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Hannah und der Meisterdieb von Anna Becker

Hannah und der Meisterdieb von Anna Becker

Hannah, eine junge Amerikanerin irischer Abstammung, möchte das Land ihrer Vorfahren bereisen. Gleich nach der Ankunft in Dublin begegnet sie in einem Pub dem attraktiven Rory, der sich als Geschäftsmann ausgibt. Er beschreibt ihr Zusammentreffen als schicksalhaft und überredet sie, den Grund dafür gemeinsam herauszufinden. Neugierig geworden willigt sie ein. Bei einem Ausflug, den sie alleine unternimmt, weil sie von ihm versetzt wird, erlebt sie eine Überraschung: Sie wird unsichtbar.

In einem Telefonat mit ihrer Großmutter erfährt Hannah, was sie in Wahrheit ist. Obwohl Hannah von Rory enttäuscht ist, erzählt sie ihm die Neuigkeiten und erlebt, wie eigenartig er darauf reagiert. Es stellt sich heraus, dass er einen unheimlichen Auftraggeber hat, der beiden gefährlich werden kann. Sie beschließen, aus Dublin zu fliehen.

Hannah und der Meisterdieb von Anna Becker

Hannah und der Meisterdieb von Anna Becker

Produktinformation

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 296 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 136 Seiten
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B0094VQUM8

Leseprobe aus Hannah und der Meisterdieb:

Prolog

Hannah O´Fallon hatte noch nie etwas Schöneres gesehen als den Wicklow National Park, wenn das Heidekraut blühte. So weit das Auge reichte entdeckte sie große Flecken von leuchtendem Lila, die sich sanft an die Hügel und Berge schmiegten. Bei näherer Betrachtung sahen diese Pflanzen wie plüschige Kissen aus, die einen einluden, sich darauf auszustrecken. Ihre Farbe verzauberte die Gegend noch mehr – dabei war die Atmosphäre ohnehin magisch. Ja … die Magie hing hier so schwer über Hannah wie die Wolken am grauen Himmel. Dieses übernatürliche Flair würde sie nie wieder vergessen.

Sie liebte die Wicklow Mountains und hoffte, dieses lilafarbene Naturspektakel noch viele Jahre genießen zu dürfen, aber die Gefahr war ihr zu nahe gekommen. Und auch eine tief greifende Angst, die sie vorher nie gekannt hatte.

Wie konnte sich Rory denn nur in so eine Geschichte verstricken? Vielleicht, weil es um einen Job ging. Doch das war eine schwache Antwort angesichts der Möglichkeit einer Alternative – selbst einer unbequemen. Eigentlich traf Rory keine Schuld. Er war da in etwas hineingeraten, dem er niemals hätte entrinnen können. Und schließlich hatte Hannahs eigenes Schicksal sie nach Irland geführt … direkt zu ihm.

Sie befand sich auf einer Steinbrücke, unter der ein Bach vom dahinter liegenden Hügel direkt ins Tal floss, und die Schauplatz eines rührenden Hollywood-Liebesfilms war. Hannah blickte in die Ferne und erinnerte sich daran, wie glücklich sie gewesen war, endlich Irland besuchen zu dürfen. Sie hatte ihr Kunststudium an der New York University mit Bestnote beendet, und als Belohnung schenkten ihr die Eltern diese Reise. Das 4-Sterne-Hotel war für den gesamten August bezahlt. Für mehrtägige Ausflüge, bei denen sie in einem Bed & Breakfast übernachten müsste, hatten ihre Eltern ihr ebenso Geld in die Hand gedrückt, wie für Verpflegung, Fahrten und hübsche Souvenirs. Und im Flieger von Aer Lingus hatte sie sogar in der Business Class gesessen. Den langen Flug von New York erlebte sie hellwach, während andere Passagiere schliefen. Nicht einmal einen Spielfilm wollte sie an Bord sehen, weil sie sich lieber ausmalte, wie es im Land ihrer Großeltern wohl aussähe. Diese hatten ihr andauernd und ausführlich von den Schönheiten ihrer Heimat vorgeschwärmt.

Hannah begegnete Rory O´Hogan im Pub O´Donoghue´s, gleich an ihrem ersten Nachmittag in Dublin. Sie war vormittags am Flughafen, der unweit der Hauptstadt gelegen ist, angekommen, hatte in ihr Hotel, das „Croke Park“, eingecheckt und sich, erfrischt und umgezogen, auf den Weg in die City gemacht, um sich in aller Ruhe die Geschäfte in der Grafton Street anzusehen. Sie war so abgelenkt, dass sie keinen Jetlag verspürte. New York war um so Vieles größer, die Geschäfte dort exklusiver; aber trotzdem fand sie das Angebot in dieser Fußgängerzone weitaus charmanter. Und das Wetter erst – herrlich! Eine angenehme Temperatur von rund 22 Grad Celsius, blauer Himmel, ein paar harmlose Wölkchen und diese unglaublich frische Luft, die nach Meer und Pfefferminz roch.

