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Leben und Werk von Edmund F. Dräcker, Präsident des Bundesamtes für magische Wesen

Edmund F. Dräcker - Leben und Werk

BONN (BAfmW) Im Drei-Kaiser-Jahr 1888 wurde Edmund Friedemann Dräcker am 1. April in Suleyken bei Gumbinnen in der damaligen Provinz Ostpreußen als ältester Sohn des dortigen Pfarrers, des dortigen Pater primarius zu Gumbinnen und Oberkirchenrat zu Königsberg, Ritter des Verdienstordens von Hohenzollern IV. Klasse, Gotthilf Emmanuel Dräcker, und seiner ersten Gemahlin Frohlinde Komtesse von Stoltze-Ohnezaster, geboren.

Der junge Edmund Dräcker
Der junge Edmund Dräcker

Wenn auch die Angaben über das exakte Geburtsdatum des Gotthilf Emmanuel Dräcker mit gegebener Vorsicht zu betrachten sind (der Stammbaum gibt 1860 als das Geburtsjahr an; im Widerspruch hierzu stehen die Angaben des Edmund F. Dräcker persönlich, der in einer Korrespondenz mit dem Amtschef des Militairgeschichtlichen Forschungsamtes vom 30.7.1969 darauf hinweist, dass er sich mit der Edition des Tagebuches seines Vaters aus dem Krieg 1870/71 befasse), so weisen doch alle zugänglichen Quellen aus, dass sich die Genealogie der Dräckers zurückverfolgen läßt bis auf Jacques Dréquères de Drèque, der um 1680 als Apotheker in Saint Thomas “(Cevennes, Département Ardèche, Frankreich) in den Kirchenbüchern verzeichnet ist. Jacques, selbst Hugenotte, flüchtete 1688 nach Brandenburg an der Havel, wo er die Bürgerliche Marie Cevère ehelichte. Diese gebar ihm kurz nach der Eheschließung ihren zweiten Sohn Guillaume, der es später zu hohem Ruhm als Pastetenbäcker unter der Königin Sophie Charlotte bringen sollte.

Die vielfältigen Verzweigungen der Familie Dräcker veranschaulicht die Faksimile-Wiedergabe des originalen Stammbaums auf den Seiten 6 – 7. Schon aus diesem Dokument geht hervor, in welch hervorragendes Weise nahezu alle Familienmitglieder durch einerseits unermüdlichen Eifer und andererseits außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit an die jeweiligen politischen Zeitströmungen ungewöhnlich verantwortungsvolle Positionen in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen einnehmen durften. 

Die Jugend von Edmund F. Dräcker

Doch wenden wir uns wieder Edmund F. Dräcker selbst zu! Die frühe Erziehung des jungen Edmund erfolgte nahezu ausschließlich durch Hauslehrer, unter den – neben dem Vater selbst – Tante Ida besonderer Erwähnung bedarf. Ida, ursprünglich Erzieherin in England, eilte nach der Abdankung Bismarks im Jahre 1890 nach Suleyken und hatte in den folgenden Jahren einen nicht hoch genug einzuschätzenden Einfluß auf die Charakterbildung Edmunds. Desgleichen nicht unwesentlich war das zwar verhaltene, aber bestimmte Einwirken des Onkels Wilhelm von der Socken, General der Infanterie zu Diensten, der dem Neffen auf ausgedehnten, wanderungsähnlichen Märschen die Maxime „Wer rastet, der rostet“ zu eigen machte. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das in diesem Lebensabschnitt praktizierte Ergehen des „flachwelligen Hügellandes und des platten Flachlandes“, die seinen Heimatort umgaben, schon früh und in prägsamen Alter das weitsichtige Denken Edmund F. Dräcker bestimmte, das aus seinem späteren Wirken erhellt.

