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Luchstränen von Stefanie Friedl

Luchstränen, ein Fantasyroman von Stefanie Friedl

Miranda ist eine draufgängerische, eigensinnige Luchswandlerin, die in der schwersten Zeit ihres Lebens auf ihren größten Feind trifft. Kann sie es mit Hilfe ihrer Freunde schaffen, ihn und seine gefährlichen Gefolgsleute zu besiegen? Schon so viele sind daran gescheitert. Doch das Überleben der Gestaltwandler steht auf dem Spiel.

Luchstränen von Stefanie Friedl
Luchstränen von Stefanie Friedl

Produktinformationen

  • Format: Taschenbuch
  • Seitenanzahl 252
  • ISBN: 978-3-8495-9376-6
  • Größe: 14,8 cm x 21,0 cm
  • Erscheinungsdatum: 21.9.2015
  • Preis: 12,99 € inkl. MwSt.

Leseprobe aus “Luchstränen”

Kapitel 1

Schmerzen, unendliche Schmerzen. Ihr Körper fühlte sich an, als ob ein Feuer darin wüten würde. Und sie war so wahnsinnig erschöpft und müde, als wäre sie einen Marathon gelaufen. Warum nur? Miranda versuchte, sich zu erinnern. Das Dröhnen und Hämmern in ihrem Kopf war dabei nicht gerade hilfreich. Ihre Arme waren derart schwer, als hätte sie zu Hause alle Fenster geputzt, und das waren einige. Ihre Mutter liebte helle, lichtdurchflutete Räume.

Schwerfällig hob sie den Kopf und richtete den Blick auf ihre Arme. Nur langsam registrierte Miranda, was sie da sah. Ihre Gedanken setzten aus. Panik erfüllte sie und ließ ihr Herz wild rasen. Es drohte, ihr aus der Brust zu springen. Ihr war heiß und kalt zugleich. Ihr Atem ging stoßweise. Die Angst kroch in alle Ritzen ihres Verstandes und blockierte ihr Denken.

Völlig kopflos rüttelte sie an den Fesseln, zerrte daran, doch sie wollten sich nicht lösen und schnitten tief in ihre Haut. Immer stärker riss sie an den Fesseln, aber sie konnte sich nicht befreien.

Ein plötzlicher, stechender Schmerz an ihrem Rücken ließ sie innehalten. Sie keuchte. Schweiß bedeckte ihren Körper. Noch immer spürte sie ihr Herz kräftig hämmern. Die Schnitte an ihren Handgelenken brannten wie glühende Kohlen. Ihr Rücken fühlte sich wund gescheuert an. Sie bemühte sich, tief durchzuatmen und sich etwas zu beruhigen, richtig funktionieren wollte es aber nicht. Die Angst, die in ihr wütete, ließ keinen klaren Gedanken zu.

Intuitiv versuchte sie, sich zu verwandeln. In ihrer Luchsform war sie um einiges wendiger und viel stärker. Doch es gelang ihr nicht. Sie konnte ihre Luchsin nicht einmal spüren, geschweige denn sich verwandeln. Voller Verzweiflung rüttelte sie wieder an den Fesseln. Die Schnitte an ihren Handgelenken wurden immer tiefer, ließen schon die Knochen hervorblitzen. Das Blut lief ihr an den Armen hinab. In ihrem Kopf fing alles an, sich zu drehen. Ihr war schwindlig und übel. Tränen füllten ihre Augen und trübten ihren Blick. Was haben sie mit mir gemacht? Mir meine Luchsin genommen und mich dann allein hier angebunden, um mich elend verrecken zu lassen? Hoffnungslosigkeit stieg in ihr hoch. Ihre Lage war aussichtslos.

In diesem Moment tauchte das Gesicht ihrer Mutter Pamela vor ihrem inneren Auge auf. Ihre Mutter war eine wundervolle, warmherzige Frau, die ihre dunkelroten Haare und die leuchtend blauen Augen an ihre älteste Tochter vererbt hatte. Nur die karamellfarbene Haut hatte Miranda von ihrem Vater.