Sie war in die kleinen Seitenstraßen abgebogen und immer wieder auf der Grafton Street gelandet. So hatte sie sich bis zum St. Stephen´s Green Park geschlängelt, um ihm einen kurzen Blick zu widmen, war dann nach links abgebogen und bis zum O´Donoghue´s in der Merrion Row gelaufen. Von diesem Pub hatte schon ihr Großvater, Eamon O´Fallon, erzählt, denn dort pflegten auch The Dubliners, die weltbekannte irische Folk-Band, zu spielen. Man könnte fast sagen, ihre irischen Gene führten sie blindlings dahin.

Hannah schloss die Augen und verbannte die Landschaft aus ihren Gedanken. Sie versuchte, die kühle, würzige Luft in vollen Zügen einzuatmen, um einen klaren Kopf zu bekommen. In der Natur würde sie Kraft sammeln. Doch das, was sie erlebt hatte, drängte sich wie ein Film in ihr Bewusstsein – und sie sah sich darin mitspielen. Im O´Donoghue´s fing alles an.

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Kapitel 1

Hannah betrat das berühmte O´Donoghue´s voller Elan und wurde jäh von der schummrigen Beleuchtung überrascht. Was war das doch für ein Kontrast vom dunklen Pub vor ihr zum gleißenden Sonnenschein hinter ihr. Ihre Augen brauchten einen Moment, um sich an die veränderten Lichtverhältnisse zu gewöhnen.

Zu ihrer Rechten bemerkte sie eine halbrunde Nische mit Polstersitzen, Fotos und Zeichnungen von Musikern an der Wand und den Bar-Tresen. Es war voll. Sie quetschte sich durch den schlauchartigen Raum, und anschließend durch eine schmale Tür in den nächsten, der noch enger war. Auch dort waren alle Plätze belegt. Doch es gab einen Innenhof, mit Fässern zum Abstellen der Gläser und Barhockern sowie kleinen Holztischen und Bänken. Drinnen wie draußen war das Publikum gemischt, doch im Hof überwogen die Geschäftsleute. Hannah fand eine freie Holzbank und ließ sich erleichtert darauf fallen. Jetzt musste nur noch die Bedienung kommen und ihr ein riesiges Guinness bringen, dann wäre ihr Tag perfekt.

Jedes Mal, wenn die Tür zum Hof aufging, erwartete sie, einen Kellner zu erspähen. Aber weit gefehlt – es waren Gäste mit Gläsern in den Händen. Irritiert schaute sie sich das Treiben eine Weile an. Dann stand plötzlich ein Mann vor ihr, der sich zu ihr herunterbeugte.

„Sie müssen schon reingehen, wenn Sie einen Drink wollen. In Pubs holt man sich die an der Bar. Man zahlt auch sofort. Sie sind nicht von hier, was?“, bemerkte er und lächelte.

„Nein, aus New York, heute Morgen erst angekommen“, antwortete Hannah und sah sich den Typen genauer an. Sehr genau.

Sie schätzte ihn auf Anfang dreißig. Er schien groß zu sein, mindestens 1,85, und hatte dunkelblondes, kurzes Haar. Eine Rasur hätte er nötig gehabt, aber andererseits verliehen ihm die Bartstoppeln etwas Verwegenes. Sein freches Lächeln unterstrich diesen Eindruck. Und in dem Licht vermutete sie, dass seine Augen von einem hellen Olivgrün waren. Er trug Jeans, ein graues T-Shirt und eine schwarze Lederjacke – fast genau wie sie selbst, außer, dass ihr T-Shirt weiß war.

Hannah starrte ihn regelrecht an. Es gab auch in New York gut aussehende Männer, aber dieser hier hatte etwas … Magnetisches. Sie konnte es schlecht in Worte fassen. Er strahlte Wärme und Verbindlichkeit aus, aber ebenso eine Distanz, als wollte er andeuten ‚Hey, ich bin ein netter Kerl, doch pass besser auf‘. Gefahr verspürte Hannah immerhin nicht.

„Was möchten Sie trinken? Ich hole es Ihnen gern“, fuhr der Mann fort.

„Äh … ein Guinness wäre fantastisch. Warten Sie, ich gebe Ihnen Geld“, antwortete Hannah erstaunt und war im Begriff, in ihrer Tasche danach zu suchen.

Er winkte ab und verschwand in Richtung Pub-Tür. Kurze Zeit später kam er mit zwei Pints Guinness wieder heraus, stellte sie auf den Tisch und setzte sich zu ihr. Hannah hätte nicht verdutzter sein können. War das etwa ein Annäherungsversuch? Er war ganz schön dreist. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte. Dazu kam, dass seine Nähe sie verunsicherte. Schöner Mann hin oder her – sie war der Meinung, dass er eine Grenze überschritten hatte. ‚Ach, hab dich nicht so‘, ermahnte sie ihre innere Stimme. ‚Andere Länder, andere Sitten. Ist nicht jeder so arrogant und unnahbar wie in New York.‘ Diese Einstellung half ihr, sich zu entspannen.

„Sláinte!“, sagte er und hob sein Glas. „Das heißt ‚Prost‘.“

„Sláinte!“, wiederholte Hannah und nahm mehrere große Schlucke.

