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BAfmW sagt Teilnahme an der Leipziger Buchmesse – Manga Comic Con 2018 ab

Das Bundesamt für magische Wesen auf der Manga Comic Con 2017

BONN (BafmW) – 2017 hat das Bundesamt für magische Wesen an der Leipziger Buchmesse / Manga Comic Con teilgenommen, und zwar mit Erfolg und viel Spaß. 2018 hatten wir geplant, erneut teilzunehmen, denn Leipzig ist eine schöne und liberal eingestellte Stadt mit netten Einwohnern. Wir hatten viele Besucher am Stand, die von unserem Projekt begeistert waren.

Für 2018 hatte uns die Leipziger Messe ein tolles Standkonzept erstellt und wir freuten uns schon auf den nächsten März.

Hagen Ulrich bei der Vorstellung des BAfmW im Comicforum der Manga Comic Con 2017
Hagen Ulrich bei der Vorstellung des BAfmW im Comicforum der Manga Comic Con 2017

Aber nach den Ergebnissen der Bundestagswahl , insbesondere aus Sachsen, wo die neuen Nazis zur stärksten Partei noch vor der von jeher als besonders konservativ auftretenden CDU wurden, löst der Gedanke, sich dort aufzuhalten, bei mir massives Unbehagen aus. Das Bewußtsein, sich in einer Umgebung aufzuhalten, in der fast jeder vierte oder fünfte Wähler den Gaulands, Höckes, Petrys und Poggenburgs die Stimme gab, ist schwer erträglich.

Man vergißt dabei, dass auch die sächsische CDU oftmals ein Gedankengut pflegt, das von dem der AfD nicht weit entfernt ist. Als 2012 der Plauener Stadtrat Dieter Blechschmidt, ein evangelikaler Christ, seine Meinung äußerte, Guido Westerwelle dürfe wegen seiner Homosexualität nicht Außenminister sein, da man so ja keine Geschäfte mit Saudi-Arabien machen könne und dann noch hinterherschob, Eltern müßten ihre Kinder heilen lassen, wenn sie schwul oder lesbisch seien, kam aus den Reihen der CDU-Sachsen kaum mehr als lahmer Pseudo-Protest. Diesen Eindruck bestätigte auch der Leiter der sächsischen Staatskanzlei, der dieses Frühjahr bei uns am Stand auf der Manga Comic Con, einem Teilbereich der Leipziger Buchmesse zu Besuch war.

Auf dem Neujahrsempfang, den ein Plauener Verlagshaus während der Blechschmidt-Affäre gab, äußerten sich dem Vernehmen nach die Spitzen der sächsischen CDU dahingehend, dass der Stadtrat ja recht gehabt hätte. Aber sowas dürfe man nicht sagen, sowas müssen man still umsetzen.

Das war vor mehreren Jahren, aber seitdem habe ich Sachsen und die östlichen Länder intensiver betrachtet.

Diese Entwicklung des Abdriftens nach Rechts hat sich also schon lange abgezeichnet. Und sie verstärkt sich. Dazu zählt auch die Verharmlosung rechts motivierter Gewalt oder das Diskriminieren von Minderheiten. In NRW macht man damit kurzen Prozeß,

Einige Politikwissenschaftler, darunter der Göttinger Michael Lühmann und der Leipziger Hendrik Träger, führen an, dass sich im wirtschaftlich gut aufgestellten Sachsen auch eine gewisse Kultur des Neides und der Mißgunst aufgebaut hat. Zwar gäbe es gut laufende Unternehmen, aber diese gehörten meistens aus dem Westen stammenden Besitzern.

Insbesondere Hendrik Träger betont auch die immer wieder stattfindenden schweren ausländerfeindlichen Übergriffe, darunter Hoyerswerda, die zum Synonym für den Osten geworden seien. Und der Göttinger Lühmann kritisiert die sächsische CDU für ihre Tendenz, die fremdenfeindlichen Einstellungen vieler Sachsen zu verharmlosen.

