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Shadowangels von Doris Lösel

Shadowangels von Doris Lösel

Cassandra McBride ist bildhübsch … doch leider auch völlig mittellos, als sie sich auf der Suche nach einem Schlafplatz in die Stallungen auf Brookemore-Castle schleicht. Als sie am nächsten Morgen dem charismatischen Gutsherrn gegenüber steht, fühlt sie sich sofort zu ihm hingezogen.

Doch auch Lance, den Earl of Brookemore, zieht es auf geradezu magische Weise zu Cassandra hin.

Völlig der Kontrolle über ihre Gefühle beraubt, ist da plötzlich dieses brennende Verlangen, das sich ihrer bemächtigt, und sie nur noch an die Erfüllung ihrer sinnlichsten Sehnsüchte denken lässt.

Als Lance und Cassandra sich ihre Zuneigung eingestehen, finden sie sich plötzlich in einer Welt wieder, in der es von Engeln und Dämonen nur so wimmelt, und ihnen wird klar, dass es kein Zufall war, der sie zusammen geführt hat.

Produktinformation

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 520 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 352 Seiten
  • Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
  • Verlag: Doris Lösel; Auflage: 1 (28. April 2013)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00CKIOHCM

Leseprobe aus “Shadowangels”

Nein, Thalon … bitte … gib sie ihm …“

Die Stimme der jungen Frau war kaum noch zu hören, doch Thalon hätte Aurora auch noch gehört, wenn sie gar nichts mehr gesagt hätte.

„Aurora“, sagte er, während er zärtlich ihre Haare berührte, „er ist noch ein Kind!“

Aurora schloss für einen winzigen Moment ihre Augen, bevor sich ihre Lider flatternd wieder hoben. Ein gequältes Lächeln erschien auf ihrem auch jetzt noch atemberaubend schönen Antlitz. „Ich weiß“, flüsterte sie, „aber er ist auch mein Sohn!“

Shadowangels von Doris Lösel
Shadowangels von Doris Lösel

Thalon hätte sich gerne abgewandt, zu schmerzhaft war der Gedanke für ihn, dass Aurora jemals ein anderer Mann berührt hatte. Thalon biss sich auf die Unterlippe.

„Ja, das ist er!“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, „dennoch ist er in erster Linie nur ein Kind.“

„Er ist gerade siebzehn geworden, Thalon … er wird nicht mehr lange ein Kind sein …“

Auroras Stimme hatte nun etwas mehr Festigkeit. Sie musste Thalon unbedingt davon überzeugen, wie wichtig es war, dass ihr Sohn gerettet wurde … dass Thalon nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendete, sie retten zu wollen.

„Aber … aber …“
Thalon schüttelte in wilder Verzweiflung den Kopf und seine dunklen langen Haare flogen ihm in sein wundervolles Gesicht.

Thalon war eiild von einem Mann. Beinahe zwei Meter groß hatte er die Figur eines griechischen Gottes … eines nackten griechischen Gottes!

Sein Oberkörper war muskulös und Aurora ließ ihre Augen über seine glatte Brust wandern, langsam, ganz langsam zogen ihre Augen eine Spur nach unten, hielten sich kurz an dem flachen Bauch auf, bevor sie weiter wanderten zu einem schmalen Pfad dunkler Haare. Thalons durchaus bemerkenswerte Männlichkeit schmiegte sich an seine muskulösen Beine.

Aurora seufzte und der winzige Laut genügte, dass Thalon sich sofort zu ihr herab kniete und ihren Kopf in seinen Arm bettete. Sein Blick wurde weich.

„Bitte, Thalon …“, flehte Aurora erneut, „gib sie ihm!“

„Aber er hat keine Gefährtin … der Herr alleine weiß, ob er jemals eine finden wird.“ Thalon versuchte mit allen Mitteln, Aurora umzustimmen.

