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Die Weide der Seepferde von Regina Schymiczek

Die Weide der Seepferde, ein Fantasyroman von Regina Schymiczek

Mythologische Wesen aus der Klassischen Antike leben mitten unter uns – das muss der Meeresarchäologe Dr. Jack Foster eines Tages vor der Küste Floridas feststellen. Fatal ist, dass sie den mörderischen Plan haben, mit Hilfe antiker Magie die Weltherrschaft an sich zu reißen. Bei seinem Versuch dies zu verhindern, reist Jack nicht nur um die halbe Welt, er lernt auch, dass Monster nicht unbedingt hässlich sein müssen…

 

Produktinformation

  • Taschenbuch: 270 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1 (01.02.2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1481957333
  • ISBN-13: 978-1481957335
  • Größe und/oder Gewicht: 1,4 x 15 x 22,5 cm

Ausführliche Beschreibung

Wissen Sie, wer die Katastrophe von Fukushima und die weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst hat? Jack Foster weiß es. Er weiß auch, was antike Magie, Wassermänner und Meerjungfrauen damit zu tun haben. Doch dieses Wissen ist nicht ungefährlich.

Als der Meeresarchäologe Dr. Jack Foster bei einer Schatzsuche vor der Golfküste Floridas auf eine unbekannte Stadt nach antikem Vorbild stößt, ist seine Freude zunächst groß, da er glaubt, Atlantis gefunden zu haben. Tatsächlich ist er jedoch auf eine Verschwörung gestoßen, die das Ziel hat, die Weltherrschaft durch einen neuen Super-GAU zu erlangen. Schneller als ihm lieb ist, ist Jack in die Sache verwickelt und muss versuchen, den Kopf der Verschwörer auszuschalten. Das führt ihn nach Berlin, zum Mont-St-Michel, nach New York, Phoenix und nach Las Vegas. Unterstützung erhält er dabei von seinem besten Freund, einer attraktiven Biologin, einem deutschen Professor und – was ihm nicht immer gefällt – von seiner Mutter.

In der spannenden Geschichte wird eine Verschwörungstheorie mit sorgfältig recherchierten Fakten über antike Mythologien und Kunstgegenstände verknüpft – ganz nach dem Motto: Was wäre, wenn die Mischwesen, die uns die alten Griechen auf ihren Vasen und Reliefs hinterlassen haben, tatsächlich existieren würden?

Regina E.G. Schymiczek: Die Weide der Seepferde; CreateSpace 2013; 270 Seiten;

€ 15,95; ISBN 9781481957335

E-Book € 7,72

Leseprobe aus “Die Weide der Seepferde”

Die Weide der Seepferde von Regina Schymiczek
Die Weide der Seepferde von Regina Schymiczek

Rebecca biss sich auf die Unterlippe und war von ihrem Vorhaben auf einmal gar nicht mehr so überzeugt. Machte sie auch keinen Fehler? Reiß dich jetzt zusammen, dachte sie dann. Zögernd hob sie die Hand, holte noch einmal Luft und klopfte. Sie hörte, dass auf der anderen Seite der Tür gesprochen wurde. Als niemand antwortete, drehte sie den Türknauf und lugte in den Raum. Ein Mann stand mit dem Rücken zur Tür an seinem Schreibtisch, und telefonierte lautstark. Rebecca verstand nur, dass es um Zahlen und Fristen ging. Er gestikulierte wild mit seiner freien Hand und blickte dabei aus dem Fenster.

Er war ziemlich groß, hatte kurze braune Haare, trug Khaki-Shorts und ein dunkelblaues T-Shirt, auf dem in weißer Schrift „Lazy Lobster“ stand. Wahrscheinlich war er so Anfang 30, gehörte aber zu den Leuten, die immer jünger aussahen, als es ihrem wahren Alter entsprach.

Offensichtlich hatte er weder ihr Klopfen gehört noch bemerkt, dass sie eingetreten war. Rebecca blieb in der Nähe der Tür stehen und ließ ihren Blick in dem kleinen Büro herumwandern. Es hingen einige ausgestopfte Fische an der Wand, dazwischen etliche gerahmte Fotos, die einen Mann – wahrscheinlich war es der, der am Schreibtisch stand – in Tauchausrüstung zeigte. Auf jedem Bild hielt er einen anderen Gegenstand in die Kamera, mal ein goldenes Kreuz, mal eine große Goldmünze.

