Start / Buchveröffentlichung / Bücher über Vampire / Krieg der Vampire von Hagen Ulrich

Krieg der Vampire von Hagen Ulrich

Krieg der Vampire, ein Fantasyroman von hagen Ulrich

Im vierten Band der Geschichten rund um die Vampire aus den Clans der Bucharis, Meyer-Frankenforsts und Radulescus sowie einen zickigen kleinen Magier, der nicht so glücklich mit seinen magischen Fähigkeiten ist, formiert sich im Turmhof, der früheren Apostolischen Nuntiatur in Bad Godesberg, eine WG mehr oder weniger queerer Bewohner mit einem magischen Erbteil.

Sebastian Harrach, der Sohn des CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Harrach, akzeptiert endlich, dass einer der magischen Ringe des Sulaiman, von ihm getragen und genutzt werden soll. Er übt sich in der Benutzung des Ringes.

Im sächsischen Plauen nistet sich Ioan Radulescu, ein sadistischer und brutaler Vampir aus Rumänien endgültig ein und geht fast ungeniert seinen Wünschen nach. Er manipuliert den Vater Sebastian Harrachs nach Belieben und nutzt dessen Verbindungen in Politik und Kirche für seine Interessen.

Der Djema el Fna in Marrakesch, der Platz der Toten, verliert mit dem Tod von Slimane, dem alten Schlangenbeschwörer eines seiner Wahrzeichen. Seltsame Vorzeichen bringen Unruhe, und Malika al Malikat, die riesige Schlange Slimanes, fällt in einen magischen Schlaf. Bis sie nach Bonn gebracht wird.

Die Rückkehr der Magie zeigt immer stärkere Ausmaße, immer mehr Wesen mit einem magischen Erbe tauchen auf. Ein sensibler Incubus, dessen Sinne tiefste erotische Wünsche zutage fördern, fordert einem Autofahrer viel ab, und der Begriff öffentlicher Verkehr auf der Autobahn bekommt für ihn ganz neue Bedeutung. Der Trip eines Biologie-LKs in den Nationalpark Eifel zu einem Wolfsansiedlungsprojekt hat Folgen für die Schüler und ihren Lehrer.

Produktinformation

  • Broschiert: 460 Seiten
  • Verlag: Himmelstürmer (26. Mai 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3863613910
  • ISBN-13: 978-3863613914
  • erhältlich Buchhandel und im -> Shop

Leseprobe aus Krieg der Vampire

Sebastian stand auf der hinteren Terrasse des Turmhofs und bereitete sich auf den Abend vor. Langsam trafen die Partygäste ein, die im Turmhof Rhein in Flammen feiern wollten. Die alljährliche Eröffnung der Saison der Rheinschifffahrt mit der Parade der Ausflugsschiffe auf dem mit bengalischen Feuern erleuchtetem Fluss hatte Sebastian mit Cosmin ausgesucht, um sowohl eine Einweihungsparty zu geben und gleichzeitig den Turmhof zu schützen, damit Malika und ihre Töchter ihren magischen Schlaf beenden konnten.

Es war ein schöner Abend mit einem klaren Himmel. Millionen Sterne funkelten am Firmament. Er holte tief Luft. Die Gäste waren eingetroffen, Carsten Schüllers Event Agentur hatte die Bewirtung übernommen und auch gleichzeitig eine handverlesene Gästeliste aufgestellt. Und so tummelten sich unter den Gästen nur wenige Menschen, dafür aber umso mehr getarnte Vampire, Elfen, Dämonen und Angehörige anderer magischer Spezies.

Cosmin stand im Foyer des Turmhofs und begrüßte jeden der eintreffenden Gäste mit einem freundlichen Händedruck und persönlichen Worten.

Dann betraten ein Mann und zwei Frauen das Foyer. Der in die Stirn reichende weißblonder Haarschopf verdeckte nur unzureichend die leicht violett glühenden Augen des durchaus attraktiven Mannes.

Krieg der Vampire - Urban Fantasy von Hagen Ulrich
Krieg der Vampire – Urban Fantasy von Hagen Ulrich

Cosmin unterdrückte ein Stöhnen, als er Salentin erkannte, seinen Innenarchitekten, der mit Hannah und ihrer Freundin gekommen war. Er hatte halb gehofft, dass Salentin nicht kommen würde. Sebastian hatte ihm erzählt, dass der Incubus immer noch Jerome hinterher trauerte und insgeheim Hoffnungen hegte, dass dieser ihm sein triebhaftes Leben verzieh. Der zu Carstens Team gehörende und äußerst eifersüchtige Werwolf hielt Abstand zu dem Incubus, gehörte heute Abend aber zum Service Personal.