Leben und Werk von Edmund F Dräcker
Leben und Werk von Edmund F Dräcker

Solchermaßen hinreichend gefördert, wird Edmund F. Dräcker im Jahr 1894 in das Königlich Preußische Friedrich Wilhelm der Erste Gymnasium in Gumbinnen aufgenommen. Dieses Gymnasium, benannt nach Friedrich Wilhelm dem Ersten, der 1722 Gumbinnen mit den Stadtrechten begabte, war neben der Technischen Staatslehranstalt und verschiedenen Regierungs- und Kreisbehörden kultureller Mittelpunkt des nordöstlichen Ostpreußen. In jene Zeit fruchtbarer Studien und ausgedehnter Streifzüge zu Rominte und Pissa fügt sich auch das Ereignis der feierlichen, durch die Hände des Vaters vollzogenen Konfirmation. Edmund F. Dräcker, der schon in frühester Jugend seinen Schicksalsweg vorgezeichnet sah, wählte selbst den Konfirmationsspruch: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt Er in die Welt“ (Matthäus 28, 19)

1904, inzwischen als Primus in die Untersekunda gelangt, erwirkte der junge Edmund F. Dräcker eine Freistellung nach Königsberg für intensive Studien über Kants „Versuch, die negativen Größen in die Weltweisheit einzuführen“ (1763). Das Ergebnis dieser Studien schlug sich in einer handschriftlichen Ausarbeitung von 872 Seiten nieder, die der Epoche des ausklingenden Neu-Kantianismus neuen Aufschwung gab. Diese frühe Arbeit erleichterte ihm den Zugang zur Ritterakademie Brandenburg/Havel, gewöhnlich nur adeligen Söhnen zugänglich. Auf dieser 1704 gegründeten Akademie wurde Edmund F. Dräcker auf Heeres, Hof- und Staatsdienst vorbereitet, nahm an Kursen zur Pflege der ganlatiora und Übungen in der conduit teil, wurde unterrichtet im Tanzen, Reiten, Fechten, Voltigieren, Jagen sowie im Französischen und anderen modernen Fremdsprachen. Auch die Naturwissenschaften, Geschichte, Kameralien, Rechts- und Staatswissenschaften gehörten zu dem umfassenden Bildungsangebot der Anstalt.

Im Jahr 1906 schloß er seine Studien mit summa cum laude ab. Eine mitreißende, dreieinhalbstündige Dankesrede (später publiziert und so einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht) an den Lehrkörper, die er – zugleich im Namen seiner Freunde – hielt, bildeten neben einer Schüleraufführung von Wagners Lohengrin den Höhepunkt der Abschlussfeier. Man sprach von rhetorischen Sternstunden.

Nüchtern verliefen die Jahre 1908/09. Edmund F. Dräcker diente als einjährig Freiwilliger im 3. Garde-Feld-Artillerie-Regiment in Lichterfelde. Die Königliche Garde, traditionell in Haupt- und Residenzstädten stationiert, war eine durch besonders schmuckreiche Uniform erkennbare Elitetruppe, in die Edmund F. Dräcker nur kraft seiner Persönlichkeit, Herkunft und Vorbildung ausnahmsweise auch als Bürgerlicher aufgenommen wurde. Einem on dit zufolge soll er in jeder Zeit sogar dem Kronprinzen nahegestanden haben, da Edmund nicht ungeschickt an der Drehbank war und seiner Exzellenz hin und wieder zur Hand ging. Verlässlicher für diesen Hinweis ist allerdings unsere Abbildung, die beide beim Verlassen der Geschäftsräume des Hofjuweliers Liebmann zeigt. Am 27. Januar 1910 schied er ehrenvoll als Königlich-Preußischer Leutnant der Reserve aus dem Militärdienst aus.

In jener Zeit des Ehrendienstes geschah es auch, dass Edmund F. Dräcker Augen auf seine spätere Lebensgefährtin Ellen Maultasch, geschiedene Premierleutnant Heino Späth fielen, die er 1909 ehelichte.