Jack beendete das Telefonat, drehte sich um und knallte den Telefonhörer auf die Gabel. Den ganzen Tag hatte er schon unschöne Gespräche mit Banken, Versicherungen und Reiseagenturen geführt und jetzt machte auch noch der Vermieter Druck! Das kleine Büro in der ersten Etage oberhalb des Restaurants Lazy Lobster, direkt am Ocean Drive, war ein Glücksfall gewesen. Die Miete war zwar ziemlich hoch, doch die Werbung, die das Restaurant für ihn machte, wog das in der Regel mehr als auf. Die letzten beiden Winter waren in Florida jedoch ungewöhnlich kalt gewesen. Das hatte sich stark auf den Tourismus und besonders auf die Buchungslage bei Tauchausflügen ausgewirkt. Außerdem war Jack nicht der Einzige, der sich die gescheiterten Versuche der spanischen Eroberer, Gold aus der Neuen Welt nach Europa zu schaffen, als Einnahmequelle zunutze machte. Angebote, zu den Wracks der Schiffe zu tauchen, gab es an der Küste Floridas so viele wie gesunkene Galeonen. Zu diesem Konkurrenzdruck war noch ein Motorschaden am Boot gekommen, der ein gewaltiges Loch in Jacks Firmenkasse gerissen hatte. Ärgerlich fuhr er sich mit den Händen durch die Haare und überlegte, wie er aus dieser Klemme kommen konnte.

Da fiel sein Blick auf das Mädchen, das gerade sein kleines Büro betreten hatte und nun vor seinem Schreibtisch stand. Sie starrte ihn mit ihren großen, wasserblauen Augen unverwandt an. Für Kinderkram hatte er jetzt wirklich keinen Nerv. Wahrscheinlich sammelte sie für irgendein Wohltätigkeitsprojekt ihrer Schule. Einer exklusiven Privatschule, der Kleidung nach. Sogar die blaue Schleife, die ihre langen dunkelblonden Haare zu einem ordentlichen Pferdeschwanz gebändigt hatte, sah teuer aus.

„Was willst du, Kleine? Hast du dich verlaufen?“

„Ich habe mich nicht verlaufen!“, antwortete das Mädchen mit großem Ernst. „Auf Ihrem Türschild steht: Foster & Campillo. Organisation von Tauchausflügen mit Wrackbesichtigungen, Bergungen, Schätzungen von Kunstwerken. Sie sind doch Dr. Jack R. Foster, oder? Das steht zumindest auf dem Schild auf Ihrem Schreibtisch. Dann will ich Sie genau dafür anheuern: Tauchen, Bergen, Schätzen!“

Jack warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Eigentlich wollte er gleich Feierabend machen. Er seufzte und ließ sich in den alten Ledersessel hinter seinem Schreibtisch fallen.

„Hör mal, Kleine –“

„Mein Name ist Rebecca Whithall-Meyers und nicht Kleine!“, unterbrach ihn das Mädchen mit einem leicht gereizten Unterton.

„Also schön, Rebecca, du hast also eine Schatzkarte gefunden und willst mich engagieren, um diesen Schatz zu finden, richtig? Weißt du, wie teuer das wird?“

„Ich sagte gerade, dass mein Name Whithall-Meyers ist!“, antwortete das Mädchen leicht ungeduldig.

Jack hatte schon den Mund geöffnet, um das Kind nun endgültig nach Hause zu schicken, als ihm plötzlich einfiel, was dieser Name bedeutete. Die Whithall-Meyers waren eine Dynastie von Schiffsbauern, die ihren Stammsitz in Florida hatten, deren Yachten aber weltweit vertrieben wurden. Wenn das Mädchen zu dieser Familie gehörte, konnte sie sich seine Dienste spielend leisten. Sein Gesicht hellte sich auf.

„Soso, Whithall-Meyers also … was sagen denn deine Eltern zu deiner Schatzsuche?“

„Meine Eltern sind schon lange tot. Ich kann mich gar nicht an sie erinnern. Ich bin bei meiner Großmutter aufgewachsen. Sie ist vor vier Wochen auch gestorben. Mein Onkel ist jetzt mein Vormund, aber ich wohne nicht bei ihm. Ich habe eine Hauslehrerin, mit der ich in Großmutters Anwesen in St. Augustine lebe. Nach Grannys Tod habe ich tatsächlich eine Schatzkarte gefunden, nämlich diese hier.“ Rebecca öffnete ihre teure Designer-Tasche und holte ein vergilbtes Blatt hervor.

Jack war nun doch neugierig geworden und streckte die Hand aus. Rebecca gab ihm die Karte. Jack befühlte fachmännisch das Papier und hielt das Blatt gegen das Licht. Er runzelte die Stirn.

