Lichtblickzauber, ein Vampirroman aus Island von Monika Jaedig
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Lichtblickzauber von Monika Jaedig

Lichtblickzauber, ein Fantasyroman von Monika Jaedig

Die berührende Liebesgeschichte von Rúna und Heiðar wird weitererzählt. Alte Legenden erwachen zum Leben und bringen Geheimnisse zutage, die es zu ergründen gilt.

Heiðar gelingt es, Rúna von ihrem fürchterlichen Albtraum zu befreien, der sie seit dem Unfalltod ihres kleinen Bruders quälte. Sind die liebenden Gefährten nun bereit für den nächsten Schritt in ihrer Beziehung?

Die Geschichte von Bjálfi Grímsson wird lebendig. Bei ‚Bjálfis Stein’, wo Rúnas Vorfahre angeblich den Tod fand, hat Heiðar eine Vision. Bjálfis Geschichte scheint keine Erfindung zu sein, und offensichtlich ließ sich der Abendwolf und Wiedergänger mit einem Unsterblichen ein – genau wie Rúna es vermutete. Dieser Unsterbliche ist kein Unbekannter für Heiðar. Nun gilt es, das Geheimnis um Bjálfi und den Unsterblichen zu ergründen.

Heiðars Vater Fionn wird ein Opfer seiner übergroßen Liebesfähigkeit. Als junger Unsterblicher tötete er seine Verlobte Eibhlin und ist seither ihrem Fluch ausgeliefert. Es scheint gar, als müsste Fionn alles verlieren, was ihm etwas bedeutet.

Produktinformation

  • Format: ePub/Kindle-Edition
  • Seitenzahl: 519 (ePub)
  • Verlag: Neobooks Self-Publishing
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13 978-3-8476-7898-4

Leseprobe aus Lichtblickzauber

 Herbstlicht und Heidekraut

Connemara, Irland, 4. Oktober 1702

Eibhlin schreckte aus einem leichten Schlummer und fuhr hoch. Sie musste irgendwann eingeschlafen sein, nachdem sie sich stundenlang weinend in Angst und Kummer gewälzt hatte. Die meergrünen Augen weit aufgesperrt, lauschte sie angestrengt in die völlige Dunkelheit der winzigen Schlafkammer.

Lichtblickzauber von Monika Jaedig
Lichtblickzauber von Monika Jaedig

Bestimmt hatte sie der heulende Wind geweckt, der an dem kleinen Haus rüttelte. Oder doch der Kummer, der ihr Herz in einen schweren, schwarzen Stein verwandelt hatte?

Ihre Schwester Moirin, die mit ihr das Bett teilte, konnte nichts so leicht aufwecken. Sie atmete ruhig und regelmäßig. Moirin war noch zu jung, um den Kummer der großen Schwester zu verstehen, brauchte ihn nicht zu teilen.

»Komm mit mir, Eibhlin«, flüsterte ihr jemand ins Ohr.

Sie zuckte vor Schreck zusammen. Der schwarze Stein in ihrer Brust drohte pochend auseinanderzusprengen.

Fionn!, schoss es ihr durch den Kopf. Bevor sie den Namen herausschreien konnte, presste jemand seine Hand auf ihren Mund. Die Hand war eiskalt und glühend heiß zugleich. Der feste Griff löste sich wieder. Samtweiche Fingerspitzen strichen kurz über ihre Wange.

Fionns Hand fühlte sich anders an, rau und schwielig von der schweren Arbeit, doch die Art und Weise, wie Eibhlin berührt wurde, war dieselbe. War es ein trügerischer Traum, der ihr vorgaukelte, der Liebste wäre zurückgekehrt?

»Ich muss fort von hier, aber ich kann dich nicht zurücklassen. Begleite mich, Eibhlin.«

Seine Stimme klang verändert, weicher, melodischer. Es waren seine Worte, doch in einem anderen Kleid.

Wieso sollte er mitten in der Nacht ins Haus schleichen? Was könnte er angestellt haben, dass er fortmusste?

»Wo warst du? Alle haben nach dir gesucht, nachdem dein Pferd allein zurückkehrte. Ich habe mir große Sorgen gemacht.«

Sie tastete in der Dunkelheit nach ihm, fühlte den groben Stoff seines Hemdes, der ihr vertraut war von zahlreichen heimlichen Umarmungen. Ihr Herz fühlte sich plötzlich leichter und heller an. Ermutigt ließ sie die Hand nach oben gleiten, um sein Gesicht zu berühren. Sie erschrak, als sie kühle, samtige Haut fühlte. Als er sich gestern mit einem verstohlenen Kuss von ihr verabschiedete, um verlorene Schafe zu suchen, hatte er kratzige Bartstoppeln im Gesicht gehabt. Eibhlin hatte ihn lachend von sich geschubst, weil er seinen Mund nicht von ihr lassen wollte.

Sein Haar war nun viel kürzer und fühlte sich seidenweich an, die langen, zotteligen Strähnen waren verschwunden.