Vergegenwärtigt man sich rückschauend noch einmal kurz die wesentlichen Etappen, die Edmund F. Dräcker auf seinem Entwicklungsgang vom jungen Knaben bis zum stattlichen Leutnant der Reserve wie im Fluge berührte, so gelangt man zu dem keineswegs überraschenden Urteil: Seine Lebensdevise, sein Konfirmationsspruch, seine fundierte Ausbildung und sein ehrenvoller Dienst in der Preußischen Armee prädestinierten ihn geradezu für eine aussichtsreiche Karriere im diplomatischen Dienst.

Eintritt in das Auswärtige Amt und Beginn der diplomatischen Karriere

So folgte er am 8. Juli 1910 probeweise und unter Vorbehalt des Widerrufs behufs Vorbereitung für die konsularische Laufbahn dem ehrenvollen Ruf in die Wilhelmstraße zu Berlin. Schon im April 1911 fand er unter Beilegung des Charakters eines Vizekonsuls an dem Kaiserlichen Konsulat in Colombo Verwendung. Er nahm seinen privaten Wohnsitz im Pettah-Viertel und befasste sich neben seinen konsularischen Aufgaben mit Untersuchungen über die rationelle Fertigung von Palmblattdächern unter besonderer Berücksichtigung der Spezies „Areka“. Dortselbst vom Kriegsausbruch im August 1914 überrascht, gelang es Edmund F. Dräcker, an Bord des unter Graf Luckner segelnden Dreimast-Hilfskreuzers „Seeteufel“ die Heimat zu erreichen. Nach kurzer Frontverwendung wird er zur Reorganisation des deutschen Feldpostwesens herangezogen, das seit Begründung im Jahr 1496 unter Maximilian I., dem letzten Ritter, dringend neuer Effizienz bedurfte. Er faßt seine Erfahrungen bei der Koordinierung der Tätigkeit von über siebenhundert Feldpoststellen erstmals in der „HDV IV/16 für das Deutsche Feldpostwesen“ zusammen und wird von späteren Autoren als der eigentliche Erfinder des Feldpostnummern-Wesens gewürdigt.

Anfang 1918 kehrt Edmund F. Dräcker in den Auswärtigen Dienst zurück, wo ihm schon im März die Funktion des Geschäftsführenden Sekretärs der deutschen Verhandlungsdelegation zur Vorbereitung des Friedens von Brest-Litowsk zuteil wird. Hier trifft er mit Lew D. Trotzki, Außenkommissar und Leiter der russischen Delegation, zusammen. Edmund F. Dräcker würdigt in einer späteren Arbeit das Verhandlungsgeschick dieses Delegationsleiters, der am 10. März 1918 unter Protest den Friedensvertrag annimmt, aus kritischer Distanz.

Edmund F. Dräcker nunmehr “Kaiserlicher Legationsrat”

Am 27. August des gleichen Jahres erfolgt die Ernennung zum Kaiserlichen Legationsrat „in Anerkennung der geleisteten und Erwartung der Uns ferner zu leistenden ersprießlichen Dienste“. Die Zeit zwischen dem Jahresende 1918 bis zur Mitte des Jahres 1921 bescherte ihm erneut Aufgaben von höchster Bedeutung. So arbeitet er unter dem Wirklichen Geheimen Legationsrat Schüler Grundsätze für die Qualifikation für den Auswärtigen Dienst aus. Durch seine epochemachenden theoretischen Beiträge – hier sei besonders auf die Schrift „Beherrschung des Greifapparates durch Autogenes Training“ verwiesen – errang er schnell das Vertrauen seines Vorgesetzten und wurde zum Leiter der „Sektion für körperlich-geistige Ertüchtigung“ ernannt. Die von ihm begonnen Basisarbeit sollte fortan Generationen deutscher Diplomaten zugute kommen, deren elegante Gelöstheit auf Stehempfängen auch von Kollegen aus Staaten der östlichen Welt als vorbildlich bezeichnet wird. Allerdings konnte ihn auch diese kräftezehrende Ausbildungsarbeit nicht davon abhalten, sich zwischenzeitlich in geheimer Mission nach Versailles zu begeben. So führte er in St. Cloud Gespräche mit dem chinesischen Delegationsmitglied Lu Cheng-Hsiang über die Unannehmbarkeit der japanischen 21-Punkte-Forderungen, die ehemals deutschen Rechte in Shantung betreffend. Ein Großteil der entsprechenden handschriftlichen Aufzeichnungen Dräckers konnte im Jahre 1956 von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz erworben werden.