„Sieh’ ihn Dir an, Thalon!“ Auroras Stimme wurde wieder schwächer. Wenn Thalon jetzt nichts unternahm, würde sie sterben. Aurora sah, dass Thalon mit sich rang und mobilisierte noch einmal ihre ganze Kraft. „Er wird seine ihm bestimmte Gefährtin finden, Thalon, ich bin sicher! Und er ist es wert, gerettet zu werden. Ihm wird die Zukunft gehören. Er ist wichtig … ich weiß es einfach!“

Aurora war nicht bereit, nachzugeben.

„Wichtig wofür?“ Thalons Stimme war vor Verzweiflung laut geworden und er hasste sich in diesem Augenblick selbst, doch er konnte nicht anders. Seine Stimme drückte das ganze Ausmaß seiner Hilflosigkeit aus.

„Das einzig Wichtige für mich warst du, Aurora … doch du bist gegangen … und jetzt bittest du mich, deinen Sohn zu retten?! Den Teil deines Lebens, der für mich der schmerzhafteste ist? Aurora, lass’ mich dir helfen, ich möchte, dass du wieder zurückkommst … zu mir zurückkommst!“

Mit letzter Kraft schüttelte Aurora ihre langen blonden Locken, die ihr blutverkrustet am Kopf klebten.

„Es tut mir Leid, Thalon, dass du all die Jahre gelitten hast … aber es stand nicht in meiner Macht zu bleiben.“

Thalons Kopf ruckte vor. Sein Blick richtete sich fragend auf Aurora. „Was meinst du damit?“, fragte er heiser, „…es stand nicht in deiner Macht?“

„Kannst du es dir nicht denken?“ Auroras Worte waren kaum mehr verständlich, als sie mit einem Kopfnicken erneut bat, Thalon möge sich ihren Sohn genauer ansehen.

Verwirrt richtete Thalon erstmals mit ganzer Aufmerksamkeit seine Augen auf Auroras Sohn, dessen Brustkorb sich nur noch schwach hob.

Der Knabe war bereits jetzt sehr groß, auch wenn sein Wachstum sicherlich noch nicht abgeschlossen war. Er hatte rabenschwarzes lockiges Haar. Die Farbe seiner Augen konnte Thalon nicht sehen, da die geschlossenen Lider des Jungen ihn daran hinderten. Er war von schlanker und dennoch muskulöser Statur.

Thalon wollte ihn einfach nur hassen, auch wenn dies eine Eigenschaft war, die ihm fremd war. Und doch war irgendetwas im Gesicht des Jungen, das Thalon dazu brachte, seine Hand über die eingefallenen blassen Wangen des Jungen streicheln zu lassen. In diesem Augenblick hoben sich flatternd seine Lider.

Thalon blickte in tiefblaue Augen … es war ihm, als blicke er in einen Spiegel … und er begriff … „Aurora“, flüsterte er entsetzt,  „kann es sein …?“

Aurora brachte ein schwaches Nicken zustande. „Ja, Thalon … er ist dein Sohn!“

Jetzt erschien in Thalons Kopf eine vollkommen neue Version dessen, was er sich all die Jahre eingeredet hatte. Aurora war nicht gegangen, weil sie sich unbedingt ein Kind wünschte und ihnen genau das untersagt war … sie war gegangen, weil sie ein Kind erwartete … von ihm, Thalon!

Heiße Tränen tropften auf seine Wangen, während er seine Augen wieder auf Aurora heftete. „Warum hast du es mir nicht gesagt?“, flüsterte er hilflos.

„Ich durfte nicht! Um sein Leben zu retten, musste ich schweigen. Ich hätte alles getan, um sein Leben zu retten. Und ich tue noch immer alles dafür! “

Auroras Körperhaltung war für wenige Sekunden die einer Löwenmutter, dann sank sie entkräftet wieder zurück.

„Bitte, Thalon, du weißt, was er für unsere Art bedeutet … bitte, rette ihn!“

Auch wenn es Thalon unglaublich schwer fiel, so nickte er dennoch, als er endlich das ganze Ausmaß begriff und Aurora seufzte erleichtert auf.

„Und du bist dir sicher, dass er es ist, von dem die Weissagung spricht?“

„Er ist es.“ Auroras Stimme war nur mehr ein Hauch.