„Scheint tatsächlich alt zu sein“, murmelte er, mehr zu sich selbst. „Auf den ersten Blick zumindest.“

Dann sah er sich die gezeichnete Karte genauer an, auf der der südliche Teil Floridas dargestellt war. An der Nordspitze einer kleinen Inselgruppe, die sich oberhalb des Big Pine Keys befand, war ein kleines Kreuz mit einer seltsamen Zeichnung aufgemalt. Es sah ein bisschen aus wie ein Seepferdchen. Jack verzog den Mund. Die gesamte Inselgruppe stand unter Naturschutz und war nicht zugänglich. Er gab Rebecca, die es sich inzwischen in dem ebenfalls ziemlich abgewetzten Ledersessel vor seinem Schreibtisch gemütlich gemacht hatte, die Karte zurück.

„Und was macht dich so sicher, dass das eine Schatzkarte ist? Nicht jedes Kreuz auf einer Landkarte bedeutet automatisch, dass dort eine Kiste mit Golddublonen versteckt ist, weißt du.“ War doch klar, dass dieser Kinderkram nichts bringt, dachte er dabei enttäuscht.

„Meine Großmutter hat mir gesagt, dass unsere Familie das Wissen um einen großen Schatz hütet, und dass sie mir zu gegebener Zeit davon erzählen würde“, sagte Rebecca, wobei sie ein Gesicht machte, als ob die Schatzkiste nur von der Post abgeholt werden müsste.

Jack stützte die Ellbogen auf den Schreibtisch und vergrub sein Gesicht in den Händen. Dann sah er Rebecca an.

„Großmütter erzählen ihren Enkeln gern Geschichten. Dafür sind sie da. Das ist auch eine sehr schöne Geschichte, Rebecca, aber eben nur eine Geschichte. Wahrscheinlich hat einer deiner Vorfahren dort mal ein Wrack gesichtet und sich die Stelle notiert, weil er vermutete, dass dort eine spanische Galeone untergegangen ist. Und da diese Schiffe meist wertvolle Fracht an Bord hatten, wollte er später danach tauchen. Die Karte ist dann aufgehoben worden und jede Generation hat etwas anderes dazu gedichtet – aber anscheinend hat niemand wirklich nachgesehen. Wenn du willst, kann ich die Karte für dich verkaufen, sie bringt wahrscheinlich ein paar hundert Dollar. An deiner Stelle würde ich sie aber aufheben – dann kannst du später deinen Kindern und Enkeln eine spannende Schatzgeschichte erzählen.“

Jack stand auf. Er war der Meinung, dass er sich jetzt lang genug mit dem Mädchen beschäftigt hatte. Rebecca blieb sitzen. Sie sah Jack schweigend an, dann griff sie wieder in ihre Tasche. Sie holte ein kleines Paket heraus und gab es ihm.

„Das war bei der Karte“, sagte sie leise. Jack nahm das Päckchen und setzte sich wieder hin.

Er entfernte das Papier und war erstaunt, als er ein goldenes Schmuckstück auswickelte. Es handelte sich um einen Anhänger, der ein Seepferdchen darstellte. Auf dem Kopf trug es eine Krone. Der Schwanz des Seepferdchens bog sich so weit über seinen Rücken nach oben, dass er an den anmutig geneigten Hals stieß. Dadurch entstand ein Ring, durch den ein Lederband gezogen war. Auf dem Körper des Tieres waren einige Zeichen eingraviert. Aufmerksam betrachtete Jack den goldenen Anhänger. Die starken Abriebspuren und stellenweise noch vorhandene Patina deuteten darauf hin, dass das Schmuckstück lange im Wasser gelegen hatte. Eine Datierung war aber schwierig, er hatte noch nichts gesehen, was dem Stil dieses Schmuckstückes gleichkam.

„Das war also bei der Karte? Kann ich die noch mal sehen?“

Rebecca schob ihm wortlos die Karte über den Tisch. Jack starrte darauf, seufzte und schüttelte dann den Kopf.

„Selbst wenn dort ein Schatz liegt – wir kommen nicht hin. Das gehört alles zum Naturschutzgebiet. Da ist jede Schatzsuche verboten. Sogar beim bloßen Betreten des Gebietes macht man sich schon strafbar.“

Dass er sich an diesem Ort schon mal großen Ärger mit den Behörden eingehandelt hatte, erwähnte Jack lieber nicht.

„Ich würde aber gut dafür bezahlen“, meinte Rebecca.

