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Inagi III: Kristallherz von Patricia Strunk

Kristallherz, ein Roman von Patricia Strunk

Die Gohari stehen vor der entscheidenden Schlacht gegen die Drachen, doch damit ist der Krieg zwischen Echsen und Menschen noch nicht vorbei. Ishira erfährt, was sich vor Urzeiten im Zentrum der Insel abgespielt hat, aber kann ihr dieses Wissen helfen, den Untergang Inagis zu verhindern? Als die Gohari das Ausmaß ihrer Kräfte erkennen, lassen die Befehlshaber sie gefangen nehmen. Yaren wird in die innerhalb der Armee aufflackernden Unruhen hineingezogen und von ihr getrennt. Damit nicht genug, steht Kanhiros Rebellion kurz vor dem Scheitern. Ishiras Schicksal scheint besiegelt – und auch das ihrer Heimat.

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Kristallherz von Patricia Strunk
Kristallherz von Patricia Strunk

Die Inagi-Trilogie:
Kristalladern
Kristallblut
Kristallherz

Produktinformation:

  • Format: Kindle Edition, Tolino Edition und Taschenbuch
  • Dateigröße: 749 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 470 Seiten
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l. und andere Online-Buchhandlungen
  • Verlag: BoD (28. Dezember 2015), Qindie
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B019KP83A4
  • ISBN-10: 3739216271
  • ISBN-13: 978-3739216270

 

Leseprobe aus Inagi III – Kristallherz:

Ishira verharrte am Eingang zur Ruinenstadt, die Augen auf den Hang gerichtet, hinter dem Yaren verschwunden war. Sie konnte nichts empfinden, an nichts denken. Empfindungen oder Gedanken zuzulassen, hätte bedeutet, den Schmerz einzulassen.

Ihre Brüder standen schweigend neben ihr, ebenso reglos wie sie selbst, und warteten geduldig. Die Schatten wurden länger, bis die Nacht auch das Tor erreicht hatte. Langsam drehte Ishira sich um. Die Zeit wartete nicht. Wenn sie herausfinden wollte, warum die Geister sie hergerufen hatten, und ob ihr dieses Wissen dabei helfen konnte, dem Blutvergießen zwischen Menschen und Amanori ein Ende zu bereiten, musste sie sich beeilen. Wie unmöglich die Erfüllung ihres Wunsches auch immer scheinen mochte: sie klammerte sich an die Hoffnung wie eine Ertrinkende an einen brüchigen Ast, weil sie das Einzige war, was ihre Verzweiflung im Zaum  hielt.

Die Geister begannen wieder zu wispern, drängender denn je. Eile dich! Du musst zur Höhle kommen.

Ishira hatte keine Mühe mehr, sie zu verstehen. „Zur Höhle? Aber ich dachte, ihr wolltet mir in den Ruinen etwas zeigen. Habt ihr mir nicht deshalb die Erinnerungen der Stadtbewohner geschickt?“

In der Höhle werden deine Fragen beantwortet werden. Bald wirst du alles verstehen.

Unschlüssig blickte sie die Straße entlang. Sie wusste nur, dass der unterirdische Raum, von dem Yaren gesprochen hatte, irgendwo im Nordosten der Stadt zu finden sein musste.

Ich hätte ihn nach dem Weg fragen sollen.

Sie hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, als in ihrem Kopf ein Bild aufblitzte. Die Straße vor dem Palast, in dem sie mit Otaru gewesen war. Das nächste Bild zeigte ein Bauwerk am Rande der Stadt, das wie ein Brunnen in die Erde eingelassen war. Im Hintergrund erkannte sie den Felsen, der über der Quellhöhle aufragte. Sie wandte sich zu ihren Brüdern um. „Der Zugang zur Höhle befindet sich in einer Art unterirdischem Turm auf der anderen Seite der Ruinen. Die Geister werden uns dorthin führen.“

Die drei nickten einvernehmlich, als wäre es die natürlichste Sache der Welt, den Weg von geisterhaften Stimmen und Visionen gewiesen zu bekommen. Einmal mehr war Ishira dankbar für die Entscheidung ihres Vaters, ihr ihre Brüder zur Seite zu stellen. Jeder andere hätte ihre Worte angezweifelt.