„Und niemand ahnt etwas davon?“, fragte Thalon, während sein Blick zwischen Aurora und dem Jungen hin und her flog.

„Nein … Jonas gilt offiziell als sein Vater!“

Thalon schluckte schwer. Er wusste selbst, dass es unsinnig war, aber er musste es einfach wissen. „Hat er … hat er dich …?“

Beschämt senkte er seinen Kopf. Beschämt darüber, dass ihm im Angesicht des Todes der Frau, die er mehr liebte als sein eigenes Leben, einfach wissen musste, ob … verdammt! Es ging ihn nichts an, ob Aurora das Bett mit Jonas geteilt hatte.

Ein schwaches Lächeln umspielte Auroras Lippen. „Jonas hat mich niemals auf diese Weise berührt, Thalon … er hat nicht lange genug gelebt. Er war ein selbstloser Mann. Er hat mich geliebt und dafür gesorgt, dass das Baby und ich versorgt waren.“

Das Reden strengte Aurora sehr an, doch noch einmal richtete sie ihren Blick eindringlich auf Thalon. „Thalon, du weißt, was auf dem Spiel steht, wenn du es nicht tust!“

„Dann soll es geschehen!“ Thalons Stimme war ebenso schmerzerfüllt, so wie sein Herz.

Mit einem zittrigen Ausatmen senkte er anmutig sein Haupt.

Unendlich sanft legte er nun seine warme Hand auf Auroras Stirn. Ein weißes Licht schien aus seinen Fingerspitzen direkt in ihren Kopf zu fließen.

Noch einmal öffnete Aurora ihre Augen.

„Ich habe immer nur dich geliebt, Thalon. Es hat mich all meine Kraft gekostet, dir nicht sagen zu können, dass er dein Sohn ist. Doch hätte ich es getan, hätten sie ihn auf der Stelle getötet. Das hätte ich niemals zugelassen. Thalon … er … er ist genau wie du …“

Während Aurora gesprochen hatte, veränderte sich der Strom hellen Lichtes in Thalons Fingern. War vorher ein weißes Licht von seinen Fingern in Auroras Kopf geflossen, floss nun ein Strahl gleißend blauen Lichtes aus ihrer Stirn zurück in Thalons Hände.

Mit tränennassen Augen blickte Thalon ein letztes Mal in das ebenmäßige Gesicht Auroras, der Frau, die zu lieben er niemals aufhören würde.

„Ich liebe dich, Aurora … und eines Tages werden wir uns wiedersehen!“

Nach seinen Worten schloss Aurora für immer ihre Augen und Thalon stieß einen markerschütternden Schmerzensschrei aus.

Der Junge zu seinen Füßen zuckte schwach.

Wie in Trance beugte sich Thalon zu ihm herab und berührte seine Stirn. Das blaue Licht, das eben noch von Auroras Kopf in seine Hände geflossen war, strömte nun in die Stirn des Jungen.

„Mein Sohn“, flüsterte Thalon mit bebender Stimme, „es war der Wunsch deiner Mutter, dass du weiterlebst. Ich darf dich auf deinem Weg nicht begleiten. Daher schicke ich dich wieder zurück zu der einzigen Familie, die du als die deine kennst! Aber ich werde von nun an über dich wachen … und wenn der Tag gekommen ist, mein Sohn, dann werde ich an deiner Seite stehen!“

Mit diesen Worten bettete Thalon seinen Sohn auf seine Arme und erhob sich mühelos, als spüre er die Last nicht.

Dann atmete er tief ein, schloss seine Augen und ein Paar gewaltiger schneeweißer Flügel entfaltete sich auf seinem Rücken …

1)

Verflucht … kann man denn nicht mal am Wochenende ausschlafen in diesem Irrenhaus?“

Lance, der vierte Earl of Brookemore, warf mit Schwung die Bettdecke zurück und streckte seinen eins fünfundneunzig langen, muskulösen und nackten Körper ausgiebig, bevor er sich erhob und aus dem Bett kletterte. Rasch schlüpfte er in bequeme Jogginghosen, fuhr sich kurz durch seine schwarzen Haare, bevor er die Türe seines Schlafzimmers aufriss und nachsah, was dieser Lärm zu bedeuten hatte.

Ein Blick zur Uhr hatte ihm gezeigt, dass es noch nicht mal acht Uhr war. „Was zum Teufel ist hier los?“

Lance war wirklich fuchsteufelswild. Er hatte bis heute früh um drei Uhr an einem Plädoyer gearbeitet, das er am Montagmorgen halten musste.

Lance war Rechtsanwalt und hatte eine eigene Kanzlei. Normalerweise diktierte er einfach Mrs. Baker oder Julie, was er benötigte. Doch Julie glänzte mal wieder durch Abwesenheit, worüber sich Lance maßlos ärgerte. Und die gute Mrs. Baker schaffte die Berge an Arbeit einfach nicht alleine. Also hatte Lance sich bereit erklärt, die Karten für sein Plädoyer selbst zu schreiben. Das hatte er schließlich auch getan, aber er würde alles noch mal im Zwei-Finger-Suchsystem in den PC eingeben müssen, da er seine eigene Schrift am Montag vermutlich nicht mehr würde lesen können.

Eigentlich hätte Lance es gar nicht nötig zu arbeiten, doch das war nicht sein Stil.

Bereits sehr früh hatte seine Mutter, Gott hab’ sie selig, darauf bestanden, dass er sich nicht auf seinen Lorbeeren, sprich auf ihrem Geld, ausruhen solle. Doch das hatte Lance ohnehin nie vorgehabt.

Er dankte seiner Mutter noch heute dafür, dass sie ihn auf ein öffentliches Internat geschickt hatte und nicht etwa Privatunterricht erteilt hatte, wie es für einen Sohn aus dem Hause Brookemore bisher immer gehandhabt worden war. Zugegeben, das Internat, das Lance besuchte, war teuer genug, dass es sich nur Eltern aus der Oberschicht erlauben konnten, ihre Sprösslinge dort unterzubringen. Aber wenigstens war er hier einfach nur Lance Brookemore.

Die Lehrer behandelten ihre Schüler und Schülerinnen zwar höflich und zuvorkommend, aber keinesfalls ehrfürchtig, wie es beispielsweise die Menschen in der unmittelbaren Umgebung seiner Mutter taten.

Lady Aurora war eine kleine zierliche Person gewesen mit blonden, langen Haaren und unglaublich hellblauen Augen, doch ihre höfliche, wenn auch immer ein wenig distanzierte Art, hatte unmissverständlich dafür gesorgt, dass sie respektiert wurde.

Lance’ Augen waren dunkelblau, beinahe violett, und seine wild gelockten Haare waren rabenschwarz. Das Aussehen musste er also von seinem Vater geerbt haben.

Lance hatte Jonas, den dritten Earl of Brookemore niemals kennengelernt, da dieser bereits kurz nach Lance‘ Geburt gestorben war. Und auf den Fotos, die seinen Vater zeigten, hatte er lichtes, beinahe helles Haar gehabt.

Nicht zum ersten Mal verfluchte Lance jenen betrunkenen Autofahrer, der vor nunmehr sieben Jahren dafür gesorgt hatte, dass Lance praktisch über Nacht zum Vollwaisen wurde und wenig später zu einem der angesagtesten, weil unermesslich reichen, Junggesellen Schottlands.

Lance seufzte, als ihn die Erinnerung einmal mehr einholte.

Damals war er gerade dabei, sein Abitur vorzeitig abzuschließen. Der plötzliche Unfalltod seiner Mutter ließ ihn in ein tiefes Loch stürzen, aus dem er nur dank der Liebe seiner Tante Helen, der Schwester seines Vaters, wieder herausfand. Erst in zunehmendem Alter begriff Lance, was er Tante Helen alles zu verdanken hatte, war sie doch nur lächerliche fünfzehn Jahre älter als er selbst und hatte ihr eigenes Leben noch vor sich.

Eigentlich hätte auch Lance an jenem schrecklichen Tag gemeinsam mit seiner Mutter sterben müssen … seine Verletzungen waren ebenso schwer, wie die seiner Mutter. Und es grenzte beinahe an ein Wunder, dass er den Unfall  mit lediglich zwei seltsam aussehenden länglichen Narben auf seinen Schulterblättern überlebt hatte.

Dennoch hatte er dadurch an der Schule ein ganzes Jahr verloren. Als er sein Abitur gemacht und sein Jurastudium schließlich beendet hatte, übernahm er die bereits bestehende und gut florierende Kanzlei eines siebzigjährigen Rechtsanwaltes, der sich seinen Ruhestand mehr als verdient hatte und drei Jahre später holte er Timothy, seinen besten Freund und Kommilitonen, zu sich ins Boot … naja, in die Praxis.

Lance schüttelte den Kopf, um seine Gedanken zu ordnen.
Wieso musste er ausgerechnet heute Morgen sein komplettes Leben im Zeitraffer durchleben?

Und warum, um alles in der Welt, war er denn eigentlich aufgestanden?

Ach ja … der Lärm!

Wobei ihm der Krach eigentlich beinahe gelegen kam.

Lance hatte nämlich wieder einmal diesen seltsamen Traum gehabt.

Der Traum wiederholte sich seit dem Unfall in unregelmäßigen Abständen, doch konnte Lance keinen Sinn darin erkennen. Meist hatte er auch den größten Teil vergessen, wenn er wieder erwachte. Einzig und allein die Stimme seiner Mutter blieb von diesem Traum in seinem Gedächtnis haften.

Ihre Stimme, die Irgendjemanden anflehte …  „Bitte … gib sie ihm …“

Lance schüttelte seine mitternachtsschwarzen Locken, tauchte aus seinen abschweifenden Gedanken wieder auf und setzte sich endlich in Bewegung, um dem lärmenden Stimmengewirr zu folgen, das aus einem der Pferdeställe zu kommen schien.

Schon von weitem hörte er das Gekeife von Eleonora.

Lance verzog beinahe angeekelt sein Gesicht.

Eleonora, seine Cousine 7. Grades, oder war es 8. Grades?

Egal, Lance ging ihre ständige Anmache tierisch auf die Nerven. Was hatte er sich nur dabei gedacht, Ella vor einem halben Jahr anzubieten, auf Brookemore-Castle zu wohnen, bis sie wieder etwas Eigenes fand?

Lance seufzte. Er war einfach zu gutmütig und vor allen Dingen zu gutgläubig!

Inzwischen war ihm nur allzu bewusst geworden, dass Ella keineswegs die Absicht hatte, sich etwas Eigenes zu suchen. Sie versuchte mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, sich an Lance heranzumachen.

Oh ja, und diese ihr zur Verfügung stehenden Mittel waren gewiss nicht zu übersehen …

Ella war recht groß, schlank, mit üppigem Busen, der einem Kenner wie Lance mehr als deutlich zeigte, dass die Schönheitsindustrie ihre Hand im Spiel gehabt hatte.

Was wohl auch für das helle Blond ihrer Haare zutreffend war, denn als Lance dem immer lauter werden Gekeife gefolgt und nun in den Stallungen von Brookemore-Castle angekommen war, fiel sein Blick auf eine kreischende Ella und er sah alles … oder zumindest so gut wie alles!

Ella stand mit zerzausten Haaren und einem Hauch von Nichts bekleidet vor einer der Pferdeboxen. Ihre auf Doppel D aufgepumpten Brüste sprangen beinahe aus dem Ausschnitt ihres Negligees und da sie sich wohl auch nicht die Mühe gemacht hatte, mehr als eben dieses anzuziehen, konnte Lance erkennen, dass er mit seiner Vermutung, dass Ellas Haare alles andere als blond waren, recht gehabt hatte.

Beinahe verächtlich zog Lance die Mundwinkel nach unten. Diese Art von Natur pur war etwas, auf das Lance ganz und gar nicht stand!

Ein kurzer Blick auf Burt, seinen Stallmeister, enthob Lance‘ ohnehin bereits übermüdetes Gehirn der Aufgabe, weitere Vermutungen darüber anzustellen, was der Grund für Ellas Anwesenheit hier war und seine Lippen verzogen sich zu einem spöttischen Grinsen.