Das kann kompliziert werden, dachte Cosmin besorgt.

Und seiner Berechnung zufolge musste Salentin kurz vor oder schon in seiner Phase stecken.

„Hallo Sal, wie geht es dir?“

„Gut“, kam die Antwort, wenn auch zögerlich. „Doch, es geht mir gut.“

Seine rauchige Stimme, der halbgeöffnete Mund und die sich verfärbenden Augen sagten das Gegenteil aus, und Cosmin zog besorgt die Augenbrauen hoch. Er griff Salentin am Arm und zog ihn beiseite.

„Salentin, du bist mir immer willkommen, aber wenn du meine Gäste gegen ihren Willen ins Gebüsch zerrst, dann lernst du mich kennen!“, drohte er leise.

Der Incubus drehte sich unglücklich um und wollte gehen, als Hannah sich einmischte, und Cosmin böse anfunkelte.

„Wir kennen Salentin schon länger als du und er vergewaltigt die Leute nicht. Er fragt vorher, ob sie mitmachen wollen!“

„Und was hat Jerome von der Tour im Auto erzählt? Das Foto aus der Überwachung?“, konterte Cosmin.

„Er hat doch gewusst, dass ich in Phase war und Hunger hatte“, sagte Salentin leise. „Er wusste es immer, denn ich hatte ihm alles über mich erzählt. Und wenn ich so ausgehungert bin, kann ich mich nicht bremsen.“

„Warum lässt du es dann soweit kommen?“

„Ich hab ja versucht, nur mit ihm … aber das reicht nicht, ich will ihn doch nicht umbringen.“

Das allerdings sprach für Salentin, musste Cosmin zugeben. In früheren Zeiten waren Succubi und Incubi wenig zimperlich gewesen, was ihre Vermehrung betraf. Der menschliche Partner hatte dabei den Kürzeren gezogen und war regelmäßig auf der Strecke geblieben, weshalb man sie genauso gnadenlos gejagt hatte wie Vampire.

„Jerome hat vergessen zu erwähnen, dass Salentin immer Unmengen von Schokolade, Sahne, Cola und Honig parat hält, damit man sich zwischendurch stärken kann“, ergänzte Hannah und grinste. „Natürlich kann man damit auch andere Sachen anstellen. Wenn du verstehst, was ich meine.“

„Er hat außerdem seine Wohnung verloren“, meldete Doro sich. „Ihm wurde gekündigt. Dieses bigotte Spießerpack! Man sollte doch meinen, dass es die Nachbarn nichts angeht, was sich in anderen Wohnungen abspielt.“

Salentin zuckte zusammen und wurde rot.

„Er schläft momentan bei uns und hat seine Sachen eingelagert“, sagte Hannah, „aber Doro und ich haben nur ein kleines Appartement in der Südstadt.“

Das heißt auf gut Deutsch, Cosmin, hilf gefälligst, dachte Cosmin ironisch. Er spürte Mitgefühl für Salentin, der sie bei der Einrichtung des Turmhofs sehr hilfreich beraten hatte. Er winkte Malte heran.

„Kümmer du dich doch bitte um die eintreffenden Gäste.“

„Mach ich“, sagte der Student fröhlich, der in einer Hand ein Kölsch hielt. Cosmin registrierte beiläufig, dass Malte gut gelaunt war, was seit der Abfahrt von Zoe und ihren Brüdern nicht immer der Fall gewesen war.

„Hi Salentin, alles fit im Schritt?“, grüßte er, lachte und klopfte Salentin auf die Schulter. „Steht noch alles senkrecht? Was macht das Incubieren?“

Doro und Hannah prusteten los.

„Ist der immer so?“, fragte Hannah, und Cosmin nickte, bevor er Malte fragte.

„Was hältst du davon, wenn ich Salentin bei dir einquartiere? Dann kann er dir ausführlich zeigen, wie fit er im Schritt ist und dein Standvermögen überprüfen.“

„Pah“, meinte Malte locker, „das soll er mal probieren. Ich zeig ihm dann mal, wie Malte Kastens Dampfhammer taktet.“

Salentin lächelte leicht, als er Maltes Worte vernahm, auch die beiden Vampirinnen grinsten.

