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Das Magische Trio – Geister im alten Gemäuer von Andrea Tillmanns

Geister im alten Gemäuer, ein Fantasyroman für Jugendliche von Andrea Tillmanns
Wer glaubt schon an Geister? Judith jedenfalls nicht! Doch als ihre Eltern sie auf ein Internat schicken, ist sie sich da bald nicht mehr so sicher. Hier erwartet sie ein unglaubliches Abenteuer, das so einiges auf den Kopf stellt. Mit ihren neuen Freundinnen Sarah und Marie findet sie heraus, dass jede von ihnen besondere Fähigkeiten hat – magische Fähigkeiten! Und die brauchen sie auch bald: Als bei den Ausgrabungen der Archäoloigie-AG ein Geist aus seinem geheimnisvollen Kerker entweicht, passieren im Internat merkwürdige Dinge, und für das Magische Trio beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit …
 

Produktinformation:

Gebundene Ausgabe: 200 Seiten
Verlag: Südpol Verlag; Auflage: 1 (13. Februar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3943086046
ISBN-13: 978-3943086041
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 – 12 Jahre
 
 

Leseprobe aus “Geister im alten Gemäuer”

Geister im alten Gemäuer von Andrea Tillmanns
Geister im alten Gemäuer von Andrea Tillmanns

Judith schreckte schweißgebadet hoch. Mit zitternden Fingern zog sie sich die Bettdecke bis zur Nasenspitze. Ängstlich sah sie sich im Dämmerlicht um, das durch die hellgelben Vorhänge drang. Natürlich war hier niemand außer ihr. Dies war ihr Zimmer, hier gab es nichts, was sie bedrohte. Es war nur ein Traum gewesen. Alles war in Ordnung. Erschöpft ließ sie sich in ihr Kissen zurückfallen und starrte mit klopfendem Herzen an die Decke. Von wegen – gar nichts war in Ordnung! Ab morgen würde sie nicht mehr in ihrem Zimmer aufwachen, sondern in diesem dämlichen Internat, das ihre Eltern für sie ausgesucht hatten. Das Internat Rabenstein hatte angeblich einen sehr guten Ruf und dort würde sie bestimmt bald jede Menge neuer Freunde finden. Zumindest hatten das ihre Eltern immer behauptet, wenn Judith wieder einmal versucht hatte, sie umzustimmen.

Als der Wecker klingelte, lag sie immer noch wach in ihrem Bett. Das Aufstehen erschien ihr heute viel anstrengender als sonst, und auch der Weg hinunter ins Esszimmer dauerte länger als an anderen Tagen. Am liebsten hätte sie sich irgendwo versteckt, aber sie wusste, dass es keinen Zweck hatte.

An diesem Morgen frühstückte die Familie ausnahmsweise zusammen. Normalerweise fuhren Judiths Eltern schon früher zur Arbeit, aber der letzte gemeinsame Morgen vor Judiths Umzug ins Internat war wohl auch für sie etwas Besonderes.

Eine letzte Umarmung, noch einmal die guten Wünsche ihrer Eltern, denen der Abschied ebenso schwerzufallen schien und die Judith dennoch nicht hierbleiben ließen. Dann stieg sie in den Wagen, in den Martin, der Chauffeur, schon ihre Koffer geladen hatte, und winkte ihren Eltern ein letztes Mal zu, bis das Haus hinter der nächsten Straßenbiegung verschwand. Es gelang ihr nur mit Mühe, die aufsteigenden Tränen zurückzuhalten.

Während der fast dreistündigen Fahrt spürte Judith immer wieder, dass sie bei dem Gedanken an ihre Eltern einen Kloß im Hals hatte. Passend zu ihrer Laune regnete es ununterbrochen. Zwischendurch warf sie ab und an einen Blick auf den Prospekt des Internats Rabenstein, den sie neben sich auf den Rücksitz gelegt hatte. Eigentlich wirkte das große, alte Herrenhaus nicht unfreundlich, vielleicht etwas altmodisch. Allerdings war es auch bei strahlendem Sonnenschein aufgenommen worden. Judith konnte sich nicht vorstellen, dass es heute, im strömenden Regen, genauso freundlich aussehen würde.

Irgendwann machte sich der fehlende Schlaf der Nacht bemerkbar, und sie nickte ein, den Kopf gegen die Scheibe gelehnt.

Ihre Füße schienen auf dem Bürgersteig festgewachsen. Die Gestalt kam langsam näher. Der Kopf wirkte seltsam verschwommen, als würden zwei Gesichter übereinander liegen. Um sie herum waberte eine feine Wolke. „Judith“, flüsterte die Gestalt mit zwei Mündern, aus denen zwei Stimmen quollen. „Judith, flieh, solange du noch kannst!“ Doch sie wusste, dass es zu spät war, dass ihre Füße sie im Stich ließen, und dann spürte sie die schneidende Kälte, als der Geist ihre Arme fasste …

Judith schreckte hoch. Der Wagen rollte ruhig über die Landstraße, und noch immer hüllte der Regen die Welt um sie herum in trübes Grau. Sie seufzte erleichtert. Es war nur ein Traum gewesen. Aber so echt hatte er sich noch nie angefühlt!

Schlimm genug, dass sie in letzter Zeit immer wieder diese komischen Halluzinationen hatte und merkwürdige Schlieren oder ein Flimmern in der Luft sah, für die sie keine Erklärung fand. Aber die Träume waren noch viel furchterregender. In den Träumen fehlte ihr die Logik, die ihr sonst die Angst vor diesen seltsamen Erscheinungen nahm. Sie war alt genug, um zu wissen, dass es eigentlich für alles eine logische Erklärung gab.

Vielleicht hatten ja auch ihre Eltern recht. Beide arbeiteten oft bis spät abends und glaubten, Judith sei zu viel allein zu Hause und brauche nur etwas mehr Betreuung, damit diese Halluzinationen wieder verschwinden würden. Aber dafür hätte es bestimmt auch bessere Möglichkeiten gegeben, als sie in ein Internat zu stecken! Jedenfalls konnte sie sich nicht vorstellen, was dadurch besser werden sollte.

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Über Andrea Tillmanns

Andrea Tillmanns
Andrea Tillmanns, geb. 1972 in Grevenbroich, lebt nach langen Jahren in Aachen und Umgebung nun im beschaulichen Oberzier. Hauptberuflich arbeitet die promovierte Physikerin an der Hochschule Niederrhein und erforscht in ihrer Freizeit magnetische Nanosysteme, die vielleicht einmal für neue Computer-Festplatten genutzt werden können.Passend zu ihrem Beruf schreibt sie häufig Science-Fiction-Stories, die für die Protagonisten allerdings oft wenig erfreulich enden, ebenso wie Fantasy und Phantastik (Kurzgeschichten und Romane) für Kinder und Erwachsene.Ihre phantastischen Romane für Kinder erscheinen im Iatros Verlag („Erik im Land der Drachen“, „Lena lernt zaubern“, demnächst „Der kleine Troll kehrt heim“); für Erwachsene hat sie zuletzt gemeinsam mit Petra Hartmann die Anthologie „Mit Klinge und Feder“ herausgegeben (UlrichBurger-Verlag). Ihre Horror-Geschichten sind bei Chichili innerhalb der Reihen „Ziemlich Böse Nachtgeschichten“ und „Schattenreich“ zusammengefasst.

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