„Ich bin Rory. Rory O´Hogan. Und Sie? Oder du?“

„Du. Ich heiße Hannah O´Fallon. Freut mich, dich kennenzulernen, Rory. Selbst auf diese ungewöhnliche Art.“

„Warum ungewöhnlich?“

„Na ja, da, wo ich herkomme, sind die Menschen nicht so … fürsorglich.“

„Du wirst sehen, hier sind wir sehr kommunikativ“, verkündete er und sah ihr direkt in die Augen. „O´Fallon?“

„Meine Großeltern sind nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika ausgewandert. Sie stammen aus Enniskerry.“

„Ah … Ich bin in Laragh geboren, das liegt wie Enniskerry auch in County Wicklow. Euer Präsident muss auch daher kommen.“

„Wieso?“

„Na … Obama … O´Bama!“

Das amüsierte Hannah. Das Eis war gebrochen, und sie wurde lockerer.

„Was machst du am helllichten Tag in einem Pub? Musst du nicht arbeiten?“

„Ich bin, sagen wir mal, in der Import-Export-Branche tätig, ich muss nicht unbedingt in einem Büro hocken. Außerdem haben jetzt viele Leute Mittagspause. Du solltest froh sein, dass ich hier war, um dich vorm Verdursten zu retten.“

Dann schaute er ihr abermals intensiv in die Augen. „Ich habe auf dich gewartet.“

Dabei lachte er, um die Dramatik dieser Aussage zu entschärfen, doch Hannah fand, dass in diesem Spruch etwas Tiefgründiges verborgen war. Sie wagte aber nicht, zu glauben, dass er sie für so wichtig oder so schön hielt, dass er gar ihr Kommen gefühlt hatte und sie deshalb im O´Donoghue´s abpasste. Hannah fand sich nicht schön. Ihre Haare waren hellblond, ihre Augen hellblau und sie war sehr dünn. Einige meinten, sie hätte feine, aristokratische Züge. Andere, dass sie einem Renaissance-Gemälde entsprungen sein könnte. Sie schminkte sich nur wenig; die Wimpern, damit sie nicht weiß aussahen, die Wangen, damit sie nicht blass wirkten und die Lippen, damit sie gute Laune bekam. Ihr Gesicht war symmetrisch, und sie hätte glücklicher damit sein sollen, das wusste sie, aber dennoch …

„Wie alt bist du eigentlich?“, wollte Rory wissen.

„Vierundzwanzig. Und du?“

„Zehn Jahre älter. Aber mit der Erfahrung eines Hundertjährigen.“ Und wieder dieses Lachen.

Rory gab Hannah Rätsel auf. Sie ertappte sich dabei, wie sie ihn unverwandt musterte.

„Was ist?“, fragte er.

„Das wüsste ich auch gern. Vor allem, weshalb du hier bei mir bist.“

„Manchmal ist es so, dass das Zusammentreffen zweier Menschen nicht dem Zufall entspringt.“

„Willst du damit andeuten, dass du mich beobachtet und verfolgt hast?“

„Nein, bestimmt nicht. Ich meine … wie soll ich es sagen … na ja, es gibt Phänomene, die man nicht wissenschaftlich erklären kann.“

„Du meinst Magie.“

„Ja. Wie du vielleicht gehört haben magst, zum Beispiel von deinen Großeltern, steckt sehr viel Magie in Irland. Die ganzen Legenden und Sagen, die kommen nicht von ungefähr. Es gibt hier Landstriche, da grüßen Leute bestimmte Orte, von denen sie wissen, dass dort Feen hausen. Wenn sie dies nicht tun, erleben sie keinen schönen Tag.“

„Meine Großmutter hat mir tatsächlich Geschichten erzählt: von Feen und zauberhaften Wesen, von Leprechauns und anderen magischen Geschöpfen. Ich habe immer fasziniert gelauscht. Aber wenn man älter wird, verliert man das aus den Augen. Und jetzt konfrontierst du mich damit. Ich will solche Dinge nicht herunterspielen, es ist nur schwer, so etwas für bare Münze zu nehmen. Also: Wir beide haben uns getroffen, weil es eine höhere Macht so entschieden hat. Das ist der Kern, richtig?“

„Man könnte sagen, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Die höhere Macht war´s!“

Diesmal lächelte Rory bedeutungsvoll. Er hob sein Glas und trank es leer. Hannah tat es ihm gleich.

„Was möchtest du am liebsten unternehmen? Willst du, dass ich dir die Stadt zeige? Eine hübsche Tour in meinem Wagen, bei der ich dir alles Sehenswerte vorstellen kann?“

„Ich wollte mich etwas ausruhen.“

„Das wäre falsch, dann schläfst du nämlich sofort ein. Und man soll erst ins Bett gehen, wenn es im Reiseland Zeit dafür ist. Beiß die Zähne zusammen und komm einfach mit.“

Hannah konnte nicht fassen, was sie da hörte. Rory lud sie auf eine Sightseeing Tour ein? Aber die Müdigkeit ergriff langsam Besitz von ihr, und auch das Guinness hatte dazu beigetragen, dass sie sich schlapp fühlte. Und sie spürte Rorys Ausstrahlung, die sehr einnehmend war. Widerstand zwecklos! Sie nickte und lief mit ihm auf die Straße, wo sein Wagen stand.

