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Die Wächter von Avalon – Die Prophezeiung von Amanda Koch

Die Wächter von Avalon Band 1, ein Fantasyroman von Amanda Koch

Vertraue darauf, was mit dir geschieht.  Trauer. Sehnsucht. Das verraten die Augen der achtzehnjährigen Esmé Breckett –bis sich ihr Leben auf magische Weise verändert.

Der Geist von Avalon ruft nach ihr und sie fühlt einen Zauber um sich, der sie auf seltsamem Weg Raven Sutton treffen lässt. Aber wer ist dieser junge Mann, der ihr so seltsam vertraut erscheint?

Esmée erfährt von der Prophezeiung der Lichtelfen:

Avalon ist in Gefahr und mit der heiligen Insel auch das magische Land Amaduria. Mächtige Feinde bedrohen die Wächter von Avalon, die Erben des großen Merlin. Die schwarzen Alben sind stark, und in einer Vision sieht EsméRavens Tod. Das dunkle Grauen greift auch nach ihr.

Ist sie wirklich Teil einer Prophezeiung? Kann sie Raven im Zauber der magischen Welt retten?

Produktinformationen:

Leseprobe aus “Die Wächter von Avalon – Die Prophezeiung”

Esmeralda saßauf der Terrasse und schloss die Augen. Es war noch früh am Morgen und die Sonnenstrahlen fielen matt schimmernd durch die grünen Blätter hindurch auf die Erde.

Der nahegelegene Wald duftete bereits nach dem beginnenden Sommer in England und Esmeralda spürte die Wärme der Junisonne auf ihrem Gesicht. Vom See wehte leise ein Windhauch herüber und verfing sich in ihrem langen kastanienbraunen Haar, das ihr lässig über die Schulter fiel und ihr Gesicht umspielte.

Esmeralda war achtzehn Jahre alt und hatte gerade erfolgreich die Highschool abgeschlossen. Ihre Familie war zu Recht stolz darauf, dass sie zu einem zielstrebigen jungen Mädchen heranreifte. Aber trotz all ihrer Bemühungen, trotz all ihres Ehrgeizes, spürte sie doch immer deutlicher, dass sie …in diesem Leben eine Fremde war. Sie spürte eine innere Unruhe, dass sie unbewusst nach etwas suchte und suchte, und ab und an schien es ihr sogar, als sei das nicht allein ihre Suche. Eine innere Macht schien sie dazu zu drängen, nach einer Geborgenheit zu streben, die sich ihr stets entzog, und die sie doch an traurigen Tagen gleichzeitig beschützte. Doch darüber sprach sie nie –weder mit ihren spärlichen Freunden noch mit ihrem sich immer weiter von ihr entfernenden Bruder,geschweige denn mit ihren Eltern.

Die Nebel von Avalon Band 1 von Amanda Koch
Die Nebel von Avalon Band 1 von Amanda Koch

So schmerzlich und seltsam es schien, Esmeralda fühlte sich seit Langem fremd in ihrer Familie, als unverstandene Außenseiterin, ja beinahe so, als wäre sie nicht von dieser Welt.

Ihre grünen Augen verrieten ihre beständig stärker werdende innere Zerrissenheit. Immer weiter zog sich ­Esmeralda in die Einsamkeit zurück, um sich mit den sonderbaren Träumen zu beschäftigen, die sie seit nunmehr zwei Monaten heimsuchten.

Anfangs hatte sich Esmeralda dagegen gewehrt, ständig darüber nachzudenken, schließlich musste sie sich auf ihre Prüfungen konzentrieren. Doch es half nichts, denn je mehr sie versuchte, die Träume zu verdrängen, desto intensiver wurden sie. Und jetzt in den Ferien gab es kaum noch Ablenkung. Die Träume begannen beharrlich mehr Raum in ihren Gedanken einzunehmen. In ihren Träumen folgte sie ihrer großen Sehnsucht nach Geborgenheit, und tagsüber fühlte sich Esmeralda umso zerrissener. Mit niemandem konnte sie darüber sprechen.

