BONN (BAfmW) – Als im Bundesamt für magische Wesen tätiger Mitarbeiter schreckt man vor nichts zurück und setzt natürlich auch notfalls das eigene Wohlbefinden aufs Spiel, wenn man sich der Feldforschung zu Vampiren und anderen magischen Wesen hingibt. Die Dienstreise zu den vom Stadtmuseum Graz zusammengetragenen Belegen zur Existenz von Vampiren, von der schon Sheridan LeFanu in seiner Novelle „Carmilla“ schrieb, ist so gesehen ein Muß, und sowohl dem Laien wie auch dem Forscher nur anzuraten. Allerdings macht man gern einen Bogen um das Böse an sich. Und mal ehrlich, wer recht schon auf einem harmlosen Kulturtrip mit Kardinal Meisner?

Kardinal Meisner und andere schwarze Mächte

Joachim Kardinal Meisner in der Abflughalle des Kölner Adenauer-Airports

Joachim Kardinal Meisner in der Abflughalle des Kölner Adenauer-Airports

Doch Vorsicht – es gibt dunkle, sehr dunkle Mächte, die die Wißbegierde und den ehrlichen Wunsch, über die völlig zu Unrecht verfolgten harmlosen Vampire zu forschen und zu berichten, mit allem hintertreiben, was ihnen zur Verfügung steht. Dabei schrecken sie auch vor schwarzer Magie nicht zurück.

Bereits am Abflugtag ging es los. Harmlos in der Abflughalle sitzend und auf meinen Flug mit AirBerlin wartend, befiel mich ein Unwohlsein, das ich zunächst der Vorfreude auf die Ausstellung zuschob. Ich wollte grad die Zeitung sinken lassen, mein Blick suchte den Weg zu einer Cafeteria, um etwas zu trinken – da wurde mir schwarz vor Augen. Genauer gesagt, ich sah Kardinal Meisner, ein schwarzes, bekanntermaßen böses und oftmals hetzerisches Wesen vor mir sitzen.

Anscheinend vertieft in irgendein Werk der schwarzen Magie und die Lippen bewegend, mal auch nachdenklich und vermutlich wieder Vergleiche über die Wertigkeit katholischer und muslimischer Familien ausbrütend, da saß er – er, dessen Name eigentlich nur mit Schaudern und Widerwillen über meine Lippen kommt. Herpesbläschen hervorrufend, sämtliche Pestilenzen von hämorrhagischem Fieber bis ewiger Impotenz löckten ihren widerlichen Stachel gegen mich, doch erfreulicherweise konnte ich den Ungeist mit meiner Nikon auf einen Chip bannen.

Von dem Augenblick an war nichts mehr wie geplant. Laut Bordkarte ganz weit hinten sitzend, mußte ich beim Boarding an Joachim Kardinal Meisner vorbei, ja ich stand neben ihm in der Warteschlange.

Kalt lief es mir den Rücken runter, als ich an Kardinal Meisner vorbeischritt, und ich sah zu, daß ich meinen Sitz im hinteren Teil des Fliegers einnahm. Den ganzen Flug über verflog das Unwohlsein nicht, es sollte sich noch steigern.

In Tegel angekommen, hatte ich lediglich eine halbe Stunde Zeit, um den Anschluß nach Graz zu erreichen. Wer den Flughafen Tegel kennt, der weiß, daß es eine Herausforderung ist, innerhalb so kurzer Zeit von Gate A zu Gate C zu gelangen. Ich flog nahezu durch das Gebäude, kam durch den Sicherheitscheck, mußte das Handgepäck auf mehrere Boxen verteilen und da passierte dann etwas, was mir erst in der Maschine auffiel. Noch dazu bekam ich die falsche Info, wo die Maschine abflog, erst rannte ich an Flugsteig 40 vorbei, um Flugsteig 64 zu erreichen, um dort zu erfahren, dass ich wieder zurück zu Flugsteig 40 mußte.