Rory öffnete ihr schwungvoll die Beifahrertür des schwarzen Mercedes-M-Klasse Geländewagens. Sie hievte sich auf den Sitz und legte den Gurt an. Dann schaltete Rory das Radio ein und suchte einen Sender. „Dublin´s Q 102“ gefiel ihm offensichtlich. Hannah schaute sich im Wagen um; er musste wirklich gut verdienen, wenn er so ein Auto fuhr.

„County Wicklow hat sogar seinen eigenen Sender, der heißt ‚Garden County Radio‘, da können wir ein anderes Mal reinhören“, sagte er.

„Ein anderes Mal? Es ist wirklich nett, dass du mich in Dublin herumkutschieren möchtest. Aber das heißt nicht, dass wir öfter zusammen sein werden. Du musst doch arbeiten. Außerdem hatte ich vor, das Land selber zu erkunden!“

„Ich nehme mir ein wenig frei. Ich habe so lange kein Museum mehr besucht, ich muss etwas für meine Bildung tun! Mit Begleitung macht es einfach mehr Spaß, glaub mir. Und du hast viel mehr von einem Land, wenn dich ein Einheimischer führt. Es sei denn, du findest mich so abstoßend, dass du mich loswerden möchtest“, erwiderte Rory und grinste breit, wohl wissend um sein gutes Aussehen.

„Du könntest ein Serienkiller sein!“, hielt Hannah schmunzelnd dagegen.

„Ja, oder ein Triebtäter. Du weißt ganz genau, dass ich das nicht bin. Tief in deinem Innern vertraust du mir, das fühle ich. Und denk an die höhere Macht!“

„Wie könnte ich die vergessen!“

Wider Erwarten genoss Hannah die Fahrt von ihrem bequemen Sitz aus. Sie fuhren zum Merrion Square, wo Rory auf die Skulptur von Oscar Wilde hinwies. Er betonte, wie sehr sie ihm gefiel, deshalb wollte er sie Hannah als Erstes vorstellen. Der Schriftsteller bestand von Kopf bis Fuß aus Marmor, seine Kleidung sogar aus verschiedenfarbigem Marmor, und er fläzte sich lebensecht auf einem riesigen Felsblock. Merrion Square war ein wunderschöner Park mit üppiger Vegetation. Bei nächster Gelegenheit wollte Hannah dort spazieren gehen.

Dann drehte Rory um und fuhr am O´Donoghue´s vorbei und in die Dawson Street hinein. Von dort aus folgten sie den Straßen zum Dublin Castle, zur St. Patrick´s Cathedral, zum Guinness Storehouse sowie zum Kilmainham Goal, einem ehemaligen Gefängnis, und überquerten den Fluss Liffey, um zum Nordteil von Dublin zu gelangen. Hannah bewunderte durch das Autofenster den Phoenix Park, die Old Jameson Distillery und den Justizpalast Four Courts. Dann rollten sie über den Liffey zum Südteil zurück.

Am Trinity College stoppten sie kurz und vertraten sich die Beine auf dem Campus. Das aufwendig illustrierte Book of Kells, das keltische Mönche um 800 n. Chr. schufen und das in der College-Bücherei ausgestellt war, würden sie sich später einmal anschauen, die Schlange der Wartenden war gerade zu lang. Danach ging es nach Temple Bar, Dublins Kulturviertel mit vielen Pubs und noch mehr Touristen. Rory hatte in einem fort und mit großer Begeisterung über die Sehenswürdigkeiten referiert; nun war seine Kehle ausgetrocknet, und es war höchste Zeit für einen Drink. Sie setzten sich ins Gogarty´s an die Bar und bestellten zwei Guinness.

„Das war nur ein kleiner Überblick, Hannah. Ich möchte dir gern mehr zeigen, das Nationalmuseum Archäologie zum Beispiel.“

„Archäologie ist nicht so mein Fall. Ich habe in New York Kunst studiert.“

„Unterschätze Archäologie nicht, es gibt da unglaubliche, sehr kostbare Artefakte. Natürlich besuchen wir auch die Nationalgalerie und …“

„Rory, Gnade! Das geht mir zu schnell! Ich bin doch erst vor ein paar Stunden angekommen!“

„Ich wollte dich nicht überfordern, ehrlich. Willst du etwas essen?“

„Danke, nein. Ich möchte nur mein Bier austrinken und dann ins Bett fallen. Warum tust du das eigentlich alles? Wieso ich? Sag mir die Wahrheit. Oder ist die Sache mit der ‚höheren Macht‘ in Irland eine Masche, um Frauen kennenzulernen?“

„Was denkst du von mir? Ich bin glücklicher Single! Aber ich bin überzeugt davon: Unsere Wege kreuzen sich aus einem bestimmten Grund, der mir momentan noch nicht so ganz klar ist, wie ich zugeben muss. Wenn wir mehr Zeit miteinander verbringen, finden wir es beide heraus.“

„Du musst etwas über mich wissen, sonst hättest du mich nicht angesprochen. Das sagt mir mein Gefühl!“

Rory fixierte sein Glas und schwieg. Er presste seine Lippen aufeinander und sah auf einmal sehr verletzlich aus.

