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Die Götterbrut von Carol Grayson

Sie sind so alt wie die Zeit und kamen als gefallene Engel auf die Erde. Sie sind schön und gefährlich wie Vampire. Und sie warten auf ein Menschengeschlecht, das sie erneut anbetet. Über die Jahrhunderte haben sie ihr Blut und ihre Eigenschaften als Gestaltwandler in menschlichen Nachkommen hinterlassen. Nun suchen sie nach diesen „Auserwählten“ und ihre Suche beginnt in Mount Pleasant, Michigan. Dort wollen sie den Studenten David Cunningham zu ihrem Werkzeug machen. Dumm nur, wenn der wahre Schöpfer den Menschen einen freien Willen gegeben hat. David und seine Freunde wehren sich gegen die dunkle Magie und müssen so manches Abenteuer bestehen. Und so läuft erstmal nichts nach dem Plan der alten Götter…

Die Götterbrut von Carol Grayson

Die Götterbrut von Carol Grayson

Produktinformation

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 218 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 64 Seiten
  • Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
  • Verlag: MCK Verlag, Kempen (28. Februar 2014)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00IQ94I00

Leseprobe aus „Die Götterbrut“ von Carol Grayson

An diesem Abend hingen die Wolken tief und schwer über der Stadt, und ihre violettgraue Farbe verhieß nichts Gutes. Alles deutete auf ein heftiges Sommergewitter hin. Im Dawns war bereits eine Menge los, und eine mittelmäßige Rockband versuchte, die Gäste zu unterhalten. Karim, Tarek, Billy und David saßen auf Barhockern an der Theke und feierten den Ferienbeginn. An den Tischen fanden sich noch mehr bekannte Gesichter aus der Abschlussklasse, die manchmal lautstark die Musik mitgrölten und sich amüsierten. Trotz des Lärms wirkte die Bar friedlich. Zumindest bis zu dem Augenblick, als sich die Eingangstür mit dem hölzernen Bullauge ein weiteres Mal öffnete und einen Schwall schwülwarmer Luft hereinließ. Die Band machte gerade Pause, und so wandten sich viele Augen zu dem neuen Besucher des Dawns um.

