Nathan und der Pakt mit den Wölfen von Nala Layoc
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Nathan und der Pakt mit den Wölfen von Nala Layoc

Nathan und der Pakt mit den Wölfen von Nala Layoc

»Öffne deine Augen für die Wahrheit, wenn du dich traust.«
Der 17- jährige Nathan ist mit seinem Teenagerleben im Großen und Ganzen zufrieden.
Eines Abends aber wird er plötzlich und wie aus dem Nichts von einem Werwolf angegriffen, und dann stürmen auch noch Werwolfjäger in sein Leben. Von einer Sekunde zur anderen gerät seine Welt völlig aus dem Gleichgewicht.
Nicht mehr wirklich Mensch, aber auch noch längst kein richtiger Jäger, wird Nathan sehr schnell in eine mysteriöse Welt hineingezogen.
Wem kann er jetzt noch vertrauen, wenn auf einmal die Grenzen zwischen Freundschaft und Feindschaft verwischen?

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Leseprobe aus Nathan und der Pakt mit den Wölfen

»Nathan!« Daniels Stimme riss mich aus dem Schlaf. Ich schreckte auf und blinzelte ihn an. Mein bester Freund stand mit hochgezogener Augenbraue im Türrahmen und sah auf mich hinab.
»Was?« Ich stemmte mich hoch und pflückte die bedruckten Blätter von meinem Arm. Dass Danny hier war, war eindeutig kein gutes Zeichen. Das hieß, ich hatte wertvolle Stunden verschlafen.
»Schule, mein Lieber«, meinte Daniel gespielt vorwurfsvoll und tippte mit einer bestimmten Geste auf seine imaginäre Armbanduhr.
Das konnte unmöglich wahr sein. Ich hatte mich doch nur für fünf Minuten hinlegen wollen! Mit einer Handbewegung fegte ich die Blätter von meinem Bett, es lag auch noch eine halbe Pizza von
gestern darauf. Und mein Handy war nirgends zu finden.
»Was zur Hölle ist das?« Daniel hob einen Zettel auf, seine Mundwinkel zuckten amüsiert.
»Gladiatorenkämpfe? Ist das etwa dein Geschichte-Referat? Wir hatten zwei Monate Zeit dafür!«
Ich sprang auf und meine Glieder beschwerten sich sofort über die schnellen Bewegungen. Ich nahm meinen Wecker von dem Nachttisch, es war Viertel vor Acht.
»Scheiße!«, entfuhr es mir.
»Nicht fluchen. Du hast doch noch genug Zeit, das fertig zu bekommen.« Danny schien sich prächtig über mein Leid zu amüsieren.
»Okay.« Ich atmete tief durch. »Du suchst mir frische Klamotten aus, packst meine Schultasche und ich suche mir so lange meine Notizen zusammen. Auf die Plätze, fertig, los!«
»Nate«, jammerte Daniel, »ich werde nicht an deinen Klamotten riechen, um dir frische auszusuchen. Dafür bin ich noch nicht bereit, Kumpel.«
»Ich sagte los«, drängelte ich und sammelte die Blätter vom Boden auf.

Nathan und der Pakt mit den Wölfen von Nala Layoc
Nathan und der Pakt mit den Wölfen von Nala Layoc