Als sie damals als Fünfjährige beinahe jede Nacht schreiend aus diesen fürchterlichen Alpträumen aufgewacht war, kam ihre Mutter immer zu ihr ins Bett gekrabbelt, hielt sie fest und sang ihr Lieblingslied für sie. Nach wenigen Minuten konnte sie sich beruhigen und dann wieder friedlich und ruhig einschlafen.

Miranda schloss die Augen und stellte sich ihre Mutter vor, wie sie sie fest im Arm hielt und für sie sang. Immerhin konnte sie sich dadurch ein wenig fassen, aber es ergriff eine tiefe Traurigkeit, deren Ursprung sie nicht kannte, ihr Herz und wieder liefen ihr die Tränen die Wangen hinunter. So viel hatte sie in ihrem ganzen Leben noch nicht geweint, Miranda hatte gelernt, die Starke zu sein.
Erst jetzt, da ihre Unruhe und Anspannung etwas nachgelassen hatten, spürte sie die klirrende Kälte, die tief in ihr Inneres drang und ihre Muskeln zittern ließ. Dieser Winter würde als einer der kältesten in die Geschichte eingehen. Zwar hielt sie als Gestaltwandlerin tiefe Temperaturen ganz gut aus, aber diese Situation hatte ihr bereits so viel abverlangt, dass sie ihre Kräfte schon schwinden spürte und ihre Lider zufielen. Völlig erschöpft versank sie in Dunkelheit.

Als sie die Augen öffnete, sah sie sich neben ihrem Vater stehen. Aber das musste ein Traum sein. Sie sah sich als Außenstehende, beobachtete eine Szene, die sich vor Jahren abgespielt hatte. Im Traum war sie noch ein Kind, vielleicht zehn Jahre alt, mit nur schulterlangen, ziemlich ausgefransten Haaren. Ihr Vater hatte sie ihr nur Stunden zuvor in einem Anflug von Wut abgeschnitten. Sie hatte so schöne Haare gehabt, die ihr fast bis zum Po gereicht hatten, liebevoll von ihrer Mutter zu einem langen Zopf geflochten. Aber für ihren Vater waren sie zu lang gewesen, sie könne damit nicht trainieren, hatte er gesagt.

Er trat hinter ihr Traum-Ich. „Miranda, ich nehme dir gleich die Augenbinde ab. Du hast fünf Sekunden Zeit, dir die Umgebung einzuprägen. Bist du bereit?“ Das Mädchen nickte. Er nahm die Augenbinde ab, ließ Miranda genau fünf Sekunden Zeit, sich umzusehen, dann band er ihr die Augen wieder zu. „Woran kannst du dich erinnern?“

„Da war ein Baum und -“

„Welcher Baum?“

„Ich glaube, es war eine Eiche.“

„Miranda!“ Lange und gedehnt, mit tiefer und rauer Stimme sprach er ihren Namen aus. Seine Augen leuchteten gefährlich. Das Mädchen konnte das natürlich nicht sehen, aber es wusste auch so, dass sein Vater verschwunden und an seine Stelle das Alphatier, das er nun einmal war, getreten war. „Konzentriere dich!“
Ein paar Sekunden sagte sie nichts. Miranda sah, wie sehr sich ihr Traum-Ich anstrengte, seinem Vater die Umgebung genau zu beschreiben. „Ja, es war eine Eiche, sie war sehr groß, ich schätze zehn Meter.“

„Was hast du noch gesehen? Ist dir etwas aufgefallen?“ Die Stimme ihres Vaters war wieder normal, er war zurück, aber das Alphatier würde zurückkommen, wenn sie etwas falsch machte, so war es immer.

„Ja, ganz oben, auf der linken Seite, hast du ein Fähnchen versteckt, es ist weiß.“

„Sonst noch etwas?“

„Nein.“ Miranda nahm die Augenbinde ab. Erwartungsvoll sah sie ihren Vater an, der sich aber abwandte und ging. Keine einzige Träne verließ ihre Augen. Sie schwor sich, härter zu trainieren, um es das nächste Mal besser zu machen.

