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Die Erben der alten Zeit – Ragnarök von Marita Sydow Hamann

Die Erben der alten Zeit, ein Urban Fantasyroman von von Marita Sydow Hamann

Die 15jährige Charlotta Johansson, genannt Charlie, hat den Giftmordanschlag des bösartigen Magiers Oden überlebt, dabei aber jenes Amulett an ihn verloren, das die Reise zwischen der Erde und dem Planeten Godheim ermöglicht. Während Charlie auf Godheim festsitzt, startet Oden seinen magischen Angriff auf die Erde. Damit hängt nicht nur das Schicksal Godheims, sondern auch das Schicksal der Erde an Charlie. Denn gemäß einer uralten Prophezeiung, soll nur Charlie Oden noch stoppen können. Doch die hat nicht die mindeste Ahnung, wie die mystische Waffe aussieht, die ihr eine Chance geben soll. Sie weiß ja nicht einmal, wie sie ihre in Gefangenschaft geratene Freundin Hanna aus Odens Burg Asgard befreien kann. So macht sie sich mit ihren Freunden auf die gefahrvolle Suche nach jener jungen Frau, die ihr mehrmals in Visionen erschienen ist. Ob dies der richtige Weg ist?

Das Fantasy-Abenteuer „Ragnarök“ ist der dritte und letzte Teil der Trilogie „Die Erben der alten Zeit“. Auch in diesem Band führt Marita Sydow Hamann die Leser aller Altersklassen in Welten, die auf eine unnachahmliche Art mit der nordischen Mythologie verwoben sind und die selbst für eingefleischte Fantasy-Fans viel Neues enthalten. In „Ragnarök“ laufen die einzelnen Erzählstränge der vorausgegangenen Bände zusammen. Die einzelnen Puzzlesteine fügen sich zu einem Bild. Alles macht Sinn – und ist doch vollkommen anders, als sich der Leser bislang gedacht haben mag. Wahrlich ein Buch mit Überraschungen!

Produktinformation

  • Verlag: SANTICUM MEDIEN; Auflage: 1 (29. September 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3950365885
  • ISBN-13: 978-3950365887
  • Preis Hardcover: 19,80 Euro
  • Preis ebook: 9,99 Euro

Leseprobe aus “Die Erben der alten Zeit – Ragnarök”

 

  1. Jonas Befürchtungen
Die Erben der alten Zeit - Ragnarök von Marita Sydow Hamann
Die Erben der alten Zeit – Ragnarök von Marita Sydow Hamann

Der Wind rüttelte an den Fensterläden und trieb eisige Schneeflocken gegen das dunkle Glas. Die kleinen wirbelnden Kristalle wurden kurz vom Kerzenlicht im Raum erhellt und verschwanden dann im Dunkeln entlang der Hauswand der Bibliothek von Storby.

Es war früher Nachmittag und trotzdem stockdunkel. Und obwohl die Bibliothek mitten in der Stadt lag, war nirgends Licht zu sehen – keine Autoscheinwerfer, keine Straßenlaternen, keine Schaufensterbeleuchtung, nichts.

Es war Montag, der 29. Mai. Vormittags war es zunächst grau und neblig gewesen, doch dann hatte die Frühlingssonne die Straßen von Storby erwärmt. Saftig grünes Gras und Frühlingsblumen schienen so schnell zu sprießen, dass man fast zusehen konnte und nun …

Mindestens ein Meter Schnee und Hagel bedeckten die Straße, den Parkplatz, die Beete und den Vorhof der Bibliothek. Ein einsames Auto war unter meterhohen Schneeverwehungen und einem riesigen Ast begraben, der aus dem großen Ahorn am Parkplatz gebrochen war. Innerhalb kürzester Zeit hatte dieser unerwartete Sturm die sanfte Landschaft Smâlands in eine Tiefkühltruhe verwandelt, und es schien immer kälter zu werden.

Offenbar breitete sich ein Wirbelsturm mit nie dagewesener Intensität über ganz Europa aus. Auch Teile Russlands und Nordafrikas waren bereits betroffen. Seltsamerweise schien dieser eisige Sturm sein Zentrum genau im smâländischen Storby in Schweden zu haben.

Die wenigen Menschen, die sich zu Beginn des Sturms in der Bibliothek aufgehalten hatten, harrten nun in einem kleinen Konferenzsaal bei etwas Essen und Kerzenlicht aus. Aus dem Keller war das Dröhnen eines dieselbetriebenen Generators zu hören, das dafür sorgte, dass sie nicht froren – noch nicht.

