BELALP (BAfmW) – „Sagenhaft“ – Eine Hexe ist im Volksglauben eine mit Zauberkräften ausgestattete, meist weibliche, heil- oder unheilbringende Person. Und genau eine solche Hexe bildet den Mittelpunkt einer alten Walliser Geschichte und der verrücktesten Volksabfahrt, der Belalper Hexenabfahrt der Schweiz.

Die Sage der Belalp Hexe

Die Belalper Hexenabfahrt - Moderne Hexen sind auch auf den Pisten zuhause

Die Belalper Hexenabfahrt – Moderne Hexen sind auch auf den Pisten zuhause

Lange ist es her, sehr lange, da lebte in Naters, genauer gesagt: im Hegdorn am Natischerberg, eine Frau, die wohl etwas „komisch“ war. Wobei: Naters ist nicht ganz korrekt, war doch ihr Haus genau auf der Grenze der zwei Gemeinden Naters und Rischinen. Während die Küche auf Rischiner-Boden lag, gehörten Stube und Kammer zu Naters. Je nachdem, wo sie sich gerade aufhielt in ihrem Haus, war sie dann halt Natischerin oder Rischinerin. Was den Behörden natürlich alles andere als genehm war. Die Eintreiber der Zehntenabgaben könnten noch heute ein Lied davon singen!

Und es soll mehr als einmal vorgekommen sein, dass sich die Beamten der zwei Gemeinden beim Eintreiben der Steuer gegenseitig an die Gurgel gingen, und das nur wegen „dr Häx“ – der Natischer Steuereintreiber Gessler soll sie als erster so genannt haben. Die gute Frau habe dafür nur ein lautes Lachen übrig gehabt, dass man bis zum Nessel gehört haben will. Ihr Mann, der Sepp, war ein kleiner Bergbauer, für den seine Walliser Ziegen und Schwarznasen Schafe sein ein und alles waren. „Dü hettisch gschider eini va dine Mutte cheiratut als mich“, soll seine Frau mehr als nur einmal ausgerufen haben, wusste eine Natischerin zu berichten: „Fer Gott und dr Wahrheit!“. Den Sepp kümmerte das nicht gross, er trank sein Glas Kirsch und verzog den Mund. Kein Wunder, dass bald einmal von Naters bis zur Lüsga allen klar war, dass sie ihren Mann weder liebte noch achtete.

Der Hintergrund der Belalper Hexenabfahrt

Belalper Hexenabfahrt - Hexen im Schnee

Belalper Hexenabfahrt – Hexen im Schnee

Und bald einmal wussten alle, dass „d‘Häx“ einen Geliebten in Birgisch habe. Und da der Weg vom Hegdorn nach Birgisch doch recht lang war, muss sie sich in einen Raben verwandelt haben, um ihn heimlich zu treffen. Oft sah man die schwarzen Vögel am Natischer Himmel. Und ihr Gekreische sei nichts anderes als das liebestolle Geturtel der zwei verlorenen Seelen gewesen. Einer wollte gar schwören, dass er die zwei schwarzen Vögel einmal landen und sich in ein wunderschönes Paar verwandeln sah: „Meh säg i nit!“. Ihrem Mann kam jedoch nie etwas zu Ohren. Auch konnte sie ihm kein Leid zufügen, denn er war gottesfürchtig und rechtschaffen, der Sepp. Wenn der Sommer nahte, zog es die Frau ins Aletschji. Eines Tages kam der Felix bei ihrer Hütte vorbei. Er hatte nach seinen Schafen geschaut und war hungrig und müde. „Komm, setz dich und nimm einen Teller Suppe“, rief ihm die Frau zu. Als sie die Pfanne mit Butter auf den Herd setzen wollte, bemerkte sie, dass etwas fehlte: „Hab einen Augenblick Geduld, ich hol schnell Knoblauch.“ Und schon war sie weg.

Felix fragte sich noch, wo sie im Aletschji Knoblauch holen wolle, als er das Gekrächze eines Raben hörte und die Frau wieder auf der Schwelle stand. Es war zwölf Uhr und die Suppe schmeckte köstlich. Am nächsten Tag hörte der Felix in Naters, dass der Sepp vom Hegdorn tot sei. In Blatten vom Kirschbaum gefallen, gestern Mittag. Man fand ihn am Fusse der Leiter neben einer leeren Flasche Kirsch. Ein Rabe sei über dem Baum gekreist.

Die Belalper Hexenabfahrt - Moderne Hexen sind auch auf den Pisten zuhause

Die Belalper Hexenabfahrt – Moderne Hexen sind auch auf den Pisten zuhause

Für den Felix war der Fall klar: Als „d‘Häx“ das schmackhafte Kraut aus einem Garten in Naters holte, muss sie auf ihrem Rückflug in Blatten ihren ungeliebten Mann beim Kirschenpflücken gesehen haben. Sie flog in die Krone des Kirschbaumes und spritzte ihren Kot in die Augen des überrascht aufblickenden Mannes. Dieser erblindete augenblicklich, verlor das Gleichgewicht und brach sich den Hals. „Het woll vergässu, dr Englisch-Grüöss z’bätu“, fügte er noch hinzu, hätte das Gebet den frommen Mann ja doch schützen müssen!

Nun hatten die Behörden genug. „D‘Häx“ wurde im Aletschji gefangen und des verborgenen Rabenfluges und des Mordes an ihrem Mann angeklagt. Unter schrecklicher Folter gestand sie die Verbrechen und wurde zum Tode auf dem -> Scheiterhaufen verurteilt. Die Hexe wurde im Hegdorn verbrannt, wo die Richtstätte immer noch „Hägsch-Schädji“ heisst.

Jahrhunderte später hat der Skiclub Belalp zu Ehren des Mannes diese Hexenabfahrt ins Leben gerufen. Aus überlieferten Quellen starb der Mann auf dem Kirschbaum im heutigen Zielraum in Blatten. Und noch heute, so hört man, solle anlässlich der Hexenabfahrt von der Belalp nach Blatten einigen Fahrern und Fahrerinnen vom Gekreisch der Raben ganz schwindlig werden. Und auf den Sieger warte beim Kirschbaum im Zielraum eine gute Flasche Kirsch. Eine volle…

35. Belalper Hexenabfahrt vom 7.-14. Januar

„D’Häx isch los!“ – Wenn die Skifahrer ihre modernen Thermoklamotten gegen schrille Kostüme tauschen und die Sonnenbrille einer furchterregenden Maske weichen muss, dann ist es wieder soweit: „D Häx isch los– Die verrückteste Volksabfahrt der Schweiz findet statt!“.

Vom 07. bis 14. Januar 2017 findet die -> 35. Belalp Hexen-Woche statt.

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