Auch heute Morgen war sie noch ganz in ihren Traum aus der vergangenen Nacht versunken. Seltsam plastisch und real erschien ihr das Gesehene darin: Sie stand an ­einem schmalen sandigen Ufer und blickte über einen mit dichtem Nebel verhangenen See. Seegras raschelte leise im Wind. Sie war nicht allein. Ein junger Mann hielt sie fest in seinen Armen, und obwohl Esmeralda ihn nicht kannte, spürte sie keine Angst, sondern tiefes Vertrauen zu ihm.

Der Nebel glitt näher und erreichte das Ufer, um ihre beiden Körper wie ein geheimnisvolles Band zu umschlingen. Aus der Ferne drang der dumpfe Klang fast vergessener Kirchenglocken zu Esmeralda. Die Augenblicke vergingen und Esmeralda spürte die nasskalte Atemluft in ihren Lungen.

Mit einem Mal jedoch machte sich Schmerz in ihrer Brust breit. Der Schmerz, verlassen zu werden. Kam dieser Schmerz aus den dichter wer­‑
denden Nebelschwaden? Unerträglich wurde jenes Gefühl, ihre Brust schien zerspringen zu wollen …und schnell vergrub sie schützend ihr Gesicht an seiner starken Brust. Dann …verflog der Traum. Und sie hatte bis zum Morgen traumlos durchgeschlafen.

Aber als Esmeralda mit der aufgehenden Sonne erwachte, waren die starken Gefühle, die sie im Traum für diesen Unbekannten hegte, nicht verschwunden. Der Traum fühlte sich an wie eine wunderschöne Erinnerung an einen noch nicht lang vergangenen Tag. Nur was der Schmerz des Verlassenwerdens bedeutete, verstand sie nicht.

Dennoch spürte Esmeralda eine tiefe Liebe zu diesem Unbekannten in sich lodern, die sie ungewöhnlich berührte.

Schon seit Wochen sah sie immer wieder die gleichen Geschehnisse: Der Strand am See, aufsteigender kalter Nebel, die Glocken in der Ferne und dieser ihr unbekannte und zugleich so vertraute Fremde. Und jedes Mal schmerzte mit dem Erwachen am nächsten Morgen die Erkenntnis, dass es dieses unendliche Vertrauen nur in ihren Träumen gab und sie in der Realität vergeblich danach suchte. An jedem Morgen wünschte Esmeralda sich, nicht geträumt zu haben. Gern wäre sie nach dem Erwachen nach unten gegangen, um ihn in die Arme zu nehmen. Doch …es war nur ein vergänglicher Traum und ihr blieb lediglich die Erinnerung und das quälende Nachdenken über die Bedeutung ihrer nächtlichen Gefühle. Es kostete Esmeralda ungeheuer viel Energie, daran nicht zu zerbrechen, und an manchem Morgen wäre sie am liebsten im Bett geblieben. Doch jetzt in diesem Moment der Stille, die über dem See lag, hier in der wärmenden, strahlenden Sonne, wollte sie nicht länger darüber sinnieren. Daher schob sie all die schmerzlichen Erinnerungen beiseite. Es würde ein schöner Sommermorgen werden, hier in Loughrigg.

Esmeralda hatte lange überlegt, ob sie wirklich mit ihrer Mutter für ein paar freie Tage in das Landhaus fahren sollte. Schließlich hatte sie sich dafür entschieden, denn sie erhoffte sich an diesem ruhigen Ort in der Einöde der Natur, sich seelenruhig zurückziehen zu können. Vielleicht fand sie hier die Stille, die sie brauchte, um ihre merkwürdigen Träume zu verstehen.

Nun war sie hier. Das alte Haus lag direkt an einem kleinen Gewässer nördlich vom großen See Windermere in der Grafschaft Cumbria in England. Jack Breckett, ­Esmeraldas Vater, hatte dieses Haus vor gut zwanzig Jahren gekauft und seitdem kam die Familie, so oft es möglich war, hierher.

Jedes Jahr, wenn der Frühling sich dem Ende zuneigte und der Sommer begann, kamen sie für ein paar Tage ins Landhaus, um sich vom städtischen Treiben in York zu erholen.