„Ich kann nicht darüber sprechen. Lass uns doch einfach sehen, wie sich die Dinge entwickeln.“

Hannah musste sich geschlagen geben. Diese Sache wurde immer merkwürdiger, und die einzige Möglichkeit, Licht ins Dunkel zu bringen, bestand darin, mitzumachen. Sie überlegte jedoch, ob sie stark genug war, der Angelegenheit auf den Grund zu gehen. Das klang nach einem aufregenden Experiment, nach Nervenkitzel und Abenteuer. Und ihr Entschluss war plötzlich getroffen.

„Es klingt total verrückt, aber weißt du was? Ich begleite dich durch Dublin. Zeig mir, was du mir zeigen willst. Nicht nur die Stadt, ich möchte auch rausfahren, die Landschaft soll so traumhaft sein. Ich bin jung und brauche neue Erlebnisse – doch erst nach mindestens zwölf Stunden Schlaf!“

Kapitel 2

Hannah schlug die Augen auf und reckte und streckte sich ausgiebig in ihrem behaglichen Hotelbett. Sie fühlte sich ausgeruht, kein bisschen vom langen Flug gerädert. Dann hielt sie schlagartig inne. Ist das alles tatsächlich passiert oder hatte sie es nur geträumt? Rory und seine komischen Andeutungen, die Stadtrundfahrt?

Es war real. Jeder Moment, jedes einzelne Wort. Rory. Seine Augen. Sein Lachen. Er hatte sie nach dem Pub-Besuch in ihr Hotel gefahren, das sich nördlich des Liffey befand, und ihr eine gute Nacht gewünscht. Kein Abschiedskuss, nur ein Händedruck. Er wollte sie am nächsten Vormittag um elf Uhr abholen.

Nun war es neun Uhr und sie hatte noch genügend Zeit, um zu duschen, sich anzuziehen und zu frühstücken. Erschrocken stellte sie fest, dass sie seit dem Bordessen nichts mehr zu sich genommen hatte außer Guinness. Darum eilte sie in den Frühstücksraum, wo sie an ihren Tisch begleitet wurde. Ein großes Buffet mit englischem aber auch kontinentalem Frühstück bot herrliche Speisen an. Sie häufte sich Spiegeleier und Speck, Kartoffelküchlein und gebackene Bohnen auf den Teller. Dann nahm sie sich noch Croissants und Marmelade. Als die Bedienung ihr einen Cappuccino brachte, hatte Hannah bereits die Hälfte des Essens verdrückt. Es dauerte nicht lange und der Rest war auch vertilgt. Hannah schaute auf die Uhr; sie wollte noch ihre Handtasche umpacken und fuhr nach oben.

Punkt elf Uhr stand sie in der Hotel-Lobby und schaute hinaus auf die Auffahrt. Rory musste jede Sekunde eintreffen. Es vergingen zehn Minuten, aber Rory war nicht in Sicht. Unpünktlich, der Typ. Aber das akademische Viertelstündchen war ja auch nicht um; das war verzeihlich. Weitere fünf Minuten verstrichen. Immer noch kein Rory. Hannah setzte sich auf eine Lederbank und begann sich zu ärgern. Fünfzehn Minuten später war Rory immer noch nicht eingetroffen. Hannah fragte sich, was das sollte. Er war doch derjenige gewesen, der darauf bestanden hatte, ihr Land und Leute zu zeigen und der bei dieser Gelegenheit herausfinden wollte, warum diese ominöse „höhere Macht“ sie zusammengebracht hatte. Steckte er im Stau? Als Einwohner Dublins sollte er das zeitlich einkalkulieren können. Ein Unfall? Hoffentlich nicht.

Mittlerweile war es Viertel vor zwölf. Aus Hannahs Verärgerung und Sorge wurde Enttäuschung. Sie hatte zwar von Anfang an geplant, Irland alleine zu bereisen, aber wenn sich ein persönlicher Reisebegleiter anbot, war eine Tour mit ihm natürlich informativer als jeder Reiseführer. Außerdem gefiel ihr Rory. Einige könnten sogar behaupten, sie wäre in ihn verknallt. Nur, dass Hannah es nicht so sehen wollte. Er war attraktiv. Punkt.

Was nun? Rory vergessen und umdisponieren, aber schnellstens! Sollte vielleicht doch nicht sein; war nur ein Strohfeuer, nur ein Typ, der sich wichtig machen wollte. Was konnte sie jetzt unternehmen? Am Tag zuvor hatte sie bereits sehr viel von der Stadt gesehen. Bevor sie irgendwelche Museen oder andere besonderen Orte genauer unter die Lupe nehmen würde, könnte sie das Umland erkunden. Der Concierge schlug ihr vor, nach Powerscourt Estate & Gardens zu fahren, einem herrlichen Anwesen in County Wicklow, circa fünfundzwanzig Kilometer südlich von Dublin entfernt. Im Herrenhaus befänden sich zwei Geschäfte und das ausgestellte Puppenhaus „Tara´s Palace“; alles sehr sehenswert, genau wie die himmlisch angelegten Gärten. Er erklärte Hannah den Weg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, aber das war ihr zu kompliziert. Sie ließ ein Taxi kommen.