Die junge, sportliche Lehrerin Âsa saß an dem großen Konferenztisch und betrachtete besorgt ihren neunjährigen Schüler Linus, der fern aller Sorgen ein neues Automagazin von einem großen Stapel nahm und unter seltsamen, glottalen Lauten darin herumzublättern begann. Vor jedem neuen Blatt leckte er sich seinen dicken Zeigefinger ab, um auch ja keine der kostbaren Seiten auszulassen. Zwischendurch lachte er laut auf, riss die Hände in die Höhe und flatterte mit seinen fleischigen Fingern in der Luft herum. Dann zeigte er – einen suchenden Blick auf Âsa – mit dem kurzen Zeigefinger auf ein besonders interessantes Auto, wartete ungeduldig ihren aufmunternden Kommentar ab und ging im nächsten Moment wieder zufrieden dazu über, ein Bild nach dem anderen genau unter die Lupe zu nehmen. Âsa seufzte und schüttelte besorgt den Kopf. Sie schob sich die Brille auf der Nase zurecht und fuhr sich durch ihre kurzen, braunen Haare. Âsa war Lehrerin im Zentrum für Autismus und autistische Störungen in Storby. Linus Schule lag gleich neben einer Grundschule, die auch Âsas eigene Kinder besuchten.

Eine ältere Dame mit runden, freundlichen Augen und einem ebensolchem Gesicht lächelte Âsa beruhigend zu und reichte ihr eine neue Tasse Kaffee.

Mit einem »Danke, Kaisa« nahm Âsa die dampfende Tasse entgegen. Kaisa nickte und ließ ihren Blick durch den Raum gleiten. Er blieb an der Tür hängen, durch die Roger, ein junger Student, vor kurzem mit einem gemurmelten »Bin gleich wieder da,« verschwunden war. Mitgenommen hatte er das kleine Radio – ihre einzige Verbindung zur Außenwelt. Kaisa wusste, dass er nach Empfang suchte, um die neuesten Nachrichten aus aller Welt zu hören.

Eva, die Bibliothekarin, war klein und zierlich und hatte kurzes, strubbeliges Haar, das wie ein goldener Haufen Stroh in alle Himmelsrichtungen stand. Ihre wachen, blauen Augen betrachteten einen Bär von Mann, der gedankenversunken mit einem Buch am Fenster stand und nach draußen starrte. Seine muskulösen, sehr kräftigen Oberarme quollen aus einem T-Shirt mit der Aufschrift falsch trainiert hervor, das sich quer über seinen prallen Bierbauch spannte. Tätowierte Schlangen wanden sich seine Arme hinauf, und ein Feuer speiender Drache wickelte sich um seinen Bizeps. Über dem T-Shirt trug er eine Lederweste. Die viel zu großen Füße steckten in abgetragenen, schmutzigen Lederstiefeln. Einige sorgenvolle Runzeln waren auf der Stirn des Mannes erschienen, die nahtlos in eine Glatze überging. Seine rotbraunen Haare trug er stattdessen im Gesicht, dem eine große, knubbelige Nase eine besondere Note verlieh. Die treuen Bernhardineraugen, die Eva so mochte, waren erstarrt.

Jonas sah ins Leere. Nordische Mythologie war auf dem Rücken des Buches zu lesen, in dem er gedankenverloren blätterte. Die rissige, harte Haut, die von harter körperlicher Arbeit zeugte, verursachte ein leises, kratzendes Geräusch auf dem Papier und schien ein einziges Wort aus dem Text herausschaben zu wollen: Ragnarök.

Ein kalter Schauer lief Eva über den Rücken. Sie öffnete den Mund, doch bevor sie etwas sagen konnte, eilte Roger zur Tür herein. Er zog sie hastig hinter sich ins Schloss, trotzdem konnte Eva die Kälte spüren, die wie eine eisige Hand nach ihnen griff.

Alle im Raum – bis auf Linus, der begeistert seine Autos betrachtete – sahen den Studenten mit einer Mischung aus Hoffnung und Angst an.

Roger wechselte einen hastigen Blick mit Jonas, der sich aus seinen Gedanken losgerissen hatte und dem dunklen Fenster den Rücken zukehrte.

»Also …« begann Roger zögernd. Dann holte er tief Luft, als würde er sich wappnen wollen. Er räusperte sich.