„Hättest du etwas dagegen, wenn er hier einzieht?“

Malte machte große Augen, als er die Ernsthaftigkeit der Frage begriff.

„Das war ernst gemeint? Warum das denn?“, wollte er wissen und bekam von Hannah und Doro Salentins Wohnungsprobleme erklärt. Jens, der am Eingang stand, blickte schon ungeduldig zu ihnen, weil sich bei ihm die Gäste sammelten. Auch ein paar Techniker hatten Fragen.

„Das Haus ist doch mehr als groß genug. Der ganze obere rechte Flügel steht leer, wenn man von den Möbeln absieht“, sagte Malte schließlich. „Ich habe es mir schon die ganze Zeit gedacht, dass hier irgendwann noch mehr von euch magischen Typen einziehen. Wär zwar schön, wenn auch ein paar Mädels dabei wären, aber was mich betrifft, ich habe nichts dagegen. Wenn wir einen Drachen beherbergen, warum nicht auch einen Sexgott? Endlich mal jemand, mit dem ich vernünftig über Sex reden kann. Hammer!“

„Ich bin kein Sexgott“, widersprach Salentin und musterte Malte interessiert aus halb geöffneten Augen.

„Gott, Dämon, das ist doch alles dasselbe, würde Basti sagen“, meinte Malte lakonisch.

Jens winkte und wedelte mit den Armen, was wohl heißen sollte, macht mal voran!

„Ich geh mal zu Jens, und helfe ihm, die Gäste zu sortieren.“

Sie hatten die Party mehr oder weniger als geschlossene Veranstaltung für die handverlesene magische Community aus Carstens Gästeliste geplant, damit deren Angehörige mit ihren eingeweihten Freunden unter sich bleiben konnten.

„Also gut, Salentin, ich weiß, dass Sebastian nichts dagegen hat, wenn du hier einziehst. Ihr versteht euch ja prächtig, wenn es ums Einrichten geht“, sagte Cosmin.

Und der Rest dürfte für ihn auch kein Problem sein, dachte er und war sich nicht ganz sicher, wie er damit leben könnte, wenn Sebastian sich regelmäßig – und nicht nur, um Einrichtungsfragen zu diskutieren – mit Salentin traf. Sebastian hatte Spaß an Sex, ebenso hatte er Spaß an Sex mit Personen, die er sympathisch fand.

Salentin atmete erleichtert auf.

„Ich danke dir.“

„Dann komm mal mit“, forderte Cosmin ihn auf und führte ihn über das Treppenhaus ins rechte obere Stockwerk. Am Ende des Ganges öffnete er eine Tür, und sie betraten die von Salentin gut eingerichteten Zimmer. Etwas düster und sehr barock, ein großes Bett mit einem Baldachin und Vorhängen aus dunklem Samt. Das zweite Zimmer war ähnlich eingerichtet, ein Sekretär, eine Recamière nebst einigen Fauteuils im Louis XVI Stil, aber alles mit violett und dunkelrot gefärbten Bezügen. Links und rechts von der Tür standen jeweils ein trauernder Engel aus schwarzem Marmor.

Cosmin hatte das als etwas morbide angesehen, aber es gefiel ihm, was Sebastian und Salentin ausgesucht hatten.

„Nun, du kennst das Haus ja zur Genüge. Reichen dir die beiden Zimmer? Ein Bad ist auf dem Flur und unten im Keller befindet sich das Schwimmbad nebst Sauna.“

„Kann ich ein paar Sachen von mir mitbringen?“

„Natürlich, wir finden bestimmt irgendwo Platz für die Möbel, die du nicht brauchst.“

„Wann …?“

„Meinetwegen direkt. Wir machen morgen das Schriftliche und einen Satz Schlüssel gebe ich dir später.“

„Da wäre noch etwas.“

„Deine Phase, ich weiß.“

„Sebastian hat mir diesen einen Raum gezeigt, der früher eine Kapelle war. Er hat auch gesagt, wie er den Raum gern einrichten würde und mir von Ali und Michael erzählt“, deutete Salentin an. „Könnte ich diesen Raum auch mieten?“

Cosmin überlegte einen Moment und lehnte dann schließlich ab.

Salentin seufzte schwer, und Cosmin hörte heraus, wie betroffen der Incubus war.