Der Fahrer schlug ihr als Route die Südostküste vor, was Hannah dankend annahm. Der Weg bis zum Örtchen Bray war schon mal überaus malerisch. Von da aus bog er nach rechts ins Landesinnere Richtung Enniskerry ab. Das üppige Grün, diese vielen Schattierungen von Grün, durchbrochen von hübschen kleinen Häusern, begeisterte Hannah. In dieser Gegend hatten ihre Großeltern gelebt. Wie schrecklich mussten sie sich gefühlt haben, als sie das Land verließen!

Während sie die Landschaft an sich vorüberfliegen sah, verliebte sie sich immer mehr in diese Region. Je näher sie ihrem Ziel, dem Powerscourt Anwesen, kam, desto heftiger schlug ihr Herz. Schließlich, nach einigen Kilometern gewundener Landstraße, hielten sie vor einem Portal – die Einfahrt zum Powerscourt Estate. Das Handzeichen aus dem Wächterhäuschen bedeutete Weiterfahrt. Auf diesem Gelände war auch das „Ritz Carlton“ beheimatet, eins von zwei 6-Sterne-Hotels auf der Welt. Es dauerte keine zehn Minuten, dann standen sie schon vor dem prächtigen Herrenhaus von Powerscourt. Hannah zahlte den Preis inklusive eines großzügigen Trinkgelds und verabschiedete sich vom Fahrer, der ihr zu ihrer Verwunderung noch lange nachwinkte.

Durch den verglasten Vorbau des Eingangs kam sie zu einem der beiden Geschäfte, von denen der Concierge erzählt hatte: dem berühmten Kunsthandwerkladen „Avoca Store“. Der Laden war so erstklassig, dass Hannah im Schnelldurchgang sämtliche Waren begutachtete. Decken, Schals, Kleider, Wohnaccessoires, Geschirr, Schmuck – alles im Vintage-Stil und das Meiste in Handarbeit gefertigt! Hannah war entzückt, das musste sie sich in Ruhe ansehen, nach ihrem Spaziergang in den Gärten. Sie bezahlte eine Eintrittskarte und erhielt dazu einen Wegweiser, den sie kurz überflog. Dann trat sie durch eine große Holztür ins Freie – auf eine imposante Anlage, die kaskadenförmig angelegt war.

Regen setzte ein. Je tiefer sie die große Freitreppe hinablief und sich dem großen Springbrunnen näherte, desto heftiger fielen die Tropfen. Kurze Zeit später goss es wie aus Kübeln. Der kleine Flyer mit dem Gartenplan war bereits durchweicht und im Begriff, sich aufzulösen. Hannah hatte zwar ihren Schirm aufgespannt, doch der Wind ließ das Wasser fast waagerecht auf sie prasseln. Trotzdem marschierte sie unermüdlich weiter; mit zusammengefaltetem Schirm, dem nassen Element restlos ausgeliefert. Gut, dass sie wenigstens eine leichte Regenjacke mit eingepackt hatte. Der nächstgelegene Garten war der japanische, also beschloss sie, ihm einen Besuch abzustatten. Dies schien eine wichtige Entscheidung gewesen zu sein. Denn wieder begann dieser rasante Herzschlag, der sich zwischenzeitlich etwas gemildert hatte, und es prickelte auf ihrer Haut. Oder war das eine beginnende Erkältung? Egal, sie musste sich diese Perle der Gartenarchitektur unbedingt anschauen.

Zum japanischen Garten ging es steil bergab. Trotz des Regenschleiers leuchteten die Farben der Gewächse schon von Weitem in verschiedenen Rot-, Gelb- und Grüntönen. Ein schmaler Kiesweg führte nach unten. Sie traf auf eine mit einem Geländer umsäumte Galerie, die den Blick auf das Areal mit Wasserfall, Koikarpfenteich, kleinen Steinpagoden, Holzpavillon und hinreißenden Pflanzen freigab. Nach ein paar Steinstufen, die links und rechts von Farn verhangenen Felsengrottenwänden begrenzt wurden, erreichte sie einen Torbogen aus grob gehauenen Natursteinen, die mit Moos überwuchert waren. Sie blieb für einen Moment darunter stehen, um dieses Tor zu betrachten, da klopfte ihr das Herz bis zum Hals … und etwas Seltsames geschah mit ihr.

Hannah schaute auf ihre Hand, die einen der Natursteine berührt hatte und bemerkte, wie sie verschwand. Einfach so. Hannah traute ihren Augen nicht – sie zog ihre Hand so blitzschnell weg, als hätte sie eine heiße Herdplatte angefasst. Hannah konnte sie zu einer Faust ballen, sie spüren, aber nicht mehr sehen. Vorsichtig blickte sie sich um. Gab es andere Spaziergänger in der Nähe, die Zeuge dieses Schauspiels geworden waren? Nein. Sie war allein. Und es blieb nicht bei diesem Körperteil. Dieser unfassbare Zustand erstreckte sich über ihren gesamten Körper. Ein paar Minuten dauerte er an, dann wurde Hannah wieder sichtbar. Hatte ihr das Wetter den Blick verschleiert oder halluzinierte sie? Keines von beidem. Es war tatsächlich so und nicht anders vorgefallen.