»Der Sturm hat ganz Europa, große Teile Afrikas und Asiens in seinem Griff. Jetzt fegt er über den Atlantik und erreicht bald die Küste Kanadas.«

»Was?«, entfuhr es Âsa, die ganz blass geworden war. Roger nickte.

»Es ist überall das Gleiche: Schnee, Hagel, eisige Luft und natürlich Stromausfall und kein Handyempfang, da die Masten umgestürzt sind. Festnetzverbindungen funktionieren offenbar vielerorts noch und die guten alten Radiowellen auch. Internet und viele digitale Geräte gehen dagegen nicht. Keiner weiß warum. Es gibt allerdings auch eine gute Nachricht. Der Sturm hier bei uns lässt nach, also hoffen jetzt alle, dass dieser Albtraum bald ein Ende hat.« Roger verstummte. Jonas spürte, dass er etwas verschwieg.

»Alle hoffen das?«, fragte Jonas mit seiner tiefen Stimme und hob seine buschigen Augenbrauen. »Aber alle glauben nicht daran?«

Roger senkte die Augen. Mit einem flackernden Blick auf Âsa und Kaisa schüttelte der großgewachsene, schlaksige Student langsam den Kopf. Er hob einen seiner langen Arme und nahm seine Lesebrille ab, die ihm auf seiner langen, spitzen Nase herabgerutscht war. Er seufzte.

»Eigentlich glauben sie, dass wir uns im Auge des Sturms befinden. Es ist wie mit einem Wirbelsturm, der über das Land zieht. Im Zentrum des Sturms ist es plötzlich windstill. Gespenstisch«, fügte er hinzu. »Normalerweise zieht ein Wirbelsturm weiter und das Zentrum bewegt sich dadurch. Bei diesem Sturm bleibt das Zentrum dagegen stationär. Er breitet sich lediglich weiter aus.« Roger zuckte etwas hilflos mit seinen Achseln. »Wenn es so weitergeht, dann ist es hier bei uns bald ganz windstill, während der Sturm in enormen Kreisen über den restlichen Erdball fegt. Eigentlich ist es wohl genau das, was schon passiert, und da solch ein Wetterphänomen nicht auf natürliche Weise entstehen kann, sprechen alle von geheimen Experimenten hier in Storby.« Er schnaubte. »Kann sich das einer vorstellen? Eine geheime Einrichtung, die womöglich vom Staat finanzierte Experimente durchgeführt hat und jetzt …« Roger lies den Rest des Satzes in der Luft hängen. Kaisa lehnte sich vor.

»Und jetzt verlangt die Welt eine Erklärung, sonst werfen sie eine Bombe auf uns?«, fragte sie sarkastisch. Âsa ließ einen quiekenden Ton hören und schlug die Hände vor den Mund. Roger lächelte nachsichtig und schüttelte den Kopf.

»Nun, wohl kaum. Sie wissen ja nicht, womit sie es zu tun haben. Voreilige Entschlüsse können verheerende Folgen haben, das sagte zumindest ein sogenannter Experte.« Roger schnaubte wieder. »Experte für was, frage ich mich, wenn sie nicht einmal wissen, womit sie es zu tun haben! Sie diskutieren aber auch darüber, ob nicht Österreich oder Deutschland das Chaos verursacht haben. Ihr wisst doch: Dieser Berg, der heute Morgen ganz Salzburg platt gemacht hat. Und nun gibt es dort diesen seltsamen, blauen Nebel, in dem riesige Felsformationen zu sehen sind.« Roger schlug mit seinen langen Armen aus. »Die Experten glauben natürlich nicht an einen Zufall, also stehen die österreichischen und deutschen Regierungen genauso im Fokus der Weltöffentlichkeit.« Alle schwiegen und sahen sich gegenseitig an. Jonas hielt immer noch das Buch über nordische Mythologie in der Hand und starrte nun auf das Wort, das er mit seinem Daumen markiert hatte: Ragnarök.

»Ich glaube nicht an ein geheimes Wetterexperiment.« Alle Augen richteten sich auf ihn. »Ich muss mit jemandem sprechen, der etwas zu sagen hat«, sagte er dann mehr zu sich selbst als zu den Anwesenden. Hastig sammelte er weitere Bücher zusammen, die alle nur ein Thema hatten: Nordische Mythologie.

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Über Marita Sydow Hamann

Marita Sydow Hamann
Naturtroll, Nordlicht (-elfe), Tierfreund. Autorin von Kinder- und Jugendbüchern, Fantasy und Romantasy

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