Ein Chemnitzer Radfahrer, der auf einer Tour durch Deutschland im letzten Jahr bei uns im Haus unserer Autorengruppe Bundesamt für magische Wesen auftauchte, war völlig selbstverständlich der Ansicht, man könne das Abbrennen von als Flüchtlingsunterkünften vorgesehenen Häusern als legitimen Freiheitskampf betrachten. Unser Haus sei ja angesichts seiner beiden Bewohner aus dem Irak auch nichts mehr wert.

Ich wage es mal, einen sehr brutalen und fiesen Vergleich zu ziehen, um meine Meinung zu verdeutlichen. Ähnlich wie diverse korrupte Staaten in Afrika, die unter ihren brutalen Staatsführungen samt deren kleiner Basis leiden, wo also die Bevölkerung nicht weiter kommt, muß aus der ostdeutschen bzw. sächsischen Gesellschaft selber die Absage an diese Haßprediger und neuen Nazis kommen. Von außen geht das nicht. In Afrika ist es wirtschaftliche Entwicklungshilfe, die die falschen Kreise erreicht, und in Ostdeutschland müssen sich die Ostdeutschen selber klar darüber werden, ob sie noch auf dem Boden des Grundgesetzes stehen und ob sie in einer von Haß und Angst dominierten Gesellschaft leben wollen.

No Go Area Sachsen

Ich für mich habe jedenfalls entschieden, dass ich 2018 und wohl auch 2019 mit unserem Projekt Bundesamt für magische Wesen nicht mehr an der Leipziger Buchmesse bzw. Manga Comic Con teilnehmen werde. In einem Bundesland, in dem sich eine solche Stimmung verfestigt, fühle ich mich nicht wohl. Dort will ich nicht hin, weder als ausstellender Autor noch als Tourist. Natürlich ist mir klar, dass ich damit die Fans des BAfmW aus dem Osten, die oftmals eine gänzlich andere Einstellung pflegen und unter der Hetze der AfD und Pegida-Fans genauso leiden, nicht gerade begeistern werde. Aber irgendwo ist auch für mich eine Grenze. Wie es Sachsens letzter König Friedrich August III. vor fast hundert Jahren formulierte: „Nu da machd doch eiern Drägg alleene.“

Natürlich ist unser kleines Projekt BAfmW auch nicht der Nabel der Welt und die Messe hat mehr als genug Bewerber, die unseren Platz problemlos einnehmen werden. Die Messeleitung engagiert sich vorbildlich. Aber ich fühle mich in so einem Umfeld trotzdem nicht mehr wohl.

Die Mehrheit der Ostdeutschen mag nicht der AfD hinterherrennen und sie ablehnen. Das ist unbestritten. Aber sie tritt den neuen Nazis keineswegs entschieden genug entgegen. Und die sächsische Landesregierung duldet den montäglichen Pegida-Mob.

Über Hagen Ulrich

Hagen Ulrich, Jahrgang 1967, lebt mit Ehemann und sieben Katzen in Bonn am Rhein. Hexen, Drachen, Vampire und andere magische Wesen sind kein Problem, wenn man sie ordentlich verwaltet. Schließlich hat in Deutschland alles seine Ordnung.
Basierend auf dieser Idee, entwickelte er die Idee einer Behörde, die sich um die Belange magischer Mitbürger kümmert. So entstand das Bundesamt für magische Wesen.
Hagen Ulrich kam nach dem Besuch einer Ladys Night zu Twilight zum Schreiben und veröffentlicht seine Romane im Himmelstürmer Verlag in Hamburg.

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27 Kommentare

  1. Würdest Du wieder zusagen, wenn die Leipziger Buchmesse sich unmissverständlich gegen diese Tendenzen positioniert und damit Teil der Sächsischen Absage an Hass wäre?