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Ihr Anblick war hinreißend: An der Tür stand eine junge Frau mit langen, glatten, rabenschwarzen Haaren, die über ihren Rücken bis zum Steißbein hinunterflossen. Ein goldenes Stirnband war der einzige Schmuck. Darunter ein anbetungswürdiges herzförmiges Gesicht mit mandelförmigen Augen, die von einem breiten Eyelinerstrich betont wurden. Diese Augen waren mitternachtsschwarz und zogen alle Blicke auf sich. Eine kleine Nase und zarte, volle Lippen rundeten die Ausstrahlung einer exotischen Schönheit ab. Sie trug einen Overall mit Leopardenmuster und eine kurze schwarze Nappalederjacke darüber. An der rechten Seite baumelte eine ebenso schwarze große Ledertasche, aus denen zusammengerollte Papiere ragten.
Billy stupste mit dem Ellbogen David an, doch der reagierte nicht. Gab es eigentlich jemanden, der diese Frau nicht anstarrte? Die unbekannte Schönheit näherte sich der Theke mit geschmeidigen Schritten in halbhohen schwarzen Stiefeletten, die einen mörderischen Absatz besaßen. Mit einem Lächeln zog sie eine der Papierrollen heraus, entfaltete sie und legte noch ein paar Flyer dazu. „Wären Sie so freundlich und würden unsere Werbung hier auslegen?“, flötete sie mit einem verführerischen Augenaufschlag.
John, der Barkeeper, schluckte schwer und nickte nur. „Sel..Selbstverständlich, Ma´am“, sagte er und griff nach dem Plakat. Ein grellbuntes Zirkuszelt und reißerisch große Buchstaben waren darauf zu lesen. Offenbar einer von diesen kleinen Wanderzirkussen, die im Sommer durch das ganze Land zogen. Also war die Unbekannte eine Schaustellerin, doch sie wirkte alles andere als billig. Unbemerkt steckte David einen der kleinen Flyer ein.
Die Lady hatte seine Neugierde bemerkt und heftete ihre schönen Augen auf die vier Jungs. Nacheinander schien sie sie mit leicht schräg gelegtem Kopf zu begutachten, als würde sie überlegen, welchen von den Vieren sie zum Frühstück verspeisen wollte. Den Studenten wurde es warm unter ihren T-Shirts, doch sie wagten nicht, die Fremde zuerst anzusprechen und ihr einen Drink anzubieten. Sie lächelte wieder. Der Lärm um sie herum schien zu verstummen.
„Ich habe hier noch ein paar Werbegeschenke“, sagte sie dann und griff erneut in die große Umhängetasche. Sie zog vier goldene, breite Armspangen heraus, und ehe sich die Vier versahen, hatte sie jedem von ihnen eine um das rechte Handgelenk gelegt. Dabei streichelte sie wie zufällig die Hand des jeweilig Beschenkten. Wie verzaubert ließen David und seine Freunde das mit sich geschehen und sahen der Fremden noch nach, als diese das Lokal wieder verließ, ohne sich noch einmal umzuschauen. Urplötzlich setzten der Lärm und die Musik wieder ein. Die vier Freunde sahen sich verdutzt an.
„Was war das denn gerade?“, fragte David. Die drei anderen schüttelten nur verständnislos den Kopf. „Keine Ahnung, Kumpel“, sagte Karim und wollte zu seinem halbvollen Glas greifen. Da registrierte er den Armreif, der sich fest um sein Handgelenk geschmiegt hatte. Auch die anderen schauten nun auf ihre Handgelenke. Auf jedem der goldenen Reife war ein Symbol eingeprägt. Bei Karim war es ein Krokodil, Tareks Armband zeigte eine Kobra, Billys einen Löwen und Davids eine große, gefleckte Katze. Die Jungs schüttelten den Kopf. Was sollten das für komische Werbegeschenke sein? Das war weder Plastik noch Aluminium, sondern richtig massives Metall, aber trotzdem weich und anschmiegsam. Es fühlte sich auch nicht kalt an, eher warm und pulsierend. Oder war das etwa die Auswirkung der Biere, die die Jungs bereits gekippt hatten?
„Weg mit dem Weiberkram“, knurrte Billy und wollte das Ding von seinem Arm abstreifen. Doch das war nicht mehr möglich. Die Armspangen besaßen keine Öffnung mehr und waren nun zu einer Art Fessel geworden.
„Zum Teufel noch mal, das soll wohl ein schlechter Scherz sein“, fluchte David und betrachtete das Ding von allen Seiten. Es schien tatsächlich keine Öffnung zu besitzen, aber davon wollte er sich die gute Laune nicht verderben lassen. „Morgen werden wir uns die Dinger bei einer Werkstatt entfernen lassen. Heute wird gefeiert!“, verkündete er seinen Freunden und orderte mit einer Handbewegung eine weitere Runde. Damit vergaßen die Vier vorerst den Besuch der fremden Schönheit.

Morgens gegen zwei Uhr brach das Gewitter los. Die vier Freunde hatten ordentlich gebechert. An Fahren war nicht mehr zu denken. Außerdem regnete es in Strömen. Also ließen sie den Mustang stehen und riefen ein Taxi bis zu ihrer Wohnung. Scherzend fuhren sie im Aufzug nach oben, bis sie erschöpft im Loft ankamen und sich direkt auf die Polstersitze im Wohnzimmer warfen. Fast unverzüglich waren sie eingeschlafen, während draußen Blitze über einen onyxfarbenen Himmel jagten. Der Regen hielt bis in die frühen Morgenstunden an. Danach erstrahlte Mount Pleasant in neuem Glanz und roch nicht mehr nach Staub und schwitzenden Menschen, sondern endlich wieder nach Sommer und Blumen. Doch die Pfützen verdunsteten bereis in der Sonne des neuen Tages und bildeten einen feinen Nebel auf dem Asphalt, der zwischen den Alleebäumen bis in die Vorgärten der gepflegten Einfamilienhäuser vordrang. Mount Pleasant trug seinen Namen nicht zu unrecht. Von all dem merkten die vier Studenten nichts. Sie schliefen bis zum frühen Nachmittag.

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Über den Autor : Carola Kickers


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