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Drachensichel von Carolin Hafen

Drachensichel, ein Fantasyroman von C. M. Hafen

»Alles Leben beginnt im Wasser …«, flüsterte Dakota.
Der Drache ergänzte: »… und endet im Feuer.«

Dakota lebt wohlbehütet bei der Chronistin als ihr Mündel. Dies ändert sich an dem Tag ihres sechzehnten Geburtstags. Sie muss losziehen, um endlich hinter die Geheimnisse ihrer eigenen Herkunft zu kommen und spielt dabei manches Mal mit dem Feuer.

Gleichzeitig finden auch Ambro und sein Drache Norwin immer mehr Antworten auf die Fragen ihres Lebens – nicht alle davon sind leicht zu ertragen. Und doch ergeben sie – einem Puzzle gleich – nach und nach einen tieferen Sinn.

Im zweiten Band der Trilogie laufen bereits mehrere Fäden der aus »Drachenbrüder« bekannten Geschehnisse zusammen, die Protagonisten befinden sich weiter auf dem Weg, sich selbst und Leotrim mit all seinen Bewohnern besser kennenzulernen. Manch eine überraschende Wendung lässt den Leser klopfenden Herzens weiterblättern.

Drachensichel, ein Fantasyroman von C. M. Hafen
Drachensichel, ein Fantasyroman von C. M. Hafen

Produktinformation

  • Broschiert: 244 Seiten
  • Verlag: O’Connell Press; Auflage: 2 (1. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3945227518
  • ISBN-13: 978-3945227510
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren

Leseprobe aus Drachensichel

In jedem Hafen hielten zwei Drachen ihre Seewacht. Gewechselt wurde in drei Schichten pro Tag, Feuerbringer sowie Flieger konnten Hüter des Hafens sein. Sie mussten Geduld mitbringen, Disziplin und gute Augen. Die beiden Drachen, die an diesem Morgen an der Reihe waren, saßen auf ihrem steinernen Sockel, oben an der Küste, mit ausgebreiteten Flügeln. Immer bereit, sofort loszufliegen. Dakota hatte sie bisher kaum wahrgenommen, da sie sich den ganzen Tag nicht rührten, und den Wachwechsel hatte sie noch nicht mitbekommen, da die Hüter von Krywults Höhle aus nicht zu sehen waren.

Das erste Mal seit vielen Jahren verließ Videt ihren Platz. Lautlos hob sie ab, flog einen Bogen über den Hafen und überblickte sehr schnell den Tumult; die Menschen am Ufer, die Wasserdrachen, die sich alle aufgeregt im Hafenbecken tummelten, und das kleine Ruderboot, das aus der natürlichen Einfassung der Landzunge hinausgetrieben wurde aufs offene Meer.

Viele Augen starrten zu Videt hinauf, kaum hatte sie ihren Platz verlassen, wurde es ruhiger. Das Wasser sowie die Gemüter. Sie flog tiefer, schwebte einen Moment über Dakota, stieß dann hinab wie ein Raubtier, griff aber sehr zärtlich nach dem schlanken Körper und stieg wieder hinauf. Dakota wehrte sich nicht. Sie war noch nie geflogen. Dachte sie zumindest. Das Gefühl zu fliegen war… vertraut.

Die Wasserdrachen geleiteten das Ruderboot zurück ans Ufer, mindestens fünf oder sechs von ihnen. Dakota verstand die ganze Aufregung nicht. Sie hatte ihre Ruder nicht verloren und Rem hätte nie zugelassen, dass ihr etwas passieren würde. Sie hätte doch zurückrudern können, sobald sie sich von ihrem Sturz erholt hätte, dachte sie. Aber jetzt spielte das keine Rolle mehr.

Rem sah ihr traurig nach. Das war leichtsinnig von dir, dachte er. Aber Dakota hörte weder seine Worte noch spürte sie seinen Kummer. Wäre sie ins Wasser gefallen, hätte er ihr nicht helfen können, es wäre zu spät gewesen. Das ätzende Wasser hätte ihr die Haut verletzt, sie wäre ob der Schmerzen so schnell ertrunken, er hätte keine Zeit und keine Möglichkeit gehabt, sie zu retten.