„Okay, das respektiere ich. Aber dann muss ich mir etwas anderes suchen. Ich brauche einmal im Monat …“

„Das weiß ich doch. Ich wollte nur sagen, dass du die Kapelle nicht mieten musst. Salentin, das hier ist eine Wohngemeinschaft. Ein Vampir, ein Magier, ein Student, ein Drache und ein Polizist. Und jetzt du. Mit Ausnahme von Malte, den du eben kennengelernt hast, sind alle schwul. Die Kapelle kannst du genauso benutzen wie den Pool oder die Sauna. Allein oder mit uns anderen zusammen, wie du möchtest.“

Einen Augenblick lang blinzelte Salentin ihn benommen an.

„Könnte ich da auch …“

„Alles, was du brauchst, um Spaß zu haben und satt zu werden. Ich koche gern, weißt du. Obwohl ich menschliche Nahrung nur genieße, aber nicht verdauen kann. Aber mit deiner Art Ernährung kommen wir bestimmt klar.“

Cosmin ging ans Fenster, das in den hinteren Teil des Turmhofes hinausging und blickte auf die Terrasse. Ihm bot sich ein guter Überblick. Eben sah er Hannah und Doro, die über den Rasen gingen und andere Gäste mit Wangenküsschen begrüßten, die sie anscheinend kannten.

Dann erschien ihm plötzlich ein Bild vor Augen, in dem er sich zusammen mit Salentin, der in schwarzes Leder gehüllt war, mit dem lustvoll stöhnenden Sebastian beschäftigte. Schnell versuchte er, diese Gedanken zu verbannen. Er hatte schließlich Pflichten als Gastgeber.

Doch die Bilder waren hartnäckig und kamen wieder. Sein Freund hing nackt an Lederschlaufen von der Decke und er spürte förmlich den Geschmack von Bastis Haut auf seiner Zunge. Er drehte sich herum und sah Salentin, der ihn träge ansah und geballte Lust ausstrahlte. Die Augen leuchteten unter den in die Stirn fallenden Haaren.

Na, das kann ja heiter werden, dachte Cosmin mühsam. Er musste sich heftig konzentrieren, um die Erregung niederzukämpfen. Keine Zeit für eine kalte Dusche. Und Basti ist auch nicht greifbar.

„Ist das deine Art, einen kleinen Snack zwischendurch zu nehmen?“, fragte er etwas vorwurfsvoll, als er die Enge seiner Hose spürte, die nicht zurückging. „Da unten stehen Hunderte Gäste, um die ich mich kümmern muss!“

„Entschuldigung“, sagte Salentin und leckte sich über die sinnlichen Lippen. „Ich weiß, dass es dir nichts ausmacht. Es ist der Anfang der Phase, da reicht mir das für den Abend.“

„Frag das nächste Mal gefälligst vorher!“, sagte Cosmin schwach.

Salentin ging nicht darauf ein, sondern kam ihm näher.

„Aber ich habe immer noch Hunger“, bemerkte Salentin. „Und ich spüre, dass du Lust hast. Ich fühle es sogar.“

Seine Hand glitt über die Ausbuchtung von Cosmins Hose. Die Finger öffneten den Gürtel, dann den Knopf der Hose und dann ging Salentin in die Knie.

„Sal!“, stöhnte Cosmin. Er konnte sich nicht rühren.

„Still! Ich habe doch solchen Hunger“, keuchte Salentin und dann griff er Cosmins Schwanz und nahm ihn in den Mund. Er saugte, leckte und massierte Cosmins Erektion.

Es dauerte nicht lange, bis der gebannte Vampir kam. Salentin schluckte gierig, was Cosmin ihm in den Rachen spritzte.

Schließlich stand er wieder auf und wischte sich über den Mund.

„Du schmeckst sehr gut. Eine angenehme Überraschung“, sagte er zu Cosmin, der sich wieder regen konnte. „Ich wollte mich bedanken und dir zeigen, dass ihr nichts von mir zu befürchten habt. Außerdem hast du viel Energie in dir. Ich bin fast satt. Für heute reicht es wirklich.“

„Aha“, brachte Cosmin mühsam hervor. Er fühlte sich etwas wacklig auf den Beinen. Er erinnerte sich daran, wie er sich früher ernährt hatte. Ich habe meine Spender damals auch nicht gefragt, ob sie einverstanden waren, wenn ich sie genossen habe. Wenigstens hat er mir meine Erinnerung gelassen.

