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Wolfswasser von Sylvie Wolff

Was würdest du tun, wenn du dich veränderst, wenn ein Teil von dir zu einem Wolf werden will? Würdest du Gestaltwandlung für möglich halten und dich den Wölfen anschließen? Oder flüchten und hoffen, dass du „nur“ verrückt bist? – Und wenn du ausgerechnet diese Fähigkeiten brauchst, um die zu retten, die du liebst?

Produktinformation

    • Taschenbuch: 200 Seiten
    • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (16. November 2012)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 1480294721
    • ISBN-13: 978-1480294721
    • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14 x 1,3 cm

Leseprobe zu Wolfswasser von Sylvie Wolff

Wolfswasser von Sylvie Wolff

Wolfswasser von Sylvie Wolff

Es war die Zeit der Schattenwesen, weder Tag noch Nacht. Verstohlen suchte ich einen Weg durch die Dämmerung – ich hätte nicht hier sein sollen, sondern zufrieden und sicher bei den anderen liegen, Kopf an Kopf, Seite an Seite. Stattdessen drückte ich mich an dieser stinkenden Mauer entlang, die Ohren gespitzt und die Sinne zum Zerreißen gespannt: Jemand nutzte das Zwielicht, um sich zu nähern!

Im Hals kratzte es. Ich unterdrückte den Drang, die anderen zu rufen, bis es hinter mir raschelte. Da ergab ich mich der Angst, hob den Kopf und sang. Und noch ehe der Schrei verklungen war, hörte ich ihre Antwort: Du bist nicht allein! Wir werden dich finden …

Verstört rieb ich mir die Augen und blinzelte. Doch der Traum wollte nicht gehen und ließ mich verstört zurück: Schlich da draußen wirklich jemand herum und suchte mich?

Müde lehnte ich den schmerzenden Kopf gegen die Fensterscheibe und genoss deren Kühle. Eine Grippe könnte vieles erklären, den dumpfen Druck hinter der Stirn und auch das Rauschen in den Ohren. Aber nicht die Düfte, die seit dem Morgen durch das Haus schwebten und mich zum Narren hielten, und das ausgerechnet an meinem sechzehnten Geburtstag!

„Es gießt wie aus Kübeln, Mama“, klagte ich. „Jetzt fehlt nur noch ein Gewitter und wir haben alles, was man für eine zünftige Spielfilmnacht so braucht. Bis auf Gäste.“

Trübsinnig starrte ich aus dem Fenster. Der Wind heulte, laut und unheimlich, kein Wunder, dass ich so dummes Zeug träumte. Nur, dass es sich nicht wie ein Traum angefühlt hatte sondern seltsam real: Etwas schlich da draußen herum! Die dumme Angst, verfolgt zu werden, quälte mich schon den ganzen Tag, drang mit dem Heulen des Windes in meinen Kopf, flüsterte und drängte und machte mich ganz schwindelig. Etwas war nicht in Ordnung mit diesem Tag, absolut nicht in Ordnung! Dabei hätte ich ihn so gerne genutzt, um dem anderen Gefühl nachzuspüren, das in mir flatterte, genauso anders, genauso neu, nur heller, glücklicher und bunter. Stattdessen saß ich hier und blies Trübsal, fühlte mich sogar verfolgt – lächerlich!

Ein Schatten störte meine Gedanken. Halb gebückt huschte er über die Straße, doch ehe ich näher hinsehen konnte, war er schon wieder verschwunden.

„Du siehst zu viele Filme, Lena!“, schalt ich mich und starrte in den Garten. Durch das aufziehende Unwetter war es draußen bereits dunkel, und nur ein sanfter Schimmer hinter den Wolken zeigte, wo der Mond hätte stehen sollen.

(…)

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Über den Autor : Sylvie Wolff


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