    Ist leider bisher eine theoretische Frage: Ich habe kurz danach gegoogelt, und zumindest dieses Jahr war das scheinbar nicht der Fall: http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2017/03/30/streit-um-compact-auf-der-leipziger-buchmesse_23400

    • Das ist gar nicht nötig, da ich die Mitarbeiter der Leipziger Messe kenne und sehr schätze. Ich weiß, wie sie sich positionieren. Gegen die Messe, ihren Ablauf, ihre Organisation und die Stadt Leipzig habe ich nicht auch nur die geringste Kritik zu äußern. Nicht im geringsten! Wir hatten uns wirklich auf die Messe gefreut. Aber das Umfeld, also Sachsen, seine CDU-geführte Landesregierung mit ihrer Verharmlosung rechter Gewalt (siehe auch das Abstimmungsverhalten der sachsen-anhaltinischen CDU gemeinsam mit der AfD-Franktion, um einen U-Ausschuß zum Thema linke Gewalt einzusetzen, obwohl die Anzahl rechter Straftaten um den Faktor sieben höher liegt), all das zusammen mit dem im Text angesprochenen Erfahrungen haben zu dieser Entscheidung geführt.

  2. Wie wäre es stattdessen damit, Flagge zu zeigen gegen rechts? Wie wäre es damit, denen zur Seite zu stehen, die in Sachsen nicht AfD gewählt haben? Gerade jetzt könnte man hier in Sachen eine ordentliche Portion guter Magie gebrauchen. Man kann sich aber auch hinter seinem ausgestreckten Zeigefinger verstecken und weiter nur auf die da zeigen. Weil Nazis zum Glück nur ein ostdeutsches Problem sind.

  3. Ein anderer Stefan

    Ich verstehe die Entscheidung vollkommen. Ich wohne seit einigen Jahren in Dresden und sehe die Entwicklung genau so kritisch. PEGIDA habe ich unfreiwillig oft live erlebt. Ich weiß bloß ehrlich nicht, ob solch ein Boykott irgendwas ändert. Hoffen wir es.

  4. Schade, dass sie nur den Teil beasntworten, der bequem ist.

    • Ok, der für Sie unbequeme Teil lautet, dass ich nicht dafür da bin, um vor Ort Entwicklungshilfe zu leisten. Ein nicht geringer Teil der sich auf wissenschaftlicher Basis mit dem Phänomen der sächsischen Rechten beschäftigenden Studien kam zu dem Schluß, dass es eine sogenannte “sächsische Identität” gibt, die stolz darauf ist, schon immer eigene Wege gegangen zu sein, und die “Bevormundung” aus dem Westen ablehnt.
      Da das BAfmW als in Bonn ansässiges kleines Unternehmen nun kaum “westlicher” sein kann, liegt der Schluß nahe, daraus auch die Konsequenz zu ziehen. Das ist nur eine winzige Facette, die zu meiner Entscheidung beigetragen hat.
      Der Hauptanteil kommt aus der Beobachtung seit 2012.
      Ich mag Sachsen einfach nicht mehr.
      Ich würde z.B. auch gern mal in die Türkei fahren, um mir die Hagia Sophia oder den Topkapi Serail anzusehen. Aber wegen der Erdogan-Fanboys und des politischen Klimas ist das momentan undenkbar. Und die Mehrzhal der Türken sind mit Sicherheit prima und nette Menschen.

  5. Schade. Schon allein deshalb, weil euer Auftritt dort vielleicht ein paar Leute erreichen könnte. Kinder, Jugendliche – die Wähler von morgen quasi, die ihr inspirieren könntet. GERADE in Sachsen und somit auch in Leipzig. Sich zurückziehen ist eine Variante. Dableiben und etwas tun die andere. Dass man sich nicht wohlfühlt mit einem solchen Wahlergebnis kann ich verstehen. Tue ich auch nicht mit 15% in meiner Heimatstadt – aber deswegen das Handtuch zu werfen ist in meinen Augen die falsche Reaktion. Aber ihr müsst das selbstverständlich für euch entscheriden.
    Ich werde bleiben und tun, was ich kann.