„Wenn du etwas trinkst, geht es dir bald wieder gut. Elektrolyte und so, du weißt schon“, riet der Incubus.

Cosmin fühlte, wie sich seine Fänge im Kiefer regten und Salentins Worte bestätigten. Und Jerome hat mit ihm eine ganze Nacht verbracht? Ich kann verstehen, dass er danach den halben Tag schlafen musste.

„Dann gehen wir jetzt in den Garten und ich“, sagte er, während er sich die Hose zuknöpfte, „habe tatsächlich Durst.“

Der mehr als sechzehn Hektar große Park füllte sich mit Gästen, die miteinander plauderten, das Buffet plünderten und miteinander flirteten, während Sebastian sich auf sein Vorhaben konzentrierte. Er hatte alles mit Lalla Sara besprochen, und sie hatte seine Idee gelobt.

„Oh heilige J. K. Rowling, ich hoffe, du verzeihst mir“, murmelte Sebastian vor sich hin und reckte die Hand in den Himmel.

„Also ich finde ja, dass Latein sicherheitshalber verboten werden sollte, weil man damit immer mal aus Versehen irgendwelche Dämonen aus der Hölle beschwört, und die machen Ärger“, meinte Malte, der ein Auge auf ihn halten wollte.

„Ich habe auch nie verstanden, warum Latein die Amtssprache der Hölle sein soll.[1] Egal, es ist ja nur ein Hilfsmittel“, antwortete Sebastian und atmete tief durch.

„Abscondite nos![2]“, rief er laut, als über dem Rhein das Feuerwerk begann. Der Ring reagierte. Er schoß einen leuchtenden Blitz ab, der in geringer Höhe über dem Turmhof verharrte und sich wie eine Glocke ausbreitete. Je mehr er sich ausbreitete, desto schwächer wurde sein Leuchten, bis es nur noch schwach flimmerte. Sebastian betrachtete den Anfang seiner Arbeit und war zufrieden. Es fing gut an.

In der Leitstelle der Feuerwehr am Verteilerkreis brach plötzlich Chaos aus und auch bei der Polizei sowie bei Radio Bonn Rhein Sieg gingen zahlreiche Anfragen ein.

Alle Anrufer berichteten Ähnliches. Mal hieß es, dass sich in Plittersdorf lautlose Explosionen ereigneten, Lichterscheinungen wurden gemeldet, ein Anrufer wollte Ufos gesehen haben und ein anderer Anrufer meldete die Ankunft der Jungfrau Maria in einem Strahlenkranz. Etwas nüchternere Bonner fragten an, wer das Feuerwerk genehmigt hätte und ob man mitfeiern dürfte. Bei Facebook kursierten erste Schnappschüsse der Lichterscheinungen in der Gruppe Nett Werk Bonn.

Dann heulten Sirenen durch Bad Godesberg und die Feuerwehr rückte aus. Anwohner hatten den Notruf ausgelöst und einen Großbrand im Turmhof gemeldet. Das ganze Gebäude sollte in Flammen stehen.

Der von zahlreichen Einsätzen übernächtigte Peter Lux wurde von der Leitstelle der Polizei aus dem Bett geholt, denn da gab es die interne Anweisung, dass alles, was irgendwie schräg anmutete, in die Zuständigkeit seiner Abteilung fiel.

In den engen Straßen vor dem Turmhof sammelten sich Löschfahrzeuge, mehrere Einsatzwagen der Polizei und Notärzte rückten an. Und sie sammelten sich fassungslos an der Mauer. Zwei Drehleitern, eine von der Feuerwache Bad Godesberg und eine aus Beuel, gingen in Position. Schläuche wurden auf dem Boden abgerollt und an Hydranten angeschlossen.

Die Einsatzkräfte versuchten, sich einen Überblick zu verschaffen. Über dem Gebäude stand eine rot leuchtende Rauchwolke. Es roch nach Rauch, nach Schwefel und anderen Chemikalien. Feuerwehrleute und Polizisten liefen auf den Turmhof zu. Und blieben dann stehen.

Ein ohrenbetäubendes Brüllen ertönte, und dann erschien der Kopf eines Drachen, der sich einen Weg durch die Fassade des Turmhofs sprengte, Feuer spie und im Gebäude verschwand, um dann plötzlich aus dem Dach zu brechen. Flammenzungen leckten aus einzelnen Fenstern und eine meterlange Flamme schoß in den Nachthimmel.

