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Seidendrachen von Carol Grayson

Seidendrachen, ein Gay Historical Fantasyroman von Carol Grayson

Jarin, unehelicher Sohn eines niederländischen Herzogs, und Akio, ein asiatischer Mischling und freigekaufter Arbeitssklave aus dem fernen China, dienen aus unterschiedlichen Gründen als lebendes Pfand in einem einsamen Kloster, bis der König von Frankreich sie beide an seinen Hof beruft. Akio besitzt die Fähigkeit der Seidenmalerei und soll diese ausschließlich für den König einsetzen, um so dem Kloster zu Reichtum zu verhelfen. Der zarte Akio, dessen Kunstfertigkeit so offensichtlich ausgebeutet wird, weckt Jarins Beschützerinstinkt. Die beiden ungleichen jungen Männer verlieben sich ineinander, sehr zum Missfallen des Hauptmannes Nicolas de Vervier, der selbst ein Auge auf Jarin geworfen hat. Eine tragische Romanze beginnt, die vor langer Zeit geschrieben wurde.

Produktinformation

  • Taschenbuch: 92 Seiten
  • Verlag: Brighton Verlag; Auflage: Erstauflage, Brighton Verlag (Mai 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3945033500
  • ISBN-13: 978-3945033500

Leseprobe aus “Seidendrachen”

Neugierig starrte Jarin aus dem winzigen Fenster seiner Kammer als er hörte, wie das hölzerne Hoftor sich öffnete und wieder schloss. In diesen kalten Monaten war außer ihm kein Eleve mehr hier. Nur in den Sommermonaten nahm man hier Schüler auf. Jetzt war er der Jüngste. Selbst Sebastianus, der einzige Novize hier, zählte bereits über zwanzig Lenze.

Bereits vor Tagen hatte es geheißen, dass Pater Simon aus dem fernen China zurückkehren würde. Die Brüder waren in heller Aufregung. China – welch ein Abenteuer! Mit Neid und Wehmut hatte Jarin daran gedacht, doch als er jetzt diese frierenden Gestalten dort unten sah, war der Neid verschwunden. Eine unmenschlich lange Reise lag hinter den beiden. Begierig darauf, Neuigkeiten zu erfahren, hüllte der blonde Junge sich in seinen Umhang aus dichter Wolle und ging hinunter zu den anderen Brüdern, die die Neuankömmlinge umringten und freudig begrüßten. Durch die schwankende Wand von schwarzen Kutten zwängte Jarin sich hindurch, bis er einen Blick auf die Heimkehrer werfen konnte. Pater Simon war ein älterer Herr mit gütigen grauen Augen und wirkte mit seinem faltigen Gesicht wie ein Druide aus vergessenen Zeiten. Er hatte seinen Arm um das frierende Etwas neben ihm gelegt. Sein Mitbringsel trug die Kapuze des braunen Gewandes halb über dem Kopf, der scheu zu Boden blickte. „Das hier ist Akio“, verkündete Pater Simon mit fast väterlichem Stolz in die Runde und klopfte der schmalen Gestalt auf die Schulter, dass sie noch ein wenig mehr in sich zusammensackte.

Das erste, was Jarins klare blaue Augen von ihr erblickten war ein schmales Gesicht mit hohen Wangenknochen, an denen feuchte, schwarze Haarsträhnen klebten. Ein dunkler Wimpernkranz, der sich jetzt langsam hob. Grüne, mandelförmige Augen blickten ihn erschrocken an wie ein ängstliches Kätzchen. Der Junge mochte kaum älter sein als er. Oder war es doch ein Mädchen? Seine Haut war so merkwürdig zart. Jarin verspürte eine seltsame Verwirrung, die jedoch niemandem auffiel, so beschäftigt wie die Mönche waren. Zwei von ihnen brachten die Tiere in den Stall, zwei andere luden das Packpferd ab. Wieder andere stellten aufgeregt Fragen an den weitgereisten Abbé, der lächelnd abwinkte. Er würde warten, bis sie alle zusammensaßen.

Seidendrachen von Carol Grayson
Seidendrachen von Carol Grayson

Die Ordensbrüder geleiteten die Ankömmlinge in das Refugium und servierten dort eine warme Mahlzeit und Wein. Gemeinsam nahmen sie das Essen an der großen Tafel ein. Alle waren sie begierig auf die Geschichten, die Pater Simon zu erzählen hatte und auch gleich nach der Vorspeise zum Besten gab. Von fremden Sitten, Göttern und Speisen war die Rede, von Handel von Gewürzen und kostbaren Stoffen. Von gefährlichen Tieren und ebenso gefährlichen Wegen durch Berge und Wüsten. Die Brüder begannen eine lebhafte Diskussion über Handelswege und Glaubensfragen. Jarin hörte nur noch mit halbem Ohr zu. Er wollte viel lieber mehr über diesen Jungen neben dem Pater wissen. Ab und zu warf er Akio einen verstohlenen Blick zu. Ja, es war ein Junge, soviel war sicher. Inzwischen hatte der Fremde die Kapuze und den Umhang abgelegt. Glattes kinnlanges Haar, schwarz wie Ebenholz umrahmte sein Antlitz. Natürlich kam der Pater auch auf seinen Gast zu sprechen.