Beinahe jeder andere…

Der kurze Gedanke an Yaren reichte aus, um die in ihrem Innern schwelende Angst neu anzufachen. Sie wallte in ihren Eingeweiden hoch wie eine heiße Flüssigkeit und zog ihr die Kehle so eng zusammen, dass sie beinahe erstickte. Fast meinte sie, seine Lippen wieder auf ihren zu spüren.

Wenn kein Wunder geschah, würde der Morgen eine Schlacht sehen, die erbarmungsloser und schrecklicher wüten würde als alle vorausgegangenen. Menschen und Echsen würden bis zum Äußersten gehen. Yaren war ein begnadeter Kämpfer, aber er war nicht unverwundbar – und er war geschwächt. Wie lange konnte er durchhalten?

Beinahe zornig rieb sie sich über die Lider. Nein, sie würde nicht weinen. Dafür war jetzt keine Zeit – und noch war nicht alles verloren. Energisch richtete sie ihren Blick auf das gesprungene Pflaster der uralten Straße. Die in Bodennähe wabernde Energie tauchte die Ruinen in gespenstisches Zwielicht. Zwischen den verfallenen Gebäuden weiter vorn leuchtete der sichelförmige See im Zentrum der Stadt wie eine Widerspiegelung des Mondes.

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit folgten sie der Hauptstraße bis zum Palast. Die Energie gab genügend Licht ab, um ihnen trotz der einsetzenden Dämmerung die Orientierung zu ermöglichen. Im Gegenteil waren Spalten und Risse jetzt sogar besser zu sehen als im Sonnenlicht. Dennoch stolperte Ishira hin und wieder über eine Unebenheit oder stieß sich die Zehen an einem vorstehenden Stein. Neidvoll fragte sie sich, wie ihre Brüder es anstellten, nicht ein einziges Mal aus dem Gleichschritt zu kommen.

Die weitgehend rechtwinklige Anordnung der Straßen erinnerte sie an ein Ujibobrett. Im Zwielicht hatten die Ruinen nichts Großartiges mehr an sich, sondern wirkten abweisend und bedrohlich. Die verfallenen Mauern schienen jeden Moment auf sie niederstürzen zu wollen und aus den unregelmäßigen Steinhaufen wurden in Ishiras überreizter Fantasie lauernde Ungeheuer, deren Atem der Wind war, der durch die leeren Fensteröffnungen strich.

Rechts von ihnen zweigte eine weitere Querstraße ab. An der Kreuzung reckte sich ein einsamer Baum in die Höhe, an dessen verdrehten Ästen nur wenige Blätter hingen, die schimmerten wie aus Licht gesponnen. Als ein Windstoß durch die Zweige fuhr, gaben die Blätter ein leises Knistern von sich. Unmittelbar darauf richteten sich die Härchen in Ishiras Nacken auf.

Der Amanori hockte auf den unkrautüberwucherten Pflastersteinen der Querstraße, als hätte er auf sie gewartet. Kaum ein Muskel regte sich in dem gewaltigen Leib. Nur die Spitze des stachelbewehrten Schwanzes zuckte leicht hin und her. Die Energieaura, die seinen Leib umspielte, ließ ihn seltsam unstofflich erscheinen. Mehr als jemals zuvor wirkte er wie ein Wesen aus der anderen Welt.

Sie hatte ihn nicht kommen hören. Wie lange saß er schon dort?

Die Geister begannen beunruhigt zu summen. Mit dieser Störung hatten sie nicht gerechnet.

Die goldenen Augen des Amanori waren unverwandt auf Ishira gerichtet. Zorn schlug ihr entgegen wie ein Schwall glutheißer Luft. Der umher peitschende Schwanz wehte graubraunen Staub in ihre Richtung. Hinter und neben sich hörte sie das metallische Schaben, mit dem Schwerter aus ihrer Umhüllung gezogen wurden.

„Nein, wartet noch“, gebot sie ihren Brüdern leise. Sie wollte versuchen, Kontakt herzustellen, und das würde nicht einfacher werden, wenn sie die Echse mit Waffen bedrohten.

Die Geister wisperten um sie herum wie ein aufgescheuchter Bienenschwarm. Flieht!

Ishira zögerte, bemühte sich, den Vorhang aus Zorn zu durchdringen. Von einem Moment zum anderen wechselte die Tonlage der Geister, wurde zu einem windähnlichen Säuseln, das sie an ein Schlaflied denken ließ. Versuchten die Geister, ihr zu helfen und den Amanori zu beschwichtigen? Sie ließ ein Bild von ihr und der Echse entstehen, wie sie friedlich nebeneinander standen und auf die Ruinen blickten, doch es prallte am von Schmerz und Rache verdunkelten Geist ihres Gegenübers ab. Die Wut machte ihn blind und taub für jeden Versuch einer Verständigung. Er stieß einen donnernden Gonglaut aus und erhob sich mit schlagenden Schwingen auf die Hinterbeine. Der aufwirbelnde Staub nahm Ishira die Sicht.