Übel und Unwohlsein, ein verlorenes Laptop

Comics und Illustrationen von Anna Haifisch zur Ausstellung "Carmilla, der Vampir und wir"

Comics und Illustrationen von Anna Haifisch zur Ausstellung „Carmilla, der Vampir und wir“

Als ich an Bord der AirBerlin-Maschine saß, schweißüberströmt, mit rotierendem Magen und demolierten Nerven, wollte ich zu meinem Laptop greifen – allein, die Tasche war leer! Ich hatte es im Sicherheitsbereich vergessen. Ein Crewmitglied sah mich, kam besorgt heran und hörte sich das Problem an. Und nun muß ich wirklich feststellen, dass Air Berlin Himmel und Hölle in Bewegung setzte. Vom Cockpit aus kontaktierte der Pilot während der Enteisung der Tragflächen den Tower und ließ nach meinem Laptop suchen, während ich wie auf glühenden Kohlen in der Kabine saß.

Schließlich lag auf dem Laptop die Vorbereitung der zweiten Auflage von Hochzeit der Vampire und ein Drittel der bereits geschriebenen Fortsetzung von Böses Blut der Vampire. Ebenso Unterlagen für die Besprechung mit Annette Rainer vom Stadtmuseum Graz.

Schließlich kam die erlösende Botschaft, das Laptop war gefunden worden und befand sich bereits in der sicheren Obhut des Fundbüros. Eine Erlösung und mir fiel ein Stein vom Herzen. Ganz großes Lob und Dankeschön an die Crew von AirBerlin!

In Graz angekommen, fuhr ich ins Stadtmuseum, wurde dort sehr freundlich empfangen und dann löste sich die Anspannung endlich, als ich in vertrauter, kultureller und harmloser Umgebung durchatmen konnte. Ich schob den Gedanken an das Böse, Joachim Kardinal Meisner weit weg, dahin, wo der Pfeffer wächst oder die Sonne nie scheint. Ein interessanter Abend stand bevor. Jedoch muß es gesagt werden, auch wenn es unappetitlich ist, als ich das Museum erreichte, zog mich der Gedanke an Kardinal Meisner unwiderstehlich zu den im Zwischengeschoß befindlichen Toiletten, wo das an Bord der Maschine eingenommene Essen den Rückwärtsgang antrat. Danach ging es mir besser.

Die Eröffnung der Ausstellung „Carmilla, der Vampir und wir“

Annette Rainer, einer der Kuratorinnen der Ausstellung "Carmilla, der Vampir und wir"

Annette Rainer, einer der Kuratorinnen der Ausstellung „Carmilla, der Vampir und wir“

Ich habe dann am Abend die Ausstellungseröffnung besucht und mich über die freundliche Begrüßung durch die Kuratorin Annette Rainer gefreut. Nacheinander begrüßten die Kulturstadträtin, der Museumsdirektor und die Kuratorinnen die etwa 250 Besucher, die zur Eröffnung gekommen waren.

Eine Lesung aus Carmilla fand statt und dann ging es in die Ausstellung, deren liebevoll zusammengetragene Exponate aus Kunst, Literatur und Film ein schönes Zeugnis ablegten von der Auseinandersetzung mit dem Thema Vampir.

Übrigens sind auch die Bücher der Mitarbeiter des Bundesamtes für magische Wesen in Graz präsent.

Grabmal eines unbekannten Vampirs in Graz

Grabmal eines unbekannten Vampirs in Graz

Um es kurz zu machen, die Ausstellung lohnt sich! Eindeutig!

Am nächsten Tag traf ich mich dann mit der Kuratorin und wir haben vereinbart, im März und vsl. im Oktober Lesungen aus Böses Blut der Vampire sowie der Fortsetzung Jagd der Vampire zu veranstalten. Auf dem Weg vom Hotel zum Museum kam ich an der Grazer Stadtkirche vorbei, wo ich – Anlaß für weitere Forschung – das Grab eines unbekannten Vampirs entdeckte.

Das Stadtmuseum Graz ist übrigens im ehemaligen Palais Khuenburg beheimatet, in dem der österreichische Thronfolger Franz-Ferdinand geboren wurde, dessen Ermordung vor hundert Jahren den I. Weltkrieg auslöste.

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