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Über einen Oberst a.D. und seinen vermutlich queeren Enkel

Das Bundesamt für magische Wesen in Bonn

BONN (BAfmW) Gestern war so einer der Tage, die manchmal Überraschungen mit sich bringen. Ein Samstag, draußen war schönstes Wetter und eine Ahnung von Vorfrühling lag in der Luft. Ich war dabei, meine Rosen zu schneiden, nachdem die Öffnungszeiten unseres Lädchens beendet war.

Was natürlich niemanden abhält, trotzdem neugierig zu sein. Das Tor stand offen und ein Besucher spazierte herein. Ein älterer Herr, kerzengerade Erscheinung, schlohweißes Haar, kantige Gesichtszüge.

„Entschuldigen Sie bitte, wenn ich störe. Darf ich Sie mal etwas fragen?“, erkundigte er sich höflich, und als ich nickte und ihn hereinbat – in Erwartung, dass sich da jemand über unser Bundesamt erkundigen wollte – kam auch schon die Frage, was das denn sei, das Bundesamt für magische Wesen.

Die Duftrose Falstaff von David Austin im künftigen Rosengarten des Bundesamtes für magische Wesen
Die Duftrose Falstaff von David Austin im künftigen Rosengarten des Bundesamtes für magische Wesen

Ich erklärte es ihm, denn wer nett fragt, ist bei uns willkommen und bekommt bei uns immer eine nette Antwort. Dann machte ich mit ihm die kleine Tour durch die Entstehungsgeschichte unseres Fantasyportals. Zeigte ihm das Büro, früher das Postamt unseres Stadtteils sowie den kleinen Laden mit den Fanartikeln, meinen Büchern und Imkereiprodukten.

Zwischendurch kam heraus, dass er lange im Verteidigungsministerium gearbeitet hatte und als Oberst pensioniert worden war. Mittlerweile war er verwitwet. Er war auch im Ausland an deutschen Botschaften unterwegs gewesen und unser Amtspräsident Dräcker war ihm als Erfindung des Auswärtigen Amtes ein Begriff. Ein nettes Gespräch, er war amüsiert und lachte.

So weit so gut, ein Erlebnis, wie es nicht selten bei uns vorkommt.

Dann kam ich auf unser Fassadenprojekt zu sprechen, erklärte ihm, wie wütend mich dieses Attentat eines islamistischen Attentäters auf fröhlich feiernde Partygänger gemacht hätte, ebenso der von der eigenen Mutter begangene Mord an dem jungen Brasilianer Itaberli Lozano, oder der Haß, der LGBTI-Menschen aus rechten und religiösen Kreisen immer noch entgegen gebracht wird. Ich zeigte ihm die ersten Entwürfe von SlippedDee, erklärte ihm, dass wir ein Crowdfunding gestartet hätten und wie so etwas liefe.

Er wurde ernst, hörte aufmerksam zu und fragte manchmal nach, wenn ihm etwas unklar war. Die Zwischenfragen verrieten, dass wir beide so ziemlich auf einer Wellenlänge lagen, was gewisse politische „Alternativen“ betrifft.

Dann erzählte er mir etwas von sich. Er sagte, dass er seine Schwierigkeiten damit gehabt hätte und manchmal auch noch hätte, was die schwule Szene und ihr Auftreten (Stichwort CSD) beträfe. Das sei einfach nicht seine Welt. Was nicht bedeute, dass er dagegen sei. Es sei eben nicht seine Welt.

„Das Buch ist für meinen Enkel. Damit er sieht, dass sein Opa ihn unterstützen wird. Der Rest ist für Ihre Wand. Machen Sie das, und wenn es fertig ist, werde ich es ihm zeigen.“

Aber er hätte einen jungen Enkel von sechzehn Jahren und von diesem Jungen würde er vermuten, dass er schwul sei. Der Enkel hätte bei Besuchen schon öfter über das Thema gesprochen, noch nie eine Freundin gehabt, obwohl er – seine Worte – ein toller Hecht sei. Sportlich, guter Fußballer, freundlich und ein guter Schüler. Ab und an würde er ihm sein Taschengeld ein bißchen aufstocken, was man als Opa eben so macht.