Mahati sprang vor sie. „Lauf!“

Sie wollte protestieren, doch als der Amanori drohend einen Schritt auf sie zumachte, wich sie unwillkürlich zurück. Aus den goldenen Augen loderten Flammen. Das Wispern der Geister war verstummt, als hielten sie in Erwartung des Kampfes den Atem an. Ihre Brüder schlossen die Lücken zwischen sich und bildeten eine Barriere, die sie vor der Echse abschirmte. Sie stieß mit dem Rücken gegen den Stamm des Baumes, spürte das Prickeln der Energie in ihrer Wirbelsäule.

Nicht! schrie sie dem Amanori lautlos entgegen, während sie ein weiteres Mal versuchte, eine Gedankenverbindung zu ihm herzustellen. Wir wollen nicht gegen dich kämpfen. Wir sind nicht deine Feinde.

Der Amanori reagierte nicht. Er war zu sehr in Rage, um sie zu hören – oder hören zu wollen. Wieder stieß er seinen markerschütternden Kampfruf aus. Der Ton war noch nicht verklungen, als der erste Blitzstrahl aus seinem Maul schoss. Ishiras Brüder duckten sich nicht einmal. Sie griffen ihre Waffen fester und antworteten mit einem ebenso durchdringenden Schrei, der klang, als stammte er aus einer einzigen Kehle. In völligem Gleichklang rannten sie los: Otaru stürzte in gerader Linie auf die Echse zu, während Mahati und Izzanak leichte Bögen beschrieben, um ihren Gegner einzukreisen. Dessen Kopf schnellte auf Otaru zu, während er gleichzeitig mit einer Vorderklaue nach Mahati hieb und den stachelbewehrten Schwanz in Izzanaks Richtung schwang. Otaru wich den zuschnappenden Kiefern ebenso geschickt aus wie seine Brüder Krallen und Schwanz. Beinahe zeitgleich stießen sie mit ihren Keshs zu. Der Kampf war so schnell zu Ende, wie er begonnen hatte. Der Amanori gab einen langgezogenen Todesschrei von sich und sank zu Boden, die Schwingen wie in einem letzten Aufbäumen ausgebreitet.

Auf einmal fühlte Ishira sich unglaublich müde. Was hoffte sie eigentlich zu erreichen? Wie wollte sie die Schlacht zwischen Menschen und Echsen verhindern, wenn sie nicht einmal in der Lage war, zu einem einzelnen Amanori durchzudringen?

Flügelschlag riss sie aus ihren trüben Gedanken. Über den Ruinen tauchten drei weitere Echsen auf und hielten auf sie zu. Wieder spürte Ishira, wie sich die Geister ihnen entgegenstellten – und scheiterten. Der Zorn der Amanori war zu groß.

Flieht! gellte der Schrei der Geister in ihrem Kopf. Diesmal verlor Ishira keine Zeit. „Wir müssen hier weg!“ schrie sie ihren Brüdern zu. „Es sind zu viele!“

Sie rannten die Straße entlang, wobei sie immer wieder geborstenen Steinplatten ausweichen und über Risse und Spalten springen mussten. Doch gegen ihre fliegenden Verfolger hatten sie keine Chance. Mit jedem Schlag ihrer Schwingen verringerten die Echsen den Abstand zu ihnen. In wenigen Herzschlägen würden die Amanori sie eingeholt haben.

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Über Patricia Strunk

Patricia Strunk
Autorin aus Berlin, Jahrgang 1971. Schreibt, weil sie nicht anders kann, und ist vornehmlich in phantastischen Welten unterwegs, die sie selbst erschafft. Wenn ihr danach ist, verfasst sie auch Gedichte und Kurzgeschichten. Bisherige Veröffentlichungen: Die asiatisch inspirierte Inagi-Trilogie, ein Gedichtband und mehrere Kurzgeschichten. Selfpublisherin, weil das einfach Spaß macht. Mitglied bei Qindie, im FDA, im Selfpublisher-Verband, im Tintenzirkel und im BAfmW.

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