Der Regen hatte aufgehört und feine Nebelschwaden durchzogen den Garten, aber Hannah war zu perplex, um dies zu bemerken und zu geschockt, um zu schreien. Bevor ihre Beine nachgaben und sie an diesem Ort auch noch in Ohnmacht fiel, entschied sie sich, zu gehen. Ganz, ganz vorsichtig. Wie eine Schlafwandlerin drehte sie sich um und lief den ganzen Weg zurück bis hoch zum Herrenhaus. Sie brauchte einen Drink, etwas Starkes. Mehr noch – sie brauchte Rory, und sie wusste auch warum: Er war bodenständig, robust und stark. Zum Teufel mit dem Strohfeuer! Wie gern hätte sie mit ihm gesprochen, aber sie kannte seine Telefonnummer nicht.

Im Powerscourt House gab es ein vom Avoca Store betriebenes Selbstbedienungs-Café. Zum Glück war es nicht voll und sie konnte sich schnell einen doppelten Whiskey kaufen. Sie setzte sich an einen Tisch am Fenster und holte ihr Handy hervor. Ob sie es bei der Auskunft versuchen sollte? Als sie es einschaltete, entdeckte sie mehrere SMS von ihren Eltern und einen Anruf von ihren Großeltern. Sie hatte völlig vergessen, sich bei ihrer Familie zu melden! Schnell simste sie ihren Eltern, dass es ihr gut ginge und es ihr leidtäte, dass sie nicht eher geantwortet hatte. Sie zog sich aus der Affäre, indem sie ihnen vom total aufregenden Dublin mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten schrieb. Dann die Großeltern. Am liebsten würde sie mit ihnen persönlich sprechen. In New York musste es sehr früh am Morgen sein, aber ihre Großeltern waren ohnehin Frühaufsteher, das war also in Ordnung. Sie hatte das Gefühl, dass sie mit ihrer Großmutter über dieses Phänomen, das ihr widerfahren war, reden konnte und wählte ihre Nummer. Als Großmutter Sinead den Hörer abnahm, legte Hannah ohne Umschweife los.

„Entschuldige, dass ich jetzt erst anrufe, aber es ist so viel passiert, ich kann dir gar nicht alles erzählen, aber diese eine Sache, die heute geschehen ist … vielleicht weißt du Rat … du kennst dich doch mit solchen Dingen aus …“

„Schätzchen! Immer mit der Ruhe! Es ist so schön, deine Stimme zu hören. Es geht dir also gut, ich war etwas beunruhigt. Was ist das für eine Sache?“

Hannah drehte sich in Richtung Fenster und flüsterte:

„Ich bin unsichtbar geworden! Nicht lange, aber überhaupt unsichtbar zu werden, auch nur für ein paar Minuten, ist doch schon absolut gruselig. Ich dachte, mich trifft der Schlag!“

Am anderen Ende der Leitung war Stille.

„Oma? Hallo?“

„Wo ist das passiert?“

„Ich bin gerade auf dem Powerscourt Anwesen, im Avoca Café, aber es passierte unter dem Torbogen, der zum japanischen Garten führt. Der war mit Moos bedeckt und die Seitenwände glichen bewachsenen Grottenwänden.“

„Und kam es einfach so oder hat es sich irgendwie angekündigt?“

„Herzklopfen! Schon als ich in County Wicklow war, in der Nähe von Enniskerry. Und dann wurde es stärker, genau auf diesem Gelände. Am Steintor hämmerte mein Herz wie wild!“

„Das ist ja unglaublich, Schätzchen! Oh, meine Süße! Ich könnte weinen vor Glück … Nach so vielen Generationen haben wir wieder eine Fee in der Familie!“

„Wie bitte? Willst du damit andeuten, dass ich eine Fee bin?“

„Ja, mein Engel. Du bist eine Fee! Du musst dich schnellstens damit abfinden. Ich schätze, es wird dich ungemein bereichern!“

„Du meinst das ernst, oder?“

Hannah zweifelte etwas an dem Verstand ihrer Großmutter. Allerdings hätte sie dann auch an ihrem Verstand zweifeln müssen, und sie war selbst ihre eigene Augenzeugin gewesen.

„Es war mir noch nie so ernst!

Der Widerstand gegen die Vorstellung, eine Fee zu sein, legte sich auf einmal bei Hannah. Es ging so viel auf der Welt vor, was nicht mit Logik zu erklären war. Sie konnte genauso gut eine Fee sein. Doch wie passte sie ins Feen-Schema?

„Aber ich bin doch nicht klein! Ich ernähre mich ganz normal und nicht von Tau oder Nektar oder was auch immer da so steht in den Märchen. Ich habe noch nie andere Feen gesehen … oder solche Wesen … und ich komme aus New York!“

„Das spielt keine Rolle. Vor ungefähr sieben Generationen gab es die letzte Fee bei den O´Fallons. Das Feen-Blut wird in gewissen Abständen immer wieder zum Leben erweckt, ich kann das leider nicht anders beschreiben. Dann wird eine Fee geboren. Das habe ich in einer sehr alten Familienchronik gelesen.“

