Dyluna und die versteinerte Seele von Emma G. Horn
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Dyluna und die versteinerte Seele von Emma G. Horn

Dyluna und die versteinerte Seele, ein Fantasyroman von Emma G. Horn

Lissy hatte geglaubt, ein ganz normales Mädchen zu sein. Nach ihrem dreizehnten Geburtstag jedoch stellt sie fest, dass sie mit ihrem Kater Nero sprechen kann. Auch ein Lavastein, den ihre Tante Antonella ihr anvertraut hat, scheint nicht normal zu sein. Plötzlich kann ihre Freundin Alison riesige Sprünge machen, und Teller schweben.
Es stellt sich heraus, dass es sich bei diesem Lavastein um Volcadonaris, einen mächtigen Zauberstein aus Arkoba handelt. Je tiefer Lissy in die Geheimnisse dieser geheimnisvollen und gefährlichen Parallelwelt eintaucht, desto mehr erfährt sie über ihre eigenen Wurzeln, die bis ins dunkle Mittelalter zurückreichen, der Zeit, in die man bei einem Wechsel nach Arkoba eintaucht. Dabei geraten sie und ihre Freunde, Marco und Alison, von einem gefährlichen Abenteuer ins nächste. So müssen die Freunde sich unberechenbaren Geistern, Dämonen und Riesen stellen und gegen Bestien kämpfen. Da ist es gut, dass ihnen freundliche Zwerge und andere hilfreiche Wesen zur Seite stehen.

 

Dyluna und die versteinerte Seele von Emma G. Horn
Dyluna und die versteinerte Seele von Emma G. Horn

Produktinformation

 

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 2763 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 440 Seiten
  • Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
  • Verlag: BAMA-Verlag; Auflage: 1 (1. April 2016)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B01DR4UUQ4
  • Erhältlich im Bama Verlag

 

 

Leseprobe aus Dyluna und die versteinerte Seele

Lissys Alltag

In Banchory, einer kleinen Stadt im Herzen Schottlands, schlug die Kirchturmuhr gerade sechs Mal, als Lissy aus dem Schlaf hochschreckte. Die polternden Tritte auf der Treppe und der anschließende kräftige Schlag gegen ihre Zimmertür rissen sie unsanft aus ihren Träumen.

„Los, steh auf und mach das Frühstück! Ich bin in Eile.“ Mit diesen Worten stieg ihr Stiefvater mürrisch wieder die Treppe hinunter und verschwand im Badezimmer. Ein lauter Fluch kurz darauf ließ vermuten, dass er sich beim Rasieren geschnitten hatte.

An Tagen wie diesem, an denen ihre Mutter zu schwach war, um aufzustehen, wurde Lissy von ihrem Stiefvater so früh geweckt, um die morgendlichen Pflichten im Haushalt zu übernehmen. Leider kam dies in letzter Zeit immer häufiger vor und ihr Stiefvater war dann besonders leicht reizbar.

Lissy zog sich die klumpige Federdecke mit dem abgewetzten Bezug über den Kopf. Für eine kleine Weile schloss sie die Augen, als sie dachte: „Papa, warum kannst du nicht mehr bei uns sein? Ich will nicht, dass du tot bist!“ Tränen schossen ihr in die Augen. Sehnsüchtig versetzte sie sich zurück in jene Welt, aus der sie nach dem tragischen Autounfall ihres Vaters vor vier Jahren herausgerissen worden war: Aus einem Meer von Orangenbäumen erhebt sich das

stattliche Landhaus. Das Dach des Haupthauses wird von einem kastenförmigen Ausbau überragt, der wie ein separates Häuschen aussieht. Bevor es damals ihr Reich wurde, hatte dieser großzügige Raum zur Überwachung der Plantage gedient.

Die Glastür der Westfront und die Fenster der drei übrigen Wände ermöglichen einen grandiosen Rund-umblick. Richtung Westen wird dieser von Mongibello beherrscht, wie die Leute in der Gegend liebevoll ihren Vulkan, den Ätna, nennen.

Die dicken Mauern aus großporigem Lavastein bescheren während der Mittagshitze im Inneren des Hauses eine angenehme Kühle. Morgens und abends jedoch spielt sich das bunte Leben der angesehenen Familie auf der geräumigen Terrasse ab. Steinsäulen tragen das massive Dach, das sich schützend über die gepflegte Weite großflächiger Terrakottaplatten zieht. Hier steht auch der ihr so vertraute Schaukelstuhl. In seine ausgepolsterte Wölbung schmiegt sich die vornehme Gestalt ihrer Nonna[1]. Der gütige Blick ihrer braunen Augen schweift verträumt über die sich bis zum Horizont ausdehnende Orangenbaumplantage.

Der nachhaltige Eindruck des intensiven, süß-fruchtigen Duftes der schneeweißen Orangenblüten war Lissy noch so lebendig in Erinnerung, dass sie für einen Moment lang glaubte, ihn zu riechen.