Im Jahr 1921 fand Edmund F. Dräcker erneut Betätigungsfelder im außereuropäischen Bereich. Er wurde zum Leiter des Inspektionsstabes zur Wiedererrichtung der Auslandsvertretungen im pazifischen Raum bestellt. In dieser Funktion vermochte Edmund F. Dräcker mit großem Geschick die belastende Frage der Auslandsschulden zu bereinigen. Aufgrund seiner hervorragenden Fachkenntnisse darf er als einer der geistigen Väter des Stillhalteabkommens vom 19.8.1931 bezeichnet werden.

Edmund F. Dräckers Wirkungsfeld nach der Devise: "Mein Feld ist die Welt"
Edmund F. Dräckers Wirkungsfeld nach der Devise: “Mein Feld ist die Welt”

Auf der Rückreise weilte Edmund F. Dräcker für einige Monate in der neu-englischen Stadt Boston. Die vom dortigen CVJM begründete Volkshochschule, man nennt sie die Harvard unter den US-Amerikanischen Abend- und Sonntagsschulen, bot Edmund F. Dräcker Gelegenheit zur Vervollkommnung seiner Studien. Im Seminar „Tea and Party – The Ancestor’s Shadow“ lernte er die deutschsprachige Kate Barbara Silberworth-Smith, geschiedene Gräfin Itzenplitz-Kippenburg, Miterbin des Americola-Konzerns kennen, die er am 15. August 1923 zum Traualtar der St. James Church führte. – Nur am Rande sei bemerkt, dass sich Edmund F. Dräcker während seines kurzen Aufenthaltes in Boston hervorragende englische Sprachkenntnisse aneignete, die in verschiedenen Publikationen ihren Niederschlag fanden und ihm in späteren Zeiten – es wird auf den Zwischenfall an der indisch-chinesischen Grenze verwiesen – von großem Nutzen sein sollten.

Zu den Merkwürdigkeiten der Lebensbahn Dräckers gehört, dass in diese immer wieder und über lange Zeit hinweg von außen eingegriffen wird. So endet die Bostoner Idylle mit einer Aufgabe, die – als Beispiel für viele hier nicht genannte Missionen ähnlicher Art – Erwähnung finden möge. Das langsam erstarkende Nationalbewusstsein der noch jungen ersten deutschen Republik schien es im Spätherbst 1923 angezeigt erscheinen lassen, den durch den Versailler Vertrag stark beschnittenen deutschen Marine- und Landstreitkräften zum Neujahrsfest durch einen Akt moralischer Wiedergutmachung zu neuem Glauben an die Zukunft zu verhelfen. Otto Geßler, Reichswehrminister, und Hans von Seeckt, Chef der Heeresleitung, beauftragten unter Umgehung des Dienstweges Edmund F. Dräcker in privater Mission mit der Heimholung der Flagge des U-Bootes von Pastor Niemöller aus dem British Imperial War Museum; weiteres läßt sich auch aus der Dokumentation ersehen.

