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Schatten und Licht 1: Letztes Zwielicht von Juan Santiago und Celine Blue

In letzter Zeit häufen sich seltsame Vorfälle in Karlsruhe. Es  kommt immer wieder zu Schießereien, man findet auch Blut – aber keine  Leichen. Kriminalkommissar Matthias Schwarze wird von seinem Chef auf  die Fälle angesetzt. Bei seinen Ermittlungen lernt er den  geheimnisvollen Muri kennen, einen rassigen gut aussehenden Spanier, den mehr als nur ein Geheimnis umranken. Und schon bald dreht sich das  Karussell der Liebe, und Matthias rutscht in Kreise, von denen er besser die Finger gelassen hätte…

Letztes Zwielicht von Juan Santiago und Celine Blue

Letztes Zwielicht von Juan Santiago und Celine Blue

Produktinformation

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 244 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 134 Seiten
  • Verlag: MAIN Verlag (31. Dezember 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3-945118-02-3
  • Preis: 3,49€

Leseprobe aus „Letztes Zwielicht“

Am Morgen stehe ich dann doch früher auf der Dienststelle als ich eigentlich sollte. Ein Anruf aus der Zentrale hat mich aus dem Bett geworfen. Im Präsidium ist die Hölle los und sie brauchen jeden verfügbaren Mann. Auf dem Weg dorthin besorge ich mir noch rasch die Zeitung. Ich würde dann schon verstehen, wie die Telefonistin mir sagte, als ich nach dem Grund fragte.

Ich schlage die Zeitung auf und bin verblüfft. Da prangt ein riesiger Artikel über die Morde, eher das Fehlen der Leichen. Die Tatorte sind halbwegs beschrieben und es wird gebeten, sachdienliche Hinweise an das Präsidium weiter zu leiten. Super. Der Bürgermeister gibt auch ein Statement ab. Nun weiß ich auch, auf welchem Mist das gewachsen ist. Mit einem Stein im Magen betrete ich mein Büro, wo mich bereits ein verzweifelter Richard erwartet.

»Morgen!«, brumme ich und gehe mit meiner Tasse Kaffee, die ich mir vorher noch schnell geholt habe, zu meinem Schreibtisch.

»Gut, dass Du da bist. Hier ist die Hölle los!«, sagt er und fährt sich mit einer Hand durch die braunen Haare.

»Danke, das habe ich gemerkt!«, ätze ich und nippe an der Tasse.

»Du weißt noch nicht alles!«, sagt er und wirft mir einen seltsamen Blick zu.

»Es gibt einen neuen Tatort.«, setzt er an und ich unterbreche ihn.

»Was? Und keiner ruft mich an?« Wütend donnere ich die Faust auf den Tisch. Meine Laune ist eh nicht die Beste, seit ich Muri gestern habe stehen lassen. Nicht schon wieder!, denke ich und verbanne ihn erneut in den hintersten Winkel meines Hirns.

»Nun lass mich ausreden!«, faucht Richard und bedenkt mich mit dem Halts-Maul-Blick. Den hat er wirklich gut drauf, dagegen ist meiner nichts. Ergeben hebe ich die Hände und bedeute ihm, weiter zu reden.

»Gestern Nacht wurde ein Polizist nackt am Straßenrand gefunden. Mindestens fünf Kugeln im Herz. Sein Motorrad stand am Straßenrand, mit eingeschaltetem Blaulicht. Eine zufällig vorbeifahrende Streife hat ihn entdeckt. Er war noch warm.« Erschüttert lehne ich mich in meinem Stuhl zurück. Ein Kollege. Fuck!

»Was sagt die Autopsie?«, frage ich mit leiser Stimme.

»Sie sind noch bei der Arbeit. Der Chef hat uns beide darauf angesetzt, weil wir mit dem anderen Fall momentan auch nicht weiterkommen und wir eh unterbesetzt sind.« Ich nicke. Verdammt, Mord an sich ist ja schon schlimm, aber wenn es einen Kollegen trifft, ist es die Hölle. Ich seufze und fahre mir über das Gesicht. Das wird echt zur Angewohnheit in letzter Zeit.

»Und was soll die Scheiße mit der Presse?«, frage ich und hebe den Blick, um Richard in die Augen sehen zu können.

»Das ist auf dem Mist des Bürgermeisters gewachsen. Dem ist die Geduld ausgegangen. Der Chef tobt auch schon wie ein HB-Männchen deswegen.« Er schnaubt.

»Wir sollen auch die eingegangenen Meldungen sichten. Bedeutet: Überstunden.«

»Und was machen die anderen Kollegen?«, schnaube ich und balle die Hände zu Fäusten. Was denn noch?, denke ich und kann meiner Wut kaum Herr werden.

»Die machen den üblichen Routinekram. Und die Meldungen sind so vielfältig, dass drei weitere Kollegen dem auch nachgehen.«, klärt er mich auf.

»Immerhin etwas!«, brumme ich und lehne mich wieder zurück. Müde schließe ich kurz die Augen. Scheißtag! Aber echt. Erst die Sache mit Muri und dann darf man nicht einmal ausschlafen. Und zur Krönung dieses beschissenen Tages ist auch noch ein Kollege tot. Ich hoffe, der Pathologe findet schnell etwas. Die Sau kriegen wir!

»Ich ruf mal in der Pathologie an, vielleicht haben die ja schon einen heißen Tipp!«, sage ich kurzentschlossen und greife zum Telefon.