„Lissy!“ Scharf durchschnitt der Ruf ihres Namens die Luft. Mr. Fuller!

Ja, so musste Lissy ihren Stiefvater ansprechen.

Sie warf die schwere Decke zurück. Hastig schnellte die hochgewachsene, fast magere Gestalt des Mädchens von ihrem Bett hoch. Sie schlüpfte in die schweinchenrosa Filzpantoffel, die ihre Stiefschwester Molly nicht mehr tragen wollte, und band sich die mahagonifarbene Lockenmähne zusammen. Dabei fiel das Muttermal an ihrem Hals auf, das wie ein Drache aussah und die gehässigen Rädelsführer ihrer Klasse immer wieder dazu veranlasste, sie als Drachentusse zu verhöhnen. Oft wurde sie aber auch als Spaghettimampfe verschrien, da sie aus Sizilien und nicht von hier stammte. Lissy war ziemlich sicher, dass dies der eigentliche Grund für ihre Außenseiterrolle war.

Die ständigen Sticheleien und die Ausgrenzung aus der allgemeinen Klassengemeinschaft bedrückten Lissy sehr. Oft dachte sie an ihre Freunde zu Hause auf Sizilien.

Nachdem sie sich angezogen hatte, schlüpfte Lissy aus der armseligen Dachkammer.

Die spartanische Einrichtung, bestehend aus dem Bett, einem rechteckigen Holztisch mit einem wackligen Stuhl davor und einem kleinen Kleiderschrank mit verrostetem Schloss ohne Schlüssel, vermittelte den Eindruck von Trostlosigkeit. Einzig das Katzenkörbchen, Neros Plätzchen vor ihrem Bett, verlieh diesen tristen vier Wänden eine heimelige Note.

Im Laufschritt spurtete Lissy die steile Holztreppe hinunter, bog um die Ecke und verschwand in der Küche. Nero, der fünfjährige Kater, folgte ihr flink. Er wusste genau, dass er jetzt sein Schälchen mit Futter serviert bekam.

Während er sich hungrig über seine Mahlzeit hermachte, setzte Lissy Mr. Fullers Spezialkaffee auf: drei Teelöffel Espressopulver, zwei Teelöffel Malzkaffee. Sie

verstand nicht, wie man ein solches Gebräu hinunterbekommen konnte.

Bis das Kaffeewasser kochte, deckte sie den Tisch.

Als der Wasserkessel zu pfeifen begann, betrat Mr. Fuller, geschniegelt in Anzug und Krawatte, mit der Zeitung unter dem Arm, schnaufend die Küche. Als kleiner Finanzbuchhalter saß er von Montag bis Freitag auf dem Amt und tippte endlose Zahlenreihen in seinen Computer. Er nahm sich in der Erfüllung dieser Aufgabe sehr wichtig.

„Steh gefälligst gleich auf, wenn ich dich wecke!“, schnauzte er und holte kurzatmig Luft. „Ich wünsche, dass mein Frühstück fertig ist, wenn ich aus dem Badezimmer komme. Sollte ich noch einmal auf mein Frühstück warten müssen, setzt’s was!“

Er regte sich derart auf, dass sein rundlicher Kopf mit der bis zum Hinterkopf ausgedehnten Glatze rot anlief. Schließlich sank er ächzend auf den Stuhl, setzte die schwere Nickelbrille auf die Nase und schlug die Zeitung auf.

„Sir John Macleans Leiche gefunden“, las er, vor sich hin murmelnd. „Der angesehene Großgrundbesitzer und renommierte Geschäftsmann wird bereits seit acht Tagen vermisst. Nun ist es traurige Gewissheit, er wurde auf bestialische Weise ermordet.“

Mr. Fuller las nun mit angespannter Miene leise weiter. Nach einer Weile meinte er: „Unglaublich …! Seine Leiche blutleer und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt – kein Gesicht mehr – wie abartig!“

Mr. Fuller verzog angewidert das Gesicht.

Inzwischen war der Kaffee durchgelaufen. Als Lissy ihrem Stiefvater seinen Pott mit dem Spezialkaffee rei-

chte, kam Molly gähnend in die Küche herein geschlappt. Sie war vierzehn, ein Jahr älter als Lissy, aber mindestens einen Kopf kleiner als sie. Diese Tat-sache versuchte Molly durch Plateauschuhe etwas auszugleichen. Da sie jedoch ziemlich fett war, wirkte ihr Gang eh schon platschig! Dazu diese Schuhe und der kurze Rock mit dem zu eng sitzenden T-shirt – ein peinlicher Anblick.

Molly gab ihrem Vater einen schmatzenden Kuss auf die Wange und setzte sich mit gewohnter Selbstverständlichkeit an den gedeckten Frühstückstisch.