»Was ist mit dir geschehen?«

Er stoppte ihre Hand und zog sie mit Nachdruck zur Seite.

»Du wirst es erfahren, wenn du mich begleitest.«

Er wickelte sie in eine kratzige Wolldecke, hob sie hoch und trug sie aus der Kammer durch den Wohnraum, wo ihre Eltern schliefen. Es blieb ungewöhnlich still. Eibhlin hörte bloß das Schnarchen des Vaters, dazu ihren eigenen Atem, aber nicht das übliche Knarren, wenn jemand über die groben Holzdielen schritt.

Fionn brachte sie nach draußen, rannte mit ihr durch schneidenden Wind und prasselnden Regen, hinaus in die Heide. Er trug sie leichthin, als machte ihm ihr Gewicht nicht das Geringste aus. Kälte und Nässe drangen von allen Seiten in ihren Körper und ließen sie schaudern. Eibhlin glaubte, in Fionns Armen durch die Nacht zu fliegen, war nun vollends überzeugt, dass es sich um einen absurden Traum handeln musste.

Plötzlich war da ein schwaches Licht, ein sterbendes Kaminfeuer, das seine letzte Wärme an die Umgebung abgab. Sie waren von schützenden Torfwänden umgeben, die Eibhlin zu kennen glaubte. War das nicht die halb verfallene Kate im Moor?

Im flackernden Widerschein des Feuers suchte sie Fionns Gesicht. Er wirkte verändert, trug nun die Züge eines Engels. Ob er als Geist zurückgekehrt war, um sie zu holen? Konnte er nicht ertragen, wie sie um ihn geweint hatte?

In seinen dunkelblauen Augen schimmerte es silbern, als hätte jemand seinen Blick verzaubert. Im Kontrast dazu sein grobes Leinenhemd, das von dunklen Flecken übersät war, die Eibhlin im kümmerlichen Licht kaum bestimmen konnte. Die ärmliche Kleidung passte nicht länger zu seiner engelhaften Erscheinung.

Vorsichtig setzte er sie ab und ließ die feuchte Decke zu Boden fallen. Der silberne Schimmer in seinem Blick verankerte sich in Eibhlins Augen.

»Ich liebe dich, Eibhlin. Werde mein.«

Ihre Haut erglühte unter seinen Händen, obwohl sie vor Kälte zitterte. Er schob ihr eine nasse Haarsträhne, die an ihrer Wange klebte, aus dem Gesicht. Sein schöner Mund kam näher und stahl sich einen Kuss. Einen Kuss, wie sie ihn nicht kannte, fordernd und leidenschaftlich, als wollte Fionn vorwegnehmen, was für die Hochzeitsnacht gedacht war.

Wie gestern schon, versuchte sie ihn von sich zu stoßen. Nicht lachend und unbeschwert, sondern von wachsender Angst und einer dunklen Ahnung erfüllt.

Grob packte er ihre Handgelenke und zwang sie in seine Umarmung. Ein Schmerzensschrei versuchte an seinem Kuss vorbei zu entkommen. Ihr Körper blockierte und wurde zu einem Stück Holz, das er nach Belieben zerschmettern konnte.

»Bitte hör auf! Ich will das nicht!«, flehte sie schluchzend und versuchte ihn abzuwehren.

Sie erkannte, dass er ein anderer geworden war.

Fionn zerriss ihr Nachtkleid, um die lockende Wärme ihrer zarten Haut zu fühlen. Er wollte Eibhlin besitzen, ganz und gar. Sein Mund suchte ihre Kehle und brannte ein leidenschaftliches Siegel darauf.

Sie erschauerte, als seine Lippen sich um die pochende Stelle schlossen. Ihr vor Angst erstarrter, unberührter Körper wurde weich und nachgiebig. Er konnte sie nehmen und zu seiner Gefährtin machen.

Es brannte. Sein Hals und sein Herz brannten. Er wollte eins werden mit ihr. Begierig drängte er sich an sie, öffnete seinen Kiefer und biss zu. Löschte den Durst und das Verlangen an ihrem köstlichen Blut, das nach blühendem Heidekraut und mildem Herbstlicht schmeckte. Nahm ihr nicht die Unschuld, sondern das Leben.

»Mein Herz, meine Liebe. Verzeih mir«, waren die letzten Worte, die Eibhlin hörte, ehe sie dem Schmerz entfloh und ins Licht gezogen wurde. Ehe ihr Herz endgültig zu Stein erstarrte.

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Über Monika Jaedig

Monika Jaedig
Monika Jaedig lebt mit Familie und zwei Islandpferden in der Ostschweiz. Die tollen Pferde aus dem hohen Norden legten den Grundstein für ihre Liebe zu Island. Monika hat die raue Vulkaninsel mehrmals bereist, lernt Isländisch und interessiert sich für die Geschichte und Kultur Islands.Noch weiter zurück gehen ihre Liebe zu Büchern und die Faszination für Vampire, aber erst 2010 kam das Schreiben dazu, als Monika an der Fantasyreihe Silbernes Band zu arbeiten begann.

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