Die Seerettung war klar geregelt. Die Flugdrachen waren für die nahe Küste zuständig, sie konnten schnell reagieren und Menschen auch bei schlechtem Wetter und hohem Wellengang zurückholen. Manch ein begleitetes Boot war in Strandnähe auf dem letzten Stück noch gekippt. Die Wasserdrachen, selbst die ausgewachsenen, taten sich schwer, zu schwimmen und einen Drachmaster zu lenken. Vor allem, wenn das Segel noch aufgespannt war und der Schlagbaum unkontrolliert hin und her wankte. Es brauchte mindestens vier Wasserdrachen, auf jeder Seite zwei, um das Kippen zu verhindern, um ein Boot sicher an den Strand zu geleiten.

Manchmal trieb ein Drachmaster so weit hinaus, dass der Weg für einen Flugdrachen zu weit war, um schnell zu reagieren, und nur dann griffen die Wasserdrachen, die bereits dort draußen waren, vor den Flugdrachen ein. Aber das kam selten vor.

Videt stieg höher und höher. Sie flog noch einen Kreis über den Hafen, als wäre er besonders sehenswert.

„Genießt du die Aussicht?“, fragte Videt. Doch Dakota hatte im Boot auf dem Rücken gelegen, das Drachenmädchen hatte seine Vorderpfoten um ihren Oberkörper gelegt, nun starrte Dakota auf ihre schuppige Brust, während ihr Magen freudige Purzelbäume schlug. Wie konnte Hangameh das nicht mögen? Bisher hatte Dakota angenommen, ihr Magen sei nicht robust genug, um zu schaukeln. Er war vom Fliegen aber ganz begeistert. Sie nahm sich vor, auch das Schaukeln zu versuchen. Dakota berührte mit beiden Händen Videt. Brust, Bauch, Hals, sie konnte es nicht sagen. Sie sah nur blaue, raue Schuppen.

Oh, Verzeihung“, sagte das Drachenmädchen und ohne sie abzusetzen drehte sie Dakota in ihren Vorderpfoten einfach um, damit sie Kusten und den Hafen sehen konnte. Dakota spürte die Krallen, alle zehn, an ihrem Körper sowie die Kraft, die Videt ausstrahlte, doch ging diese so zärtlich mit ihr um, als wäre sie ein zerbrechliches Püppchen.

Dakotas Brust schmerzte immer noch, doch dass ihr die Luft wegblieb, hatte andere Gründe. Eine Bettdecke aus Daunen lag über dem Himmel, dicke, wattig weiße Wolken, die sich im Wasser spiegelten. Dakota wusste nicht, wo oben und unten war, das war auch nebensächlich. Sie breitete die Arme aus, als hätte sie selbst Flügel und jauchzte vor Freude. Dakota sah die grünen Wiesen um das Dorf und die roten Bänder in den Bäumen. Sie sah die Salzteiche, an denen Krywult arbeitete, und einen toten Pfad an der Küste entlang, der zum Dorf führte. Um die rechteckigen Salzteiche herum wuchs kein Baum, kein Strauch, selbst das Moos war tot und bleich. Dakota bedrückte der Anblick. Sie sah, dass das Abwasser der Teiche ins Meer floss. Am flachen Ufer war das Wasser hellgrün, Dakota konnte den Grund sehen. Je tiefer es wurde, umso dunkler wurde es auch, bis hin zu schwarz. Sie fragte sich, ob die Wasserdrachen dort draußen in völliger Dunkelheit lebten. Sie sah einige Wasserdrachen auftauchen und neugierig zu ihr emporschauen. Dakota winkte vergnügt. Das war mit Abstand der schönste Moment in ihrem Leben. Fliegen müsste man können. Kein Kummer könnte einem noch etwas anhaben.

 

 

Ende der Leseprobe

© 2016 by C. M. Hafen und O’Connell Press

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Über Carolin Hafen

Gebürtige Zweiundachtzigerin. Drittgeborene, konservativ erzogen, liberal geraten, von der Vergangenheit geprägt. Arbeitet mit der Sippe im Bauwesen; Malen nach Zahlen bekommt so eine Bedeutung. Schreibt aus Besessenheit, weil sie nicht anders kann. Oder will. Lebt fürs schreiben, schreibt fürs Leben gern

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