Schon der Jahresanfang 1924 führt Edmund F. Dräcker – und dieses Mal offiziell – zu neuen Höhepunkten. Am 1. Februar 1924 wird er mit der kommissarischen Leitung der Botschaft in Moskau beauftragt. Knapp einen Monat später erfolgt die Bestallung zum Vortragenden Legationsrat I. Schon am 9. Juni 1925 allerdings wird Edmund F. Dräcker wegen Verwicklung in den sogenannten Pawlowa-Skandal aus Moskau zurückberufen. Der Rückruf erfolgte, wie sich später herausstellte, irrtümlicherweise und jüngst vorgebrachte Parallelen zwischen dem Pawlowa- und dem Profumo-Skandal entbehren jeder Grundlage. Vielmehr arbeitete Edmund F. Dräcker, den in jener Zeit eine enge Freundschaft mit Fokin verband, als Ghostwriter für Anna Pawlowa an dem Werk „Tanzende Füße“. Ungeklärt ist allerdings bis zum Augenblick, warum das Werk 1928 von Pawlowa selbst als literarische Fälschung zurückgewiesen wurde.

Angebrochen von Ereignissen dieser Art, erwirkt Edmund F. Dräcker Beurlaubung für ein viersemestriges Studium an der Handelsakademie in Frankfurt. Seine Aufnahmebegehren für die Saxo-Borussen wird in jener Zeit ohne Angabe von Gründen abgelehnt, so dass er sich dem Akademischen Turnerbund als Fux anschließt, allerdings schon als Brandner wenig später wieder ausscheidet. – Während dieser Studien- und Mußezeit verfasst Edmund F. Dräcker eine kleine Arbeit, deren Veröffentlichung jedoch durch Ordinarienwillkür verhindert wird.

In den nächsten Lebensjahren vermißt der Betrachter die fast hektisch zu nennenden Aktivitäten, die den bisherigen Entwicklungsgang dieses energiegeladenen jungen Mannes bestimmten. Zwar führen ihn einige Informationsreisen in verschiedene Teile der Welt, unter anderem auch nach Südwestafrika, wo er sich besonders mit den Beziehungen zwischen Bergdamara und Orthoptera befasst. Auch fällt in diese Zeit die einzige bisher veröffentlichte Publikation einer belletristischen Arbeit Dräckers, „Mein Feld ist die Welt“. Doch der mutig entscheidende, entschlossen vorwärts strebende Edmund F. Dräcker, wie wir ihn kennengelernt haben, taucht auf dem internationalen Parkett erst wieder im Jahre 1934 auf, als er von Papst Pius XI. – aus Tarnungsgründen in Privataudienz – empfangen wird. Er versuchte, die brisanten Verhandlungen über den weiteren Transfer des Peterspfennigs, der durch die in den Devisengesetzen vom 9.6.1933 verbindlich eingeführte Exportvalutaerklärung bedroht war, zu einem Abschluss zu bringen. Über seine Bemühungen, bei denen ihm die bereits erwähnten Erfahrungen aus dem pazifischen Raum sehr von Nutzen waren, schrieb er das Standardwerk „Du Dernier de SaintPierre au ‚Scitti storici‘“. 1935 sehen wir Edmund F. Dräcker an der Spitze einer Studienkommission in Brasilien, später wird er zu Diensten gestellt. Berichte, nach denen Edmund F. Dräcker während des Aufstandes vom November 1935, der von Präsident Vargas niedergeschlagen wurde, in Rio de Janeiro das „Lied der Kaffeesackschmeißer“ öffentlich zur Laute gesungen habe und in der Folge der Hauptstadt verwiesen worden sei, lassen sich trotz ausführlicher Recherchen nicht bestätigen. Sicher ist nur, dass er im Staat Santa Cataina, Brasilien, untergetaucht und dort den Krieg überlebt. Aus dieser Zeit, in der er sich vermutlich besonders um den Aufbau des Abendgymnasium in Blumenau verdient gemacht haben dürfte, stammen folgende, später auch in Deutschland verbreitete Werke: „Anmerkung zu J. Deckes ‚Blumenau und seine Entwicklungsgeschichte, 3 Bände, 1917‘“ und „Einsetzung von Geradflüglern bei der Bekämpfung von Piranhas im Itajai“.

