Leid antun wollen?

Nicolas Blick schweifte noch höher. Die Bergspitzen waren mit Schnee bedeckt und glitzerten in  eisiger Schönheit in der Sonne. Dort oben musste es bitterkalt sein. Aber die Temperaturen in den Tälern stiegen bereits auf angenehme Plusgrade. Der Frühling war ins Land gezogen, und die Schneeschmelze ließ nicht nur die Flüsse ansteigen, sondern brachte neue Geschäftigkeit unter die Menschen. Die Natur erwachte aus ihrem langen, dunklen Schlaf. Die Felder mussten bestellt werden, und der Handel begann wieder zu blühen. Schon von weitem konnte Nicolas das Schlagen von Äxten und das rhythmische Rasseln von schweren Sägeblättern hören. Offenbar waren einige Holzfäller bei der Arbeit. Diese Vermutung wurde bestätigt, als ihm zwei große Fuhrwerke mit Holzstämmen entgegen kamen. Er grüßte die einfachen Leute auf dem Kutschbock höflich, doch diese würdigten den fremden Reiter keines Blickes. Vielleicht verstanden sie seine Sprache nicht?

Vor dem Rasthaus im Dorf stieg er vom Pferd und übergab dieses einem barfüßigen, ungepflegten Knaben zum Absatteln und Füttern. Er drückte dem Jungen eine Kupfermünze in die Hand und betrat den stickigen Gastraum. Der Geruch von Bratfett und kaltem Bier schlug ihm entgegen wie eine Nebelwolke. Er war bis auf einen weiteren Gast allein im Raum. Über dem offenen Feuer brodelte ein Kessel mit undefinierbarem Inhalt, den der Wirt als Suppe bezeichnete. Daneben drehte ein etwa achtjähriger Junge mit einer Hand ein kleines Schwein am Spieß über einer zweiten Feuerstelle. Mit der anderen Hand bohrte er in der Nase. Der Wirt begrüßte den neuen Gast mit kehligen, fremdartigen Lauten. Tatsächlich verstand Nicolas kein Wort. Also deutete er auf den Braten am Spieß, das Brot im Korb auf der Theke und die Fässer mit Bier. Der Wirt nickte erfreut und bereitete dem Neuankömmling eine deftige Mahlzeit zu.

Nachdem die Magd alles aufgetragen hatte, fing Nicolas den hungrigen Blick des anderen Gastes auf, eines dunkelhäutigen Jungen mit langen, schwarzen Locken und einer goldenen Creole im rechten Ohr, der mit Spielkarten hantierte. Ein weites, beigebraunes Hemd trug er, dazu schwarze Hosen. Offensichtlich ein Zigeuner, mutmaßte Nicolas im Stillen und ließ es sich schmecken. Doch der Blick des Jungen ging ihm nicht aus dem Kopf, also winkte er ihn zu sich an den Tisch. „Angelo“, stellte der Junge sich kurz vor, bevor er sich setzte. Der ehemalige Hauptmann des französischen Königs nickte und bot dem Jungen an, mit ihm zu essen. Der ließ sich das nicht zweimal sagen und begann, Brot und Fleisch wahllos in sich  hineinzustopfen.

„Hast wohl lange nichts mehr gegessen?“, amüsierte sich Nicolas und wies die Magd an, einen zweiten Becher zu bringen. Angelo nickte heftig, ohne mit dem Kauen aufzuhören.  Schön, dass es dir schmeckt“, schmunzelte Nicolas und trank sein Bier aus. Er fühlte sich rundum wohl an diesem jungen Frühlingstag.

Dann fiel ihm etwas ein. „Sag mal, verstehst du meine Sprache?“, fragte er verwundert.

Der Junge hörte mit dem Kauen auf, schluckte den letzten Bissen herunter und lächelte Nicolas an. Seine schwarzen Augen blitzten voller Lebensfreude. „Si, ich verstehe gut. Wir kommen viel rum mit Zirkus“, gab er bereitwillig in gebrochenem Französisch Auskunft. Sein Akzent klang hart mit einem rollenden „r“.

Über Nicolas Gesicht huschte nun ebenfalls ein Lächeln. „Dann seid ihr Artisten?“

„Si, Vater sein Feuerschlucker, Mutter tanzt Seil und ich…“, er schlug sich jetzt stolz auf die Brust, „…ich werfe Messer.“

„Donnerwetter“, murmelte Nicolas nicht unbeeindruckt. Wie alt mochte der Bursche sein? Vielleicht siebzehn oder achtzehn Jahre? „Und ihr kommt bestimmt aus Spanien, richtig?“ Der Junge nickte wieder voller Begeisterung. Ein einfaches Gemüt, dachte Nicolas. Aber seinen Augen nach zu schließen, ein guter Mensch.

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Über Carola Kickers

Carola Kickers
Geboren in Krefeld folgte ich den schriftstellerischen Spuren meines Großvaters Hardy Kickers, der als Komponist und Autor tätig war. Mittlerweile lebe ich am Niederrhein und bin vorwiegend in den Bereichen Mystery und Dark Fantasy tätig. Aber auch Kindergeschichten und der eine oder andere Krimi fließen aus meiner Feder. Einige Romane und viele Kurzgeschichten wurden bislang bei verschiedenen Verlagen und als Hörbücher veröffentlicht. Speziell bei den Vampirgeschichten pflege ich die "Schwarze Romantik". Seit 2010 gibt es Veröffentlichungen unter meinem Pseudonym Carol Grayson.

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