Das Referat für “kleine Völker“ im Bundesamt für magische Wesen
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Das Referat für “kleine Völker“

Elvis der Schuhmacher bei der Arbeit
Kobold. Exemplar mit überlangen Ohren<br /> (c) Free Art License. Illustrator ''JNL''
Kobold. Exemplar mit überlangen Ohren

(c) Free Art License. Illustrator ”JNL”

Neben den tatsächlich Unsichtbaren gibt es magische Wesen, die für die Menschen in der Regel unsichtbar bleiben und deren Existenz daher in Frage gestellt wird. Dabei sind sie bloß klein. Klein genug, sich den Augen der Menschen entziehen zu können. Oder von ihnen übersehen zu werden.

Die Hobbits, die auch den Beinamen „das kleine Volk“ tragen, zählen sicherlich zu den bekanntesten jener Wesen. Deswegen verzichten wir vorläufig auf weitere Ausführungen an dieser Stelle.

Wichtel

Wichteldarstellung aus: The Book of Fables and Folk Stories, by Horace E. Scudder, Boston: Houghton Mifflin Company, 1915
Wichteldarstellung aus: The Book of Fables and Folk Stories, by Horace E. Scudder, Boston: Houghton Mifflin Company, 1915

Schon in mündlichen Überlieferungen wird seit Jahrhunderten von Wichteln berichtet. Lange Zeit konnte ihre Existenz nur indirekt belegt werden: durch unerklärlicherweise – „wie von selbst“ – erledigte Arbeiten. Demnach scheinen sie nachtaktive Wesen zu sein, die in schwer zugänglichen Winkeln von Häusern leben.

In einem Werk des Kölner Schriftstellers Ernst Weyden erschien erstmals 1826 ein schriftlicher Hinweis mit dem Herkunftsvermerk „Mündlich“ über „Heinzelmännchen“:

„Es mag noch nicht über fünfzig Jahre seyn, daß in Cöln die sogenannten Heinzelmännchen ihr abentheuerliches Wesen trieben. Kleine nackende Männchen waren es, die allerhand thaten, Brodbacken, waschen und dergleichen Hausarbeiten mehrere; so wurde erzählt; doch hatte sie Niemand gesehen.“  (Ernst Weyden: Cöln’s Vorzeit)

Wie man daraus entnehmen kann, sind diese Heinzelmännchen entweder eine Kölner Sippe der Wichtel oder es ist einfach eine andere Bezeichnung. Jedenfalls ist ihre Tätigkeit identisch.

Noch ungeklärt ist die Frage der Vermehrung, bzw. Fortpflanzung, da bisher nur männliche Wichtel gesichtet wurden. Das Bundesamt schließt allerdings auf die Existenz weiblicher Wesen aufgrund der Tatsache, dass ein großer Teil der nächtlichen Tätigkeit Hausfrauenarbeiten sind.

Die magischen Fähigkeiten der Wichtel sind aufgrund der hohen Produktivität als überragend einzuschätzen: So ist davon berichtet worden, dass sie in einer Nacht komplettes Schuhwerk in großer Zahl herstellen konnten. (Quelle: Gebrüder Grimm)

Der Körperbau der Wichtel gleicht dem der Menschen; nur dass auch ausgewachsene Exemplare allerhöchsten die durchschnittliche Größe dreijähriger Kinder erreichen.

Kobolde

In der Antike von einem Kobold versteinerte Frau (c) Marie-Lan Nguyen / Wikimedia Commons (Public Domain)
In der Antike von einem Kobold versteinerte Frau (c) Marie-Lan Nguyen / Wikimedia Commons (Public Domain)

Wichtel werden zuweilen mit Kobolden verwechselt, was daran liegt, dass Wichtel Schelmereien und derben Späßen nicht abgeneigt sind. Allerdings liegt deren Mutwillen überschäumende Heiterkeit zugrunde.

Kobolde dagegen kann man durchaus einen böswilligen Charakter unterstellen: So schrecken sie beispielsweise nicht davor zurück, andere Wesen in Stein zu verwandeln. Dabei richtet sich ihre Garstigkeit insbesondere gegen Menschen; aber auch Pferde und Löwen scheinen sie mit ausgesuchtem Hass zu verfolgen, wie die zahlreichen Versteinerungen belegen.

Auch Kobolde sind nachtaktive Wesen: Es sind Beobachtungen überliefert, dass sie versteinern, sobald ein Sonnenstrahl auf sie fällt.

Äußerlich kann man Kobolde sehr leicht von Wichteln unterscheiden, denn bei aller „Menschenähnlichkeit“ gibt es stets auffällig Abweichungen: vor allem Disproportionen der Körperteile oder Abweichungen im Knochenbau der Gesichter, die dann von Menschen als „Fratzen“ wahrgenommen werden.

Zwerge

Zwerge zeichnen sich gegenüber anderen kleinen Völkern – mit Ausnahme der Hobbits – dadurch aus, dass sie einer geregelten Berufstätigkeit nachgehen. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße sind sie als Mienenarbeiter sehr geschätzt.

Von allen kleinen Völkern haben sie die technologische Entwicklung am weitesten vorangetrieben: Neben dem Bergbau sind sie in der Metallverarbeitung und –bearbeitung zu hohem Ansehen gelangt. In der Metallbearbeitung verbinden sie technische Kenntnisse mit magischen Fähigkeiten, beispielsweise bei der Herstellung von magischen Schwertern und den beliebten Zauberdolchen.

Zwerge sind weniger scheu als die nachtaktiven Völker und meist von freundlichem Gemüt: Besonders groß gewachsene Exemplare paaren sich zuweilen sogar mit Menschen und zeugen Nachkommen. Es ist davon auszugehen, dass dieser Umstand den Wissenstransfer begünstigt hat.

Zwerge sind generell „Haarfetischisten“: Je üppiger der Haarwuchs, auch bei den weiblichen Exemplaren, desto schöner. Schlimmer als der Tod ist es, einem Zwerg oder einer Zwergin einen Teil des Haarwuchses zu rauben.

Nymbianer

Nymbianer gehören zum Volk der Zwerge. Allerdings leben sie im „Schattenreich“ Seoria (s. „Das Feuerpferd“) und halten sich im Gegensatz zu den anderen kleinen Völkern äußert ungern in der Menschenwelt auf.

Sie unterscheiden sich von Menschen nicht nur durch die geringe Körpergröße, sondern auch durch die Hautfarbe: Im Gegensatz zu den gewöhnlichen Zwergen sind sie nämlich grün, wobei das Farbspektrum von einem sehr grünen Türkis bis zum Oliv reicht. Mitsamt der lila Haare sind insbesondere die weiblichen Wesen höchst attraktive Erscheinungen.

Nymbianer besitzen nicht nur die Fähigkeit des Gedankenlesens, sondern auch der Gedankenbeeinflussung, was ihnen bei der Selbstverteidigung von mindestens ebenso großem  Nutzen ist wie ihre magischen Dolche. Weil die Bewältigung größerer Entfernungen zu Fuß langwierig ist, ziehen sie die Teleportation mit Hilfe von Zaubersprüchen vor.

Sie leben in Höhlen und sind leidenschaftliche Sammler. Gewöhnlich sind ihre Wohnhöhlen in allen Ecken und Nischen mit Edelsteinen vollgestopft, die sie zuhauf in den Flüssen und Bächen Seorias finden.

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