„Gestern habe ich mir ein obercooles Parfüm von CHANEL gekauft, das ist ganz neu auf den Markt gekommen“, prahlte sie. Da Lissy nicht darauf reagierte, provozierte sie weiter: „He, Aschenputtel, ich hoffe, du hast die Sandwiches für Daddy und mich geschmiert! Wir müssen bald los.“

Diese Pfeilspitze saß. Lissy spürte, wie ihr die Zornesröte in die Wangen stieg. Sie hätte dieser dicken Schwabbelziege ihr Sandwich am liebsten in das pickelige Gesicht gedrückt, anstatt es in die Vesperdose zu legen.

Molly grinste selbstzufrieden und stopfte einen großen Bissen ihres Marmeladenbrotes in den Mund, um ihn dann genüsslich schlürfend mit Kakao hinunterzuspülen.

In diesem Moment schepperte es im Flur. Durch die halboffene Küchentür sah man gerade noch Neros Schwanzspitze durch das offene Flurfenster verschwinden.

Ein intensiver, süßlicher Duft machte sich breit.

„Mein neues Parfüm!“, kreischte Molly. „Ich bring

dieses Katzenvieh um!“ Dabei sprang sie mit einer Behändigkeit vom Stuhl auf, die man ihr nicht zugetraut hätte, und machte ein Gesicht, als würde sie vor Wut

gleich platzen.

Lissy erschrak über diese Reaktion von Molly. „Sie wird Nero doch hoffentlich nicht wirklich etwas antun?!“, ging es ihr durch den Kopf, „gemein genug wäre sie dazu!“

Im gleichen Moment durchzog Lissy aber auch ein Gefühl der Genugtuung, denn Molly ließ gewohnheitsgemäß überall ihr Zeug herumliegen, und Lissy wurde von Mr. Fuller dann oft gar noch angewiesen, deren Sachen aufzuräumen.

„Wenn ich diesen schwarzen Satansbraten in die Finger kriege, ist es um ihn geschehen.“ Mr. Fuller schaute aufgebracht über den Rand seiner Zeitung und riss seine wulstigen Augen auf, die wegen der dicken Brillengläser sowieso schon glubschig wirkten. Dabei holte er so tief Luft, dass sich sein draller Bauch gegen die Tischplatte drückte. In Lissys Richtung gewandt stieß er hervor: „Sieh gefälligst zu, dass diese Schweinerei wegkommt! Du bist so unnütz wie dein verfluchter Kater.“

„Ihm ist wohl gar nicht klar, wie teuer ein solches Parfüm ist“, überlegte Lissy, „ansonsten müsste er sich doch fragen, woher Molly das viele Geld hatte, um sich so einen Luxus leisten zu können! Womöglich hat sie das Parfüm sogar geklaut? Jedenfalls ist es nun futsch!“

Wortlos stand Lissy auf, holte Besen und Kehrschaufel und fegte demonstrativ langsam und in sich hinein grinsend die Scherben zusammen.

[1] (italienisch) Die Großmutter

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Über Emma G. Horn

Emma G. Horn
Emma G. Horn, geboren 1954, studierte Physik und Biologie und unterrichtete diese Fächer an verschiedenen Gymnasien, zuletzt am Maria von Linden Gymnasium in Calw-Stammheim. Sie lebt mit ihrer Familie in Bad Teinach – Zavelstein im Schwarzwald. Auf ihrer Lieblingsinsel Sizilien mit dem aktiven Vulkan Ätna sammelt sie Geschichten, mischt sie mit den Naturgesetzen und lässt die Leserin / den Leser in Fantasiewelten eintauchen. In dem Band „Dyluna und die versteinerte Seele“ hat sie das Schicksal ihrer Großmutter Emma Horn, deren Namen sie zum Gedenken als Pseudonym verwendet, ein Stück weit aufgearbeitet. Emmas Ehemann Karl wurde trotz gerade überstandener Nierenbeckenentzündung am 23. Dezember 1943 erneut in den Krieg eingezogen, dieses Mal nach Stalingrad. Zu diesem Zeitpunkt war das jüngste Kind der Familie, der Vater der Autorin, gerade einmal 12 Jahre alt. Karl Horn war unbequem, er hat nie aufgehört, sich von Hitler und dessen Machenschaften zu distanzieren, und er hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Aus diesem Grund wurde er bereits 1933 in das Konzentrationslager Heuberg bei Stetten am kalten Markt deportiert. Einzig der Tatsache, dass er im Musikverein seines Heimatdorfes eine zentrale Rolle spielte, hatte er es zu verdanken, dass er von dort wieder freikam. Aus Stalingrad jedoch kehrte er nicht wieder zurück, er blieb seit September 1944 vermisst. Emma Horn stand nun mit ihren drei Kindern alleine da. Der Kummer und das Leben in der ständigen Ungewissheit über den Verbleib ihres Ehemannes zerfraßen mit der Zeit ihre Gesundheit. Sie erkrankte 1946 an Krebs und erlag dieser Krankheit schließlich im September 1950, mit gerade einmal 49 Jahren.

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