    • Die jugendlichen Fantasyfans auf der LBM muß man nicht ansprechen. Fantasyfans sind in ihrer überwiegenden Mehrzahl tolerant und offen. Und ich habe auch nicht Leipzig oder die Messe als solche kritisiert. Ganz im Gegenteil. Aber bei mir ist mit dem sächsischen Wahlergebnis ein Zustand erreicht, in dem ich Sachsen für mich persönlich als No Go Area einstufe. Da fühle ich mich unwohl und will dort nicht hin. Ganz einfach formuliert.

  6. Ich glaube, das ist genau der falsche Weg. Denn auch wenn wir untereinander stark kämpfen (und wie du den Wahlen ebenso entnehmen kannst, gibt es hier beide Extreme stark vertreten), so verbünden sich doch in die Ecke gedrängte Menschen viel stärker. Ihr fördert damit eher den Trotz, sonst gar nichts. Im Prinzip machst du nichts anderes, als Politik und Medien, die jahrelang PEGIDA und AfD beim Wachsen zusahen und statt zu hinterfragen, warum es so kam, lieber der Lächerlichkeit frönten.
    Und eine Sache tust du den Rechten gleich: Eine ganze Gruppe für eine Tat einzelner verantwortlich machen und strafen wollen. Damit nimmst du dich kein Stück aus der braunen Masse heraus, du begibst dich aufs selbst Niveau.

    • Das sehe ich anders. Ich kritisere ausdrücklich nicht Leipzig, die LBM oder gar deren Mitarbeiter, sondern beziehe mich auf die Gesamtsituation in Sachsen. Und in den entsprechenden Studien Göttinger und Leipziger Wissenschaftler wird das auch genauso gesehen.

  7. Ach die Ostdeutschen …als wäre es kein gesamtdeutsches Problem. Aber man darf den Osten ,was echt langsam nervt , gerne meiden. Den sowas brauchen wir in einen toleranten Leipzig nicht. Den Leipzig hat das nicht nötig. War lange ein Fan von euch aber Toleranz ist nicht nur ein Nehmen….

    • Ich bin nicht dafür da, um es allen recht zu machen. Und dass es ein gesamtdeutsches Problem ist, leugnen wir ganz bestimmt nicht, denn dann hätten wir unser Fassadenprojekt nicht gestartet, welches hier in Bonn eine ganz eindeutige Aussage macht. Im ersten Absatz des Beitrages steht auch eine ganz klare Stellungnahme zur LBM/MCC und Leipzig. Aber es ist natürlich einfacher, direkt runterzuscrollen und direkt loszupöbeln. Setzen Sechs!

  8. Ich finde es bedauerlich aber sehr verständlich und würde wahrscheinlich an eurer Stelle genauso entscheiden. Nicht dass ihr meine Unterstützung dahingehend braucht, ihr macht was für euch wichtig und richtig ist.

  9. Wie viel % hat die AfD dort genau? 25? 30? Das ist immernoch eine Minderheit, selbst wenn sie es zur stärksten Partei geschafft haben. Selbst wenn sie dort 40 % hätten, wären es immernoch 60% die sie NICHT gewählt haben.
    Ja, ich finde den Wahlsieg dort auch grauenhaft – hier in Sachsen Anhalt ist es zwar etwas besser, aber ich rechne da nicht nach Prozenten und es käme mir auch nicht in den Sinn ein ganzes Bundesland dafür zu verdammen. Sinnvoller ist es zu überlegen, was jeder Einzelne tun kann, um das für die Zukunft zu verhindern und eine “Kollektivstrafe” ist kein sehr gutes Mittel (in meinen Augen)
    Auf unserem Gespräch auf der letzten LBM hattet ihr ein klares Ziel – Jugendliche durch verschiedene Aktionen, Geschichtenwettbewerb, Aktionen am Stand etc zum Lesen und evtl auch Schreiben zu bringen. Ich finde diese Ziele wichtig, gut und richtig, zumal gerade Fantasyliteratur Toleranz und einiges andere mehr vermitteln kann ohne gleich zu moralisieren sondern im Gegenteil beim Lesen Spaß zu machen.
    DAS ist es, worauf es ankommt – gerade bei so einem Wahlergebnis. Eigentlich müsstenm wir uns alle mit unseren Messeständen in die Innenstadt stellen um dort für Toleranz und Bildung (z.B. durch Lesen) zu werben. Da das aber wahrsch schwer zu organisieren ist, wäre die Messe wenigstens ein Ort wo man dieses Zeichen setzen könnte.