Wiederum nicht belegbar, aber im Bereich des Möglichen durchaus möglich, ist Edmund F. Dräckers Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936in Berlin. Er benutzte angeblich – als Hilfsmaschinist getarnt – den technischen Aufenthalt eines der zwischen Kontinent und Südamerika verkehrenden Dornierwal-Flugboote, um an den 100m-Ausscheidungskämpfen teilzunehmen. Sein mit 10,8 sec. mäßiges Abschneiden führte er – wenn man Vertrauensleuten glauben darf – auf drei Komponenten zurück:

a)      Sein Alter von damals bereits 48 Jahren;

b)      Seine Abneigung, Hitler im Falle des Sieges die Hand reichen zu müssen – und

c)      Seinen Wunsch, Hitler durch den Sieg von Jesse Owens zu einem öffentlichen Tobsuchtsanfall zu provozieren und dessen Dünkel von der Überlegenheit der germanischen Rasse im Kern zu brechen.

Exakt belegbar wird Dräckers Leben und Wirken erst wieder nach dem 8.5.1945, wo er als Mitglied des Friedensbüros in Stuttgart erscheint. Als kleine menschliche, aber liebenswerte Schwäche fällt dem Chronisten auf, dass Edmund F. Dräcker, in der amerikanisch besetzten Zone lebend, hinfort konsequent Edmund F. (für Friedemann) Dräcker zeichnet, ein Brauch, dem damals auch noch stärkere Charaktere nicht zu widerstehen vermochten.

1953 tritt Edmund F. Dräcker in den Ruhestand

Im offiziellen Bereich liegen Edmund F. Dräckers letzte Erhöhung und Beendigung seiner dienstlichen Laufbahn zeitlich eng beieinander. Ausweislich der Akten des Auswärtigen Amtes wird er am 15. Dezember 1952 eingestuft als Ministerialdirigent zur Weiteren Verwendung und am 13.1.1953 in den Ruhestand mit gesetzlichem Pensionsanspruch versetzt.

Es sei erlaubt, an dieser Stelle, da von Ruhestand die Rede ist, abzuschweifen vom besonderen (dem Dräckerschen) zum allgemeinen Ruhestand. Kardinale und Bischöfe setzen meistens ihr segensreiches Wirken über den Stichtag hinaus ohne Übergang fort, auch wenn – wie im Falle der römisch-katholischen Kirche – der Heilige Vater vergebens versucht, Grenzen zu setzen. Generale, früheren Datums pensionsfähig, beginnen oft neue Karrieren in Aufsichts- und Vorstandsgremien der einschlägigen Industrie. Normale Beamte des Bundes, der Länder und Kommunen versuchen den im Inland ersessenen Pensionsanspruch voll und lange zu genießen; ein geordneter Lebensablauf in einer durch ausgeglichenes Klima begünstigten Zone, ein geregeltes und von Aufregungen weitgehend freigehaltenes Berufsleben schaffen alle Voraussetzungen hierzu.

Wie anders die Situation der Beamten im Auswärtigen Dienst. Nach Erreichen des sogenannten Pensionsalters schleppt er sich, meist verbraucht an Leib und Seele im Dienst seines Landes, sodann noch über die Schwelle, sprich Grenzen der Heimat. Was verlangt man nicht alles im Lauf eines langen Lebens von ihm – dem deutschen Diplomaten. Oft wußte er um das „alea iacta est“ schon in der Unterprima. Vorbildlich im Benehmen und äußerem Habitus, reich an Durst nach umfassendem Wissen, gierte er der Hochschule entgegen. Über sein Studienfach hinaus – meist ius – war es ihm in frühester Jugend auferlegt, die Tiefen seines Volkes, das er einst im Ausland in Würde vertreten wollte, voll auszuloten. Kant, Goethe und Nietzsche einerseits, Beethoven, Wagner, Bach andererseits, und zum dritten Dürer, Böcklin und Padua – um nur einige Namen aus der Fülle zu nennen – beugten ihn früh unter der Last der Verantwortung. Was er unter dem Diktat der Verpflichtung zu umfassender Bildung in der Jugend an Freizügigkeit und an Möglichkeiten frohsinniger körperlicher Ertüchtigung versäumte, konnte ihm die spätere Chance, die Tennis- und Golfplätze dieser Welt zu bespielen, nicht mehr zurückgeben. Eben noch – nach kräftezehrenden, nächtelangen Studien des Arabischen voll mächtig, sah er sich schon morgen, ursprünglich auf Ostasien eingestellt, in Südamerika. Klimagrenzen, Arbeitsessen und Stehempfänge zehrten an seiner Gesundheit. So ist es zu erklären, dass der Beamte im Auswärtigen Dienst bei Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand tritt.