»Zwei Monate«, wiederholte Danny. »Was hast du in den letzten zwei Monaten gemacht?«
»Ich hatte es schon fertig, aber dann wurden wir ausgeraubt und unser Haus ist abgefackelt.«
»Das glaubt dir doch kein Mensch.«
»Auch nicht, wenn ich dieses Lächeln dazu aufsetze?« Ich drehte mich mit einem Lächeln zu ihm herum, von dem ich meinte, dass es süß und verpeilt aussah. Wahrscheinlich sah ich dank Schlafmangel aus wie auf Drogen.
Daniel verdrehte die Augen. »Das zieht bei mir nicht. Ehrlich gesagt, zieht das bei niemanden.«
»Das ist gemein.« Mein Lächeln verschwand augenblicklich. Ich wandte mich wieder meiner eigentlichen Aufgabe zu. Die halbe Nacht hatte ich damit verbracht, mir Gladiatorenkämpfe im Internet
anzusehen, bis ich endlich die Wikipediaseite dazu ausgedruckt hatte, um mit bunten Farben alles Wichtige zu markieren. Irgendetwas Brauchbares musste ja dabei herausgekommen sein.
»Beeil dich, meine Freundin wartet im Wagen.«
Stirnrunzelnd griff ich nach dem hoffentlich frischen Pullover, den Danny mir reichte.
»Ich sitze vorne.«
»Nein, sie sitzt vorne.« Daniel warf mir einen vielsagenden Blick zu und gab mir meine Schultasche. Gut, dann musste ich eben mit der Rückbank vorliebnehmen.
»Du siehst müde aus.«
Ich warf Marissa einen verächtlichen Blick zu. Sie war mindestens die Fünfte, die mich heute netterweise darauf hinwies. Eingeschlossen meiner Geschichtslehrerin, die mir – vielleicht aus Mitleid,
vielleicht wegen meines Lächelns, wer wusste das schon – eine Drei auf mein Referat gegeben hatte.
»Danke«, erwiderte ich trocken. »Besser als ein: Du siehst scheiße aus.«
»Kommt aber auf das Gleiche hinaus«, schmunzelte sie.
Freundlichkeiten am Vormittag, so etwas hörte man doch immer wieder gerne. Marissas Mundwinkel zuckten belustigt nach oben, als sie sagte: »Was hast du denn die ganze
Nacht getrieben, wenn ich fragen darf?«
»Darfst du nicht«, wich ich ihrer Frage aus und schlug mein Mathebuch auf. Hausaufgaben waren auch noch fällig.
»Aber unser Date für heute steht noch?« Sie schenkte mir einen atemberaubenden Wimpernaufschlag. Ich konnte nicht anders, als sekundenlang in ihre grünen Augen zu starren. Es waren die Augen, in die ich eine ganze Zeit lang verliebt gewesen war. Die Piercings in ihren Wangen betonten dieses kokette Lächeln auf verboten süße Weise. Schnaubend drehte ich mich von ihr weg. »Dich heute Abend von einer Party abzuholen nenne ich nicht Date.«
»Ich habe dich gefragt, ob du mitkommen willst!«
Empört sah ich sie an. »Stimmt, das hast du. Im gleichen Atemzug hast du erwähnt, dass es aber total unpassend wäre. Soll ich jetzt kommen oder nicht?«
»Nathan«, Marissa boxte mir gegen den Oberarm. »Das ist mein erstes Treffen mit Ben, da wirst du nicht mitkommen.«
Ben hieß er also, ihr neuer Hecht aus der Abschlussklasse. Ich verdrehte die Augen. Es war schon einen Monat her, seit wir uns getrennt hatten.
Lange genug, um einen neuen Freund an ihrer Seite zu akzeptieren, aber definitiv zu kurz, um mir ihre Schwärmereien anzuhören.
»Hey ihr zwei!«, rief Daniel, der genau in diesem Moment mit seiner Freundin Alice im Schlepptau zu unserer Ecke kam. Sie ließen sich auf der Steinmauer nieder.
Ich schmiss meine Tasche auf den Boden, um Alice Platz zu machen.
»Kommt ihr heute auch zu diesem neuen Club?«, fragte Marissa. Die würden doch nicht ernsthaft ein Doppeldate daraus machen? Überall Pärchen, wo ich auch hinschaute. Das war furchtbar.
»Ich bin heute mit Nathan verabredet.« Daniel warf mir einen unsicheren Blick zu. Vielen Dank. Marissa verdrehte die Augen und sah mich an.
»Ehrlich? Ihr wollt euren Freitagabend mit Computerspielen verbringen?«
»Nein«, verteidigte ich mich. »Sehen wir aus wie Nerds?«
»Es sind Videospiele«, stellte Daniel klar. Damit war alles gesagt.
»Hey Mom, bin zurück!« Ich hängte meinen Schlüssel an den Haken und streifte meine Schuhe ab.
»Hallo, Nathan.«
Ich hob überrascht den Kopf und sah dem Mann in die blauen Augen. Er stand im Türrahmen der Küche und sah mich interessiert an. Sein Gesicht war mir überraschend vertraut, obwohl ich es
momentan nirgends zuordnen konnte.
»Hallo.« Ich sah zu meiner Mom, die sich zwischen uns schob. Fragend zog ich eine Augenbraue hoch, ein bisschen Kontext wäre hilfreich.
»Das ist Marcus. Er ist ein alter Freund der Familie, erinnerst du dich an ihn?«
»Nein.« Ich sah von Mom zu Marcus, der mir ein eisiges Lächeln schenkte. »Sind wir uns schon einmal begegnet?«
»Ja, aber da warst du noch ganz klein.«, meinte Marcus wieder mit diesem Lächeln, das seine Augen nicht erreichte, »vielleicht erinnerst du dich an meinen Sohn, Arvis.«