Die Szene verschwamm vor ihren Augen. Dann tauchten Bilder in ihrem Kopf auf, schreckliche Bilder von Blut und Tod. Und Schreie. Markerschütternde Schreie hallten in ihren Gedanken wider. Entsetzt riss sie die Augen auf und blickte sich panisch um. Die Angst bohrte sich tief in ihr Herz. Doch niemand war hier, zum Glück. Sie hatte alles nur geträumt. Aber waren das wirklich Träume oder handelte es sich um die Realität? Erlebnisse, an die sie sich nicht mehr erinnern konnte oder wollte? Es hatte sich so echt angefühlt, als wären es ihre eigenen Erinnerungen.

Sie zermarterte sich den Kopf, versuchte die Bildfetzen einzuordnen, aber es machte alles keinen Sinn, es passte nicht. Wenn sie sich doch bloß daran erinnern könnte. Es würde ihr helfen, ihre derzeitige Situation besser zu verstehen und vielleicht einen Ausweg zu finden. Doch je stärker sie versuchte, sich zu entsinnen, desto weniger wollte es ihr einfallen. Allerdings blieb das Gefühl, dass ihr Leben, so wie sie es kannte, nicht mehr existierte.
Dann kam ihr der Traum in den Sinn, der Traum von Christopher, ihrem Vater. Als Alphatier verlangte er keinen blinden Gehorsam von seinem Rudel. Vielmehr legte er Wert darauf, dass jeder seine eigene Meinung hatte und diese auch vertrat, solange die Interessen des Rudels gewahrt blieben. Dennoch holten sie sich alle seinen Rat und seine Einschätzung zu schwierigen Situationen. Sie waren ihm treu ergeben. Er war eben der Stratege im Rudel.

Auf seine Leute wirkte ihr Vater immer kühl und distanziert, ganz anders als bei seiner Familie, obwohl er häufig in seine Rolle als Alpha fiel. Ein Kuss ihrer Mutter brachte dann ihren Vater wieder zurück und verscheuchte den Rudelanführer.

Vor allem bei Miranda war er ein strenger Lehrer gewesen. Sie war anders als ihre Schwester eine Kriegerin, wenn auch etwas ungestüm und impulsiv.

Das stundenlange Training mit ihrem Vater war trotz ihrer unglaublichen Stärke und Schnelligkeit in Luchsform anstrengend und sehr hart gewesen, vor allem seelisch. Christopher hatte versucht, ihr alles beizubringen, was er wusste und konnte. In den Einheiten war er ihr immer mehr als Alphatier vorgekommen als ihr Vater.

Jedoch konnte ihr das alles jetzt zu Gute kommen. Eine der wichtigsten Lektionen ihres Vaters war nämlich, sich die unmittelbare Umgebung ganz genau einzuprägen und dieses Wissen zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Die Gedanken bei ihrem Vater öffnete Miranda ihre Augen und sah sich aufmerksam um. Nachdem sie sich an das Dämmerlicht gewöhnt hatte, merkte sie, dass sie sich in einem kleinen, kahlen Raum befand, von dessen Wänden schmutzige Farbe und Putz bröckelten, teilweise blitzten zerfallene Ziegel dahinter hervor. Der Boden war aus wild zusammengewürfelten Steinen gemacht worden, die alle nicht so recht zusammenpassten. Fenster gab es zwar, drei alte Holzfenster auf der vorderen Seite – hinter sich konnte sie ja nicht sehen -, die ihre besten Tage schon lange hinter sich hatten, doch sie waren alle mit Brettern zugenagelt. Es musste schon spät sein. Kein Licht drang von draußen herein. Über ihrem Kopf hing eine Glühbirne, die in dumpfem Licht leuchtete. Es gab nur eine Tür, die aber als einziges hier drinnen neu und ziemlich massiv wirkte, und die befand sich ihr gegenüber. Zahlreiche dicke Spinnweben hingen von der Decke. Dieser Raum musste schon sehr lange hier stehen.

Miranda hielt die Luft an, um zu lauschen, doch hören konnte sie bis auf den kräftig wehenden Wind, nichts, das ihr Aufschluss über ihren Aufenthaltsort gab. Vermutlich befand sich der Raum irgendwo abgelegen, wo es überhaupt nichts brachte, um Hilfe zu rufen, weil niemand sie hören konnte.