Teile der Gebäudefassade fielen lichterloh brennend in einer Rauchwolke verschwindend herunter, während zahlreiche Gäste das zusammenstürzende Gebäude betraten oder zwischen den Trümmern erschienen.

Die Rettungskräfte stellten ihren Einsatz ein. Dutzende Sanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten standen vor dem Spektakel und staunten.

Und so kam es, dass Cosmin vor sich einen wütenden und übernächtigten Kommissar sowie dessen jüngeren Mitarbeiter Lars Wilhelm sah. Der wurde etwas nervös, als Cosmin seine Anwesenheit ziemlich kühl zur Kenntnis nahm.

„Was ist denn jetzt schon wieder los?“, rief Peter Lux verärgert. „Können Sie nicht wenigstens Bescheid geben, wenn hier irgendein Hokuspokus veranstaltet wird?“

„Herr Lux? Hokuspokus? Was soll denn los sein? Wir feiern Rhein in Flammen, das ist eine … äh … ganz normale Party. Wir haben Lichtkünstler beauftragt, die sich mit Lichtinstallationen und Projektionen von 3 D Effekten beschäftigen. Sehr effektvoll und realistisch. Das ist Kunst.“

Peter Lux schwieg und betrachtete die Fassade des Turmhofs.

„Kunst?“, fragte der Beamte endlich mit schwacher Stimme.

„Ja, Kunst. Sebastian hatte die Idee, er und Malte haben diese Lichtkünstler auf einer Messe kennengelernt. Schauen sie, überall stehen Projektoren und Lautsprecher. Nur der Flammenwerfer auf dem Dach ist echt, aber dafür haben wir eine Genehmigung eingeholt. Es war gar nicht so einfach, den so zu programmieren, dass er genau dann losbricht, wenn der Drachenkopf an der Stelle auftaucht. Aber es ist toll geworden“, sagte Cosmin und lachte zufrieden. „Malte, hol doch mal die Genehmigung von meinem Schreibtisch. Sie liegt auf der rechten Seite.“

[1]      Ist euch das mal aufgefallen? In allen Horrorfilmen wird immer Latein benutzt. Mal mit Absicht, mal aus Versehen, um die Höllenbrut entweder zu bannen oder herbeizurufen. Und die Amtssprache des Vatikans ist Latein. Das kann doch kein Zufall sein!

[2]      Lat.: Verberge uns!

 

Merken

Merken

Bewerten Sie diesen Artikel

User Rating: 5 ( 1 votes)

Über Hagen Ulrich

Hagen Ulrich, Jahrgang 1967, lebt mit Ehemann und sieben Katzen in Bonn am Rhein. Hexen, Drachen, Vampire und andere magische Wesen sind kein Problem, wenn man sie ordentlich verwaltet. Schließlich hat in Deutschland alles seine Ordnung.
Basierend auf dieser Idee, entwickelte er die Idee einer Behörde, die sich um die Belange magischer Mitbürger kümmert. So entstand das Bundesamt für magische Wesen.
Hagen Ulrich kam nach dem Besuch einer Ladys Night zu Twilight zum Schreiben und veröffentlicht seine Romane im Himmelstürmer Verlag in Hamburg.

Vielleicht interessiert Sie das hier auch?

Füreinander bestimmt, Gay Romance von Ashan Delon

Füreinander bestimmt von Ashan Delon

Targh, ein mutiger Krieger vom Bergstamm des Welbvolkes, zieht aus, um sich den Traditionen gemäß …

Mitternachtskrieger, ein Gay Fantasy Roman von Ashan Delon

Mitternachtskrieger von Ashan Delon

Archer Falcon, geboren 1651, Vampir, langweilt sich und trauert seinem vor vielen Jahren ermordeten Geliebten …

Drachenfedern Smaragdauge, ein Gay Mystery Roman von Ashan Delon

Drachenfedern Smaragdauge von Ashan Delon

Das Bündnis zwischen Fäiram, Tuniäir und dem Menschen Jonas hat in Häälröm einiges verändert. So …

2 Kommentare

  1. Dorothee Linke

    Hi,

    na endlich!!!
    Ist hoffe, dass ich es rechtzeitig vor Antritt meiner Reha in den Händen halte!!
    Ich freu mich schon sehr darauf!!

    Gruß
    Doro

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: