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Schatten und Licht: Schattenspiele von Juan Santiago

In letzter Zeit häufen sich seltsame Vorfälle in Karlsruhe. Es kommt immer wieder zu Schießereien, man findet auch Blut – aber keine Leichen. Kriminalkommissar Matthias Schwarze wird von seinem Chef auf die Fälle angesetzt. Bei seinen Ermittlungen lernt er den geheimnisvollen Muri kennen, einen rassigen gut aussehenden Spanier, den mehr als nur ein Geheimnis umranken. Und schon bald dreht sich das Karussell der Liebe, und Matthias rutscht in Kreise, von denen er besser die Finger gelassen hätte…

Schatten und Licht - Schattenspiele von Juan Santiago

Schatten und Licht – Schattenspiele von Juan Santiago

  • Taschenbuch: 408 Seiten
  • Verlag: MAIN – Verlag (25. Februar 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3945118018
  • ISBN-13: 978-3945118016

Leseprobe aus Schattenspiele:

Karlsruhe, Deutschland. Wieder dieser Club. Wieder eine Nacht voller belanglosem Sex. Ich habe keine Ahnung, was mich geritten hat, zuzustimmen, als Rastelli gegangen ist. Nicht, dass man bei uns einfach so gehen könnte. Man kann sterben, oder zum Verräter werden. Aber man kann nicht einfach austreten, und dann erwarten, dass man in Ruhe gelassen wird. Bei Rastelli war das anders. Den haben unsere Oberen einfach gehen lassen. Ich weiß nicht, was im Kopf des Regenten vorgegangen ist, aber der Befehl war eindeutig, ebenso wie die Frage, ob ich nicht stattdessen Kardinal von Deutschland werden möchte. Wer bin ich, bei einem solchen Angebot »Nein« zu sagen? Normalerweise hätte ich mich am Ziel meiner Wünsche sehen müssen. Eine Beförderung, noch dazu eine vom Regenten ausgesprochene. Keine erkämpfte durch Intrigen oder die Vernichtung des vorherigen Amtsinhabers, wie meine letzten drei … nennen wir es, Aufstiege innerhalb des Karrieresystems unserer Organisation.

[aartikel]3945118018:left[/aartikel]Wie gesagt, ich weiß nicht, warum ich eigentlich zugestimmt habe, Barcelona zu verlassen und nach Karlsruhe zu kommen. Vielleicht bin ich doch zu sentimental für diesen Job. Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass mein Vater in Bruchsal lebt, zusammen mit seinem Mann. Und daran, dass wir endlich wieder Kontakt zueinander haben. Daran, dass mein Vater mir nach all diesen langen Jahren endlich mal gesagt hat, dass er mich liebt, und dass er stolz auf mich ist, für alles, was ich getan, wie ich entschieden habe. Er muss nicht überall meiner Meinung sein, aber er ist trotzdem stolz auf mich. Das war … ein sehr erhebender Moment, muss ich zugeben.

Beim Gedanken daran zuckt mein bestes Stück im Mund des jungen Typen auf, der seit einer geschlagenen Viertelstunde vor mir kniet und versucht, mir so was wie Lust in die Gedanken zu pushen. Immerhin hat er es geschafft, mir eine Erektion zu verschaffen. Aber zu mehr ist er wohl nicht zu gebrauchen. Ich knurre leise und lehne mich zurück, gegen die Säule, die hier mitten im Darkroom steht. Die Kühle des Steins streichelt meine Haut durch meine Lederjacke, und obgleich ich Kälte so gar nicht leiden kann, diese Kühle ist zutiefst angenehm. Meine Gedanken schweifen wieder ab, in diesen Club in Barcelona, den ich jetzt gerade so vermisse. Eine Menge fremder Jungs. Frischfleisch, jede Woche. Und die, die nicht fremd waren, wussten genau, was ich brauche, und waren mehr als bereitwillig dazu, es mir auch zu geben. Immerhin wollten Sie meine Gunst, und ich griff mehr als einmal ein, wenn meine Rudel zufälligerweise einen meiner Gespielen entführt hatten und ihn in ein Festmahl verwandeln wollten. »Guten Sex gegen Dein Leben«, war mein Credo. Aber hier, in Karlsruhe, bin ich das Frischfleisch. Und diese unplanbare Hilflosigkeit missfällt mir sehr.

Irgendwie gibt es in Deutschland wohl auch keine Jungs, die das Feuer im Leib tragen, das ein Spanier, ein Mittelmeerbewohner, in sich, nein, mit sich führt. Belanglose Gesichter, ein paar hübsche Hüllen, ja. Durchschnittliche, uniformierte Körper, bekleidet mit pseudo-stylischen, überteuerten Möchtegern-Markenklamotten, bloß keine Ecken und Kanten, alles beliebig austauschbar. Keine Faszination mehr. Kennst Du einen, kennst Du alle. Hattest Du einen … na ja, das Gleiche wohl. Die hier sind so auswechselbar, dass es völlig egal wäre, wenn meine Rudel sich einen schnappen und vernaschen würden. Die denken ja sogar das Gleiche. Vor jedem liegt ein Smartphone mit den aktuellsten Dating-Apps. Sogar im Club suchen sie noch per App nach einem besseren oder hübscheren Kerl für die folgenden Stunden. Und außer Mode, dem neusten Star, irgendwelchen Drogen und Tratsch haben die auch keine Gesprächsthemen. Es ist, als hätten die Illuminaten doch gewonnen. Karlsruhe ist ja sowieso eine Illuminatenstadt, fällt mir ein. Ihr wisst schon: Neue Weltordnung. Massen manipulieren und beherrschen. Ist einfach. Am besten kontrolliert man das Bildungswesen und die Medien, lässt sich zwanzig Jahre Zeit dazu. Eine perfekte Maßnahme für Wesen wie mich. Ich mache mir geistig eine Notiz, dass ich wohl doch etwas mehr Kontakte und Einflüsse organisieren muss, wenn ich tatsächlich vorhabe, länger hier zu bleiben. Und eigentlich habe ich das. Ich möchte nämlich nicht mehr auf die Anerkennung meines Vaters verzichten müssen. Alleine beim Gedanken daran werde ich eine Spur härter. Gleichsam nervt mich das sinnfreie Verwöhnen des Typen vor mir. Ich beuge mich vor, schiebe ihn weg.

»Genug«, knurre ich und zwinge meinen Ständer zurück in meine schwarze Jeans. Seinen fragenden Blick ignoriere ich, gehe an ihm vorbei, aus dem Darkroom, in den Club zurück und an die Bar. Nicht, dass ich hier das bekäme, wonach mir der Sinn steht. Aber ab und zu eine Coke oder ein anderes Getränk ist auch nicht zu verachten.

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Über den Autor : Juan Santiago


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