  10. Autsch.
    Das tut mir weh.
    Gerade der erste Absatz, der No go Area.
    Sie können das gerne so sehen, das sie sich im Bundesland Sachsen nicht wohl fühlen. Aber durch die Aufstellung einer solchen Aussage im Internet, können sie auch erheblichen Schaden für die Tourismusbranche herbei führen.
    Wenn ich als Tourist sowas lese, würde ich das Land wohl nicht besuchen, weil es ja impliziert das ALLE (ja Leute lesen gerne so wie sie es gerne lesen wollen) dort Ausländer hassen und mich sofort angreifen. (was ja überhaupt nicht der Fall ist).
    Besucher bleiben weg–> Arbeitsplätze gehen verloren usw.

    Wie dem auch sei ich hoffe das sie in ihrem Bundesland noch lange von der “braunen Fäule” verschont bleiben, wir dürfen uns jetzt die nächsten 4Jahre Spott, Hohn und Diskriminierung anhören und Aushalten ohne selbst viel dagegen machen zu können ?

    • Mir ist durchaus bewußt, was ein solcher Beitrag auslösen kann, schließlich werden unsere Seiten sehr gut besucht. Allein dieser Beitrag wurde bisher mehr als 1200 mal “geliked” und weiterverteilt. Es wird auch noch in englischer Übersetzung erscheinen. Und die braune Fäule haben wir schon am eigenen Leib erlebt, sieben Einbrüche mit Hakenkreuzschmiereien, Vandalismus, was in eine Betriebsaufgabe mündete. Und viel Wut auf das rechte Dreckspack im Bauch.

  11. Ich verstehe dich. Aber wenn das “bekannt” wird, dann werden sich all diejenigen “Ostdeutschten”, die nicht die AfD gewählt haben und ganz klar gegen rechts sind, stigmatisiert fühlen, denn egal, ob du es willst oder nicht, mit dieser Positionierung verurteilst du alle, die dort leben, zu “Rechten”.
    Und dann noch aus der Perspektive der Rechten/ der AfD: Die werden sich auf keinen Fall über deine Entscheidung ärgern oder sie unpassend finden o.ä., im Gegenteil: So etwas sehen sie als Sieg. Sie haben dich vertrieben. Und das werden die auch so propagieren, in der Hoffnung, dass auch andere der LBM und Sachsen generell fernbleiben. Was schaffen wir (als Gesellschaft) mit so einem Verhalten? Wir geben denen indirekt ein “Herrschaftsgebiet”. Worst-Case: Ein Bundesland, in welchem sie noch mehr Menschen beeinflussen können, mit falschen Versprechungen auf ihre Seite ziehen oder diejenigen vertreiben, die dagegen sind und sich dort dann nicht mehr wohlfühlen.
    Meiner Meinung nach ist das das falsche Signal.
    Aber wie gesagt: Ich verstehe dein Unbehagen.

  12. Abschließende Mitteilung zur LBM-Absage
    Ich bin es ziemlich leid, wegen meiner Entscheidung, nicht mehr an der LBM/MCC teilzunehmen, aus irgendwelchen Ecken via Facebook oder anonym genervt, belästigt und zuletzt sogar schon diffus bedroht zu werden.

    Meine Entscheidung ist KEINE Kritik an der Messe Leipzig oder an der Stadt und dem Großteil seiner Bewohner.

