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Drachenbrüder von Carolin Hafen

Drachenbrüder, ein Fantasyroman von Carolin Hafen

Unter den Millionen Augen der Lichter lebt das Drachenvolk von Leotrim.
Der Drache Norwin hat einen schwierigen Start ins Leben. Eine Amme lässt sein Ei fallen, die Schale ist beschädigt, ein Flügel verletzt. Es wird schnell klar, er wird nie fliegen können. Als er alt genug ist, kommt sein menschlicher Vater, um ihn bei den Menschen leben zu lassen. Die Drachenmutter muss darauf hoffen, dass die jahrhundertealte Verbindung zwischen den Völkern ausreicht, um Norwin einen Platz in ihrer Mitte finden zu lassen.
Anfänglich hat sein halbgebürtiger Bruder Ambro Schwierigkeiten, etwas mit seinem Drachenbruder anzufangen. Die beiden passen nirgends hin. Jeder in Leotrim hat seinen Platz, seine Aufgabe.
Diese beiden müssen nun selbst herausfinden, wofür sie gut sind.

Drachenbrüder, ein Fantasyroman von Carolin Hafen
Drachenbrüder, ein Fantasyroman von Carolin Hafen

Das Drachenvolk von Leotrim

Band 1 – Drachenbrüder

Band 2 – Drachensichel

Band 3 – erscheint im Frühjahr 2017

Drachenbrüder:

  • erhältlich als eBook und Taschenbuch
  • ISBN-13: 978-3945227411
  • Verlag: O´Connell Press
  • Amazon
  • Kindle Unlimited
  • Kindle Dateigröße 831 KB
  • Seitenzahl Print-Ausgabe 192
  • Sprache Deutsch

 

Leseprobe aus Drachenbrüder

Hangameh wies ihre Assistentin Dakota an, tief in die Höhlen, ins Archiv zu gehen und ein Notizbuch zu holen, ein altes, eines der ersten. Dakota brauchte für den Weg dorthin fast einen Tag und einen Schubkarren, um das Notizbuch zu transportieren.

Hangameh hatte ein eigenes Buch, ein inoffizielles Buch, für Silván angelegt. Bo und er standen nicht in der offiziellen Chronik, Hangameh war nicht bei ihrer Verbindungszeremonie dabei gewesen. Es waren andere Zeiten gewesen, ohne Ordnung, manch ein Name hatte es nie in ihre Chronik geschafft. Später schien es ihr unsinnig, einen Nachtrag einzufügen. Doch es ließ ihr keine Ruhe. Sie fragte sich immer wieder, wie viele Kinder von Leotrim, wie viele Bos ihr entgangen sein mochten. Nach Bos Tod hatte ihr die Mutter aller Wasser die Geschichte erzählt, wie Silván zu ihr gekommen war und sie um das Leben seines Halbbruders gebeten hatte. Sie konnte Leben geben, aber niemanden von den Toten zurückholen. Er hatte das nicht verstanden und geglaubt, ihre Macht sei unendlich. Er war mit seinem Bruder Bo in die Quelle gestiegen, doch der kleine Körper des Jungen war leblos geblieben. Das Wasser hatte sich blau gefärbt und Silván hatte mit einem Mal seine Farbe verloren – und Bo bei seiner Mutter zurückgelassen. Er wusste nicht einmal, wo der Junge beerdigt worden war. Bo war zu jung gewesen für die Grablege-Feier. Silván kehrte nie wieder in die Berge zurück.

Hangameh hatte diese Geschichte aufgeschrieben. Ohne Datum. Jedes Mal, wenn sie etwas über Silván hörte, fragte sie nicht, ob es wahr sei. Sie schrieb es in sein Buch. Es gab viele Geschichten über ihn. Er sei bei den Lichtern gewesen. Er sei unsterblich. Hangameh wusste es besser.

»Dakota. Ruf mir zwei Drachen. Bitte sie, mich und mein Notizbuch in die Himmelsberge zu tragen. Es eilt.«

Dakota schrieb eine kurze Nachricht, typisch für sie, in Großbuchstaben, und sandte einen zahmen Buntspecht, den sie selbst abgerichtet hatte, ins nahe Dorf Leed.

Hangameh zog sich an, Dakota half eifrig, aber nervös. „Was passiert jetzt?“, fragte sie immer wieder, die Wangen so rot wie ihr Haar. Zwei Drachen. Das bedeutete für Dakota, dass sie nicht mitdurfte.

Hangameh sagte nichts dazu. Sie wusste, wie enttäuscht das Mädchen war. Ihrem Bauchgefühl nach sollten aber so wenig Menschen wie möglich anwesend sein. Silván war scheu. Silván war stolz. Er würde nicht viele Augen bei seinem letzten Flug dulden.