Natürlich wurde auch Ella in diesem Augenblick klar, dass sie in ihrem Übereifer ihre eigene kompromittierende Situation völlig außer Acht gelassen hatte und insgeheim verfluchte sie sich.

Verflixt, ihr Stelldichein mit Burt würde sie in ihrem Bemühen um Lance’ Gunst wieder einige Schritte zurückwerfen.

„Ella, liebste Cousine“, säuselte Lance nun mit tiefstem Sarkasmus in der Stimme, „darf ich den Grund für deine Aufregung erfahren? Ich habe weniger als fünf Stunden Schlaf abbekommen heute Nacht und wie du dir vorstellen kannst, bin ich daher nicht gerade besonders guter Laune.“

Sofort hatte Ella sich wieder gefasst.

„Meine Aufregung? Oh Lance, ich bin sicher, auch dich wird nicht ruhig lassen, was ich soeben hier vorgefunden habe.“

Sie verstummte, als sie die erhobene Augenbraue Lance’ bemerkte.

Eleonoras Stimme klang, als wäre das, was sie da gerade beschrieb, ein ekliges Insekt. Ihr Gesichtsausdruck besagte dasselbe. Nur kurz hatte sich Eleonora von Lance ablenken lassen, doch dann fuhr sie unbeirrt fort, während sie auf eine leere Box deutete. „Komm’ näher und sieh es dir selber an!“

Obwohl Lance hierzu nicht die geringste Lust verspürte, ging er wie von unsichtbaren Fäden gezogen auf die Box zu und sah im nächsten Moment in die schreckgeweiteten Augen eines schmutzigen Bündels Mensch.

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Über Doris Lösel

Doris Lösel
Doris Lösel wurde vor Äonen von Zeiten in der Nähe von Frankfurt/Main geboren, wo sie noch immer lebt. Die Liebe zum Schreiben entdeckte sie bereits in frühester Jugend, wobei sie täglich Erlebtes in Form von Kurzgeschichten verarbeitete. Familie (das Großziehen von zwei wundervollen Söhnen) und Beruf (medizinische Sekretärin im Institut für Pathologie) sorgten lange Zeit für ein Ruhen ihres Hobbies. Vor drei Jahren begann sie wieder mit dem Schreiben, zunächst in Fan-Foren mit der Veröffentlichung von Fanfictions. Ermutigt durch die Reaktion ihrer Leser/innen reichte sie eine Kurzgeschichte für eine Anthologie ein, welche prompt angenommen wurde. Inzwischen erschienen bereits drei Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien, u.a. „Musik war meine erste Liebe“, „Der Tod lauert unter dem Weihnachtsbaum“, „Zwischen Mythos und Wirklichkeit“, die vom CODI-Verlag publiziert werden. Zwei weitere Anthologien sind in Vorbereitung und werden ebenfalls Kurzgeschichten der Autorin enthalten. Ein Jugendbuch mit dem Titel „Blind vor Angst“ ist geplant und wird 2014 ebenfalls im CODI-Verlag erscheinen. Unter dem Namen C.C.Masen veröffentlichte Doris Lösel bei Amazon ihr erstes selbst publiziertes EBook mit dem Titel „Shadowangels“, eine erotische Fantasy-Romance Eine Fantasy-Serie, die im Bereich „All age“ anzusiedeln ist, und die unter dem Haupttitel „Kobaltblaue Träume“ erschien, veröffentlichte die Autorin unter ihrem eigenen Namen. Neben dem EBook ist hier auch eine gedruckte Version erhältlich. Desweiteren erschienen inzwischen die Kurzgeschichten „Push up“ und „Sachiko – blutige Tränen“. Das Pseudonym Kay Monroe bleibt Lesern der Gay-Romance vorbehalten. Unter diesem Namen veröffentlichte Doris Lösel ihr Erstlingswerk in diesem Genre – „Yari – my love„. Eine Fortsetzung der „Kobaltblauen Träume“ ist für 2014 geplant, ebenso wie weitere Bücher im Genre Gay-Romance.

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