    Meine Entscheidung beruht darauf, dass ich ein Bundesland Sachsen, dessen Bürger es richtig finden, aus Protest oder aus Überzeugung zu 27% ihre Stimme einer Partei zu geben, die sich menschenverachtend, rassistisch, herabwürdigend und im Nazi-Jargon andere diffamierend äußert, nicht als besuchenswerten Aufenthaltsort betrachten kann.

    Der Gedanke, auf der LBM/MCC oder im Umfeld solchen Menschen zu begegnen, hat für mich etwas so zutiefst Abstoßendes, dass es für mich unerträglich ist.

    Dafür nehme ich vieles in Kauf.
    – finanzielle Einbußen
    – Verzicht auf Pressegespräche
    – Verzicht auf eine tolle Veranstaltung wie die LBM/MCC
    – Verzicht auf Treffen mit Autoren und BafmW-Fans
    – Rufschädigung u.a.
    – Aufrufe, unseren Webshop zu boykottieren

    Ich nehme es sogar hin, wenn das Projekt BafmW darunter großen Schaden nehmen würde. Denn das ist meine Meinung, zu der ich stehe.

    Ich will mit Menschen, die den AfD-Politabschaum in irgendeiner Weise verharmlosen, vor ihm die Augen schließen, rechtfertigen oder gar fördern, nichts zu tun haben.

  13. Ungeachtet der Entscheidung fordere ich dann aber, dass sich ALLE Verlage, Organisationen und Autoren NACHHALTIG gegen die AfD postieren und nach Münster ziehen. Dort hat die AfD nämlich “nur” 3,3% Anhänger (okay immernoch 5% zuviel, aber es ist ein Anfang).
    Außerdem keine Auslieferung an Kommunen, in denen die AfD mehr als 5% bekommen hat, sowie ein komplettes selbstauferlegtes Verbot von Veröffentlichungen in Ländern mit Parlamentsbeteiligung der AfD. DAS wäre konsequent. Alles andere ist – trotz der verständlicheN Reaktion – eine Diskriminierung der Bevölkerung die NICHT die AfD gewählt hat!

  14. Das wird kaum etwas ändern. Darum geht es auch nicht. Aber wir als kleines Fantasyprojekt und Unternehmen sind nicht dafür da, um nach Sachsen in den Kampf gegen die Rechten zu ziehen. 🙂

  15. Das Fassadenprojekt ist toll! Ich wünschte, ich hätte es früher entdeckt. Danke!

  16. In einer offenen Gesellschaft muss es Raum für alle Meinungen und Standpunkte geben, von ultralinks bis ultrarechts, von erzkonservativ bis abgefahren progressiv(s. BAFmW).Darum beklage ich die Nicht-Anwesenheit des fantastischen BAFmW auf der von mir so geliebten Leipziger Buchmesse 2018 genauso wie die pogromartigen Störaktionen der Antifa gegen die Stände der neukonservativen Verlage von Compact und Antaios auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt 2017. Wie heißt es sinngemäß beim Erzfreigeist Voltaire? “Ich bin absolut nicht deiner Meinung. Aber ich werde dafür kämpfen, dass Du deine Meinung äußern kannst!”
    Diese Gesinnung ist leider in Deutschland alles andere als verbreitet, weder bei links, noch bei rechts. Mir fiel es dann wie Schuppen vor den Augen, als ich das wahrlich aufklärende Buch des Hallenser Psychologen Hans-Joachim Maaß: “Das falsche Leben – Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft” studierte. Ohne diese von ihm geforderte Souveränität im Umgang mit abweichenden und gegnerischen Meinungen wird es auf kurz oder lang wieder auf Polarisierung, Militarisierung und bürgerkriegsähnliche Verhältnisse wie in den 20er Jahren hinauslaufen; Katalonien lässt grüßen…!
    Also “lacht kaputt, was euch kaputt macht” statt mit Verbiesterung, Verteufelung und neuen Verbotsforderungen zu reagieren – auch die anderen haben ihre berechtigten Gründe und müssen zu Wort kommen – und so auch Widerspruch erregen – dürfen. Nehmt es sportlich und handelt souverän ohne diesen deutschen tierischen Ernst – dann lachen bald auch die bösen Sachsen wieder…!