Ich schüttelte den Kopf und fragte mich gleichzeitig, warum Marcus amerikanischer Akzent mir so unglaublich bekannt vorkam.
»Marcus wollte gerade gehen.« Mom warf ihrem alten Freund einen Blick zu, den ich nicht deuten konnte. Diese ganze Situation erschien mir suspekt.
»Ich geh in mein Zimmer. Danny kommt gleich vorbei«, murmelte ich und schob mich an meiner Mutter vorbei. Das war merkwürdig gewesen, aber ich beschloss, Mom erst morgen danach zu fragen. Oben in meinem Reich breitete ich meine Schulsachen auf dem Boden aus. Ich beschloss, jetzt schon meine Hausaufgaben zu machen, um das Wochenende über frei zu haben.
Ich riss das Fenster auf und machte es mir auf meiner geräumigen Fensterbank gemütlich. Von hier aus hatte man einen Blick über den gesamten Wald, der sich hinter unserem Haus erstreckte. Ich mochte den Ausblick, die frische Luft. Das war das Gute an Hawelsbach. Wir lagen zwar am Arsch der Welt und hatten einen furchtbaren Empfang. Hier gab es außerdem mehr Bäume als Menschen, aber besonders jetzt, wo sich die Blätter in herbsttypischen Rot- und Gelbtönen verfärbt hatten, war unsere Stadt einfach nur schön. Seufzend senkte ich den Blick auf meine Deutschhausaufgaben. Ich versuchte, mich zu konzentrieren, aber immer noch grübelte ich darüber nach, was mir an Marcus so seltsam vorgekommen war.
Gegen halb elf schrieb Marissa mir eine SMS, dass ich sie nun abholen könnte. Seufzend gab ich mich meinem Schicksal hin, immerhin hatte ich es ihr versprochen. Nein, eigentlich hatte sie gefragt
und noch bevor ich Nein sagen konnte, war ich auch schon in ihrem Plan involviert. Ich packte einen zusätzlichen Helm in meinen Rucksack und stieg auf mein Motorrad, um zum Club zu fahren.
Dort parkte ich in einer Lücke auf dem Gehweg und lief auf Marissa zu, die gegen eine Steinmauer lehnte.
»Hey Nate.« Sie funkelte mich aus schleierhaften Augen an. Eine Alkoholfahne wehte mir entgegen, aber Ben war nirgends zu sehen.
»Na, wo ist dein Lover?«
Sie zuckte mit den Schultern. »Hat sich ziemlich komisch verhalten und ist dann abgehauen. Dabei hat die Party doch noch gar nicht richtig begonnen!«
»Für dich war es wahrscheinlich schon zu viel«, schmunzelnd griff ich nach ihrem Unterarm.
»Komm, ich fahre dich heim.«
»Warte«, Marissa hob abwehrend die Hände, »mir geht’s nicht so gut. Irgendwie ist mir schlecht.«
»Na super.« Ich verdrehte die Augen. »Komm, machen wir einen kleinen Spaziergang.«
Sie griff nach meinem Unterarm, um sich festzuhalten.
»Mir ist kalt. Gibst du mir deine Jacke?« Sie zog einen Schmollmund und ich schälte mich seufzend aus meiner Jacke, um sie ihr über die Schultern zu legen. Marissa zog sich ihre hohen Schuhe aus und lief barfuß um das große Gebäude herum. Hinter dem Club sah es schäbig aus. Alte Kisten und Kartons stapelten sich an der Wand, außerdem roch es widerlich nach Alkohol und Erbrochenem. Die Musik war nur noch ein gedämpftes Bum-Bum-Bum. Ich stand in einer Pfütze und bezweifelte stark, dass es Regenwasser war.
»Mir ist echt nicht gut.« Marissa lehnte sich gegen die harte Steinwand.
»Musst du kotzen?«, fragte ich und verzog das Gesicht. »Wie viel hast du getrunken, Marissa?«
Marissa drückte mir ihre Schuhe in die Hand und machte ein paar weitere Schritte, tiefer in die Dunkelheit. Eine einzige Straßenlaterne warf ihr mattes Licht in die Gasse, es wirkte neonlichtartig, fast schon gespenstisch.
»Geht schon, denke ich. Ich muss mich nur irgendwo hinsetzten. Da ist ne Bank.«
Ich legte eine Hand um ihre Hüften, um sie zu stützten.
Gemeinsam liefen wir zu der alten, morschen Bank und Marissa ließ sich darauf plumpsen. Ich betrachtete die abgeschossenen Bierdosen, die um die Bank herum standen.
»War’s ein schöner Abend?«, fragte ich und versuchte meine Stimme möglichst beiläufig klingen zu lassen.
Marissa zuckte mit den Schultern. »Ja. Ben war echt süß und so. Bis er abgehauen ist. Versteh’ euch Typen manchmal echt nicht. Mit dir war es viel unkomplizierter.« Sie sah zu mir hoch und schob die Unterlippe nach vorne.
Ich wandte den Blick ab und starrte stattdessen in die Dunkelheit. Wenn sie betrunken war, sollte man lieber nicht mit ihr sprechen.
Ich hatte plötzlich das dringende Bedürfnis, von hier zu verschwinden. Nicht nur, weil ich Marissas Worte nicht ertrug, es war vielmehr dieser Ort, der mir mit einem Mal so unheimlich still vorkam. Selbst die Grille, welche bis eben noch gezirpt hatte, war verstummt. Stattdessen hörte ich ein merkwürdiges Kratzen, als würde etwas Spitzes über den Asphalt scharren.
Ich bekam eine Gänsehaut. Was war das?

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