„Du guckst zu viele Krimis im Fernsehen. So einfach geht das nicht. Es gibt schließlich Gesetze und …“

„$5.000 als Vorschuss und 25 % von allem, was Sie finden.“

Jack lachte. „$5.000, ja? Und wo willst du die hernehmen? Du stammst vielleicht aus einer reichen Familie, aber so viel Taschengeld wirst du wohl auch nicht bekommen, oder? Wie alt bist du? 12 oder 13? Du bist ja noch nicht einmal geschäftsfähig! Wenn Onkel Bill dahinter kommt, schickt er dich ins Internat und mich ins Gefängnis, weil ich da mit gemacht habe!“

Wütend sah Rebecca ihn an, griff wieder in die Tasche und zog ein dickes Geldbündel heraus, das sie vor Jack auf den Tisch warf.

„Es lag Geld bei der Karte, zusammen mit einem Brief von meiner Großmutter. Darin schreibt sie, dass dieses Geld dafür bestimmt ist, den Schatz zu suchen. Außerdem bin ich schon 13 und mein Onkel heißt Cedric, nicht Bill!“

Jack ließ seinen Schreibtischstuhl nach hinten kippen und verschränkte die Arme im Nacken. Die ganze Sache war ja unglaublich! Cedric Whithall-Meyers … ging da nicht vor kurzem eine Geschichte durch die Medien?

„Und weiß Onkel Cedric von der Sache?“

Rebecca senkte den Blick und schüttelte den Kopf. „Wir verstehen uns nicht besonders gut. Er hat Granny einige Male nach der Schatzkarte gefragt, aber sie hat jedes Mal so getan, als wüsste sie nicht, wovon er redet. Dann hat sie mir gesagt, das wäre ein Geheimnis zwischen uns beiden. Darum habe ich ihm auch nicht erzählt, dass ich sie inzwischen gefunden habe.“

Jack brachte den Schreibtischstuhl wieder in eine aufrechte Position und rieb sich die Stirn. „Hör mal, Rebecca. Mir tut das alles sehr leid. Mit deinen Eltern, deiner Großmutter und auch, dass du dich mit deinem Onkel nicht verstehst. Aber ich kann dir nicht helfen. Das Gebiet, das auf der Karte markiert ist, ist gesperrt. Punkt.“

Rebecca sah ihn enttäuscht an.

„Und jetzt“, sagte Jack und stand wieder auf, „machst du, dass du auf dem schnellsten Weg nach Hause kommst. Wie bist du überhaupt hierhergekommen, das ist doch ein ganz schöner Weg von St. Augustine nach Miami Beach?“

„Bodenstein, Grannys Fahrer, hat mich hergebracht. Er wartet unten.“

Jack nickte. Warum hatte er nicht gleich daran gedacht? War ja klar, dass man in diesen Kreisen nur mit Fahrer unterwegs war. Er schob Rebecca das Geld hin.

“Pack’ das ein und geh’ nicht gleich zum nächsten Tauchlehrer damit. Es sind nicht alle so nett wie ich.“

Während Rebecca das Geld und die Karte einpackte, betrachtete Jack noch einmal das goldene Seepferdchen.

„Ein wirklich schönes Stück. Wenn du erwachsen bist, kannst du es als Schmuck tragen“, meinte er und gab es ihr dann. Rebecca blickte ihn noch einmal bittend an. Doch Jack schüttelte den Kopf und reichte ihr die Hand.

„Ich wünsche dir alles Gute, Rebecca.“

„Auf Wiedersehen, Dr. Foster“, sagte sie leise und ging zur Tür.

Als sie gegangen war, trat Jack ans Fenster und blickte auf die Straße. Es war noch zu früh für die Touristenströme, die sich auf dem Ocean Drive ein Restaurant für den Abend suchten. Auch der Autoverkehr war noch übersichtlich. Jack entdeckte eine wartende schwarze Limousine. Als das Mädchen aus dem Haus kam, stieg der Fahrer aus und öffnete den hinteren Schlag. Rebecca stieg ein und kurz darauf fädelte sich der Wagen in den abendlichen Verkehr ein. Jack blickte ihm noch nachdenklich nach, als es an der Tür klopfte.

„Komm rein, Rosalia“, rief Jack, ohne sich umzudrehen. Es war Feierabend und das konnte jetzt nur noch die Putzfrau sein.

Die Tür wurde geöffnet.

„Dr. Foster?“, fragte eine männliche Stimme.

Erstaunt drehte Jack sich um. Zwei Männer in teuren dunklen Anzügen mit Designer-Sonnenbrillen standen in seinem Büro. Einer von ihnen trug einen eleganten Aktenkoffer. Nicht die Sorte Leute, die gewöhnlich bei ihm eine Tauchexkursion zu einem Wrack buchten.