Einen ihrer wichtigsten und stärksten Sinne hätte sie beinahe vergessen einzusetzen: ihren Geruchssinn. Selbst in ihrer menschlichen Gestalt roch sie beinahe so gut wie ein Tier. Jeder Gestaltwandler verfügte über diese Fähigkeit, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger ausgeprägt, je nachdem wie hoch der Gestaltwandlerblutanteil desjenigen war.

Miranda sog die Luft tief ein. Ihr wurde schlecht. Es stank erbärmlich nach Verwestem. Vermutlich lag irgendwo eine tote Ratte, die bereits verfaulte. Mit geschlossenen Augen versuchte sie, die Übelkeit zu verdrängen. Nach einigen Minuten war es ihr gelungen. Zwar blieb ein flaues Gefühl in ihrem Magen, aber es gelang ihr, sich auf andere Dinge zu konzentrieren.

Das Wichtigste war, herauszufinden, woran und wie sie gefesselt war. Mirandas Blick wanderte zu ihren Händen. Dank ihrer außerordentlichen Selbstheilungskräfte als Gestaltwandlerin waren die Wunden bereits verheilt. Ihr Körper war jedoch aus bislang unbekannten Gründen fähig, sich noch schneller zu regenerieren als die ihrer Gefährten. Sogar verletzte Blutgefäße waren binnen weniger Minuten verschlossen. Deshalb war Vorsicht auch eher ein Fremdwort für sie.

Ihr Leben lang hatte Miranda sich noch nie Sorgen um ihre Gesundheit machen müssen. Ihrem Körper war es immer gelungen, sich eigenständig zu heilen. Selbst für ihre schlimmeren Wunden hatte sie nie einen Schamanen gebraucht, der sie mit Hilfe von Kräuter und seinen eigenen geistigen Kräften kurieren konnte, wenn der Körper alleine dazu nicht mehr in der Lage war.

Es erinnerten nur noch rosige Narben an die Schnitte an ihren Handgelenken. Für einen Menschen wäre ihre Situation wahrscheinlich lebensgefährlich gewesen. Sie waren im Vergleich zu Gestaltwandlern zerbrechlich und ihnen an körperlicher Stärke weit unterlegen. Allein die Kälte hätte ihr sicheres Todesurteil bedeutet.

Jedoch durfte man die Menschen auch nicht unterschätzen, die mit ihrer Waffenstärke und ihrem Erfindungsreichtum ihre physischen Defizite wieder wettmachten.

Vorsichtig versuchte sie, ihre Hände aus den Drahtfesseln zu lösen. Stechende Schmerzen ließen sie zusammenzucken. Die Schnitte waren wieder aufgerissen, allerdings nicht mehr so schlimm wie zuvor. Innerhalb einer Minute würden die Wunden wieder verheilt sein, wenn sie die Hände still hielt. So kam sie jedenfalls nicht frei.

Ein Brennen an ihren Knöcheln sagte ihr, dass auch ihre Beine gefesselt waren. Das machte die Sache nicht gerade einfacher.

Erst jetzt realisierte sie es. Sie war an ein Kreuz gefesselt, nackt. Für Gestaltwandler war Nacktheit etwas Natürliches und völlig Normales, denn bei der Verwandlung zerrissen die Kleider, wenn man diese nicht vorher auszog. Aber das hier war pervers.

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Über Stefanie Friedl

Stefanie Friedl

Ich wurde 1990 geboren und lebe mit meinem Mann, 2 verrückten Katern und einem zuckersüßen Hund in der Nähe von Linz.

2014 kam mir die spontane Idee, ein Buch zu schreiben. Ich kann nicht von mir behaupten, dass Schreiben schon immer mein Traum war. Ich habe viel lieber Bücher gelesen als selbst zu schreiben. Aber nun lässt es mich nicht mehr los. Es ist ein wirklich unglaubliches Gefühl, das eigene Buch in Händen zu halten.

Am liebsten schreibe ich Bücher im Fantasy-Bereich, aber aktuell arbeite ich an einem Buch (neben 2 weiteren Fantasybüchern), das weit von diesem Genre entfernt ist.

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