»Berger«, blafft eine mir wohlbekannte Stimme ins Telefon. Gut, da ist der richtige Mann dran denke ich und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Sven ist wie ein Pitbull, der verbeißt sich so lange in die Leiche, bis er genau weiß, woran derjenige gestorben ist.

»Morgen, Matthias hier!«, grüße ich.

»Ah, sehr gut, genau der Mann, den ich brauche. Schwing Deinen Hintern hierher, das musst Du sehen!«, blafft er und legt auf. Nanu, welche Laus ist dem denn über die Leber gelaufen? Ich stehe auf und bedeute Richard, der mir interessiert zugehört hat, dass er mir folgen soll.

»Komm mit, Sven hat was gefunden!«

Keine halbe Stunde später stehen wir an einem Stahltisch, auf dem die Leiche unseres Kollegen liegt. Ich bin ja einiges gewohnt, aber hier drin überfällt mich immer ein mulmiges Gefühl. Richard ergeht es nicht anders, er wippt dauernd auf den Fersen. Gott sei Dank hat Sven die Leiche wieder zugenäht und mit einem Tuch abgedeckt, sodass der Schnitt in der Brust kaum zu sehen ist.

»So, meine Herren, ich habe alle Kugeln aus dem armen Jungen entfernt. Die Ballistik wird sich darum kümmern. Fakt ist, er war nackt, als er aufgefunden wurde. Tatsache ist auch, dass seine Uniform und seine Dienstwaffe fehlen. Wenn ich das richtig einschätze, wurde er mit seiner eigenen Waffe erschossen.« Sowas habe ich mir auch schon gedacht, als ich hörte, wie er aufgefunden wurde und was alles fehlte.

»Eigentlich bin ich der Meinung, dass er an den Kugeln im Herz starb. Aber…« Seine Stimme verklingt und Sven starrt nachdenklich auf die Leiche.

»Aber…?«, helfe ich nach und bin gespannt, was er mir zu sagen hat. Dass Dr. Sven Berger mal um Worte verlegen ist, habe ich auch noch nicht erlebt.

»Hast Du die Fotos vom Tatort gesehen?«, will er wissen. Ich schüttle den Kopf. Nein, habe ich nicht. Noch nicht. Er seufzt.

»Es ist zu sauber. Ich war vor Ort, weil man mich hinzugerufen hat. Bei so vielen Kugeln in der Brust sollte eigentlich jede Menge Blut zu finden sein. Auf der Leiche, drum herum. Aber nichts. So gut wie nichts. Ein paar kleine Spritzer, das war’s. Wenn ich richtig liege, wurde ihm post mortem ins Herz geschossen. Eine andere Erklärung habe ich nicht.«

Nachdenklich blicke ich auf den Tisch.

»Du meinst, er wurde woanders getötet?«, frage ich und überlege, was dann das mit dem Motorrad mit Blaulicht sollte. Wollte der Täter, dass wir ihn finden? Wenn ja, warum?

»Den Spuren nach zu urteilen, nein. Das wirklich Seltsame ist die Leiche selbst. Er ist leer.«, sagt Berger und guckt mich direkt an. Richard schaltet sich ein.

»Wie, leer?« Genau die Frage geht mir auch gerade durch den Kopf.

»Blutleer«, präzisiert Sven seine Aussage. Ich stutze. Kein Blut? Wie das denn?

»So habe ich auch geschaut, als ich es entdeckt habe. Mich hat gewundert, dass der Tatort so wenig Blut aufwies. Beim Sezieren ist mir dann aufgefallen, dass die Adern und Venen seltsam eingefallen wirken. Ich habe es zuerst auf die Kugeln im Herz geschoben und den damit verbundenen Blutverlust. Aber auch die anderen Organe weisen so gut wie keine Spur von Blut mehr auf. Meiner Erfahrung nach sollte aber noch etwas da sein.« Das ist ja mal ein Hammer.

»Wie viel sollte denn noch drin sein?«, frage ich, weil mich die Antwort interessiert.

»Na ja, wenn einem die Halsschlagader durchgeschnitten wird, ist ca. noch ein halber Liter Blut oder auch mehr drin. Kommt darauf an, was man mit der Leiche anstellt. Aber unser Junge hier ist komplett leer.« Sven kratzt sich am Kopf. Ich mir auch. Wenn sogar er die Antwort nicht weiß, wird es wirklich seltsam.

»Du meinst, jemand hat ihn ausbluten lassen?«, fragt Richard fassungslos. Sven nickt.

»Ja, aber trotzdem, eine gewisse Menge sollte trotzdem in den Organen vorhanden sein. Und weil die Polizei ihn so schnell fand und er noch warm war, kann es nicht sein, dass ihn jemand hat ausbluten lassen. Das passt nicht zusammen!«, mokiert er sich. Ich gebe ihm vollkommen recht. Hier stimmt was nicht. Ein weiteres Rätsel. Ich hasse Rätsel, habe ich das schon mal erwähnt?

»Okay, Danke Dir! Wenn Du noch was findest, sagst Du mir dann Bescheid?«, bitte ich und wende mich ab. Ich muss raus hier. Und das schnell. Draußen zünde ich mir eine Zigarette an und inhaliere tief, behalte es kurz in der Lunge, bevor ich die Luft wieder ausstoße.

»Was denkst Du?« Richard ist neben mich getreten und starrt nachdenklich auf die Straße.

»Ich weiß es nicht. Leer? Wie ausgeblutet? Was zum Teufel ist da nur passiert?«, explodiere ich, werfe die Zigarette auf den Boden, trete fest drauf und massakriere sie bis zum geht nicht mehr

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Über den Autor : Juan Santiago


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