Esmeraldas Mutter Caroline war eine bekannte Autorin und schrieb neben Romanen hin und wieder Theaterstücke, die im York Theatre Royal aufgeführt wurden. Ihre Arbeit beanspruchte viele Stunden des Tages und daher konnte Esmeralda ganz in ihrer Zurückgezogenheit leben. Ihre Mutter nahm, so empfand es Esmeralda, nur wenig Anteil an ihrem Leben.

Ihr Vater war ein angesehener Psychologe, und wenn er nicht in seiner Praxis mit Patienten arbeitete, dann hielt er Vorlesungen an der Londoner Universität. Er kümmerte sich wenig um seine erwachsenen Kinder, und da er selbst sehr ehrgeizig war, erwartete er auch von ihnen, dass sie ihre Ziele zielstrebig verfolgten. Besonders Esmeraldas Bruder Eric bekam die großen Erwartungen immer wieder zu spüren und litt gelegentlich unter dem Druck.

Trotzdem konnte sich Esmeralda nicht daran erinnern, von ihrem Vater jemals ein bitteres Wort gehört zu haben. Und da er fast nie da war, gab es zwischen den beiden selten Streit. Esmeraldas schulische Leistungen waren gut, und damit war Jack zufrieden. Eigentlich war Jack ein guter Vater, fand Esmeralda, der sie nicht nervte, und wahrscheinlich sogar ein offenes Ohr für die Sorgen seiner Tochter gehabt hätte, wenn sie sich ihm nur anvertrauen würde. Doch das tat sie nicht…

Evolet Sutton ging mit ihrem Großvater Cranos durch den duftenden Rosengarten hinter dem Haus. Die Sonne strahlte vom tiefblauen Himmel und in nicht zu weiter Ferne hörten sie das tosende Meeresrauschen.

Bis hier oben im Garten konnte Evolet die salzige Luft aus der Bantry Bay schmecken.

Sie blickte hinunter zum Meer. Unzählige Steinwälle durchzogen die Wiesen entlang der kleinen Meeresbucht. Etwas weiter weg flimmerten weißgestrichene Häuser mit rotbraunen Dächern.

Endlich war der Sommer bis zu ihnen gekommen! Hier auf der Halbinsel Beara in Irland mussten sie oft bis spät im Jahr auf die wärmenden Strahlen der Sonne warten. Mit ihren achtzehn Jahren war Evolet eine zierliche junge Frau von ätherischer Schönheit. Ihre Haut wirkte blass. In ihren dicken Zöpfen trug sie farbige Bänder durchsetzt mit Perlen und Muscheln.

Jeden Tag unternahm sie mit ihrer Großmutter Ilana lange Spaziergänge durch die Gärten des alten Familienanwesens, das im Süden bis zum offenen Meer reichte. Dabei sprach sie mit ihr über ihre Visionen, die sie seit vielen Jahren begleiteten, und deren Intensität beständig zunahm. Doch heute lief sie mit ihrem Großvater über die Düne. Sie waren auf dem Weg zum Meer.

Eingebettet zwischen schroffen Felsen, an deren Rändern Heidekraut wuchs, stand einige hundert Meter von der Küste entfernt das alte Herrenhaus des Familienanwesens Rocca Lovo. Der Name bedeutete in alter keltischer Sprache soviel wie Fels des Lichtes. Seit Jahrhunderten befand es sich in Familienbesitz.

Das Herrenhaus war aus Sandstein gebaut, an dessen Außenwänden wilder Efeu emporrankte. Der östliche Hausflügel jedoch war mit Wein bewachsen, der im Frühherbst diesen Teil des Hauses in schimmerndem Rot erleuchten ließ. Davor erstreckten sich viele einzelne Gärten, Überbleibsel des vor langer Zeit angelegten Parks.

Cranos ging voran. Evolet folgte ihm auf dem schmalen Pfad, der hinunter zum Meer führte. Wie pures Silber im Sonnenlicht glänzte die Wasseroberfläche heute Vormittag.

Hier unten wehte ein frischer Wind, und Evolet zog die Wolljacke enger. Über ihrer engen dunkelbraunen Hose trug sie leger einen halblangen Rock, der im Wind flatterte. Geschwind band sie ihre einzelnen Zöpfe in ein seidig glänzendes Tuch.

Der Spaziergang mit Cranos hatte einen Grund. In den Morgenstunden hatte Evolet eine Vision ereilt, in der sie einen großen Steinkreis sah. Und dieser wurde von steilen Felswänden wie von zwei Armen umgeben. Als sie ­Cranos davon berichtete, erstrahlten ihre Augen in einem saphirblauen Leuchten.

Cranos hatte sich die Schilderung seiner Enkeltochter angehört und sie zu diesem Spaziergang mitgenommen. Jetzt flatterten seine langen grauen Haare im Meereswind. Er war ein weiser Mann, doch trotz der Falten, die sein Gesicht durchzogen, wirkte er jung. Seine Augen schienen von einem Quell ewiger Jugend zu sprechen.

Cranos war etwas größer als Evolet und blickte lange aufs Meer hinaus, ehe er etwas sagte.

»Den Steinkreis, den du in deiner Vision gesehen hast, ist der magische Steinkreis von Avalon. Ich denke es ist ein Zeichen, dass auch du schon bald gerufen wirst.« Evolet lächelte. Sie sehnte sich sehr danach, endlich nach Avalon gehen zu dürfen. Die im magischen Nebel verborgene Insel, befand sich am Rand der modernen Welt. Nur wenigen offenbarte sich der geheime Zugang, der an einem See in Britannien lag. Die Suttons sprachen noch heute von Britannien, so wie es früher in der alten Zeit genannt wurde. »Doch vorher werden deine beiden älteren Brüder Ian und Raven von der Hohepriesterin nach Avalon gerufen«, fuhr Cranos fort.»Ich weiß«, sagte Evolet und versuchte sich ihre Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. Sie war noch nicht an der Reihe, ebenso wenig wie ihr jüngerer Bruder Quinlan. Und Raven –nun, für ihn schienen ohnehin ganz eigene Gesetze zu gelten. »Die Unterweisungen müssen streng dem Ritual folgen«, erklärte Cranos weiter. »So geschieht es schon seit Jahrhunderten. Nur diesmal müssen sie den vollständigen Mondzyklus ausnutzen.« Evolet nickte. Sie wusste, dass ihre Vorfahren seit der Alten Zeit mit den Priesterinnen von Avalon auf magische Weise verbunden waren. Die Hohepriesterin hütete das alte Wissen und spürte, wenn die Energie des Neumondes die magischen Kräfte für die individuelle Unterweisung heraufbeschwor. In dieser Generation aber waren die Geschwister zu viert. Die Geschwister waren die jüngsten Nachfahren von Merlin, dem mächtigsten Zauberer und Wahrsager der Alten Zeit. Und obwohl sie in die menschliche Welt hi­neingeboren waren, und sich zunächst wie Menschenkinder entwickelten, wussten sie doch alle um die Existenz der magischen Welt. Amaduria –den Menschen auf ewig verborgen. Die Menschen kannten weder den Weg dorthin, noch glaubten sie an die Existenz des magischen Reiches. Aber seit der Dunklen Zeit, in der der Dämon der Finsternis mit seinem Heer aus schwarzen Alben Amaduria zerstörte, rückte die magische Welt unaufhaltsam in die Ferne. Und mit ihr auch deren fünf Tore, die den Weg zwischen den Welten öffneten. Ihre Magie verblasste, mit jedem Tag, an dem Amaduria weiter entschwand. Für die magischen Wesen wurden die Tore unerreichbar und für die, die sich rettend in die menschliche Welt geflüchtet hatten, gab es kein Zurück mehr.

Eines der Tore jedoch wurde vor zwei Jahrhunderten durch die Magie Avalons für alle Zeiten verschlossen, um die Dunkle Zeit zu beenden. Das Thondan-Tor. Und nur die Wächter von Avalon besaßen die Macht, es geschlossen zu halten. Das Tor der schwarzen Alben. Avalon war das heilige Land, die heilige Insel von Amaduria und von immenser Wichtigkeit für die andere Welt. Hier gab es einen magischen Steinkreis. Der Geist von Avalon. Und dort vereinte sich die Magie aller Nachkommen Merlins –den Wächtern von Avalon, die darin den Hauch der Magie hüteten, der seit zwei Jahrhunderten von Amaduria noch übrig war. Das Herz der magischen Welt schlug in
Avalon…

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Über Isabell Wieland

Isabell Wieland
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