Und dann erzählte er, dass sein Enkel sehr traurig gewesen sei, als das Attentat von Orlando passierte. Fassungslos sei er gewesen und hätte ihn gefragt, warum Menschen so etwas täten. Sie hätten darüber geredet und er hätte gesehen, wie nahe das Attentat seinem Enkel gegangen sei. Als ob es ihn selber getroffen hätte.

Dann ging er an mein Bücherregal, nahm eines meiner Bücher und gab mir 200 Euro.

Cosmin und Sebastian am See
Cosmin und Sebastian am See

„Das Buch ist für meinen Enkel. Damit er sieht, dass sein Opa ihn unterstützen wird. Der Rest ist für Ihre Wand. Machen Sie das, und wenn es fertig ist, werde ich es ihm zeigen.“

Ich habe mich bedankt, das Buch signiert, für den Jungen ein paar A3-Drucke der Illustrationen von mandelbrot dazu gelegt und bekam auf Nachfrage von meinem Besucher das Einverständnis, über diesen Besuch zu schreiben.

Können Samstage nicht immer so sein? 🙂

 

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Wahrlich, Dein Amt sagt Dir, künde vom Wirken des Bundeslurchs allenthalben und allüberall:
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Über Hagen Ulrich

Hagen Ulrich, Jahrgang 1967, lebt mit Ehemann und sieben Katzen in Bonn am Rhein. Hexen, Drachen, Vampire und andere magische Wesen sind kein Problem, wenn man sie ordentlich verwaltet. Schließlich hat in Deutschland alles seine Ordnung. Basierend auf dieser Idee, entwickelte er die Idee einer Behörde, die sich um die Belange magischer Mitbürger kümmert. So entstand das Bundesamt für magische Wesen. Hagen Ulrich kam nach dem Besuch einer Ladys Night zu Twilight zum Schreiben und veröffentlicht seine Romane im Himmelstürmer Verlag in Hamburg.

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3 kommentiert

  1. Pit Van Calvin II

    So einen Opa hätte man gerne gehabt, der da trotz seines anderen Welterlebnisses Verständnis für die Lebenswelt anderer aufbringt. Bürger mit Vorbildcharakter ;o) Gäbe es doch viel mehr davon.

    Meine Eltern hatten kein Verständnis, noch nicht einmal den Willen zum Ansatz auf Überlegung. Auf dem CSD wird aus ihrer Sichtweise Blasphemie in Reinkultur zelebriert und der Sittenverfall gefördert. Was mir im Falle Itaberli Lozano die Tränen brachte, hätte mein Vater ziemlich wahrscheinlich mit “Recht so” beantwortet. Der Bruder hat einen Hang zur neofaschistischen Szene und findet nicht allein LSBTI “lebensunwert”.
    Da half nur, dauerhaft Abstand zu nehmen, ansonsten gäbe es kein eigenes Leben, keine wirkliche, innere Harmonie oder freie Wahl des schlichten Seins.

    Schön, dass es auch diese anderen Fälle gibt, in denen jemand seine Kinder, seinen Enkel annehmen kann, wie er möglicherweise vereigenschaftet ist. Bis zum etwa 25. Lebensjahr dachte ich noch, diese Leute gäbe es nur im Märchen.

  2. Ein toller Samstag! Wirklich!
    Nun bin ich (hetero, verheiratet, …) so weit von Szenzen, Gruppen, Kreisen weg, wie man es nur in der Provinz erleben kann. Ich musste die Abkürzung “LSBTI” erst einmal googlen, um meine Vermutung der Bedeutung bestätigt zu bekommen. Ich frage mich aber: “Sind solche Abkürzungen sinnvoll, oder stigmatisieren sie?”
    Vielleicht hat ja jemand von Euch Lust, mir das zubeantworten. Ich arbeite im medizinschen Bereich und bin den Umgang mit Kurzformen aller Art, von berufswegen ja gewohnt.

  3. Finde ich ein sehr toller Opa, solche Menschen sind Diamanten unter uns. Hoffe dass der Enkel nicht böse über sein Opa sein wird. Ich hätte gerne eine solche Familie. Meine sogenannte Familie sagen wir so ich wurde halt dorthin geboren, will aber keinen Umgang mit denen mehr haben.

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