„Akio wurde als Kind verkauft. Er muss europäischer Abstammung sein, auf der anderen Seite fließt asiatisches Blut in seinen Adern. Seinen Vater kennt er nicht. Ich fand ihn in einer Seidenmanufaktur, wo er die zartesten Stoffe bemalte. Kein Vergleich zu dem, was wir hier in Europa kennen. Oh, ihr solltet sehen, welche Kunstwerke er dort gezaubert hat. Er besitzt eine großartige Gabe, die dem König sicher gefallen wird. Da die Chinesen ihn nicht gerade gut behandelt haben, habe ich ihn freigekauft und nahm ich mit. Er spricht unsere Sprache noch nicht gut, obwohl ich ihm unterwegs eine Menge beigebracht habe. Ich denke, er wird viel von uns lernen und wir auch von ihm.“

„Und was soll mit ihm geschehen?“, wollte einer der Brüder wissen. Offenbar dachte er nur daran, dass wieder ein Esser mehr an der mager gedeckten Tafel sitzen würde.

„Im nächsten Frühjahr werden wir dem König seine Kunstfertigkeit anbieten. Akio wird bestimmt ein nützliches Mitglied unserer Gemeinschaft“, wandte der Abbé zur Beruhigung aller ein. „Zur gleichen Zeit soll ja auch unser Jarin seine Entscheidung treffen. Vielleicht will er das Leben bei Hofe kennenlernen? Es sei denn, Jarin hat sich bereits entschieden und möchte lieber bei seinen Brüdern im Kloster bleiben!“

Bei dem letzten Satz blickten alle den blonden Jüngling an der Tafel an, der verlegen mit dem Holzlöffel in seinem Eintopf herumstocherte. Nein, wollte er nicht. Aber er wagte es nicht, seinen Wunsch offen auszusprechen. Ein zögerliches Lächeln war stattdessen seine Antwort. Pater Clement, mittlerweile Vorsteher des Klosters, hob die Hand, um die Vesper aufzuheben: „Freunde und Mitbrüder, zunächst lasst uns beten und dann möge unser lieber Bruder Simon mehr von seiner Reise erzählen. Jarin, gib unserem jungen Gast die Kammer neben deiner und bring ihm frische Kleidung. Er wird erschöpft sein. Ein heißes Bad sollte ihm ebenfalls gut tun. Kümmere dich ein wenig um ihn!“

Jarin war froh, sich erheben zu dürfen und winkte dem anderen Jungen zu, ihm zu folgen. Akio schien ebenfalls froh, der Neugier und den vielen unbekannten Gesichtern entkommen zu können. Gemeinsam stellten sie den Badezuber in Akios Raum und erhitzten das Wasser dafür in einem Kessel über dem Feuer. Eimer für Eimer verfrachteten sie schweigend in den hölzernen Bottich, der schier unersättlich schien.

„So, fertig“, stöhnte Jarin und wies auf den gefüllten Zuber, aus dem Dampf aufstieg. „Na los, hinein mit dir“, forderte er den fremden Jungen auf und dieser begann, seine zerrissenen Kleider auszuziehen. Jarin zog sich zurück, um ein frisches Gewand für ihn zu holen.

Was für ein seltsamer Knabe, redet die ganze Zeit kein Wort über und gehorcht wie ein Hund, dachte er dabei.

Er konnte ja nicht wissen, dass Akio in China ein fast unterwürfiges Gehorchen gelernt hatte. Wenn er essen wollte, musste er die Befehle seines Herrn und Arbeitgebers ausführen. Sonst drohten ihm Prügel. Nur seiner Augenfarbe hatte er es zu verdanken, dass er noch am Leben war. In China galten grüne Augen als glückverheißend.

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Über Carola Kickers

Carola Kickers
Geboren in Krefeld folgte ich den schriftstellerischen Spuren meines Großvaters Hardy Kickers, der als Komponist und Autor tätig war. Mittlerweile lebe ich am Niederrhein und bin vorwiegend in den Bereichen Mystery und Dark Fantasy tätig. Aber auch Kindergeschichten und der eine oder andere Krimi fließen aus meiner Feder. Einige Romane und viele Kurzgeschichten wurden bislang bei verschiedenen Verlagen und als Hörbücher veröffentlicht. Speziell bei den Vampirgeschichten pflege ich die "Schwarze Romantik". Seit 2010 gibt es Veröffentlichungen unter meinem Pseudonym Carol Grayson.

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