„Und wieso wusstet ihr das nicht früher, gleich bei meiner Geburt?“

„Weil sich eine Feen-Geborene nur auf heimatlichem Feen-Boden in eine Fee verwandelt. In deinem Fall hast du natürlich das Erbe in dir getragen, aber es kam erst dort zum Vorschein, wo du dich gerade befindest. Der gesamte Wicklow National Park ist Feen-Gebiet. Die Felsengrottenwand und der Kontakt mit dem Naturstein haben dich initialisiert, wie man heute so schön sagt.“

„Das hättest du doch sicherlich mal erwähnen können, oder?“

„Aber Schätzchen, das habe ich doch! Die ganzen Geschichten hast du allerdings als Märchen aufgefasst. Außerdem weiß man erst nach einer Verwandlung, dass eine Fee geboren wurde. Unsichtbarkeit ist ein Zeichen dafür.“

„Und nun? Was mache ich jetzt? Wie verhält man sich denn so als Fee?“

„Du machst weiter wie bisher. Dein Großvater und ich werden versuchen, in den Chroniken etwas mehr in Erfahrung zu bringen.“

„Lebten Feen bei ihren Familien oder zogen sie zu ihren Artgenossen?“

„Schwer zu sagen. Die alten Geschichten haben das Leben der Feen verklärt. Darum müssen wir mal recherchieren.“

„Aber ich dachte immer, Feen seien reine Naturgeister und nicht aus Menschenfamilien …“

„Hm, da kann ich dir im Moment nicht helfen. Aber zerbrich dir jetzt bitte nicht den Kopf darüber. Sieh zu, dass dein Handy eingeschaltet bleibt, damit wir dich erreichen können.“

„Warte … was habe ich denn nun für Fähigkeiten? Unsichtbar zu werden ist eine davon – und wie bekomme ich das unter Kontrolle? Wäre doch peinlich, im Pub plötzlich unsichtbar zu werden?“

„Nun, Feen können auch fliegen, mit der Natur kommunizieren, herrlich tanzen, sind wunderschön und heiter, altern nicht beziehungsweise sehen alterslos aus und bringen Glück. Ich glaube, mit der Zeit zeigt sich, wie es sich bei dir verhält. Vielleicht hast du ja nicht alle Feen-Gaben. Und dann denke ich mal, dass du diese Talente mit deinen Gedanken in Schach halten kannst. Wenn du Herzklopfen spürst, weißt du, dass sehr bald etwas Feenmäßiges passiert, und kannst bewusst dagegensteuern. Es wäre natürlich absolut köstlich, wenn du verliebt vor dem Mann deiner Träume stehst und er dich küssen will – und du bist nicht mehr zu sehen oder schwebst durchs Zimmer!“

Hannah dachte sofort an Rory. Ja, das wäre wirklich sehr köstlich!

„So meine Kleine, genug telefoniert, das wird sonst zu teuer! Ich muss das sofort Eamon erzählen, der wird Augen machen! Wir bleiben in Kontakt, mach´s gut!“

„Danke, Oma, grüß Opa von mir! Und erzählt es nicht meinen Eltern! Die sperren euch sonst in eine Anstalt und mich gleich mit!“

„Keine Sorge, das bleibt unter uns!“

Hannah klickte das Gespräch weg und legte das Handy auf den Tisch. Der Whiskey funkelte verführerisch im Glas und sie kippte ihn in einem Schluck runter. Konnten Feen besoffen werden?

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Über den Autor : Anna Becker

Anna Becker, geb. 1957, hat Werbekommunikation studiert und mit viel Fantasie in Werbeagenturen in München, Stuttgart und Berlin getextet. Seit 2009 schreibt sie Romane und Kurzgeschichten im Fantasy- und Science-Fiction-Bereich – und ist neuerdings vom Vampir-Virus befallen. Ihrem Mann und den zwei Kaninchen, mit denen sie in Berlin lebt, macht das aber nichts, die finden das sogar gut. Veröffentlichungen von Anna Becker Roman „Die Zeitreise-Agentin“, AAVAA-Verlag, 2011 Roman „Jamie“, als Kindle Edition bei Amazon, 2012 Roman „Der Zeitreisen-Detektor“, als Kindle Edition bei Amazon, 2012, und als Taschenbuch bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 2013 Roman „Hannah und der Meisterdieb“, als Kindle Edition bei Amazon, 2012 Roman „Das Zeitreisen-Imperium“, als Kindle Edition bei Amazon, 2013 Roman „Ruf der Karten“, als Kindle Edition bei Amazon, 2013 Roman „Sog des Blutes“, als Kindle Edition bei Amazon, 2013 Kurzgeschichte „Die Elfen von Kensington“ in der Anthologie „Ley Lines – und weitere mystische Momente“, Ulrich Burger Verlag, 2011 Kurzgeschichte „Mathilde: Vampirin, N. Y.“ in der Anthologie „Vampire sind überall“, net-verlag, 2011 Kurzgeschichte „Im Bann des Chomolungma“ in der Anthologie „Moderne Märchen für Kinder“, net-verlag, 2011 Kurzgeschichten-Sammlung „Götter, Wesen & Dämonen“, AAVAA-Verlag, 2012 Kurzgeschichte „Weiß-rote Weihnachten“, als Kindle Edition bei Amazon, 2012 Kurzgeschichte „Versteinerte Zukunft“, als Kindle Edition bei Amazon, 2013

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