    • Toleranz von Intoleranz führt dazu, dass die Toleranz verschwindet. Oder anders formuliert, man kann solange Toleranz spielen, bis die AfD die absolute Mehrheit in der BRD hat. Aber dann ist es zu spät. Das hatten wir 1933 schonmal. An irgendeinem Punkt muss man eben anfangen, etwas zu tun, egal wie unbequem es ist. Da kann man noch so sehr im Recht sein und sich gemäß ethischen Grundsätzen verhalten haben; Wenn man verloren hat, hat man verloren, und dann gibts kein Zürück mehr.
      Daher hat für mich Demokratie auch genau dort ihre Grenze, wo der tumbe, braune Mob Gefahr läuft, die Mehrheit zu erlangen. Eine Diktatur der Dummheit ist für mich nicht akzeptabel, egal ob die Mehrheit dafür ist.

  17. Ich kann Deine Entscheidung nicht nachvollziehen.
    Für mich ist das Feigheit vorn dem Feind, um es mal mit den Worten des von Dir gefürchteten Klientel zu sagen.
    Du überlässt den Platz damit kampflos und lässt die Cosplayer im Stich.
    Grade dann in der Situation wie Du Sie beschreibst muss und sollte man Präsenz zeigen.
    Ich glaube auch nicht das sich dieses Klientel an Euren Stand in rauhen Mengen wieder finden wird.

    • Wir zeigen mit unserem Fassadenprojekt “Gegen den Haß von Rechts”, dem wir unser Haus zur Verfügung stellen, und unseren sämtlichen Auftritten, ob auf CSDs oder Buchmessen, ebenso wie mit unserem Verlagsprogramm wohl mehr als genug Engagement.
      Es geht hier auch nicht um Angst, aus der heraus man von Feigheit sprechen könnte, sondern um massives Unbehagen und Ekel gegenüber der Stimmung in einem Bundesland. Ich fühle mich dort einfach nicht mehr wohl.
      Abgesehen davon möchte ich Ihnen nahelegen, einmal darüber nachzudenken, wie sich jemand fühlt, der im eigenen Haus von diesem Ostpöbel gesagt bekam, sein Haus sei “nichts mehr wert, da da ja so ein Pack (unsere beiden iraknischen Jungs) wohnen würde. In Chemnitz würde man sowas warm lösen, das sei der legitime Kampf des deutschen Volkes und wenn erst einmal die richtige Partei an die macht käme, würde ich schon sehen, was man mit Volksverrätern machen würde.”
      Sachsen ist ein Bundesland, in dem 5% der gesamtdeutschen Bevölkerung wohnen und in dem 14% der Straftaten mit rechtem Hintergrund passieren. Als Autor beobachte ich dieses Bundesland seit 2012 sehr genau.
      Und mal abgesehen davon, das BAfmW-Projekt und der dazugehörige Verlag sind ein kleines Zwei-Mann-Unternehmen. Wir sind nicht dafür da, Sachsen zu retten und dort zu missionieren. Noch dazu, wenn die CDU-geführte sächsische Landesregierung noch weiter nach rechts rücken will, um dem AfD-Pöbel das Wasser abzugraben.
      http://www.queer.de/detail.php?article_id=30183

  18. Ich würde auch nicht mehr nach Sachsen fahren wollen, obwohl das meine Herzensheimat ist. Es ist eine Schande, wenn man sich wegen solchem Pack im Land nicht mehr wohlfühlen kann.

    Offensichtlich hat man nichts gelernt aus der Nazizeit. Mir tun diese hirnkranken Terroristen (denn sie verbreiten bereits Terror) zwar auch irgendwie leid, man kann nicht unbedingt was für so eine Dummheit, aber es ist eine gemeingefährliche Dummheit, die schnellstens bekämpft werden muss.

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