Sie setzte eine Mütze auf, mit Ohrenklappen. Und eine Brille. Sie war kein Freund des Fliegens und fror immer entsetzlich. Sie trug Lederschuhe, mit Fell gefüttert, braune Wollhosen und eine schwere Fliegerjacke mit eingenähten Flügelknochen zur Stärkung des Rückenbereichs und vielen Schnallen, um die Jacke festzurren zu können wie eine zweite Haut.

Dakota hatte das Notizbuch in ein Leintuch geschlagen und schob es im Karren zum Eingang der Höhle. Zwei junge Flugdrachen, noch ganz dunkelblau, warteten dort, tappten nervös von einem Fuß auf den anderen und schaukelten ihren Kopf zur Beruhigung hin und her.

Dakota war noch nie geflogen und sah sie neugierig an.

Sie stellte den Karren ab und hastete zurück ins Archiv. Immer ein gutes Versteck. Die beiden Drachenjungen wechselten einen verwunderten Blick.

Hangameh atmete tief durch, sammelte sich und trat zu den beiden.

»Libor und Leotar«, sagte sie schlicht.

Die beiden hörten sofort mit dem Geschaukel auf, reckten den Kopf und drückten die Brust heraus, wie es junge Toddler tun, um sich größer zu machen. Die Drachenjungen hatten erst im Sommer ihren Federflaum verloren, da und dort schauten noch kleine, blaue Härchen zwischen den Schuppen hervor. Die Mauser war noch nicht abgeschlossen. Hangameh lächelte gequält. Fliegen mochte sie grundsätzlich nicht, und dann noch zwei Anfänger? Womöglich hatten sie noch nicht einmal die Schule abgeschlossen.

»Wie lange fliegt ihr schon?«

»Seit drei Monden, Chronistin«, sagte Libor mit Stolz.

»Wir sind gute Flieger, Chronistin«, fügte Leotar hinzu.

»Ich kenne eure Namen. Wenn wir zusammen fliegen, solltet ihr auch meinen kennen – Ich bin Hangameh«, sagte sie und verbeugte sich tief. »Ihr dürft Han zu mir sagen. Wollt ihr mich in die Himmelsberge bringen?«

»Ich will mit dir fliegen, Han«, sagten die Brüder gleichzeitig, noch etwas steif – Hangameh vermutete, dass die beiden dieses Ritual der Zustimmung bisher nur in der Schule geübt hatten – und verbeugten sich ihrerseits.

Hangameh ging zielstrebig auf Leotar zu, drehte sich um und drückte ihren Rücken an seinen Bauch. Vorsichtig, als wäre sie aus Glas, umfasste Leotar ihren schlanken Körper mit seinen Vorderbeinen.

»Nicht erschrecken«, sagte er und hob ab. Sie erschrak dennoch. Wie jedes Mal. Mit zwei Flügelschlägen schob er sich rückwärts aus der Höhle und schoss wie ein Pfeil gerade in die Luft hinauf, kaum einen Meter von den Granitfelsen entfernt. Sie erreichten den Rand, der aussah, als würde hier die Welt enden. Auf gewisse Weise endete sie hier auch.

Hangameh sortierte sich innerlich. Der Magen war noch da, wo er hingehörte, auch wenn er sich anfühlte, als wäre er, mit Steinen gefüllt, nach unten gerutscht und in ihrer Höhle geblieben. Der Ausblick war atemberaubend: Das grüne Meer unter ihnen, mit hohen Wellen, die wütend nach den Klippen griffen und die Wiesen von Leotrim, die genau hier begannen, als wollten sie dem giftigen Meerwasser trotzen. Hangameh hatte den Eindruck, sie bräuchte nur die Hand auszustrecken und könnte das Gras berühren.

Ein Schafhirte saß mit baumelnden Beinen am Rand der Klippe, kaute auf einem Grashalm und betrachtete sie neugierig. Er hob die Hand zum Gruß. Selbst die Schafherde hielt kurz im Grasen inne, um zu sehen, wer da über ihnen schwebte. Hangameh betrachtete Libor, wie er denselben Start hinlegte, ungestüm wie sein Bruder, nur trug er das Notizbuch an seine Brust gedrückt.

Man musste den Drachen nicht sagen, wo die Himmelsberge waren. Sie wussten es. Sie waren dort geboren. Der Ruf der Berge zog jeden Drachen magisch an. Auch Hangameh spürte das, wie ein Sehnen im Herzen, das „Heim!“ schrie. Sie spürte, wie der Ruf die beiden jungen Drachen erfasste und drängte schneller zu fliegen.

Ende der Leseprobe

© 2015 by C. M. Hafen und O’Connell Press

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Über Carolin Hafen

Gebürtige Zweiundachtzigerin. Drittgeborene, konservativ erzogen, liberal geraten, von der Vergangenheit geprägt. Arbeitet mit der Sippe im Bauwesen; Malen nach Zahlen bekommt so eine Bedeutung. Schreibt aus Besessenheit, weil sie nicht anders kann. Oder will. Lebt fürs schreiben, schreibt fürs Leben gern

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