„Ja, das bin ich. Kann ich Ihnen helfen?“

Der eine Mann setzte sich in den abgewetzten Ledersessel, während der andere, der den Aktenkoffer trug, an der Tür stehend blieb. Jack beschlich das Gefühl, dass dieser Mann ihn am Verlassen des Büros hindern würde, falls er es versuchte. Waren das etwa die neuen Inkasso-Agenten seines Vermieters? Das Gespräch am Telefon eben hatte zwar nicht gerade freundlich geendet, bot aber seiner Meinung nach auch keinen Grund für eine solch drastische Maßnahme. Der Mann im Sessel sah Jack lächelnd an.

„Bitte nehmen Sie Platz, Dr. Foster. Wir möchten Ihnen ein Geschäft vorschlagen.“

Verblüfft ließ Jack sich in seinen Schreibtischstuhl fallen. Was kam denn noch alles an diesem verdrehten Tag?

„Dr. Foster“, begann der Mann wieder, den Jack auf Anhieb unsympathisch fand, „wir kommen im Auftrag von Mr. Cedric Whithall-Meyers.“

Jacks Augenbrauen schnellten in die Höhe.

Der Mann fuhr fort: „Wir wissen, dass Miss Whithall-Meyers soeben in Ihrem Büro war, um Sie für ein Unternehmen zu engagieren.“

Ach was, dachte Jack, da hat Onkel Cedric ja schnell reagiert! Laut sagte er: „Hören Sie, ich gehöre nicht zu den Leuten, die kleinen Mädchen Geld aus der Tasche ziehen. Ich habe natürlich abgelehnt, Miss Whithall-Meyers wieder nach Hause geschickt und …“

Der Mann im Sessel hob die Hand und unterbrach Jack. „Dr. Foster, Mr. Whithall-Meyers möchte, dass Sie diesen Auftrag annehmen.“

Verblüfft starrte Jack den Mann an. „Wie bitte?! Das kann ich gar nicht! Das Gebiet ist gesperrt! Da bekomme ich überhaupt keine Genehmigung!“

Der Mann im Sessel gab dem anderen an der Tür einen Wink. Dieser kam zum Schreibtisch, legte den Aktenkoffer darauf und öffnete ihn. Ungläubig starrte Jack auf viele ordentlich gebündelte 100-Dollar-Noten.

„Um das gesperrte Gebiet machen Sie sich keine Sorgen. Mr. Whithall-Meyers hat Freunde in den höchsten Kreisen, eine Genehmigung wird kein Problem sein. Hier sind $50.000 für Ihre Mühe. Mr. Whithall-Meyers bittet Sie allerdings, seine Nichte nicht wissen zu lassen, dass er eingeweiht ist. Sie soll davon ausgehen, dass sie dieses Unternehmen allein durchführt. Mr. Whithall-Meyers denkt, dass das sehr wichtig für das seelische Wohlbefinden seiner Nichte ist. Sie ist nach dem Tod ihrer Großmutter traumatisiert. Wir alle hoffen, dass ihr ein solches Abenteuer wieder neuen Lebensmut gibt. Für Sie hat das den Vorteil, dass Sie zweimal Geld kassieren – und das dürfte Ihnen bei Ihrer finanziellen Lage ja sehr entgegen kommen.“

Jack runzelte die Stirn. „Was meinen Sie damit?“

Der Mann im Sessel lächelte dünn. „Dr. Foster, wir haben natürlich recherchiert. Dieses Gebäude hier gehört der Miami Loft Inc., einem Unternehmen der Familie Whithall-Meyers. Sie sind schon zwei Monatsmieten im Rückstand.“

Jack starrte vor sich hin, dann sah er dem Mann in die Augen. „Es ist vermutlich auch kein Zufall, dass Rebecca zuerst zu mir gekommen ist, oder?“

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Über Regina Schymiczek

Regina Schymiczek

Regina E.G. Schymiczek (*1961 in Essen) ist Kunsthistorikerin und Autorin. Sie hat mehrere Fachbücher und -artikel, drei Kinderbücher, einen historischen Roman, zwei Urban Fantasy Romane sowie diverse Kurzgeschichten und Beiträge zu Anthologien veröffentlicht. Sie ist Mitglied im Freien Deutschen Autorenverband und in der Literaria.LIGG, lebt und arbeitet in Essen sowie in einem Ferienhaus in den Niederlanden, ist aber auch immer wieder gern in den USA unterwegs.
Bei all ihren Geschichten legt sie großen Wert auf Genauigkeit bei historischen und örtlichen Angaben. Sämtliche Schauplätze ihrer Bücher hat sie selbst besucht, um dies zu gewährleisten.

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