Edmund F. Dräcker jedoch bildet eine Ausnahme. Er – den besonderen Bedingungen des diplomatischen Dienstes ebenso und oft noch darüber hinaus ausgesetzt wie seine Mitstreiter – nahm die Pensionsgrenze zwar offiziell wahr, fühlte sich aber keineswegs im Ruhestand. Im Gegenteil mehrten sich seine Aktivitäten, die Gegenstand des nun folgenden Dokumentations-Teiles sind.

Aus dem Buch:

Beiträge zur Popularisierung Bundesdeutscher Behörden, Reihe A Das Auswärtige Amt, Band IVd, Herausragende Angehörige des Auswärtigen Dienstes.
Ministerialdirigent a.D. Dr. h.c. Edmund F. Dräcker – Leben und Werk, Wissenschaftliche Verlagsanstalt zur Pflege deutschen Sinngutes

für die Webdarstellung leicht überarbeitet von Hagen Ulrich

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Über Hagen Ulrich

Hagen Ulrich, Jahrgang 1967, lebt mit Ehemann und sieben Katzen in Bonn am Rhein. Hexen, Drachen, Vampire und andere magische Wesen sind kein Problem, wenn man sie ordentlich verwaltet. Schließlich hat in Deutschland alles seine Ordnung. Basierend auf dieser Idee, entwickelte er die Idee einer Behörde, die sich um die Belange magischer Mitbürger kümmert. So entstand das Bundesamt für magische Wesen. Hagen Ulrich kam nach dem Besuch einer Ladys Night zu Twilight zum Schreiben und veröffentlicht seine Romane im Himmelstürmer Verlag in Hamburg.

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Ein Kommentar

  1. Sehr geehrter Hr. Min.Dig. Dr. Dräcker, sehr geehrte Damen und Herren,
    anlässlich des gegenwärtig unerklärlichen Verschwinden (und der daraus folgenden Unauffindbarkeit) eines Mitgliedes des Bundestages , Frau Petra Hinze, stelle ich hiermit höflichst die Frage, ob Frau Hinze u.U. ein neues, zukünftiges und entsprechend dotiertes Wirkungsgebiet im Ministerium für Magische Wesen gesucht und gefunden hat. Selbstverständlich wird Frau Hinze diesen Posten frühestens im Jahre 2018, nach Ablauf ihrer gegenwärtige Amtsperiode, antreten. Problematisch wäre es nur wenn Frau
    Hinze als unabhängige Kandidatin ihres Wahlkreises in Essen in den Bundestag wiedergewählt werden würde. Da man nunmehr mit der Bindung der Parteien an ihren Parteiprogrammen es relativ pragmatisch hält, müsste es den Wählern völlig egal sein welche Partei Frau Hinze vertritt (ausser sich selbst natürlich. Eine Wiederwahl ist keineswegs vom Tisch zu verweisen. Sollte Frau Hinze nun doch für eine Partei eintreten wollen wäre ansonsten die FDP vermutlich durchaus in der Lage sie zu akzeptieren.
    Als Mitglied des Bundesamtes für magische Wesen wäre Frau Hinze vermutlich durchaus in der Lage beide Stellungen, sowohl als Abgeordneter des Bundestages als auch als Staatsrat bei dem Ministerium, gleichzeitig zu halten ohne physisch zu erscheinen.
    Mit freundlichen Grüßen,
    E. Krüger

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